Die Geburt eines Kindes ist eine der intensivsten Erfahrungen im Leben einer Frau. Während dieses Prozesses kann es zu verschiedenen Geburtsverletzungen kommen, wobei der Dammriss eine der häufigsten ist. Der Damm bezeichnet das Gewebe zwischen der Vagina und dem Anus. Bei der Geburt wird dieser Bereich stark beansprucht, wenn das Baby durch den Geburtskanal geschoben wird. Der Druck kann so hoch sein, dass das Gewebe reißt. Dies tritt insbesondere dann auf, wenn die Geburt sehr schnell verläuft, das Baby groß ist oder sich sein Kopf in einer ungünstigen Position befindet. Ein Dammriss ist eine weit verbreitete Komplikation, die bei etwa der Hälfte aller natürlichen Geburten vorkommt und kein Grund zur übermäßigen Angst sein sollte.

Schweregrade von Dammrissen
Zur Einteilung von Dammrissen werden vier Schweregrade unterschieden, wobei Grad 1 die mildeste und Grad 4 die schwerste Form darstellt:
- Grad 1: Bei dieser leichten Form ist lediglich die Haut des Damms betroffen und gerissen.
- Grad 2: Hier sind neben der Haut auch die Muskeln des Damms gerissen. Der Schließmuskel ist jedoch noch intakt. Verletzungen dieses Grades erfordern in der Regel eine Naht.
- Grad 3: Bei einem Dammriss dritten Grades sind Haut, Muskeln und der äußere Schließmuskel des Damms gerissen.
- Grad 4: Dies ist die schwerste Form, bei der neben Haut, Muskeln und Schließmuskel auch die innere Auskleidung des Rektums betroffen ist.
Glücklicherweise sind Dammrisse des dritten und vierten Grades eher die Ausnahme. Grad 3 tritt nur bei etwa 1,7 Prozent und Grad 4 bei nur 0,1 Prozent aller Geburten auf. Weitaus häufiger sind Dammrisse des ersten und zweiten Grades.
Symptome und Schmerzwahrnehmung
Kleinere Dammrisse werden während der Geburt oft gar nicht bemerkt, insbesondere angesichts der starken Wehenschmerzen. Größere Risse können sich jedoch durch kurzzeitige Schmerzen und ein anschließendes Brennen bemerkbar machen. Sobald das Baby geboren ist, treten diese Beschwerden zunächst in den Hintergrund. Am zweiten oder dritten Tag nach der Geburt kehren die Schmerzen oft zurück, intensivieren sich für ein bis zwei Tage und flauen dann langsam wieder ab. Anschließend können aufgequollene Fäden ein Spannungsgefühl verursachen. Die Fäden lösen sich in der Regel nach etwa drei Wochen von selbst auf.
Versorgung und Behandlung von Dammrissen
Die Behandlung eines Dammrisses richtet sich nach seiner Schwere. Bei Verletzungen des ersten oder zweiten Grades wird die Wunde meist direkt im Kreißsaal von der behandelnden Ärztin oder dem Arzt vernäht. Die Fäden sind in der Regel selbstauflösend. Bei Dammrissen dritten und vierten Grades werden die Risse schichtweise unter Betäubung, oft im Operationssaal, genäht. In seltenen Fällen kann eine antibiotische Therapie zur Vorbeugung einer Infektion verordnet werden. Eine regelmäßige Wundkontrolle durch eine Nachsorge-Hebamme oder den Arzt ist ratsam.

Abgrenzung zu anderen Geburtsverletzungen
Neben Dammrissen können während der Geburt auch andere Verletzungen auftreten:
- Dammschnitt: Dies ist ein chirurgischer Schnitt, der vorgenommen wird, um den Geburtskanal zu erweitern und eine schnellere Geburt zu ermöglichen oder ein unkontrolliertes Reißen zu verhindern.
- Labienrisse: Hierbei handelt es sich um Risse in den Schamlippen.
- Scheidenrisse: Verletzungen der Vaginalwände.
- Verletzungen am Gebärmutterhals, Beckenbodenmuskel oder Aufhängeapparat der inneren weiblichen Geschlechtsorgane.
Während ein Dammriss ein natürlicher Riss ist, ist der Dammschnitt ein gezielter Eingriff. Dammschnitte werden heute seltener durchgeführt als früher und nur, wenn es medizinisch notwendig ist, beispielsweise bei schnellem Geburtsfortschritt oder wenn das Kind schnell entbunden werden muss. Ein Dammschnitt kann durch mehrere Gewebeschichten gehen und somit eine größere Wunde hinterlassen als ein spontaner Riss, der oft an dünneren Gewebestellen verheilt.
Risikofaktoren für einen Dammriss
Mehrere Faktoren können das Risiko für einen Dammriss erhöhen:
- Sehr schnelle Geburt: Das Gewebe hat nicht genügend Zeit, sich ausreichend zu dehnen.
- Ungünstige Kopfposition des Babys.
- Hohes Geburtsgewicht des Kindes.
- Der Kristeller-Handgriff: Eine Methode, bei der Druck auf den Bauch der Mutter ausgeübt wird, um die Geburt zu beschleunigen. Diese Methode wird heute nur noch selten angewendet, da sie das Risiko für Geburtsverletzungen erhöhen kann.
- Geburt in Rückenlage: Diese Position kann den Druck auf den Damm erhöhen.
- Starkes, unkontrolliertes Pressen.
- Weniger gutes Bindegewebe der Frau.
- Anzahl der Geburten: Bei Erstgebärenden treten Verletzungen tendenziell häufiger auf.
- Geburtsmodus: Die Notwendigkeit des Einsatzes von Saugglocke oder Zange kann das Risiko erhöhen.
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Prävention von Dammrissen
Obwohl ein Dammriss nicht immer vermeidbar ist, gibt es Maßnahmen, die das Risiko verringern können:
- Perinealmassage (Dammmassage): Regelmäßige Massagen des Damms in den Wochen vor der Geburt, etwa ab der 35. Schwangerschaftswoche, können das Gewebe dehnbarer machen. Hierfür eignen sich natürliche Öle wie Mandelöl. Die Massage sollte ein Gefühl der Dehnung hervorrufen, aber nicht schmerzhaft sein.
- Geburtspositionen: Aufrechte Positionen wie der Vierfüßlerstand, die Seitenlage oder die Geburt auf einem Gebärhocker können den Druck auf den Damm verringern.
- Langsames Pressen: Ein kontrolliertes und langsames Pressen während der Austreibungsphase ermöglicht dem Gewebe, sich allmählich zu dehnen. Hierbei kann die Hebamme durch Anleiten zum Veratmen der Wehen oder durch sanften Druck auf den kindlichen Kopf unterstützen.
- Warme Kompressen oder Öle: Diese können das Gewebe während der Geburt entspannen.
- Entspannungstechniken: Mentale Entspannung und die Reduzierung von Angst können den Geburtsverlauf positiv beeinflussen und die Wahrscheinlichkeit von Verletzungen verringern.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Forschung zur Wirksamkeit von Dammtrainern wie Epi-No und Dammmassagen zur reinen Prävention von Rissen uneinheitlich ist. Dennoch können diese Maßnahmen dazu beitragen, dass sich Frauen besser mit ihrem Körper und den Veränderungen während der Geburt auseinandersetzen.
Heilung und Nachsorge
Die Heilungsdauer eines Dammrisses hängt vom Schweregrad ab. Kleinere Verletzungen heilen oft innerhalb von 14 Tagen, während Risse zweiten Grades drei bis vier Wochen benötigen können. Bei größeren Verletzungen kann die Heilungszeit variieren.
Für eine unkomplizierte Heilung sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:
- Hygiene: Häufiges Duschen des Intimbereichs mit lauwarmem Wasser und das Wechseln von Vorlagen helfen, Infektionen zu vermeiden. Die Wunde sollte nach jedem Toilettengang vorsichtig getrocknet werden.
- Schonung: Vermeiden Sie langes Sitzen, Stehen oder Gehen, da dies den Druck auf die Wunde erhöhen kann. Ruhen Sie sich ausreichend aus.
- Kühlung: Kühlende Gel-Pads oder im Kühlschrank gelagerte Binden können Schwellungen und Schmerzen lindern.
- Sitzbäder: Sitzbäder mit Zusätzen wie Ringelblumenblüten (Calendula), Eichenrinde oder Schwarztee können die Wundheilung unterstützen.
- Stuhlregulierung: Eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeit helfen, Verstopfung und damit schmerzhaftes Pressen zu vermeiden. Gegebenenfalls können stuhlauflockernde Mittel nach ärztlicher Absprache eingesetzt werden.
- Schmerzlinderung: Bei Bedarf können schmerzlindernde Medikamente, die stillverträglich sind, nach Rücksprache mit dem Arzt oder der Hebamme eingenommen werden.
Bei Schmerzen, insbesondere beim Stuhlgang, oder wenn die Wundheilung verzögert ist, ist es wichtig, dies mit der Nachsorge-Hebamme oder dem Arzt zu besprechen. In einigen Fällen kann eine Narbenmassage oder die Anwendung von Östrogencreme (nach ärztlicher Absprache und Prüfung der Stillverträglichkeit) hilfreich sein, um das Narbengewebe geschmeidiger zu machen.

Es ist wichtig, sich nicht selbst für einen Dammriss verantwortlich zu machen. Es handelt sich um eine natürliche Komplikation, auf deren Verlauf nur begrenzten Einfluss besteht. Die Erholung nach der Geburt erfordert Geduld und Selbstfürsorge. Die meisten Geburtsverletzungen heilen komplikationslos und ohne langfristige Probleme ab.