Muttermilch ist unbestritten das Beste für Ihr Kind. Selbst große Hersteller von Muttermilch-Ersatznahrung werben damit, wenn auch aus anderen Gründen. Muttermilch liefert nicht nur essenzielle Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Fette und Eiweiß, sondern auch lebenswichtige Abwehrstoffe, Immunglobuline und nützliche Bakterien. Diese sind entscheidend für die umfassende körperliche, seelische und geistige Entwicklung eines Kindes.

Die Entscheidung für oder gegen das Stillen
Die Frage, ob Sie stillen möchten oder nicht, sollte idealerweise bereits während der Schwangerschaft bedacht werden. Es gibt hierbei nur die Entscheidung "Ja" oder "Nein", da ein "wenig Stillen" den Körper auf Dauer stark beansprucht und für Mutter und Kind anstrengender ist als eine klare Entscheidung.
Hormonelle Veränderungen und Milchbildung
Mit Beginn der Schwangerschaft und den damit verbundenen hormonellen Umstellungen beginnt der weibliche Körper mit der Produktion des Hormons Prolaktin, welches für die Milchbildung verantwortlich ist. Daher kann es vorkommen, dass bereits während der Schwangerschaft kleine Mengen Milch aus der Brust austreten. Dies ist ein positives Zeichen dafür, dass der Körper optimal funktioniert. Der Prolaktinspiegel ist in der Schwangerschaft noch relativ niedrig und wird erst nach der ersten Anlebung des Neugeborenen an die mütterliche Brust, idealerweise innerhalb der ersten zwei Stunden nach der Geburt, richtig aktiv.
Der Milcheinschuss
Etwa zwei bis vier Tage nach der Geburt wird die Milchproduktion richtig angeregt, und Sie können mit dem sogenannten Milcheinschuss rechnen. Nach einem Kaiserschnitt kann dieser Prozess auch erst nach etwa fünf Tagen einsetzen. Der Milcheinschuss äußert sich oft durch eine pralle, warme, manchmal gerötete und leicht schmerzende Brust. Diese Symptome können 24 bis 36 Stunden anhalten, bis sich die Brust an den veränderten Füllungszustand gewöhnt hat. In dieser kritischen Phase ist es äußerst wichtig, das Kind regelmäßig anzulegen. Dies entlastet die Brust und ermöglicht dem Baby, die wertvolle Muttermilch zu genießen und von Anfang an davon zu profitieren.

Kolostrum - Die erste Nahrung
In den Tagen vor dem eigentlichen Milcheinschuss ist es immens wichtig, das Kind regelmäßig in verschiedenen Stillpositionen anzulegen. Hierbei erhält das Baby das sehr wertvolle Kolostrum, auch Vormilch genannt. Obwohl es nicht sehr sättigend ist, ist Kolostrum außerordentlich reich an Abwehrstoffen. Da das Baby bereits im Mutterleib gut versorgt wurde, kann es problemlos 48 bis 72 Stunden ohne zusätzliche Nahrung auskommen. Ein Gewichtsverlust von bis zu 10 % des Geburtsgewichts ist nach der Geburt normal.
Unterstützung durch Fachpersonal
In den ersten Tagen nach der Geburt ist es ratsam, sich Unterstützung von Hebammen und Krankenschwestern auf der Wochenstation zu holen. Sie sind speziell dafür ausgebildet, Ihnen und Ihrem Kind den Start ins Stillleben zu erleichtern. Wenn Sie wieder zu Hause sind, steht Ihnen Ihre persönliche Hebamme als Ansprechpartnerin für alle Fragen rund ums Stillen zur Verfügung. Es empfiehlt sich, bereits gegen Ende der Schwangerschaft einen Termin für ein Stillgespräch mit Ihrer Hebamme zu vereinbaren, um optimal auf die ersten Tage und mögliche Herausforderungen vorbereitet zu sein.
Empfehlungen zur Stilldauer
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine ausschließliche Stillzeit von sechs Monaten. Stillen ist jedoch weit mehr als nur Nahrungsaufnahme; es ist auch ein Akt der körperlichen Nähe und Liebe, der von beiden Seiten genossen werden sollte. Selbst wenn der Anfang etwas holprig verläuft, ist es wichtig, sich nicht von unterschiedlich ausgeprägten Brustgrößen oder Brustwarzenformen verunsichern zu lassen. Für fast alle Eigenarten gibt es Hilfsmittel wie Stillhütchen, deren Anwendung Sie mit Ihrer Hebamme oder dem Klinikpersonal besprechen können.
Die Vorteile des Stillens
Stillen ist praktisch, kostengünstig und fördert die Gesundheit. Muttermilch ist jederzeit verfügbar, hygienisch einwandfrei und hat immer die optimale Temperatur. Sie enthält Abwehrstoffe, die das Kind vor Krankheiten schützen. Experten empfehlen, Kinder mindestens vier bis sechs Monate voll zu stillen. Eine positive Einstellung, fachkundige Hilfe und Vertrauen in den eigenen Körper sind dabei entscheidend. Hebammen und Stillberaterinnen unterstützen nach der Entbindung und zu Hause mit Tipps zu Anlegetechniken, Stillpositionen und bei auftretenden Problemen.
Muttermilch ist optimal auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt. Schutzstoffe beugen Magen-Darm-Infektionen, Atemwegserkrankungen und Allergien vor. Babys, die an der Brust saugen, müssen sich mehr anstrengen als beim Trinken aus der Flasche. Sie hören eher auf, wenn sie satt sind, und werden seltener übergewichtig. Stillen fördert zudem die Entwicklung des Kiefers, der Muskulatur und der Sprachentwicklung des Kindes. Bei stillenden Müttern bildet sich die Gebärmutter nach der Geburt schneller zurück, was zu geringeren Blutverlusten führt. Der Energiebedarf der Mutter ist durch das Stillen erhöht, was zur Rückgewinnung der schlanken Linie beitragen kann.

Ernährung der Mutter und weitere Tipps
Für eine gesunde Ernährung der Mutter während der Stillzeit bietet die Broschüre "Babykost und -pflege" der Verbraucher Initiative e. V. wertvolle Empfehlungen. Wer selbst Beikost zubereitet, kann zudem Geld sparen. Eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung der Mutter ist essenziell für die Zusammensetzung der Muttermilch. Jod kann sinnvoll sein. Es ist wichtig, dass die Mutter sich während der Schwangerschaft und Stillzeit gesund ernährt und auf den Konsum von Alkohol und Nikotin verzichtet, da diese Stoffe in die Muttermilch übergehen können.
Generell benötigt die Mutter selbstverständlich mehr Flüssigkeit. Wenn die Muttermilch innerhalb von drei Tagen verbraucht werden soll, kann sie im Kühlschrank gelagert werden. Hierfür wird sie in eine saubere, ausgekochte Flasche gepumpt, verschlossen und gekühlt. Zum Verfüttern sollte die Muttermilch möglichst langsam erwärmt werden.
Stillen als intimer Moment
Die Zeit nach der Geburt ist aufregend und herausfordernd. Mutter und Kind brauchen Zeit, um sich aufeinander einzustellen. Vertrauen Sie auf Ihr Kind, denn es weiß instinktiv, was es braucht. Wenn es Hunger hat, meldet es sich und trinkt so lange, bis es satt ist. Die Häufigkeit des nassen Windelwechsels (mindestens fünfmal täglich) ist ein guter Indikator für ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Bei Unsicherheiten ist ein Besuch beim Kinderarzt ratsam.
Suchen Sie sich zum Stillen einen ruhigen Ort. Verschiedene Stillpositionen, wie die Seitenlage oder das Anlegen des Kindes auf einem Kissen, können hilfreich sein. Anfangs mögen Stillversuche schwierig erscheinen, doch mit Geduld und Übung werden Mutter und Kind ein eingespieltes Team. Das Stillen ist ein natürlicher Vorgang, der mit der Zeit immer leichter fällt.
Das Stillen fördert nicht nur die körperliche Entwicklung des Kindes, sondern auch die emotionale Bindung durch Wärme und Zärtlichkeit. Auch für die Mütter ist das Stillen gesundheitsfördernd und kann zur Rückbildung der Gebärmutter beitragen.
Abpumpen von Muttermilch
Das Abpumpen von Muttermilch kann aus verschiedenen Gründen sinnvoll sein, beispielsweise wenn die Mutter arbeiten geht oder das Kind nicht selbst an die Brust angelegt werden kann. Muttermilch kann auch vom Vater oder einer anderen Bezugsperson verfüttert werden. Wie das Stillen erfordert auch das Abpumpen Geduld und Gelassenheit. Wenn die Milch nicht sofort fließt, ist eine kleine Pause hilfreich. Das Ausstreichen überflüssiger Muttermilch unter der warmen Dusche kann Linderung verschaffen. Es ist ratsam, nicht zu viel Muttermilch abzupumpen, um die Milchproduktion nicht unnötig zu stimulieren.
Babys richtig stillen und anlegen: Schritt für Schritt erklärt von Hebamme Laura (Stillpositionen)
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