Verkalkte Plazenta nach COVID-19-Infektion in der Schwangerschaft: Risiken und aktuelle Erkenntnisse

Eine COVID-19-Erkrankung während der Schwangerschaft kann verschiedene Auswirkungen auf das ungeborene Kind und die Plazenta haben. In den frühen Phasen der Pandemie wurde vermehrt über potenzielle Schäden diskutiert, insbesondere im Zusammenhang mit der Entwicklung einer verkalkten Plazenta. Dieser Artikel fasst aktuelle Erkenntnisse und Erfahrungen zusammen, um werdenden Müttern Klarheit und Orientierung zu bieten.

Persönliche Erfahrungen und ärztliche Einschätzungen

Eine Schwangere in der 28. Schwangerschaftswoche berichtet von einer milden COVID-19-Erkrankung mit Fieber und Erkältungssymptomen. Nach der Infektion wurde bei einer Ultraschalluntersuchung eine Beeinträchtigung der Plazenta festgestellt. Dennoch entwickelte sich das Kind zeitgerecht und schien ausreichend versorgt zu sein. Die Ärztin empfahl eine erneute Kontrolle nach dem Urlaub, was von der Schwangeren als unsicher eingeschätzt wurde.

Andere Nutzerinnen teilen ihre Erfahrungen und betonen, dass eine verkalkte Plazenta eine bekannte Erscheinung in der Schwangerschaft ist, die nicht zwangsläufig mit COVID-19 zusammenhängt. Sie raten dazu, sich nicht verrückt zu machen und den Empfehlungen der Ärztin zu folgen, da Stress sich negativ auf die Schwangerschaft auswirken kann. Einige empfehlen, bei Bedenken eine Überweisung zu einem Spezialisten mit Doppler-Ultraschall zu erwägen.

Es wird auch darauf hingewiesen, dass dunkle Flecken auf dem Ultraschall eher ein Hämatom als eine Verkalkung darstellen und sich zurückbilden können. Die direkte Kausalität zwischen COVID-19 und einer verkalkten Plazenta wird in Frage gestellt, da solche Diagnosen auch schon vor der Pandemie existierten.

Ultraschallbild einer Schwangerschaft mit Darstellung der Plazenta

Wissenschaftliche Erkenntnisse zu COVID-19 und der Plazenta

Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Coronavirus in seltenen Fällen die Plazenta passieren und das ungeborene Kind schädigen kann. Studien, insbesondere solche, die vor dem Auftreten der Omikron-Variante durchgeführt wurden, zeigten, dass Infektionen mit Prä-Omikron-Varianten wie Delta zu stärkeren Schädigungen führten. Diese äußerten sich in vaskulären Ereignissen wie Thrombosen oder Blutungen, die die Versorgung des Kindes beeinträchtigen konnten.

Schädigung der Plazenta durch SARS-CoV-2

Bei infizierten Schwangeren können entzündliche Veränderungen der Plazenta auftreten. Dies kann zu massiven Ablagerungen von Fibrin in den Blutgefäßen führen, was eine pathologische Blutgerinnung und eine Durchblutungsstörung zur Folge hat. Des Weiteren wurden Nekrosen im villösen Trophoblastgewebe und eine chronische histiozytäre Intervillositis (eine Entzündungsreaktion im Plazentagewebe) festgestellt. Diese Veränderungen können die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Kindes erheblich beeinträchtigen.

Studien haben gezeigt, dass eine COVID-19-Erkrankung während der Schwangerschaft das Risiko für Totgeburten erhöhen kann. Dies wird auf die Schädigung der Plazenta zurückgeführt, die eine ausreichende Versorgung des Kindes verhindert. Insbesondere bei Infektionen mit der Delta-Variante war dieses Risiko erhöht.

Schema der Plazenta mit Darstellung des Blutflusses zwischen Mutter und Kind

Gehirnschäden beim Fötus als seltene Komplikation

In sehr seltenen Fällen kann eine mütterliche SARS-CoV-2-Infektion im mittleren Trimester die Plazenta und das Gehirn des Fötus infizieren. Dies kann eine Kaskade von Entzündungsereignissen auslösen, die zu schweren Hirnverletzungen und fortschreitenden neurologischen Folgeerscheinungen bei Säuglingen führen können. Berichte beschreiben Fälle von Säuglingen, die mit Hirnschädigungen, einem zu kleinen Kopfumfang und Entwicklungsverzögerungen zur Welt kamen. In einem Fall wurde nach Autopsie ein SARS-CoV-2-Befall im Gehirn des Kindes festgestellt.

Es ist wichtig zu betonen, dass Hirnschäden nach einer COVID-19-Infektion der Mutter nach bisherigen Erkenntnissen sehr selten auftreten. Die Plazenta bildet eine starke Barriere, sodass nur ein geringer Prozentsatz der Föten selbst infiziert wird. Die Schädigung der Plazenta selbst ist jedoch eine nachgewiesene Komplikation.

Unterschiede zwischen Virusvarianten und Impfstatus

Die Schwere der Plazenta-Schädigungen scheint von der Virusvariante abzuhängen. Infektionen mit Prä-Omikron-Varianten wie Delta führten zu deutlich stärkeren Schädigungen als die später auftretenden Omikron-Subvarianten. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass Omikron-Unterlinien mildere Krankheitsverläufe nach sich ziehen und die Durchimpfungsrate in der Bevölkerung höher war.

Studien deuten darauf hin, dass geimpfte Schwangere möglicherweise weniger Anomalien der Plazenta aufweisen als ungeimpfte. Die Impfung kann das Risiko für schwere Verläufe und damit verbundene Komplikationen reduzieren.

Empfehlungen für Schwangere

Bei einer COVID-19-Infektion während der Schwangerschaft ist es ratsam, engmaschige ärztliche Kontrollen wahrzunehmen. Eine frühzeitige Untersuchung der Plazenta mittels pränataler bildgebender Verfahren kann helfen, mögliche Beeinträchtigungen des Fötus zu erkennen und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen.

Sich ständig Sorgen zu machen, ist in der Schwangerschaft nicht förderlich. Stress kann sich negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken. Vertrauen Sie den Empfehlungen Ihrer Ärztin und suchen Sie bei anhaltenden Bedenken den Rat eines Spezialisten.

Die medizinische Forschung zu den Auswirkungen von COVID-19 auf Schwangerschaft und Fötus entwickelt sich stetig weiter. Es ist wichtig, sich über aktuelle Erkenntnisse zu informieren, aber auch die individuelle Situation und die Einschätzung des behandelnden Arztes zu berücksichtigen.

Die Plazenta: Das übersehene Superorgan der Schwangerschaft | Sex & the Body 16

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