Eine Schwellung der Schamlippen kann beunruhigend sein, doch in vielen Fällen handelt es sich um ein gut behandelbares Symptom. Dieser Artikel beleuchtet umfassend, was hinter geschwollenen Vulvalippen steckt, welche Ursachen infrage kommen und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Was ist die Vulva?
Die Vulva ist der sichtbare Bereich der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane. Dazu gehören die Schamlippen (Labia majora und minora), die Klitoris und der äußere Teil der Vagina. Die Vagina selbst ist der innere, muskuläre Kanal, der die Vulva mit den inneren Sexualorganen verbindet. Oft wird der Begriff "Vagina" fälschlicherweise für die gesamte äußere Genitalregion verwendet, obwohl dies anatomisch nicht korrekt ist.
Häufige Ursachen für geschwollene Schamlippen
Es gibt vielfältige Gründe für eine Schwellung der Schamlippen. Diese lassen sich grob in verschiedene Kategorien einteilen:
1. Physiologische und mechanische Auslöser
- Erhöhte Durchblutung: Während sexueller Erregung steigt die Durchblutung im Genitalbereich stark an. Dies kann dazu führen, dass sich die Schamlippen vorübergehend voller oder geschwollener anfühlen.
- Reibung: Intensive oder langanhaltende sexuelle Aktivität, insbesondere bei unzureichender Befeuchtung, kann zu Reibung führen. Dies reizt die empfindliche Haut der Vulva und kann Schwellungen, Wundsein und Rötungen verursachen. Auch zu enge Kleidung oder langes Sitzen kann durch Reibung zu Reizungen führen.
- Vaginale Trockenheit: Insbesondere in den Wechseljahren kann vaginale Trockenheit auftreten. Dies verstärkt die Reibung beim Geschlechtsverkehr und kann zu Schwellungen führen.

2. Reiz- und kontaktbedingte Ursachen
- Allergische Reaktionen: Die Haut der Vulva kann empfindlich auf verschiedene Substanzen reagieren. Allergien können durch Duschgele, Gleitmittel, Kondome, parfümiertes Toilettenpapier, Waschmittel oder sogar Slipeinlagen ausgelöst werden. Symptome sind Entzündungen, Juckreiz, Brennen, Rötungen und Schwellungen.
3. Infektiöse Erkrankungen
- Bartholinitis (Entzündung der Bartholin-Drüsen): Neben dem Scheideneingang befinden sich die Bartholin-Drüsen, die beim Sex zur Befeuchtung beitragen. Entzündet sich der Ausgang einer dieser Drüsen, spricht man von Bartholinitis. Dies geschieht oft durch eine Stauung des Drüsensekrets, in dem sich Bakterien vermehren können. Ursachen können Darm- oder Hautbakterien oder Erreger von Geschlechtskrankheiten sein. Symptome sind Schwellung, Rötung und Schmerzen. In fortgeschrittenen Stadien können sich Abszesse oder Zysten bilden.
- Scheidenpilz (Candida albicans): Eine Pilzinfektion ist sehr verbreitet und kann neben Juckreiz und Brennen auch zu Schwellungen im Vulvabereich führen.
- Bakterielle Vaginose: Diese bakterielle Infektion kann ebenfalls zu Reizungen, Brennen und Schwellungen führen. Ein charakteristisches Symptom ist oft ein fischiger Geruch.
- Geschlechtskrankheiten (STIs): Bestimmte sexuell übertragbare Infektionen wie Chlamydien, Gonorrhoe (Tripper) oder Genitalherpes können ebenfalls Schwellungen an der Vulva verursachen.

4. Seltenere organische Veränderungen
- Bartholin-Zysten: Wenn der Ausführungsgang einer Bartholin-Drüse blockiert ist, kann sich Sekret ansammeln und eine Zyste bilden. Diese ist oft schmerzlos, kann aber bei Entzündung zu erheblichen Schwellungen führen. Eine einseitige Schwellung der Schamlippen kann ein Hinweis auf eine Bartholin-Zyste sein.
Unterschied zwischen Vagina und Vulva
Es ist wichtig, den Unterschied zwischen Vagina und Vulva zu verstehen. Die Vulva umfasst die äußeren Genitalien (Schamlippen, Klitoris etc.), während die Vagina der innere Kanal ist, der zur Gebärmutter führt. Die Schwellung betrifft in der Regel die Vulva, also die äußeren Strukturen.
Diagnose und Behandlung
Bei anhaltenden oder starken Schwellungen der Schamlippen ist eine ärztliche Untersuchung unerlässlich, um die genaue Ursache abzuklären.
Behandlung der Bartholinitis
In frühen Stadien können Sitzbäder mit entzündungshemmenden Zusätzen oder Wärme (z. B. Rotlichtlampe) Linderung verschaffen. Bei bakteriellen Infektionen, insbesondere durch Geschlechtskrankheiten, werden Antibiotika verschrieben. Sind Abszesse oder Zysten entstanden, kann eine operative Entfernung notwendig sein.
Behandlung von Allergien
Bei Verdacht auf eine allergische Reaktion ist es wichtig, den Auslöser zu identifizieren und zu meiden. Dies kann durch den Wechsel von Intimpflegeprodukten, Kondomen oder Waschmitteln geschehen. Die Verwendung milder, parfümfreier Produkte ist ratsam.
Behandlung von Scheidenpilz und bakterieller Vaginose
Gegen Scheidenpilzinfektionen helfen rezeptfreie Cremes, Salben und Zäpfchen (Antimykotika). Bei bakterieller Vaginose oder Verdacht auf eine STI sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, da hier oft Antibiotika erforderlich sind.
Hygienemaßnahmen
Eine achtsame Intimhygiene ist entscheidend. Dazu gehört:
- Reinigung nur mit lauwarmem Wasser oder milden, unparfümierte Intimwaschlotionen.
- Vermeidung von aggressiven Seifen und Vaginalduschen.
- Immer von vorne nach hinten wischen, um die Übertragung von Darmbakterien zu verhindern.
- Tragen von lockerer, atmungsaktiver Unterwäsche aus Baumwolle.
Geschlechtskrankheiten
Bei Verdacht auf eine sexuell übertragbare Infektion ist eine umgehende ärztliche Abklärung und Behandlung wichtig. Die konsequente Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr kann das Übertragungsrisiko reduzieren.
Wann zum Arzt?
Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn:
- Die Schwellung stark schmerzhaft ist oder sich verschlimmert.
- Zusätzliche Symptome wie Fieber, starker Ausfluss, ungewöhnlicher Geruch, Brennen beim Wasserlassen oder starke Rötungen auftreten.
- Die Schwellung wiederholt auftritt.
- Ein Knoten tastbar ist.
Meist sind geschwollene Schamlippen harmlos und klingen schnell ab. Bei anhaltenden Beschwerden oder Verdacht auf eine Infektion ist jedoch eine gynäkologische Untersuchung unerlässlich.
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