Pädagogik für Kleinkinder: Grundlagen und Bedeutung

Kinder sind unsere Zukunft - so lautet eine weit verbreitete Einsicht. Was daraus folgt, bleibt zunächst unklar. Stimmt der alte Spruch "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr"? Und ist es wirklich wahr, dass die ersten Lebensjahre prägend sind? Wenn ja, dann müssen wir alle gemeinsam Sorge dafür tragen, dass gerade Säuglinge und Kleinkinder optimale Rahmenbedingungen für ihre Entwicklung vorfinden. Worin aber würden solche Rahmenbedingungen bestehen? Welche Maßnahmen müssten wir treffen? Oder gibt es derzeit keinen Bedarf, etwas an den bestehenden Verhältnissen zu ändern? Um diese Fragen qualifiziert beantworten zu können, benötigt man Wissen darüber, was Kinder mit auf die Welt bringen, welche zentralen Bedürfnisse sie haben und wie sie Erfahrungen verarbeiten. Nachfolgend werden auf diese Punkte eingegangen und dabei Erkenntnisse von Wirtschaftswissenschaftlern, Hirnforschern und Entwicklungspsychologen einbezogen.

Grafische Darstellung der kindlichen Entwicklung von Geburt bis zum Kleinkindalter

Die Bedeutung früher Investitionen in die Kindesentwicklung

Zur Klärung der Frage, wie sich Investitionen in die frühe Kindheit auswirken, bedarf es umfangreicher Längsschnittstudien, die prüfen, wie sich verschiedene Umweltbedingungen langfristig auf den Lebensweg von Kindern unterschiedlicher Herkunft auswirken. Wegen des enormen Forschungsaufwandes, der mit solchen Vorhaben verbunden ist, gibt es bislang erst wenige Projekte entsprechender Art.

Der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger James Heckman hat die Ergebnisse verschiedener solcher Studien kombiniert und unter einem ganz bestimmten Blickwinkel analysiert: Konkret wurden die Kosten für Bildungsmaßnahmen in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung ins Verhältnis gesetzt zu dem Betrag, den Menschen später zum Bruttosozialprodukt der Gesellschaft geleistet haben. Basierend auf entsprechenden Daten entwickelte Heckman das sogenannte Return-of-investment-Modell, welches besagt, dass jeder Geldbetrag, den eine Gesellschaft in die Erziehung und Bildung ihres Nachwuchses steckt, umso mehr Gewinn bringt, je früher er investiert wird.

Die höchste rate of return (sechs bis zehn Prozent) wurde für Maßnahmen festgestellt, die sich auf Bildung und Erziehung in der frühen Kindheit beziehen. Heckmans Analysen zeigen: Frühe Investitionen fördern den späteren Schulerfolg, reduzieren die Verbrechensrate, wirken sich positiv auf die Arbeitsproduktivität aus, verbessern den Gesundheitszustand und gehen mit verminderten Raten an Teenager-Schwangerschaften einher. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass vor allem Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen von frühen Bildungsangeboten zu profitieren scheinen.

Qualifizierte Kinderbetreuung und andere Familienhilfen wirkten sich zudem positiv auf die Eltern aus, indem alleinerziehende oder minderjährige Mütter einen gesünderen und verantwortlichen Lebenswandel führten und eher einen Job fanden, wenn sie bei der Erziehung durch Fachpersonal unterstützt wurden. Ausgehend von diesen Ergebnissen lässt sich die eingangs formulierte Frage klar mit "Ja" beantworten: Investitionen in die ersten Lebensjahre lohnen sich (auch) aus wirtschaftlicher Sicht.

Genetische Anlagen und Umwelteinflüsse: Das Prinzip der probabilistischen Epigenese

Gleichzeitig gilt es im Kopf zu behalten, dass jede Maßnahme, die darauf abzielt, den Lebensweg eines Kindes oder einer Familie zu beeinflussen, nur innerhalb bestimmter Grenzen wirksam werden kann, weil unsere genetische Ausstattung mit darüber entscheidet, wie wir uns entwickeln. So haben Längsschnittstudien gezeigt, dass sich eine Verbesserung der Intelligenzwerte selbst bei intensiver Förderung der Kinder nur in sehr begrenztem Umfang erzielen ließ.

Auch wenn unsere Intelligenz sowie Temperamentseigenschaften und Talente zumindest teilweise genetisch verankert sein mögen, gilt das Prinzip der "probabilistischen Epigenese", das Folgendes besagt: Jede Anlage wird nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit sichtbar. Es kommt stets darauf an, in welchem Maße Umweltbedingungen ihre Realisierung befördern oder hemmen.

Zu genetischen Anlagen gehören dabei nicht nur Eigenschaften, bezüglich derer wir uns voneinander unterscheiden, sondern vor allem auch jene Ausstattungsmerkmale, die wir alle teilen. In diesem Zusammenhang lässt sich zum Beispiel fragen, wie unser Geist durch die Evolution auf das Leben nach der Geburt vorbereitet wurde. Hier hat die moderne Säuglingsforschung in den vergangenen 50 Jahren mit ausgefeilten Methoden eine ganze Reihe interessanter Erkenntnisse zutage gefördert, die sich auf angeborene Reizpräferenzen, unsere Lernfähigkeit und -bereitschaft, angeborenes Kernwissen und bereichspezifische Wissenserwerbsmechanismen beziehen.

Angeborene Präferenzen und Lernfähigkeiten bei Säuglingen

Bereits Neugeborene zeigen eindeutige Vorlieben für gesichterähnliche Konfigurationen. Sie präferieren starke Kontraste oder Muster gegenüber homogenen Farbflächen, und alles, was sich bewegt, interessiert sie brennend. Im akustischen Bereich reagieren sie besonders sensibel auf den Frequenzbereich der menschlichen Stimme. Sie ekeln sich vor einigen Gerüchen (zum Beispiel faulig) und bevorzugen bestimmte Geschmacksstoffe (zum Beispiel süß). Im taktilen Bereich reagieren sie auf Hautkontakt mit Entspannung und auf intensiven Druck mit Schmerz.

Solche angeborenen Wahrnehmungspräferenzen tragen mit dafür Sorge, dass sich Babys vor allem jenen Reizen zuwenden, die für ihr Überleben wichtig sind (etwa andere Menschen) und die ihren Geist anregen. Von schädlichen Reizen wenden sie sich dagegen ab.

Stimmuliert man den Bauch der Schwangeren erstmals mit einem vibratorischen Geräusch, so reagiert der Fötus zunächst mit einer Steigerung der Herzfrequenz und mit Zuckungen. Wird der gleiche Reiz mehrfach präsentiert, lässt diese Reaktion allmählich nach. Man spricht von "Habituation". Interessanterweise hält diese Habituationsreaktion bis zu 24 Stunden an; das Kind muss sich also irgendetwas "gemerkt" haben. Was für einfache Stimulierung gilt, trifft auch auf komplexe Reizmuster zu. So fanden Säuglingsforscher bereits in den 1980er Jahren heraus, dass Föten sich das Klangmuster ganzer Geschichten merken können. Wurden schwangere Mütter instruiert, die betreffenden Geschichten in den letzten Schwangerschaftswochen einmal am Tag laut vorzulesen, dann zeigten die Kinder unmittelbar nach der Geburt eine eindeutige Präferenz für ebendiese Geschichte gegenüber einer anderen.

Schema zur Veranschaulichung des Habituationsprozesses bei Säuglingen

Neugier, Habituation und Intelligenz

Von Anfang an sind Babys neugierige Wesen. Ein Reiz, der bereits vollständig verarbeitet wurde, wird kaum noch beachtet und ruft nur noch minimale Zuwendung hervor. Erst wenn im Anschluss an eine Habituationsphase ein abweichender Reiz präsentiert wird, lässt sich erneut eine Orientierungsreaktion beobachten. Diese Fähigkeit, Reize zu verarbeiten und sich gezielt neuen Reizen zuzuwenden, ist nach aktuellem Forschungsstand ein wichtiger Hinweis auf die spätere Intelligenz.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ein intelligentes Kind immer nur auf Neues reagiert. Wiederholungen und Routinen bieten Babys überhaupt erst die Möglichkeit, Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, die Welt als berechenbar zu erleben und Vorhersagen zu machen. Kleine Kinder profitieren von Stabilität im Alltag.

Unterscheidung von Lebewesen und unbelebten Objekten

Schon wenige Wochen nach der Geburt sind Kinder in der Lage, Lebewesen von unbelebten Objekten zu unterscheiden und scheinen dabei nicht nur auf äußere Merkmale zu achten: Während das Verhalten von Lebewesen bereits im ersten Lebensjahr als intentional und zielgerichtet verstanden wird, interpretieren Babys das "Verhalten" von unbelebten Gegenständen auf andere Weise - hier wenden sie Wissen über mechanische Kausalität an. So gehört es offensichtlich zu ihrem angeborenen Kernwissen, dass sich unbelebte Objekte normalerweise auf kontinuierlichen, linearen Pfaden bewegen, wenn keine externe Kraft auf sie einwirkt.

Die Rolle sozialer Interaktion und des Lernens

Weil menschliches Verhalten von besonderer Bedeutung für Babys ist, wird derzeit diskutiert, ob Kinder biologisch darauf vorbereitet sind zu merken, wann ein Gegenüber ihnen gezielt etwas beibringen möchte. Dies würde erklären, wie wir innerhalb kürzester Zeit ein hohes Maß an kulturellem Wissen aufbauen. Ab etwa einem Jahr verstehen Säuglinge, dass ein Erwachsener, der sie zunächst direkt anschaut und freundlich anspricht, um sich anschließend einem Gegenstand zuzuwenden, verallgemeinerbares Wissen über diesen Gegenstand vermitteln will. Fehlen entsprechende Grußsignale und der Erwachsene wendet sich vor den Augen des Kindes direkt dem Gegenstand zu, ohne vorher Blickkontakt aufgenommen zu haben, dann wird die Situation vom Kind nicht als Lehr-Lernkontext interpretiert. Das Kind analysiert, welche Beziehung der Erwachsene zu dem fraglichen Gegenstand hat, aber es kommt nicht unbedingt auf die Idee, generalisierbares Wissen über den Gegenstand zu erwerben.

Ein sehr bedeutsamer Wissenserwerbsmechanismus der frühen Kindheit ist auch das Imitationslernen. Schon Neugeborene sind in der Lage, einfache mimische Gesten von anderen Menschen nachzuahmen. Bereits nach wenigen Wochen erweitert sich diese Fähigkeit auf komplexe körperliche Gesten. Auch im Umgang mit Objekten zeigen Säuglinge früh (ab Ende des ersten Lebensjahres) Imitationsverhalten.

Diese Ausführungen verdeutlichen, dass Säuglinge aufnahmefähige, neugierige Wesen sind, die auf Anregung durch ihre Umgebung angewiesen sind, um ihre geistige Leistungsfähigkeit voll entfalten zu können. Sie interessieren sich einerseits für alles Neue, andererseits suchen sie nach Regelmäßigkeiten und Vorhersagbarkeit. Erst in der Kombination finden sie optimale Entwicklungsbedingungen vor.

Die entscheidende Rolle von Bindung und Beziehung in der frühen Kindheit

In der frühen Kindheit werden ohne jeden Zweifel wichtige Weichen für das spätere Leben gestellt. Sonst wären die eingangs geschilderten Befunde zum Return-of-investment-Modell nicht plausibel. Wie wir zudem aus zahlreichen Studien wissen, haben es Menschen, die in dieser Phase vernachlässigt, misshandelt oder missbraucht werden, schwer, später stabile Beziehungen einzugehen, in der Schule Erfolg zu haben, gesund zu bleiben und gesellschaftlich erfolgreich zu sein. Ohne frühe positive Erfahrungen ist es auch kaum möglich, der nächsten Generation entsprechende Erfahrungen zu vermitteln.

Dass das Fehlen einer stabilen Bezugsperson in der Säuglings- und Kleinkindzeit schicksalhafte Auswirkungen hat, postulierten bereits Forscher wie Sigmund Freud (1856-1939), Erik Erikson (1902-1994) oder John Bowlby (1907-1990). Beispielsweise betonte Freud, dass die Mutter das erste und wichtigste Liebesobjekt jedes Menschen sei. Erikson baute auf Freuds Arbeiten auf und konstatierte, dass das Kind in seinen frühen Beziehungen zu Mutter und Vater lernt, ob es der Welt mit Urvertrauen oder Urmisstrauen begegnen soll, ob es optimistisch und mit innerer Stärke in die Zukunft blicken kann oder ob eher Skepsis und Vorsicht sein Handeln leiten sollten.

Auch Beobachtungen des Arztes René Spitz (1887-1974), der sich mit der Entwicklung von Heimkindern beschäftigt hat, belegen, dass gestörte Beziehungserfahrungen nachhaltige Wirkung auf die Entwicklung eines Kindes haben können. Er stellte fest, dass Säuglinge, die körperlich ausreichend versorgt wurden, aber emotional vernachlässigt blieben, teilweise verstarben. Spitz schloss daraus, dass menschliche Nähe und Zuwendung für eine gesunde Entwicklung essenziell seien.

Infografik, die die negativen Auswirkungen von emotionaler Vernachlässigung auf die kindliche Entwicklung zeigt

Wie auch eine aktuelle, gut kontrollierte Längsschnittstudie bestätigt, entwickeln sich rumänische Waisenkinder, die innerhalb des ersten halben Jahres in eine Pflegefamilie vermittelt werden konnten, im Unterschied zu einer vergleichbaren Gruppe von Kindern, die im Heim blieben oder erst nach den ersten sechs Lebensmonaten in einer Pflegefamilie untergebracht werden konnten, hinsichtlich einer Vielzahl unterschiedlicher Parameter wesentlich besser. Dies zeigte sich nicht nur am Verhalten, sondern auch an der Gehirnentwicklung und -aktivität. Dabei gilt es zu beachten, dass die Betreuung in rumänischen Heimen weitgehend lieblos und ohne individuelle Zuwendung erfolgt, sodass die Kinder keine Bindung mit einer festen Bezugsperson aufbauen konnten.

Die biologische Programmierung von Bindung

Die vergleichende Verhaltensforschung von John Bowlby weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Etablierung stabiler Beziehungen biologisch programmiert zu sein scheint und dass sowohl Tiere als auch Menschen ihrer Umwelt nur dann offen begegnen können, wenn sie die Rückendeckung eines vertrauten Bezugspartners spüren. Zwar gibt es keine überzeugenden Hinweise darauf, dass unmittelbar nach der Geburt eine biologische "Prägung" auf eine bestimmte Person (zum Beispiel die Mutter) stattfindet, aber es hat sich gezeigt, dass schon Neugeborene ihre Bezugsperson bereits wenige Tage nach der Geburt wiedererkennen können.

Entwicklungspsychologen gehen davon aus, dass Kinder im ersten halben Jahr lernen, primäre Bezugspersonen von anderen Menschen zu unterscheiden. Freuen sie sich mit drei bis vier Monaten noch über jeden Fremden, der sie anlächelt, und lassen sie sich von unterschiedlichsten Personen beruhigen, so zeigen die meisten Babys mit sieben bis neun Monaten eindeutige Vorlieben für die primären Bezugspersonen. Wie stark diese Tendenz ausgeprägt ist, hängt mit davon ab, in welchem Umfang das Kind im Alltag mit unterschiedlichen Menschen Kontakt hatte und ob seine Erfahrungen dabei bislang überwiegend positiv waren.

Vielfalt von Bezugspersonen und die Qualität der Zuwendung

Viele Kinder zeigen eindeutiges Bindungsverhalten und sind trotzdem sehr neugierig auf andere Menschen. Dies gilt insbesondere für Gleichaltrige. Sobald Kinder durch wachsende Mobilität und Selbstständigkeit eine gewisse Unabhängigkeit entwickelt haben, wollen sie mit anderen Kindern spielen. Der Kreis der Bezugspersonen und der Spielpartner erweitert sich. Anders als Freud ursprünglich annahm, kann nicht nur die Mutter, sondern jede Person, die für das Kind sorgt, zum Bindungspartner werden. Auch scheinen Kleinkinder nicht darauf fixiert zu sein, Bindung nur zu einer einzigen Person aufzubauen, sondern gehen intensive Beziehungen zu einer Reihe von vertrauten Menschen in ihrer Umgebung ein.

Babys müssen also nicht zwangsläufig einen Großteil ihrer Zeit bei der Mutter verbringen, um sich gut entwickeln zu können. Was sie faktisch brauchen, ist ein soziales Umfeld von Menschen, die sich feinfühlig und liebevoll um sie kümmern und zu denen sie Vertrauen aufbauen können. Allerdings brauchen sie nicht bei jedem kleinsten Mucks des Kindes sofort zu springen. Wie Studien unter Verwendung von Video-Mikroanalysen dokumentieren, verursacht ein Erwachsener, der dem Kind buchstäblich jeden Wunsch von den Lippen abliest und immer sofort passend reagiert, sogar Stress beim Kind. In direkten Interaktionen dürfen sogenannte matches (spiegelnde Antworten des Erwachsenen) ebenso vorkommen wie mismatches. Wichtig ist nur, dass auf ein mismatch kurze Zeit später wieder ein interactive repair folgt, sodass sich beide Interaktionspartner insgesamt gut verstehen.

Ist die primäre Bezugsperson nicht in der Lage, einen insgesamt positiven Interaktionsstil mit dem Kind zu etablieren, so kann sich dies langfristig nachteilig auf die Entwicklung des Kindes auswirken. Klinische Studien belegen, dass Kinder von Müttern, die an psychischen Störungen leiden, ein erhöhtes Risiko tragen, später selber Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln.

Frühe Kindheit als gesellschaftlicher Brennpunkt

Frühe Kindheit ist kein pädagogischer Nebenraum, sondern ein gesellschaftlicher Brennpunkt. Ein Ort, an dem sich entscheidet, wie wir als Gemeinschaft mit Verletzlichkeit, Abhängigkeit, Vielfalt und Macht umgehen. Und doch ist es gerade dieser Ort, der am häufigsten unterschätzt, romantisiert oder funktionalisiert wird. Zwischen politischen Erwartungen, ökonomischen Interessen und institutionellen Routinen droht aus dem Blick zu geraten, worum es im Kern geht: um Beziehung, um Würde, um die fundamentale Architektur menschlicher Entwicklung.

Professionelle Kleinkinderziehung ist weit mehr als Betreuung, mehr als Bildung, mehr als Förderung. Sie ist ein hochsensibles, hochwirksames und hochverantwortliches Feld, das tief in die emotionale, soziale und neurobiologische Entwicklung eingreift. Wer mit kleinen Kindern arbeitet, gestaltet nicht nur Alltag - er gestaltet Zukunft. Und er tut dies unter Bedingungen, die oft widersprüchlich, belastend und strukturell unzureichend sind.

Die folgenden Kapitel verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse mit gesellschaftskritischer Analyse, pädagogische Praxis mit ethischer Reflexion. Sie zeigen, wie eng Beziehung, Macht, Entwicklung, Sprache, Raum, Struktur und Politik miteinander verwoben sind. Und sie machen sichtbar, dass professionelle Kleinkinderziehung nur dann gelingen kann, wenn Fachpersonen nicht als intuitive "Naturtalente", sondern als hochqualifizierte, reflexive und systemisch denkende Profis verstanden werden.

Dieses Buch richtet sich an alle, die bereit sind, die Komplexität dieses Feldes auszuhalten - und sie nicht zu vereinfachen. An Fachpersonen, die täglich Verantwortung tragen. An Studierende, die sich auf ein anspruchsvolles Berufsfeld vorbereiten. An Leitungen, die Strukturen gestalten. An politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, die Rahmenbedingungen setzen. Und an all jene, die verstehen wollen, warum Kleinkinderziehung nicht nur ein pädagogisches, sondern ein gesellschaftliches Thema ist.

Wenn dieses Buch irritiert, fordert oder unbequem ist, erfüllt es seinen Zweck. Denn professionelle Kleinkinderziehung braucht keine Beschwichtigungen. Sie braucht Klarheit. Sie braucht Mut. Und sie braucht eine Stimme, die deutlich macht, dass Kinder nicht nur Schutz brauchen - sondern Erwachsene, die bereit sind, Verantwortung wirklich zu tragen.

Die Entwicklung und Betreuung von Kleinkindern in den ersten 3 Lebensjahren

In diesem Artikel werden die spannenden und zentralen Aspekte der Entwicklung und Betreuung von Kleinkindern in den ersten 3 Lebensjahren erkundet. In diesem Alter haben Kleinkinder von Natur aus erst einmal kein Bedürfnis in einer Gruppensituation zu leben. Jedoch sehen sich viele Familien in der Situation, ihren Nachwuchs bereits sehr früh in vertrauensvolle „fremde“ Hände geben zu müssen.

Das, was Kinder im Alter von 0-3 Jahren lernen, hat einen unschätzbaren Wert und vor allem große Auswirkungen auf ihre Persönlichkeitsentwicklung. Denn, um nur ein Beispiel zu nennen, ist eine gute Selbstregulationskompetenz eines Erwachsenen meist auf eine gute Ko-Regulation im Kindesalter zurückzuführen. Eine starke und sichere Bindung zwischen Kind und Betreuungsperson ist ebenso bedeutsam. Untersuchungen haben immer wieder betont, wie wichtig eine einfühlsame Beziehung für die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern ist.

Die Arbeit mit Kindern unter 3 Jahren konzentriert sich hauptsächlich auf die Förderung von Autonomie und die Qualität der Beziehung. Kleinstkinder können sich nur langsam von ihren Eltern trennen und neue Beziehungen aufbauen. Doch diese Trennung bietet auch neue Möglichkeiten der Entwicklung. Denn auf der einen Seite braucht eine gesunde Entwicklung zwar regelmäßig Zeiten ungeteilter Aufmerksamkeit mit vertrauten Erwachsenen, doch auf der anderen Seite ist es genauso wichtig, dass die Kinder durch ihre eigene Initiative ins Spielen und Forschen kommen.

Den Kindern zu helfen, Aufgaben zu lösen ist oft eher kontraproduktiv. Vielmehr sollten sie die Möglichkeit haben, Dinge selbst zu entdecken und Herausforderungen eigenständig zu bewältigen. Nur so erleben sie ihre Selbstwirksamkeit, aus der ein gesundes Selbstvertrauen wachsen kann. Eine qualitativ hochwertige Betreuung und eine liebevolle, achtsame Begleitung ermöglichen es den Kindern, ihre Umgebung wahrzunehmen und erstaunlich selbstständig neue Erfahrungen zu sammeln. Es geht nicht darum, dem Kind mehr Zeit und Energie zu widmen, sondern darum, eine hohe Qualität der Zuwendung zu schaffen.

Indem wir die authentischen menschlichen Bedürfnisse des Kindes respektieren, fördern wir eine gesunde Beziehung und ein harmonisches Zusammenleben. Beim Begleiten der Kinder können wir ihnen beispielsweise durch bestätigenden Blickkontakt zeigen, dass wir ihr Tun wahrnehmen. Wenn Kinder beim Ausprobieren noch unsicher sind, können wir sie mit beschreibenden Worten dabei unterstützen, ihre eigenen Grenzen zu erkennen und zu respektieren.

Oftmals haben kleine Kinder nicht die Möglichkeit, sich anderen Kindern interessiert und achtsam zu nähern, wie es ihrem natürlichen Verhalten entspricht. Daher ist es für uns Erwachsene wichtig, ihnen einen geschützten Raum zu bieten, in dem sie sich frei entfalten können. Ein Kleinkind, das noch nicht durch ständige „Rettungsversuche“ gestört wurde, entwickelt eine natürliche Schutzreaktion und kann sich selbst in Sicherheit bringen. In den ersten drei Lebensjahren identifizieren Kinder ihre persönlichen Dinge eng mit sich selbst. Dieser natürliche Egozentrismus bietet ihnen Schutz und ermöglicht eine gesunde Ich-Entwicklung.

Bildung und Bindung: Eine untrennbare Einheit

Eine gute Bildung setzt eine starke Bindung voraus. Kinder können erst dann wirklich lernen, wenn sie sich sicher und vertrauensvoll ihrer Umgebung zuwenden können. Daher ist es wichtig, dass sie eine solide Bindung zu den sie betreuenden Erwachsenen aufbauen können. In sicheren und stabilen Beziehungen können Kinder ihre Initiative entfalten und gemäß ihren Interessen spielen und lernen. Eine Krippe benötigt kein starres Programm, sondern eine gut vorbereitete Umgebung, die den Bedürfnissen und Interessen der Kinder gerecht wird.

Die Welt der 0-3-Jährigen ist voller faszinierender Möglichkeiten und Augenblicke.

Wie funktioniert die kindliche Entwicklung?

Kinder entwickeln sich aus eigenem Antrieb - in einem Wechselspiel zwischen persönlichen Anlagen und ihren Anregungen und Erfahrungen aus der Umwelt. Wann ein Kind zu laufen oder zu sprechen beginnt, ist von Kind zu Kind verschieden: Je nach seinen Anlagen und Stärken eignet sich ein Kind bestimmte Fähigkeiten leichter oder zeitiger an, während es sich mit anderen Entwicklungsschritten vielleicht etwas schwerer tut oder sich mehr Zeit damit lässt.

Ein Kind wächst und entwickelt sich mit seinen von den Eltern und den Vorfahren ererbten körperlichen, seelischen und geistigen Anlagen im Wechselspiel von biologischer Reifung des Körpers und seiner Organe, kindgerechten und altersgemäßen Anregungen und seinen eigenen, selbst erlebten Erfahrungen. Als Eltern können Sie die Entwicklung Ihres Kindes nicht beschleunigen. Aber durch Anregungen und vielseitige Erfahrungsmöglichkeiten können Sie es dabei unterstützen, in seinen neu erworbenen Fähigkeiten geschickter und sicherer zu werden.

Allerdings lässt sich die kindliche Neugier nicht beliebig wecken - was ein Kind interessiert und worauf es neugierig ist, hängt immer von seinem Entwicklungsalter und den jeweiligen Fähigkeiten ab, die gerade heranreifen. Bestes Zeichen für das aktuelle Interesse Ihres Kindes ist, wenn es sich konzentriert, anhaltend und vergnügt mit etwas beschäftigt - mit seinem Spielzeug oder Bilderbuch, mit alltäglichen Gegenständen oder mit natürlichen Materialien wie Sand, Steinen oder Muscheln.

SPIELENTWICKLUNG bei Kindern - Förderung, Phasen, Formen und Altersbereiche | ERZIEHERKANAL

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