Künstliche Befruchtung: Folgen und Erfahrungen

Anna Adamyan, eine 29-jährige Model- und Influencerin, berichtet offen über ihre Endometriose-Erkrankung und ihren langen Weg zum Wunschkind, unter anderem auf Instagram. In einem Interview teilt sie ihre Erfahrungen als Mutter, den Druck der Öffentlichkeit und die Lektionen, die sie von ihrem zweijährigen Sohn gelernt hat.

Der offene Umgang mit Kinderwunsch und künstlicher Befruchtung

Anna Adamyan erklärt, dass sie ihren Weg zum Wunschkind öffentlich gemacht hat, weil viele Frauen nicht über diesen intimen und schmerzbelasteten Prozess sprechen. Sie möchte diesen Gefühlen mehr Raum geben und anderen Frauen zeigen, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein sind. Die Offenheit anderer Accounts im Kinderwunschbereich hat ihr selbst geholfen, und sie möchte diese Unterstützung nun weitergeben.

Elf künstliche Befruchtungen und zwei Fehlgeburten

Anna Adamyan hat elf künstliche Befruchtungen hinter sich und zwei Fehlgeburten erlebt. Sie berichtet von abwertenden Kommentaren und Ratschlägen, die sie und andere Frauen in Kinderwunschbehandlungen erhalten. Dazu gehören Aussagen wie „Wenn die Natur das nicht will, musst du es akzeptieren“ oder „Dann adoptiert doch einfach!“. Diese Reaktionen verdeutlichen eine oft falsche Vorstellung von Kinderwunschbehandlungen, die suggerieren, dass eine Schwangerschaft nach einer einfachen Behandlung garantiert ist, und ignorieren das damit verbundene psychische Leid.

Anna Adamyan im Gespräch

Umgang mit öffentlichem Druck und Ratschlägen

Der öffentliche Blick auf ihre Kinderwunschreise war für Anna Adamyan herausfordernd. Sie fühlte sich durch gut gemeinte, aber oft unpassende Ratschläge persönlich angegriffen, da sie das Gefühl hatte, dass die Menschen nicht vollständig erkannten, wie viel sie auf sich nahm, um ein Kind zu bekommen. Beleidigungen ließen sie eher kalt, aber Ratschläge trafen sie tiefer.

Der Shitstorm nach der Geburt

Nach der Geburt ihres Sohnes sah sich Anna Adamyan einem erheblichen Shitstorm ausgesetzt, der sie stark beeinträchtigte. Sie zog sich zunächst zurück und überdachte ihre Online-Präsenz sehr sorgfältig. Ursprünglich hatte sie die traumatische Geburt ihres Sohnes erwähnt, aber betont, nicht weiter ins Detail gehen zu wollen. Dieser Schritt, zusammen mit der Tatsache, dass Medien die Geburt und den Namen ihres Sohnes ohne ihre Zustimmung veröffentlichten, verärgerte einige Follower. Sie fühlten sich vor den Kopf gestoßen, da sie Anna auf ihrem Weg zum Wunschkind begleitet hatten und nun nicht vollständig daran teilhaben konnten. Anna litt zu dieser Zeit unter den Nachwirkungen der Geburt und konnte sich nicht sofort melden, um dies zu erklären.

Schwierigkeiten in der Mutterrolle und der Umgang mit Erschöpfung

Anna Adamyan offenbart, dass die Mutterrolle für sie ein größeres Tabu darstellte als die Themen Kinderwunsch und Endometriose. Sie traute sich beispielsweise nicht, offen über die Schlafprobleme ihres Sohnes zu sprechen, der fast jede halbe Stunde aufwachte und gestillt werden musste. Stattdessen sah sie sich mit Kommentaren konfrontiert, sie sei undankbar und solle sich nicht beschweren, da sie endlich ein Kind habe. Diese Reaktionen machten sie reizbarer und dünnhäutiger. Sie betont, dass Dankbarkeit für ihr Kind und die Erschöpfung durch Schlafmangel zwei verschiedene Dinge sind und dass es ihr Recht ist, trotz aller Freude erschöpft zu sein.

Eine Mutter mit ihrem Baby

Veränderte Sicht auf die Mutterschaft und neu gewonnene Gelassenheit

Anna Adamyan hatte sich ihre Mutterrolle anders vorgestellt und dachte, sie würde entspannter sein und schneller wieder gesellschaftliche Aktivitäten aufnehmen können. Sie musste jedoch feststellen, dass sie schlechter loslassen kann, als sie dachte. Mittlerweile hat sie einen besseren Umgang mit ihrer Community gefunden und teilt nur noch das, womit sie sich wohlfühlt und was ihre psychische Verfassung zulässt. Sie ist wieder entspannter, teilt aber nicht alles, um sich vor negativen Einflüssen zu schützen.

Der Weg zum Kind: Erfahrungen von Marie Butterwegge

Marie Butterwegge, 33 Jahre alt, schildert ihren eigenen herausfordernden Weg zum Wunschkind. Sie und ihr Mann heirateten vor vier Jahren und kauften ein Haus mit Platz für zwei Kinderzimmer. Die Kinderwunschbehandlung begann mit regelmäßigem Sex zum Eisprung, der jedoch mit jedem Monat leidenschaftsloser wurde. Nach zwei Jahren stellten sie fest, dass der Schwangerschaftstest trotz aller Bemühungen negativ blieb. Marie hat in dieser Zeit knapp 20 Kilogramm abgenommen.

Familiendruck und gesellschaftliche Erwartungen

Besonders belastend für Marie Butterwegge sind Familienfeiern, bei denen sie oft gefragt wird, ob sie schwanger sei. Sie wünscht sich, offen sagen zu können, dass ihre Eileiter verschlossen sind und die Spermien ihres Mannes keine Spermien enthalten, doch dies würde nicht zur fröhlichen Stimmung passen. Viele Menschen denken, sie sei eine Karrierefrau, die keine Kinder will.

Die finanzielle und emotionale Belastung der Kinderwunschbehandlung

Marie Butterwegge und ihr Mann befinden sich tief im Sog der Reproduktionsmedizin, wobei Nichterfolge sie dazu anspornen, weiterzumachen. Aufgeben kommt für sie nicht infrage. Seit 2015 hangeln sie sich von Untersuchung zu Untersuchung. Die Kosten belasten sie ebenso stark wie die ausbleibenden Erfolge. Ihre Krankenkasse übernimmt keine Behandlungen mit Fremdsperma. Um sich eine weitere künstliche Befruchtung leisten zu können, erwogen sie, ihr Auto zu verkaufen oder eine Hypothek auf ihr Haus aufzunehmen. Die Gesamtkosten für die Behandlungen summieren sich auf rund 20.000 Euro, was ihnen ermöglicht, diese von der Steuer abzusetzen. Marie macht sich Sorgen, am Ende nichts mehr zu haben, auch kein Kind.

Symbolbild einer Kinderwunschklinik

Statistiken und Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin

Die Reproduktionsmedizin in Deutschland verzeichnet steigende Zahlen. Im Jahr 2016 gab es insgesamt 103.981 Kinderwunschbehandlungen, ein neuer Rekord. Jan-Steffen Krüssel, Herausgeber des Jahrbuchs des Deutschen IVF-Registers, sieht die steigende Beliebtheit künstlicher Befruchtungsmethoden kritisch und weist darauf hin, dass moderne Paare zu spät mit der Fortpflanzung beginnen.

Ungewollte Kinderlosigkeit in Deutschland

Etwa jedes siebte Paar in Deutschland ist ungewollt kinderlos. Laut einer Befragung für das Bundesfamilienministerium sind über eine Million Paare im Alter von 20 bis 50 Jahren ungewollt kinderlos. Die "Ehe für alle" könnte die Nachfrage nach "Kindern für alle" weiter steigern, was zu überfüllten Kinderwunschpraxen führt.

Künstliche Befruchtung: Erfolgsquoten und Realitäten

Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Schwangerschaft nach einem künstlichen Befruchtungsversuch ist in den letzten Jahren auf 19,3 Prozent gestiegen. Statistisch gesehen haben Ärzte bei der Behandlung von Frauen eine bessere Erfolgsquote als die Natur. Allerdings bedeutet dies auch, dass 80 Prozent der Frauen nach der Behandlung ohne Baby nach Hause gehen. Dies führt zu einem Kreislauf, aus dem viele Paare nicht mehr herausfinden, selbst wenn ihre finanziellen und körperlichen Reserven aufgebraucht sind.

Grafik zur Entwicklung der Kinderwunschbehandlungen

Die ICSI-Methode und ihre Herausforderungen

Die ICSI-Methode (Intrazytoplasmatische Spermien-Injektion) ist ein Verfahren der künstlichen Befruchtung, bei dem ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle injiziert wird. Nach der Befruchtung wird der Embryo in die Gebärmutter der Frau übertragen. Marie Butterwegge und Katrin Heuberger haben jeweils drei ICSI-Behandlungen hinter sich.

Besondere Diagnosen und Kosten

Katrin Heuberger stellte durch Internetrecherchen schnell fest, dass die Spermien ihres Mannes die Ursache für ihre Kinderlosigkeit waren. Sie investierte jedoch in zusätzliche, von zweifelhaften Ratgebern empfohlene Untersuchungen wie Killerzellen-Tests, Diabetestests und Gebärmutterspiegelungen, die sie aus eigener Tasche zahlte. Bei der dritten künstlichen Befruchtung, der letzten mit Krankenkassenunterstützung, wurde sie schwanger. Dennoch begleitete sie die Angst vor einer Fehlgeburt, die bei künstlichen Befruchtungen häufiger vorkommen kann.

Finanzielle Belastung durch zusätzliche Behandlungen

Die Kosten für eine ICSI-Behandlung können erheblich sein. Zusätzlich fallen Kosten für Narkose, Spendersamen, Reifung der Eizellen über mehrere Tage, "Assisted Hatching" (eine Schlüpfhilfe für Embryonen) und "Scratching" (ein Eingriff zur besseren Einnistung des Embryos) an. Auch Kinderwunschakupunktur und reimportierte Medikamente können die Gesamtkosten pro Versuch auf rund 6000 Euro treiben. Der Markt für Kinderwunschbehandlungen generiert Millionenumsätze für Kliniken und Pharmaunternehmen.

Kritik an der Reproduktionsmedizin und dem Markt der Hoffnung

Heribert Kentenich, Reproduktionsmediziner, räumt ein, dass in Deutschland oft die medizinisch profitabelsten Behandlungen angeboten werden, insbesondere die ICSI-Methode. Der Anteil tatsächlich infertiler Patienten liegt bei höchstens zehn Prozent; bei den anderen liegt eine Subfertilität vor. Kentenich verteidigt sich gegen den Vorwurf der reinen Geldmacherei, gibt aber zu, dass die Chancen auf eine Geburt oft überschätzt und die Belastungen unterschätzt werden.

Der Markt der Möglichkeiten und unrealistische Versprechen

Neben Ärzten, Pharmaunternehmen und Kliniken im Ausland verdienen auch andere Akteure am Geschäft mit der Hoffnung. Dazu gehören Anbieter von Traumfängern, ayurvedischen Kräutermischungen, Hormonyoga und Kinderwunschmassagen, die versprechen, "negative Energien" zu leiten und Wundern der Natur den Weg zu bereiten. Wolfgang Würfel, ein Kinderwunschmediziner, kritisiert Werbemaßnahmen wie "Wollen Sie für immer alleine bleiben?" und betont, dass es nicht die Aufgabe der Medizin sei, Behandlungsbedarf zu generieren.

Fertilitätsbehandlungen als Lifestyle-Medizin?

Es gibt Tendenzen, Fertilitätsbehandlungen zu einer Lifestyle-Medizin zu machen. Junge Paare fordern nach wenigen Zeugungsversuchen umfassende Diagnostik und wünschen sich ein gesundes Kind. Da Frauen immer später Kinder bekommen und die weibliche Fertilität ab 30 Jahren sinkt, entsteht Eile bei der Babyproduktion.

Der Wandel der Wahrnehmung von künstlicher Befruchtung

Vor etwa 30 Jahren galt die In-vitro-Fertilisation als technisches Wunder und löste Ängste vor "Retortenbabys" aus. Mittlerweile ist die Skepsis verschwunden, und Ärzte sind zur ersten Anlaufstelle geworden. Die Nachfrage von Frauen über 40 hat stark zugenommen. Wolfgang Würfel lehnt Behandlungen für Frauen über 43 Jahren ab, da die Erfolgsraten in diesem Alter rapide sinken.

Content-Creatorin @anajohnson über ihre Endometriose und künstliche Befruchtung | Kölner Treff | WDR

Die Herausforderung des späten Kinderwunsches

Späte Schwangerschaften, wie die von Caroline Beil mit 50 Jahren, werden von manchen als "verletzender Schlag für alle Frauen, die nicht gekrönt wurden in ihren Bemühungen um das ersehnte Wunschkind" empfunden.

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