Plazentainsuffizienz: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Plazentainsuffizienz, auch als Mutterkuchenschwäche bekannt, ist ein Zustand, bei dem die Plazenta ihre Funktionen nicht mehr ausreichend erfüllen kann. Dies führt zu einer unzureichenden Versorgung des Fötus mit Sauerstoff und Nährstoffen, was schwerwiegende Folgen für das Wachstum und die Entwicklung des Kindes haben kann. Die Pathogenese der Plazentainsuffizienz ist komplex und umfasst sowohl akute als auch chronische Formen.

Illustration der Plazenta mit der Nabelschnur, die das Baby versorgt.

Was ist eine Plazentainsuffizienz?

Die Plazenta ist ein lebenswichtiges Organ für das ungeborene Kind. Sie schützt es vor vielen Bakterien und Schadstoffen und versorgt es mit Vitaminen, Nährstoffen und Sauerstoff. Damit die Plazenta ihre Funktion ausüben kann, versorgt der mütterliche Körper sie permanent mit Blut. Bei einer Plazentainsuffizienz ist diese Versorgung beeinträchtigt.

Man unterscheidet zwei Formen der Plazentainsuffizienz:

  • Akute Plazentainsuffizienz: Diese Form tritt innerhalb weniger Stunden auf, häufig in den letzten Schwangerschaftswochen oder während der Geburt. Sie kann lebensbedrohlich für Mutter und Kind sein und erfordert sofortiges Handeln.
  • Chronische Plazentainsuffizienz: Sie entwickelt sich über mehrere Wochen. Obwohl keine akute Gefahr besteht, muss diese Erkrankung ernst genommen werden, da sie zu einem verzögerten Wachstum des Kindes und einer Frühgeburt führen kann. Eine chronische Form kann sich zudem in eine akute übergehen.

Etwa zwei bis fünf Prozent der Schwangeren sind von dieser Störung betroffen, in unterschiedlicher Ausprägung.

Symptome einer Plazentainsuffizienz

Die Symptome einer Plazentainsuffizienz können vielfältig sein und sind nicht immer eindeutig.

Symptome bei der Mutter:

  • Manchmal erhöhter Blutdruck (wie im Fall von Svenja B., bei der ein Blutdruck von 160/100 mmHg festgestellt wurde)
  • Eventuell Symptome einer Präeklampsie wie Bluthochdruck und Eiweißverlust über den Urin
  • Geringe Fruchtwassermenge
  • Weniger Gewichtszunahme oder Bauchumfang als erwartet

Symptome beim Fötus:

  • Zu kleines Baby für die Schwangerschaftswoche (intrauterine Wachstumsretardierung, IUGR)
  • Weniger aktive Kindsbewegungen
  • Abfallende Herztöne (erkennbar im CTG)
  • Grünes Fruchtwasser (kann auf Sauerstoffmangel hinweisen)

Bei einer akuten Plazentainsuffizienz können deutliche Symptome wie heftige Blutungen, starke Schmerzen und fehlende Kindsbewegungen auftreten.

Infografik, die die verschiedenen Symptome einer Plazentainsuffizienz aufzeigt.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Gründe für eine Plazentainsuffizienz sind vielfältig. Zu den möglichen Ursachen und Risikofaktoren für eine chronische Plazentainsuffizienz zählen:

  • Anlage- und Bildungsfehler der Plazenta: Störungen in der Entwicklung der Plazenta.
  • Mütterliche Erkrankungen:
    • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
    • Diabetes mellitus
    • Anämie (Blutarmut)
    • Nierenleiden
    • Herzfehler
    • Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
  • Schwangerschaftsspezifische Erkrankungen:
    • Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung)
    • Eklampsie
  • Infektionen: Intrauterine Infektionen, bei denen Erreger von der Mutter über die Plazenta zum Kind gelangen.
  • Fehl- oder Mangelernährung: Chronische Mangel- oder Fehlernährung der Mutter.
  • Rauchen, Alkohol- und Drogenkonsum: Regelmäßiger Konsum während der Schwangerschaft.
  • Fehllage der Plazenta: Zum Beispiel Plazenta praevia.
  • Überschreitung des Geburtstermins: Insbesondere bei Übertragung (mehr als 14 Tage über dem errechneten Termin).

Ursachen für eine akute Plazentainsuffizienz können sein:

  • Vorzeitige Plazentaablösung: Die Plazenta löst sich vorzeitig von der Gebärmutterwand.
  • Nabelschnurvorfall: Die Nabelschnur rutscht vor den vorangehenden Kindsteil.
  • Vena-Cava-Kompressionssyndrom: Das Gewicht des Fötus drückt im Liegen auf die untere Hohlvene (Vena cava inferior), was den Blutrückfluss zum Herzen behindert.
  • Wehensturm: Zu kräftige oder zu häufige Wehen, die die Sauerstoffversorgung beeinträchtigen können.

In vielen Fällen gibt es jedoch keine klare Erklärung für die Entstehung einer Plazentainsuffizienz.

Diagnose einer Plazentainsuffizienz

Die Diagnose einer Plazentainsuffizienz erfolgt im Rahmen der regelmäßigen Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen.

  • Anamnesegespräch: Der Arzt erkundigt sich nach der Krankengeschichte und dem Befinden der Schwangeren.
  • Ultraschalluntersuchung:
    • Messung der Größe und des Gewichts des Fötus im Vergleich zu Durchschnittswerten für das jeweilige Schwangerschaftsalter.
    • Beurteilung der Plazenta (Größe, Form, Verkalkungsgrad).
    • Bestimmung der Fruchtwassermenge (Oligohydramnion bei zu wenig Fruchtwasser).
  • Doppler-Sonografie: Eine spezielle Ultraschalluntersuchung, die den Blutfluss in der Nabelschnur und den mütterlichen Gefäßen misst. Ein verlangsamter oder gestörter Blutfluss ist ein wichtiges Indiz.
  • Kardiotokografie (CTG): Aufzeichnung der kindlichen Herztöne und der Wehentätigkeit, um Hinweise auf Sauerstoffmangel zu erhalten.

Farbkodierte Duplexsonographie: 11-Schritt-Methode

Behandlung und Management

Eine spezifische Heilung für die Plazentainsuffizienz gibt es nicht. Die Behandlung zielt darauf ab, die Schwangerschaft so lange wie möglich fortzusetzen, um dem Kind eine optimale Entwicklung zu ermöglichen, und gleichzeitig Risiken für Mutter und Kind zu minimieren.

Bei chronischer Plazentainsuffizienz:

  • Engmaschige Überwachung: Häufigere Ultraschall- und CTG-Kontrollen zur Beurteilung des Wohlbefindens des Kindes.
  • Behandlung von Grunderkrankungen: Optimale Einstellung von Blutdruck und Blutzucker bei mütterlichen Vorerkrankungen wie Diabetes oder Hypertonie.
  • Medikamentöse Unterstützung: In einigen Fällen kann die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) in niedriger Dosierung ab Beginn der Schwangerschaft helfen, die Gefäßentwicklung zu fördern und die Durchblutung der Plazenta zu verbessern. Dies sollte unbedingt ärztlich verordnet werden.
  • Stressreduktion und Schonung: Vermeidung von körperlicher Anstrengung und Stress. Früher wurde Bettruhe empfohlen, heute wird dies differenzierter betrachtet.
  • Entscheidung über den Geburtszeitpunkt: Wenn die Versorgung des Kindes nicht mehr ausreicht oder eine Frühgeburt droht, kann die Geburt eingeleitet oder ein Kaiserschnitt durchgeführt werden.
  • Unterstützung der Lungenreifung: Bei drohender Frühgeburt vor der 37. Schwangerschaftswoche kann Kortison zur Beschleunigung der Lungenreifung des Babys verabreicht werden.

Bei akuter Plazentainsuffizienz:

Eine akute Plazentainsuffizienz ist ein Notfall und erfordert schnelles Handeln, oft durch einen sofortigen Kaiserschnitt, um das Leben des Kindes zu retten.

Im Fall von Svenja B. wurde die Diagnose Plazentainsuffizienz gestellt, nachdem bei ihr ein hoher Blutdruck festgestellt wurde. Trotz anfänglicher Normalisierung des Blutdrucks wurde sie zur weiteren Abklärung in eine Klinik überwiesen. Ihre Tochter Charlotte kam schließlich in der 27. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt zur Welt und wog bei der Geburt 690 Gramm. Glücklicherweise hat sich Charlotte gut entwickelt und ist altersgerecht.

Folgen einer Plazentainsuffizienz

Die Folgen einer Plazentainsuffizienz können vielfältig sein und hängen vom Schweregrad und der Dauer der Unterversorgung ab:

  • Intrauterine Wachstumsretardierung (IUGR): Das Kind wächst im Mutterleib langsamer als erwartet.
  • Frühgeburt: Das Kind wird vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren.
  • Langfristige gesundheitliche Probleme beim Kind:
    • Erhöhtes Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und Fettleibigkeit (Adipositas) im späteren Leben.
    • Erhöhtes Risiko für Bluthochdruck und Gefäßverkalkung (Arteriosklerose).
    • Mögliche Beeinträchtigungen der kognitiven Entwicklung, auch wenn dies nicht zwangsläufig auftritt.
  • Erhöhtes Risiko für den Tod des Kindes: Insbesondere bei unbehandelter akuter Plazentainsuffizienz.

Vorbeugung

Obwohl nicht alle Fälle von Plazentainsuffizienz verhindert werden können, gibt es Maßnahmen, die das Risiko reduzieren können:

  • Gesunder Lebensstil: Ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung, Verzicht auf Rauchen, Alkohol und Drogen.
  • Gewichtsmanagement: Vermeidung von starkem Über- oder Untergewicht vor und während der Schwangerschaft.
  • Behandlung von Vorerkrankungen: Gute Einstellung von chronischen Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck vor und während der Schwangerschaft.
  • Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen: Frühzeitige Erkennung und Management von Risikofaktoren und Symptomen.
Grafik, die Risikofaktoren für Plazentainsuffizienz und vorbeugende Maßnahmen darstellt.

Weitere Schwangerschaften nach Plazentainsuffizienz

Bei Frauen, die bereits eine Plazentainsuffizienz hatten, besteht ein erhöhtes Risiko für ein Wiederauftreten in zukünftigen Schwangerschaften. Eine frühzeitige Beratung durch den Frauenarzt und gegebenenfalls die Einnahme von ASS können helfen, dieses Risiko zu minimieren.

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