Geburt nach Senkwehen bei Zwillingen: Vorbereitung, Anzeichen und Erfahrungen

Die Schwangerschaft mit Zwillingen stellt besondere Anforderungen an den Körper der werdenden Mutter und birgt spezifische Risiken, darunter ein erhöhtes Frühgeburtsrisiko. Senkwehen sind ein natürlicher Teil des Geburtsvorbereitungsprozesses und signalisieren, dass sich das Baby oder die Babys für die Geburt in die richtige Position bewegen. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Senkwehen bei Zwillingsschwangerschaften, typische Anzeichen, mögliche Komplikationen und gibt Einblicke in die Erfahrungen von Müttern.

Was sind Senkwehen und wie erkenne ich sie?

Senkwehen sind Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur, die dazu dienen, das Baby tiefer ins Becken abzusenken. Dies geschieht, um das Kind in die bestmögliche Position für die Geburt zu bringen, üblicherweise in Schädellage. Der entstehende Druck auf den Beckeneingang kann dazu beitragen, den Gebärmutterhals zu lockern und leicht zu verkürzen, was für die Öffnung des Muttermundes während der Geburt entscheidend ist.

Die Anzeichen von Senkwehen können vielfältig sein:

  • Ein leichtes, unregelmäßiges Ziehen im Unterleib oder Rücken, das bis in die Oberschenkel ausstrahlen kann.
  • Das Gefühl, dass der Bauch härter wird und tiefer sitzt. Der obere Teil des Bauches kann flacher wirken, während der untere runder erscheint.
  • Druck auf die Blase, was zu häufigerem Harndrang führen kann.
  • Manchmal auch leichte Übelkeit.

Im Gegensatz zu Übungswehen (Braxton-Hicks-Kontraktionen), die bereits früher in der Schwangerschaft auftreten können, sind Senkwehen typischerweise gegen Ende der Schwangerschaft, etwa ab der 36. SSW, zu spüren. Ein hilfreicher Test zur Unterscheidung von echten Geburtswehen ist ein Entspannungsbad: Echte Wehen werden in warmem Wasser stärker und regelmäßiger, während Senkwehen abklingen.

Schematische Darstellung der Senkwehen und des Absenkens des Babys im Becken.

Senkwehen bei Zwillingsschwangerschaften: Besonderheiten und Risiken

Bei Zwillingsschwangerschaften können Senkwehen und die damit verbundenen körperlichen Veränderungen besonders intensiv sein. Der zusätzliche Druck der beiden wachsenden Babys kann den Gebärmutterhals bereits frühzeitig beeinflussen.

Eine werdende Mutter berichtet:

"Ich habe seit einigen Tagen mit Wehen zu kämpfen, mir wurde nun gesagt, dass es die Senkwehen sind. Mein führendes kleines Mäuschen liegt schon direkt am Muttermund und er ist auch schon ein bisschen verkürzt (32mm). Sie hüpft auch gerne auf dem MM rum! Mir wurde nämlich gesagt, dass der MM durch den Druck der Zwillinge eh schon verkürzter sein kann, aber wie ist das jetzt mit den Senkwehen, geht das jetzt schneller, dass sich der MM verkürzt?"

Die Erfahrung zeigt, dass Senkwehen bei Zwillingsschwangerschaften früher auftreten und intensiver empfunden werden können. Ein verkürzter Muttermund ist bei Mehrlingsschwangerschaften keine Seltenheit und erfordert eine engmaschige Überwachung.

Eine andere Mutter teilt:

"Ich bin jetzt Ende 34 SSW und die beiden sind auch schon super entwickelt und auch schon recht schwer (beide um 2100g)."

Das Gewicht und die Entwicklung der Zwillinge spielen eine Rolle für die Belastung des mütterlichen Körpers. Es ist wichtig, auf die Signale des Körpers zu achten und bei Unsicherheiten ärztlichen Rat einzuholen.

Mögliche Komplikationen und Warnsignale

Obwohl Senkwehen ein normaler Teil der Schwangerschaft sind, können sie in bestimmten Fällen auf vorzeitige Wehen hindeuten, insbesondere bei Zwillingsschwangerschaften.

Bei folgenden Anzeichen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden:

  • Wenn die Wehen nicht von allein abklingen.
  • Wenn die Wehen regelmäßiger und stärker werden.
  • Wenn Wehen vor der 38. Schwangerschaftswoche auftreten und sehr intensiv sind.

Vorzeitige Wehen bergen ein Frühgeburtsrisiko. Eine Mutter berichtet von ihren Erfahrungen:

"Ich hatte Senkwehen und als es zu heftig wurde, musste ich ins KH und bekam Wehenhämmer."

Auch eine Zwillingsschwangerschaft mit Übelkeit, die neu auftritt oder sich verschlimmert, sollte ärztlich abgeklärt werden. Eine mögliche Ursache kann der Druck eines oder beider Babys auf den Magen sein. In seltenen Fällen kann Übelkeit auch ein Symptom einer Gestose (Schwangerschaftsvergiftung) sein, die bei Zwillingsschwangerschaften häufiger vorkommt.

Vorbereitung auf die Zwillingsgeburt

Eine Zwillingsschwangerschaft wird als Risikoschwangerschaft eingestuft, weshalb eine intensive Beratung und sorgfältige Vorbereitung unerlässlich sind. Frühzeitige Planung kann helfen, Stress zu reduzieren und auf unerwartete Situationen vorbereitet zu sein.

Wichtige Schritte vor der Geburt

  • Geburtsvorbereitungskurs: Die Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs, idealerweise speziell für Mehrlingsschwangerschaften, kann wertvolle Informationen und praktische Tipps vermitteln.
  • Klinikkoffer packen: Da Zwillinge oft früher als erwartet zur Welt kommen, ist es ratsam, den Klinikkoffer bereits ab der 34. Schwangerschaftswoche gepackt zu haben.
  • Babyausstattung besorgen: Konzentrieren Sie sich zunächst auf das Nötigste für die ersten Wochen. Bei Zwillingen ist oft eine größere Menge an Windeln und Kleidung erforderlich, aber es ist ratsam, nicht zu viel im Voraus zu kaufen, da man oft Geschenke erhält.
  • Kinderwagenwahl: Ein Zwillingswagen sollte frühzeitig ausgewählt und bestellt werden.
  • Namen auswählen: Überlegen Sie sich rechtzeitig Namen für Ihre Babys und achten Sie auf Individualität, besonders bei gleichgeschlechtlichen Zwillingen.
  • Urlaubsplanung des Partners: Besprechen Sie mit Ihrem Partner, wie er seinen Urlaub einteilen kann, um Sie in der ersten Zeit nach der Geburt zu unterstützen.
  • Wohnraumplanung: Falls eine größere Wohnung oder ein Haus benötigt wird, sollte dies idealerweise im mittleren Drittel der Schwangerschaft in Angriff genommen werden.

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Geburtsberichte und Erfahrungen von Zwillingsmüttern

Die Erfahrungen von Müttern mit Zwillingsgeburten sind vielfältig und oft von spannenden Momenten geprägt. Die Geburt kann auf natürliche Weise erfolgen oder per Kaiserschnitt eingeleitet werden.

Eine Mutter berichtet über ihre Geburt:

"Ich hatte meinen Klinik-Koffer schon ab der 34. Woche gepackt, und das war gut so, denn zu Beginn der 35. Woche setzten bei mir eines Morgens die Wehen ein und vier Stunden später waren meine Zwillinge Margit und Astrid geboren."

Eine andere Mutter teilt ihre Entscheidungsschwierigkeiten bezüglich der Geburtsart:

"Ich bin morgen in der 33. SSW und hatte sehr gehofft, dass die beiden Mäuse noch ein paar Wochen drin bleiben. Ich war nun ziemlich lange wegen Abklärung im Krankenhaus. Gestern Abend sagte der Arzt, es wäre nichts. Keine Wehen zu sehen. [...] Heute morgen fing es dann wieder richtig doll an. [...] Nach ewiger Warten haben mich zwei Ärztinnen nochmal mit zum Ultraschall mitgenommen. Auffällig war nun, dass ich Eiweiß im Blut hatte. Ich hab nun also eine Harnwegsinfektion und bekomme nun Antibiotika. Seit heute späten Mittag bin ich wieder zuhause. Ich hoffe, dass die Schmerzen nun verschwinden."

Die Geburt von Zwillingen kann sich über mehrere Tage hinziehen, wie eine Mutter beschreibt:

"Puh, bin am 3. Tag.... Aber zumindest heute wieder mehr Wehen Aktivität! Mache das gerade das 2 mal mit, ist aber mein 4. Also die 1. 2. Geburt hatte ich 3 Tage Wehen und so richtig los ging es am 3. 3. Und jetzt 4. Geburt (bin aktuell bei 39+1) habe seid Wochen Wehen und seid vorgestern Nacht immer stärker werdende Wehen, aber seid heute Nacht nichts mehr... So langsam kommen die Wehen wieder.. Mein Befund letzte Woche war, das alles Gebrutsreif und Butterweich ist, es müssten nur noch Wehen kommen dann würde es losgehen."

Die aktive Bewegung der Babys im Mutterleib ist oft bis zum Schluss spürbar:

"Sagt mal waren eure Mäuse auch so lebendig am Ende der SS? Die boxen hier wie die Wilden, kann mir das gar nicht vorstellen, denn da sollte doch gar kein Platz mehr sein!!!"

Illustration von zwei Babys, die sich im Mutterleib bewegen.

Expertenmeinungen und medizinische Aspekte

Mehrlingsschwangerschaften werden als Risikoschwangerschaften betrachtet und erfordern eine engmaschige medizinische Überwachung. Dr. Annette Isbruch, Leitende Oberärztin am Helios Klinikum Berlin-Buch, erläutert wichtige Aspekte:

Entstehung und Besonderheiten von Mehrlingsschwangerschaften

Mehrlingsschwangerschaften entstehen durch die Befruchtung mehrerer Eizellen oder durch die Teilung einer befruchteten Eizelle. Es gibt eine familiäre Häufung, und die Wahrscheinlichkeit, Zwillinge zu bekommen, steigt auch durch künstliche Befruchtungsmethoden. Im Vergleich zu Einlingsschwangerschaften gibt es prinzipiell andere Risiken, wie ein erhöhtes Frühgeburtsrisiko, Schwangerschaftsvergiftung (Gestose) und eine generell erhöhte körperliche Belastung für die Schwangere.

Unterschiede zwischen eineiigen und zweieiigen Zwillingen

Eineiige Zwillinge teilen sich oft einen Mutterkuchen, was zu spezifischen Risiken wie Wachstumsrückständen oder dem Fetofetalen Transfusionssyndrom (FFTS) führen kann. Zweieiige Zwillinge haben getrennte Plazenten, was diese spezifischen Risiken minimiert.

Risiken für Mutter und Kinder

Für die Kinder besteht ein erhöhtes Risiko für Frühgeburtlichkeit und Unreife. Für die Mutter können Schwangerschaftsrisiken wie Gestose häufiger auftreten. Ein Kaiserschnitt birgt operationsspezifische Risiken, wie Verletzungen oder eine schlechtere Anpassung der Kinder an die Geburt, wenn sie nicht vorbereitet sind.

Mehrlingsgeburt: Wann ist ein Kaiserschnitt ratsam?

In Deutschland werden Drillinge und Vierlinge meist per Kaiserschnitt geboren. Zwillinge können oft auch vaginal entbunden werden, wenn keine Komplikationen vorliegen. Die Geburt wird in der Regel mittels CTG überwacht. Bei bestimmten Komplikationen, wie einer ungünstigen Lage des führenden Zwillings oder anhaltenden Problemen, kann ein Kaiserschnitt notwendig werden. Eine Mutter berichtet von der Entscheidung für einen Kaiserschnitt nach langem Warten auf die natürliche Geburt, da der führende Zwilling den Kopf überstreckte und nicht in die richtige Position drehen konnte.

Schema zur Darstellung von eineiigen und zweieiigen Zwillingen im Mutterleib.

Alltagstipps für werdende Mehrlings-Mütter

Der Alltag mit Zwillingen, Drillingen oder Vierlingen ist eine besondere Herausforderung. Dr. Isbruch gibt praktische Tipps für werdende Mehrlings-Mütter:

  • Selfcare während der Schwangerschaft: Achten Sie besonders auf die Signale Ihres Körpers, trinken Sie viel, ernähren Sie sich ausgewogen und ruhen Sie ausreichend.
  • Einfache Erstausstattung: Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche. Eine Milchpumpe, Wickelkommode und Krabbeldecke reichen für den Anfang. Beim Kinderwagen ist eine frühzeitige Auswahl ratsam.
  • Kleidung und Spielzeug: Eine Faustregel besagt, dass für Zwillinge etwa die anderthalbfache Menge an Kleidung und Spielzeug benötigt wird, für Drillinge die doppelte Menge. Dies ist jedoch individuell.

Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren, sich Zeit für die Umstrukturierung des Alltags zu nehmen und Hilfe von Hebammen, Familie und Freunden anzunehmen.

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