Kleine Lackschäden, wie sie durch Kratzer oder Steinschläge im täglichen Straßenverkehr entstehen, werden oft vernachlässigt. Dies kann jedoch teure Folgen haben, da eindringende Feuchtigkeit zur Rostbildung führen kann und einen Besuch bei der Lackiererei unumgänglich macht.
Wenn sich bereits Rost oder Lackblasen gebildet haben, ist eine Behandlung vor dem Lackauftrag unerlässlich. Loser Rost und Lackblasen sollten beispielsweise mit Schleifpapier entfernt werden. Anschließend wird ein Rostumwandler aufgetragen und muss etwa 24 Stunden einwirken. Auf die von Rost befreiten oder mit Rostumwandler behandelten Stellen sollte idealerweise eine Grundierung aufgetragen werden, bevor der eigentliche Lack aufgetragen wird. Dies gilt insbesondere für blanke Stellen, die durch Lackabplatzungen entstanden sind.

Der Lackstift als Lösung für kleine Schäden
Ein unschöner Kratzer oder eine Schramme im Autolack ist ärgerlich und mindert das Aussehen des Fahrzeugs. Eine professionelle Lackreparatur kann teuer sein und sich nicht immer lohnen. Eine kostengünstigere und einfachere Alternative ist die Verwendung eines Lackstifts für das Auto.
Ein Lackstift besteht aus einem Farbstift, der die exakte Farbe des Autolacks enthält, sowie aus einem Klarlackstift, der dazu dient, die reparierte Stelle zu versiegeln und vor weiteren Schäden zu schützen. Die Anwendung eines Lackstifts ist einfach und erfordert keine besonderen Kenntnisse.

Vorbereitung der Schadstelle
Bevor Sie mit der Anwendung des Lackstifts beginnen, muss die zu reparierende Stelle gründlich gereinigt und entfettet werden. Fett oder Schmutz verhindern, dass der Lack später richtig haftet. Man kann die betroffene Stelle auch mit einem sehr feinen Schleifpapier leicht anrauen, hierbei ist jedoch Vorsicht geboten, um nicht zu viel abzuschleifen. Die Schleifreste sollten anschließend mit einem feinen Tuch entfernt werden.
Umgang mit Rost
Wenn sich auf der beschädigten Stelle Rost gebildet hat, muss dieser unbedingt entfernt werden, da der Lack sonst nicht hält. Rost kann mit einem feinen Schleifpapier entfernt werden. Optimal ist es, die Stelle anschließend mit einem Rostumwandler zu behandeln, um eine weitere Ausbreitung des Rostes zu stoppen.
Wenn bei der beschädigten Stelle auch die Grundierung zerstört wurde, kann die Stelle vor dem Lackauftrag grundiert werden. Dies ist jedoch kein Muss und die Reparatur funktioniert auch ohne Grundierung.
Anwendung des Lackstifts Schritt für Schritt
Die Anwendung eines Lackstifts ist eine praktische Möglichkeit, kleine Schäden am Autolack zu reparieren und die Ästhetik des Fahrzeugs wiederherzustellen.
Schritt 1: Basislack auftragen
Vor der Anwendung muss der Farbstift ca. 2 Minuten kräftig geschüttelt werden, um sicherzustellen, dass der Lack gleichmäßig gemischt ist. Es ist wichtig, die beschädigte Stelle nicht direkt mit dem Lackstift anzumalen, um zu viel Farbe aufzutragen. Stattdessen empfiehlt es sich, einen sehr feinen Pinsel oder einen Lacktupfer zu verwenden. Durch das Tupfen wird der Lack gezielter verteilt und das Endergebnis ist meist besser. Wenn eine größere Stelle des Lacks abgeplatzt ist, kann auch direkt ein Pinsel verwendet werden. Nach dem Auftragen des Autolacks sollte der Lack etwa eine halbe Stunde trocknen lassen. Die Trocknungszeit kann mit einem Föhn beschleunigt werden. Nach dem Trocknen kann bei Bedarf überschüssiger Lack mit einem sehr feinen Schleifpapier glatt geschliffen werden.
Bei der Anwendung wird der Lack neben der Stelle aufgetragen und mit dem Pinsel verteilt, um die Kratzer oder Schrammen zu füllen. Es ist ratsam, eine dünne Schicht aufzutragen, um ein ungleichmäßiges Aussehen des Lacks zu vermeiden.

Schritt 2: Klarlack auftragen
Im dritten Schritt wird der Klarlack auf die lackierte Stelle aufgetragen. Der Vorgang unterscheidet sich nicht vom Auftragen des Basislacks und kann genauso durchgeführt werden. Auch hier kann später bei Bedarf noch einmal drüber geschliffen werden.
Der Klarlack dient als Versiegelung und schützt den darunterliegenden Autolack. Zwingend notwendig ist er nicht, dennoch ist er vorteilhaft und sollte angewendet werden. Nach dem Auftrag des Basislacks (ca. 15-20 Minuten bei 20-25°C) wird anschließend mit Klarlack versiegelt. Unser Klarlack als Reparaturlack ist dickflüssig und in der Regel reicht nur eine Schicht, was auch für die Basislacke gilt. Die Trocknungszeit beim Klarlack beträgt ca. 20 Minuten. Die Zwischenschicht-Verdunstungszeit beträgt je nach aufgetragener Schichtstärke ca. 10 Minuten.
Bei Effektfarben (Metallic-, Perl-, Perlmutt- und Xirallicfarben) wird nach etwa 20 Minuten Trocknungszeit des Basislacks der Klarlack aufgetragen. Man spricht hierbei vom Zweischichtlackverfahren.
Schritt 3: Polieren (optional)
Im vierten und letzten Schritt kann die lackierte Stelle noch poliert werden. Dies ist jedoch nicht zwingend erforderlich, verbessert aber das Erscheinungsbild. Man kann dies mit einer Mini-Poliermaschine machen.
Sobald der Lack vollständig getrocknet ist, kann die behandelte Stelle vorsichtig poliert werden, um sie an den restlichen Lack anzupassen. Eine Politur wirkt wie feines Schleifpapier abrasiv und trägt etwas Lack ab, was den aufgetragenen Lack etwas an die Form des Metalls angleicht.

Wichtige Hinweise zur Anwendung
Für ein schönes Ergebnis ist die richtige Anwendung mit Lackstift und Klarlack wichtig. Die betroffene Stelle wird zunächst feucht gereinigt und getrocknet. Anschließend wird der Autolack aufgetragen, gefolgt vom Klarlack. Die getrocknete Stelle kann optional poliert werden.
Für die Reinigung und Entfettung der betroffenen Stelle kann beispielsweise Bremsenreiniger verwendet werden. Bei der Verwendung von Silikonentferner sollte man sich selbst schützen und für ausreichende Belüftung sorgen.
Der Basislack mit den Farbpigmenten muss zuerst kräftig geschüttelt werden. Anschließend wird der Inhalt vorsichtig mit einem Pinsel aufgetragen. Es ist eine feine Präzisionsarbeit, und es kann vorkommen, dass ein großer Tropfen vom Pinsel herunterläuft, der dann weggewischt werden muss. Am besten funktioniert es, wenn möglichst wenig Basislack/Klarlack aufgetragen wird.
Beim Auftragen des Klarlacks wird dieser zunächst geschüttelt und dann eine Schicht über die Stellen gelegt, an denen der Basislack aufgetragen wurde. Der Klarlack wird nach ca. 40 Minuten aufgetragen.
Trocknungszeiten
Die Trocknungszeit beim Lackstift beträgt zwischen 20 und 30 Minuten. Wenn die betroffene Stelle vorher mit einem Föhn erhitzt wird, trocknet der Lack schneller. Der Klarlack braucht deutlich länger, um vollständig auszuhärten.
Die Trocknungszeit beim Klarlack kann je nach Umgebungstemperatur mehrere Stunden dauern. Das Fahrzeug sollte in dieser Zeit bestenfalls trocken stehen bleiben.
Wann ist ein Lackstift geeignet?
Ein Lackstift ist nicht für jeden Kratzer im Autolack geeignet. Seine Stärke liegt bei kleinen, klar begrenzten Schäden:
- Kleine Steinschläge
- Punktuelle Lackabplatzer
- Schmale Kratzer bis zur Farbschicht
- Kanten- und Türgriffschäden
Nicht geeignet ist ein Lackstift für:
- Tiefe Kratzer oder große Schrammen
- Flächige Lackbeschädigungen
- Schäden mit Verformung des Blechs
Sind die Schäden nicht mit einem Lackstift reparierbar, sind sie meistens auch zu tief zum Wegpolieren.
Den richtigen Lackstift auswählen
Der wichtigste Faktor für ein gutes Ergebnis ist der exakte Farbton. Der Farbcode des Fahrzeugs ist entscheidend. Diesen findet man je nach Hersteller an verschiedenen Orten im Auto:
- Auf einem Typenschild oder Aufkleber im Motorraum
- Auf einem Schild im Kofferraum oder in der Ersatzradmulde
- An der B-Säule
- Im Serviceheft oder Bordbuch
Der Code ist in der Regel drei- bis vierstellig und beinhaltet neben Zahlen oft auch Buchstaben. Bei VW steht z.B. „L57H“ für „Ozeanicblau“, bei Mercedes steht „9984“ für „Arrowsilber“, bei Toyota verbirgt sich hinter „070“ der Farbton „White Crystal Shine“.
Schon kleinste Farbabweichungen sind sichtbar. Daher sollten Lackstifte immer nach dem offiziellen Hersteller-Lackcode gekauft werden. Für einige wenige Fahrzeuge sind auch sogenannte Universal-Lackstifte eine gute Alternative, oft handelt es sich hierbei um einfache Weiß- oder Schwarztöne.
Unterschiede bei Lackierungen: 1-Schicht-, 2-Schicht- und 3-Schichtlack
Die Begriffe 1-Schichtlack, 2-Schichtlack und 3-Schichtlack beziehen sich auf verschiedene Arten von Lackierungsverfahren in der Automobilindustrie:
- 1-Schichtlack: Eine einfache Lackierung mit nur einer Farbschicht. Häufig bei Unilacken oder älteren Fahrzeugen verwendet.
- 2-Schichtlack: Besteht aus einer Farbschicht (Basislack) und einer Klarlackschicht. Der Basislack verleiht die Farbe, der Klarlack schützt vor Umwelteinflüssen.
- 3-Schichtlack: Fügt dem 2-Schicht-System eine zusätzliche Basislackschicht hinzu, die spezielle Pigmente für zusätzliche Farbtiefe und Effekte (metallisch, perlmuttartig) enthält.
Bei Unilacken handelt es sich um Einschichtlacke, die mit nur einer Schicht aufgetragen werden. Sie können auch als Basislacke gemischt und mit Klarlack überlackiert werden. Klarlacke sind wichtig für Verarbeitung, Verlauf, Glanz und Schutz.
Bei Effektfarben (Metallic, Perleffekt etc.) werden zwei oder drei Schichten lackiert. Diese sind Basislacke, die nach etwa 20 Minuten Trocknungszeit mit Klarlack überlackiert werden.
Zusammenfassung der Vorteile eines Lackstifts
Ein Lackstift ist eine schnelle, günstige und einfach anzuwendende Lösung für kleine Lackschäden. Er hilft, das darunterliegende Material vor Korrosion zu schützen und die Optik des Fahrzeugs zu verbessern. Kratzer, Steinschlagschäden und Rost mindern den Wert des Autos und sehen unschön aus. Kleinere Lackschäden können mit einem Lackstift ausgebessert werden, ohne dass eine Werkstatt aufgesucht werden muss.