John Rutters Magnificat: Eine Synthese der musikalischen Tradition

Auf ein Werk wie John Rutters Magnificat haben die Chöre Europas und Amerikas offenbar gewartet. Es ist eines der nicht gerade vielen Werke eines zeitgenössischen Komponisten, das landauf-landab mit Begeisterung gespielt und gehört wird. Das liegt sicher daran, dass Rutters Umgang mit der musikalischen Tradition erfrischend unvoreingenommen ist. Wiewohl mit allen Wassern neuerer Kompositionstechnik gewaschen, sind ihm modernistische Tabus fremd. Daher darf es auch einmal einfach schön klingen.

Musikalische Vielfalt und Stilistische Bandbreite

Das musikalische Material des Werkes ist außerordentlich vielfältig. Thematisch reicht es vom gregorianischen Choral über die Fuge und den Rumba bis zum Rag Time. Der Bogen der Harmonik spannt sich von der einfachen Dreiklangstonalität über impressionistische Ganztonchromatik und filmmusikalische Effekte bis hin zu Jazz und moderner Clusterbildung. Hinzu kommt eine außerordentlich vielfältige Rhythmik, die in ständig wechselnden Takteinheiten notiert ist. Diese hoch differenzierten Mittel werden aber unideologisch eingesetzt, weswegen das Werk auf ganz unmittelbare Weise verständlich ist. Diese Musik will begeistern und ergreifen und das gelingt ihr auch.

Notenblatt mit verschiedenen musikalischen Stilen, die in Rutters Magnificat vorkommen

Inhaltliche und Emotionale Tiefe

Seinem Gegenstand entsprechend - den Empfindungen Marias nach Verkündung ihrer Mutterschaft - , ist das Magnificat durch einen fröhlich-festlichen, aber auch durch einen mitunter betörend (be)sinnlichen Tonfall gekennzeichnet. Sehr frauliche Empfindungen kommen in den lyrischen Passagen zum Ausdruck, die dem Sopran, der einzigen Sologesangsstimme, übertragen sind.

Komponistenherkunft und Herausforderungen

In den großangelegten und effektvollen Chorpartien zeigt sich die Herkunft des Komponisten aus der Chorszene Englands, wo er seit langem im universitären und kirchlichen Bereich als Chordirigent wirkt. Eine Herausforderung für die klassischen Sänger ist hier die Jazzfuge des „Fecit Potentiam“. Das stark besetzte Orchester wird außerordentlich wirkungsvoll eingesetzt. Kammermusikalische Solopassagen wechseln mit Tuttiblöcken, in denen die Stimmen mehrfach geteilt sind. Vor allem die reichlich vertretenen Blechbläser dürfen immer wieder fulminante Akzente setzen.

Entstehung und Struktur des Magnificat

John Rutters Magnificat ist eine musikalische Interpretation des biblischen Lobgesangs Magnificat, die 1990 vollendet wurde. Die Komposition besteht aus sieben Sätzen für Sopran- oder Mezzosopran-Solo, gemischten Chor und Orchester (oder Kammerensemble) und basiert auf dem lateinischen Text, durchsetzt mit „Of a Rose, a lovely Rose“, einem anonymen englischen Gedicht über marianische Themen, dem Beginn des Sanctus und einem Gebet an Maria. Die Musik enthält Elemente lateinamerikanischer Musik.

Der Komponist dirigierte die Uraufführung in der Carnegie Hall am 26. Mai 1990 und die erste Aufnahme mit den Cambridge Singers und der City of London Sinfonia. Oxford University Press veröffentlichte das Magnificat 1991 und „Of a Rose, a lovely Rose“ separat 1998.

Obwohl der Magnificat-Gesang oft vertont wurde und ein fester Bestandteil der katholischen Vesper und der anglikanischen Nachmittagsandacht ist, ist Rutters Werk eine der wenigen ausgedehnten Versionen, neben der gleichnamigen Komposition von Bach.

John Rutter selbst beschreibt das Magnificat als einen poetischen Ausdruck von Lob, Freude und Vertrauen in Gott, der Lukas der Jungfrau Maria bei der Nachricht von ihrer Mutterschaft zuschreibt. Dieser Text war schon immer einer der bekanntesten und beliebtesten biblischen Texte. Musikkompositionen gibt es in Hülle und Fülle, doch überraschenderweise setzen sich nur wenige seit der Zeit von J.S. Bach ausführlich mit dem Text auseinander. Rutter wollte schon lange ein ausgedehntes Magnificat schreiben, war sich aber unsicher, wie er es angehen sollte, bis er seinen Ausgangspunkt in der Verbindung des Textes mit der Jungfrau Maria fand. In Ländern wie Spanien, Mexiko und Puerto Rico sind die Marienfeste fröhliche Anlässe für die Menschen, auf die Straße zu gehen und mit Gesang, Tanz und Prozessionen zu feiern. Diese Bilder von Freiluftfeiern waren, so vermutet Rutter, irgendwo in seinem Hinterkopf, als er schrieb, auch wenn er sie bis zu einem gewissen Punkt nicht vollständig wahrnahm.

Er war sich bewusst, dass er Bachs Beispiel folgte, indem er dem liturgischen Text das schöne englische Gedicht „Of a Rose“ und das Gebet „Sancta Maria“ (beides verstärkt die marianische Verbindung) sowie den gregorianischen Choral des „Sanctus“ aus der Missa Cum Jubilo, der in den dritten Satz eingefügt wurde, hinzufügte. Die Komposition des Magnificat beanspruchte mehrere hektische Wochen Anfang 1990, und die Uraufführung fand im Mai desselben Jahres in New Yorks Carnegie Hall statt.

Porträt von John Rutter

Vergleich mit Bachs Magnificat

Der Musikwissenschaftler John Bawden bemerkt, dass Rutters Werk mehrere Gemeinsamkeiten mit Bachs Komposition aufweist: Beide wiederholen Material aus dem ersten Satz im letzten, verwenden gregorianische Melodien, widmen die „reflektivsten Verse“ einem Solisten und fügen zusätzliche Texte im Zusammenhang mit Weihnachten ein.

Aufführungen und Masterclasses

Der erste Tag (29. März) und der Vormittag des zweiten Tages (30. März) der Meisterklasse werden der eingehenden Untersuchung des Magnificat mit dem Komponisten selbst als Dirigenten gewidmet sein. Am Nachmittag des Sonntags, 30. März 2025, ist eine öffentliche Aufführung des Werkes mit dem Teilnehmerchor, Solisten und Orchester geplant. Ort und Zeit: Rimini, Samstag, 29. und Sonntag, 30. März 2025.

Magnificat für SATB und Orchester ist eine freudige Feier der Jungfrau Maria, inspiriert von Festtagsfreuden in Ländern wie Spanien, Mexiko und Puerto Rico. Nach Bachs Beispiel erweitert Rutter den Text um Gedichte und Gebete. Die Partitur ist in einer schönen, leinengebundenen Ausgabe erhältlich.

John Rutter studierte Musik am Clare College in Cambridge und machte sich erstmals als Komponist und Arrangeur von Weihnachtsliedern und anderen Choralstücken in diesen frühen Jahren einen Namen. Heute werden seine Kompositionen, darunter konzertante Werke wie Requiem, Magnificat, Mass of the Children, The Gift of Life und Visions, weltweit aufgeführt. John gibt die Oxford Choral Classics Serie heraus und gab zusammen mit Sir David Willcocks vier Bände von Carols for Choirs heraus. 1983 gründete er seinen eigenen Chor, The Cambridge Singers, mit dem er zahlreiche Aufnahmen auf dem Label Collegium Records gemacht hat, und er tritt regelmäßig in mehreren Ländern als Gastdirigent und Chorbotschafter auf. John besitzt ein Lambeth-Doktorat in Musik und wurde 2007 für seine Verdienste um die Musik mit dem CBE ausgezeichnet.

John Rutter zu Gast an der Landesmusikakademie Ochsenhausen

Stilistische Merkmale und Einfluss

John Rutter gehört zu den einflussreichsten zeitgenössischen Komponisten für Chormusik. In seinen Werken verbindet er klassische europäische Kadenzharmonik mit Elementen aus dem Jazz und der Postmoderne, zitiert zuweilen aber auch aus anderen Stil-Epochen und findet so zu einer ganz eigenen, unverwechselbaren Klangsprache. Neben bekannten Weihnachts- und Kirchenliedern hat John Rutter auch weltliche Texte, beispielsweise von Shakespeare, vertont. Doch ein Schwerpunkt seines Schaffens liegt zweifellos im Bereich der Kirchenmusik. Neben dem Gloria und dem Requiem gehört das Magnificat zu den großen, komplexen und musikalisch vielschichtigsten Werken Rutters, in dem er den bekannten Magnificat-Gesang des Neuen Testaments mit alt-englischer Lyrik und marianischen Themen kunstvoll verwebt.

Die Musik ist nach Rutters eigener Aussage inspiriert von lateinamerikanischen Marien-Festen und spannt den Bogen von schwingenden Rhythmen bis hin zu innigen, fast meditativen Motiven.

Aufführungspraxis und Interpretation

Das Vokalensemble „crescendo“ unter der Leitung von Bezirkskantor Thomas Kleinhenz hat sich bereits mehrfach mit beachtlichen Konzerten vor allem im südlichen Münsterland einen Namen gemacht. Jetzt bereiten sich die Mitglieder des Chores auf eine neue große Aufgabe vor: Auf dem Probenplan steht zur Zeit das „Magnificat“ für Solosopran, Chor und Orchester des englischen Komponisten John Rutter (*1945). Die Aufführungen werden am Freitag (9. Mai) um 20 Uhr sowie am Sonntag (11. Mai) um 18 Uhr in der St.-Felizitas-Kirche in Lüdinghausen sein, so die Ankündigung. Begleitet wird der Chor von dem bekannten Kourion-Orchester aus Münster sowie der Sopranistin Kerstin Heesche-Wagner. Die Gesamtleitung hat Bezirkskantor Thomas Kleinhenz.

Der Text des Magnificats stammt aus dem Lukas-Evangelium und gilt als einer der bedeutendsten biblischen Texte. John Rutter verbindet in seiner Magnificat-Vertonung lateinamerikanische Rhythmen, Anklänge an Filmmusik, sowie englische Lieder und gregorianische Hymnen zu einem eindrucksvollen Werk. Nicht nur die Kombination aus lateinischem und englischem Text zeigt, dass Rutters Magnificat ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Werk ist. Das 1990 in der Carnegie Hall unter der Leitung des Komponisten selbst uraufgeführte Werk ist eine beeindruckende, vollkommen neuartige Interpretation des Lobgesangs der Gottesmutter Maria.

Das Vokalensemble „crescendo“ wurde unter dem Namen „Der Kleine Chor Selm“ im März 1995 gegründet. Im Sommer 2006 übernahm Bezirkskantor Thomas Kleinhenz die Leitung des Chores. Zielsetzung des Ensembles ist die Erarbeitung und Interpretation vornehmlich geistlicher Chorliteratur aller Stilepochen von der Renaissance bis zur modernen Musik des 21. Jahrhunderts. Voraussetzung zur Mitwirkung ist eine vokale oder instrumentale Vorbildung der Sängerinnen und Sänger. Mit einem umfangreichen geistlichen Repertoire, das hauptsächlich aus der A-cappella-Literatur entstammt, gestaltete das Vokalensemble immer wieder beeindruckende Konzerte und Gottesdienste musikalisch mit. Darüber hinaus unternahm der Chor Konzertreisen durch ganz Deutschland, sowie nach Sardinien, England und Ungarn. Seit Juli 2003 ist „crescendo“ als gemeinnütziger Verein zur Förderung der Kunst und Kultur anerkannt.

Madonna im Gärtchen, anonymer Rheinischer Meister, 16. Jahrhundert

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