Kryo-Einlinge und künstliche Befruchtung: Ein detaillierter Überblick

Mehrlingsschwangerschaften, die nach assistierten Reproduktionstechniken (ART) durch die Übertragung mehrerer Embryonen entstehen, werden aufgrund der damit verbundenen geburtshilflichen und perinatalen Risiken als unerwünschte Ereignisse betrachtet. Ziel ist es daher, das Risiko solcher Schwangerschaften im Rahmen der ART zu senken.

Risikofaktoren und ART-Verfahren

Studien haben gezeigt, dass bestimmte ART-Verfahren, darunter die erweiterte Embryokultur, die Ovarialstimulation, ICSI, Kryokonservierung und der Transfer im Blastozystenstadium, mit einem erhöhten Risiko für die Bildung von eineiigen Zwillingen verbunden sind. Dank Fortschritten in den ART-Techniken wurde der elektive Einzelembryotransfer (SET) erleichtert.

Statistiken zur Embryonenübertragung und Zwillingsbildung

Die Lebendgeburtenrate pro Embryotransfer lag nach Präimplantationsdiagnostik (PGT) bei 31,9 % und nach IVF ohne PGT bei 26,9 %. Die Inzidenz der zygotischen Spaltung, die zur Entstehung eineiiger Zwillinge führt, betrug nach PGT 2,4 % gegenüber 1,5 % nach Nicht-PGT-IVF-Zyklen. Dies deutet auf ein signifikant höheres Risiko einer zygotischen Spaltung bei PGT im Vergleich zu Nicht-PGT-IVF-Zyklen hin. Quelle: Kamath MS et al.: Zygotic splitting following embryo biopsy: a cohort study of 207,697 single-embryo transfers following IVF treatment.

Schema zur zygotischen Spaltung bei künstlicher Befruchtung

Persönliche Erfahrungen und der Einsatz von "Schlüpfhilfen"

In Foren und Diskussionsgruppen teilen Betroffene ihre Erfahrungen mit Kryozyklen und Embryotransfers. Häufig gestellte Fragen beziehen sich auf die Anzahl der entnommenen Eizellen und die Wirksamkeit von Hilfsmitteln wie der "Schlüpfhilfe" (Assisted Hatching).

Einige Nutzer berichten von ihrem ersten Kryozyklus mit einem Transfer von zwei Blastozysten, diesmal mit einer Schlüpfhilfe, die beim vorherigen Transfer nicht zum Einsatz kam. Die Frage nach der tatsächlichen Wirksamkeit dieser Methode und nach Erfahrungen anderer Nutzer wird oft gestellt.

Die Schlüpfhilfe, auch als Assisted Hatching bekannt, ist ein Verfahren, bei dem die Zona pellucida (die äußere Hülle des Embryos) mechanisch oder chemisch behandelt wird, um dem Embryo das Verlassen dieser Hülle zu erleichtern und somit die Einnistung in der Gebärmutter zu fördern. In seltenen Fällen kann diese Methode zur Entstehung eineiiger Zwillinge beitragen, indem sie die Wahrscheinlichkeit einer Embryonenteilung erhöht.

Die Erfolgsquote von Assisted Hatching ist schwer exakt zu bestimmen. Dennoch berichten einige Patientinnen, dass sie nach der Anwendung dieser Methode schwanger wurden, auch wenn die Schwangerschaft nicht immer bis zum Ende verlief. Die Ärztin kann die Notwendigkeit eines solchen Verfahrens für die übertragenen Embryonen empfehlen.

Verständnis von Zwillingsschwangerschaften

Zwillinge sind faszinierend, und die Mechanismen ihrer Entstehung sind vielfältig.

Zweieiige Zwillinge

Bei zweieiigen Zwillingen reifen im Zyklus der Schwangerschaft zwei Eizellen, die von zwei unterschiedlichen Spermien befruchtet werden. Diese beiden befruchteten Eizellen nisten sich in der Gebärmutter ein und entwickeln sich zu zwei Embryonen. Eineiige und zweieiige Zwillinge entstehen nicht gleichzeitig.

Eineiige Zwillinge

Eineiige Zwillinge entstehen aus einer einzigen befruchteten Eizelle, die sich in den ersten Tagen nach der Befruchtung teilt. Dies führt zur Entstehung von zwei Embryonen aus nur einer Eizelle und einem Spermium.

Grafische Darstellung der Entstehung von eineiigen und zweieiigen Zwillingen

Varianten der Zwillingsentwicklung

Bei eineiigen Zwillingen gibt es verschiedene Varianten, die sich durch den Zeitpunkt der Zellteilung nach der Befruchtung unterscheiden:

  • Frühes Zellteilungsstadium (bis zum 3. Tag): Jedes Embryo hat eine eigene Plazenta und eine eigene Fruchtblase (dichoriale Zwillinge).
  • Mittleres Zellteilungsstadium (zwischen dem 3. und 7. Tag): Jedes Embryo hat eine eigene Fruchtblase, teilt sich aber eine Plazenta (monochorial-diamniote Zwillinge).
  • Spätes Zellteilungsstadium (nach dem 9. Tag nach der Befruchtung): Beide Embryonen teilen sich eine Plazenta und eine Fruchtblase (monochorial-monoamniote Zwillinge).

Risiken und Management von Mehrlingsschwangerschaften

Obwohl heute eine eineiige Zwillingsschwangerschaft in der Regel kein Problem mehr darstellt, wird sie vorsichtshalber als Risikoschwangerschaft eingestuft und engmaschig überwacht.

Risiken für die Mutter

Zu den Risiken für die Mutter gehören eine erhöhte Gefahr von Präeklampsie, Eisenmangel und Blutarmut.

Risiken für die Kinder

Für die Kinder birgt eine Mehrlingsschwangerschaft ebenfalls Gefahren:

  • Häufigere Frühgeburten (vor der 37. Schwangerschaftswoche).
  • Bei gemeinsamer Plazenta: unzureichende Versorgung eines Fötus (Fetofetales Transfusionssyndrom, TTTS).
  • Risiko der Nabelschnurumschlingung.

Statistisch gesehen kommen Zwillinge häufiger als Frühgeborene zur Welt, bei höhergradigen Mehrlingen ist dies fast immer der Fall. Frühgeburten können medizinisch gut versorgt werden, bergen aber immer ein erhöhtes Risiko für bleibende Beeinträchtigungen wie Entwicklungsverzögerungen oder -störungen.

Infografik zu den Risiken einer Mehrlingsschwangerschaft

Unterstützungsangebote für Familien mit Mehrlingen

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sind Mehrlingsfamilien oft auf zusätzliche Unterstützung angewiesen. Es gibt verschiedene Angebote, die Entlastung im Alltag bieten:

  • Frühe Hilfen: Kostenlose Angebote während der Schwangerschaft bis zum 3. Geburtstag des Kindes, z. B. durch Familienhebammen oder Beratungsdienste.
  • Unterstützung für Frühgeborene: Spezielle Angebote für Familien, deren Kinder als Frühchen zur Welt gekommen sind.
  • Kuren: Anträge auf Kur für Mütter oder Väter (allein oder mit Kind) zur Erholung.
  • Haushaltshilfe: Unterstützung im Haushalt in den ersten Wochen nach der Geburt.
  • Bundesstiftung Mutter und Kind: Hilfe in Not- und Konfliktsituationen, insbesondere für Alleinerziehende mit Mehrlingen und niedrigem Einkommen.

Besondere Regelungen für Mehrlingsfamilien

Für Mehrlingsfamilien gelten besondere Regelungen bezüglich der Elternzeit:

  • Mutterschutzfrist: Beginnt 6 Wochen vor der Entbindung und verlängert sich nach der Geburt um 4 Wochen auf insgesamt 12 Wochen.
  • Elterngeld: Während der Überschneidungszeit von Mutterschaftsgeld und Elterngeld erfolgt keine Doppelauszahlung.

Künstliche Befruchtung und die Wahrscheinlichkeit von Zwillingen

Bei der künstlichen Befruchtung ist der Erhalt von Zwillingen keine Seltenheit.

Insemination (IUI)

Bei der Insemination (IUI) ist die Wahrscheinlichkeit von Mehrlingsgeburten gering. In den Jahren 2021-2022 kamen nach IUI in einer Klinik 7 Zwillingspaare zur Welt, was 1,2 % aller erfolgreichen IUI-Behandlungen entspricht. Die IUI wird auch von alleinstehenden Frauen, lesbischen Paaren und Paaren mit Transmann genutzt, um sich den Kinderwunsch zu erfüllen.

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Bei der IVF-Behandlung wird die Frau mit Hormonen stimuliert, um die Reifung vieler Eizellen zu fördern. Diese werden im Labor künstlich befruchtet und die entwickelten Embryonen werden in die Gebärmutter zurückgeführt. Wird mehr als ein Embryo zurückgelegt, steigt die Chance auf Zwillinge.

Früher war der Transfer von mehr als einem Embryo bei der IVF weit verbreitet, was zu einer hohen Rate an Mehrlingsgeburten führte (30-35 % der Fälle). Heute liegt der durchschnittliche Prozentsatz der Mehrlingsgeburten bei nur noch 4 %, da in der Regel nur ein Embryo übertragen wird.

Vergleich der Mehrlingsgeburtenraten bei IVF vor und nach der Einführung des Single-Embryo-Transfers

Natürliche Faktoren, die die Chance auf Zwillinge erhöhen

Neben assistierten Reproduktionstechniken gibt es natürliche Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsschwangerschaft beeinflussen:

  • Alter der Mutter: Mit zunehmendem Alter (über 35 Jahre) steigt die Wahrscheinlichkeit für zweieiige Zwillinge aufgrund erhöhter FSH-Werte.
  • Erhöhter BMI: Frauen mit einem BMI über 30 haben eine höhere Chance auf zweieiige Zwillinge.
  • Familiäre Veranlagung: Die Tendenz zur Reifung mehrerer Follikel ist erblich bedingt.

Entscheidung über die Anzahl der Embryonen beim Transfer

Bei der künstlichen Befruchtung stellt sich die Frage, wie viele Embryonen zurück in die Gebärmutter eingesetzt werden sollen. Grundsätzlich sind in Deutschland bis zu drei Embryonen erlaubt, was jedoch aufgrund hoher Risiken kaum noch praktiziert wird. Die Entscheidung liegt meist zwischen einem oder zwei Embryonen.

Obwohl früher der Transfer von mehr Embryonen die Schwangerschaftschancen erhöhte, zeigen neuere Daten, dass die Gruppe, bei der zweimal je ein Embryo transferiert wurde, insgesamt mehr Kinder hat als die Gruppe mit dem Transfer von zwei Embryonen auf einmal. Beim Double-Embryo-Transfer ist die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge deutlich erhöht (ca. 20-fach höher als die natürliche Wahrscheinlichkeit). Beim Single-Embryo-Transfer kann es nur zu einer Zwillingsschwangerschaft (eineiigen Zwillingen) kommen, wenn sich die befruchtete Eizelle oder der Embryo teilt, was der natürlichen Wahrscheinlichkeit entspricht.

Kinderwunschmediziner empfehlen den Single-Embryo-Transfer (SET) aufgrund der Risiken, die eine Mehrlingsschwangerschaft für Mutter und Kind birgt.

Wahrscheinlichkeit von Zwillingsschwangerschaften nach ART

Die Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsschwangerschaft nach einer IVF oder ICSI ist signifikant höher als auf natürlichem Wege. Nach Daten aus 22 europäischen Ländern sind 73,6 % der Schwangerschaften nach IVF/ICSI Einlingsschwangerschaften, während 24,4 % Zwillingsschwangerschaften sind. Die Zwillingsgeburtenrate pro Transfer in Spanien lag 2023 bei 6,6 % (mit eigenen Eizellen). Früher, im Jahr 2000, lag diese Rate bei 28,7 %.

Strategien von Reproduktionsmedizinern zielen darauf ab, die Raten von Zwillingsschwangerschaften und die damit verbundenen Risiken zu senken. Dies geschieht durch den Transfer eines einzigen Embryos und eine kontrollierte ovarielle Stimulation bei IUI.

Wahrscheinlichkeit eineriiger Zwillinge nach ART

Obwohl die meisten Mehrlingsschwangerschaften nach ART zweieiige Zwillinge sind, gibt es eine erhöhte Tendenz zu Schwangerschaften mit eineiigen Zwillingen (ca. 1,5-2 %). Selbst beim Transfer eines einzigen Embryos besteht eine geringe Möglichkeit für eine Zwillingsschwangerschaft. Mögliche Ursachen hierfür sind:

  • Manipulation der Zona pellucida bei ICSI.
  • Assisted Hatching.
  • Durch ovarielle Stimulation verursachte Verhärtung der Zona pellucida.
  • Entwicklung des Embryos in Kulturmedien.

Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist jedoch gering.

Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsschwangerschaft durch IUI

Bei der IUI wird eine mildere ovarielle Stimulation durchgeführt, um die Entwicklung von 1-2 Follikeln zu erreichen. Bei erfolgreicher Behandlung liegt die Zwillingsgeburtenrate bei IUI laut SEF-Bericht 2023 bei 7,7 % (mit Partner-Sperma 8,1 %, mit Spender-Sperma 7,4 %).

Häufig gestellte Fragen

Wie kann ich durch IVF mit männlichen Zwillingen schwanger werden?

Es gibt keine Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit von eineiigen Zwillingen zu erhöhen oder sicherzustellen, dass Sie zwei Babys bekommen. Die Übertragung von zwei Embryonen kann die Chance auf Zwillinge erhöhen, birgt aber auch erhöhte Risiken. Die Geschlechtswahl ist nur zu therapeutischen Zwecken erlaubt.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, Zwillinge bei AI zu haben?

Laut dem SEF-Register für 2018 lag die Rate der Zwillingsgeburten bei AI mit Spendersamen bei 10 %.

Ist eine Mehrlingsschwangerschaft durch IVF oder IUI riskanter?

Das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft selbst ist erhöht, unabhängig davon, ob sie auf natürlichem Wege oder durch assistierte Reproduktion erreicht wird. Dies kann zu Pathologien bei der Mutter und zu Frühgeburtlichkeit und niedrigem Geburtsgewicht beim Kind führen.

Kann ich mich bei meiner Fruchtbarkeitsbehandlung für Zwillinge entscheiden?

Sie können sich für den Transfer von zwei Embryonen entscheiden, um die Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsschwangerschaft zu erhöhen. Es gibt jedoch keine Garantie, dass beide implantiert werden.

Wie kommt es zu einer Zwillingsschwangerschaft bei AI?

Bei IUI müssen zwei Eizellen ausgestoßen, befruchtet und sich beide Embryonen einnisten. Bei IVF muss sich der aus einer Eizelle entstandene Embryo in zwei teilen.

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