Die Nachricht von einer Schwangerschaft löst bei werdenden Eltern oft eine Mischung aus Freude und Sorge aus. Gerade in dieser sensiblen Phase ist es wichtig, sich umfassend zu informieren und Risiken für das ungeborene Kind zu minimieren. Ein Thema, das dabei immer wieder für Unsicherheit sorgt, ist der Umgang mit Alkohol. Denn selbst ein unbeabsichtigter Konsum kann Ängste auslösen.
Schon ein Schluck Alkohol kann das ungeborene Kind schädigen. Daher lautet die klare Empfehlung, bewusst auf Alkohol in der Schwangerschaft und Stillzeit zu verzichten. Alkohol ist ein Zellgift, das sich direkt auf das Wachstum und die Hirnentwicklung des Babys im Mutterleib auswirkt. Trinken werdende Mütter ein Glas Bier, Wein oder gar Härteres, hat ihr Baby innerhalb von nur wenigen Minuten den gleichen Alkoholpegel wie sie. Da die Leber des Babys jedoch noch nicht vollständig entwickelt ist, braucht es 10 Mal länger als die Mutter, um den Alkohol abzubauen. Es ist deshalb den gefährlichen Auswirkungen des Gifts auch länger ausgesetzt - nicht selten mit gravierenden Folgen.

Fetale Alkoholspektrum-Störung (FASD): Die Folgen von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft
Die pränatale Schädigung durch den Alkoholkonsum der Schwangeren kann unterschiedliche Auswirkungen auf das Kind haben. Als Fetale Alkoholspektrum-Störung (FASD) werden die gesamten Auswirkungen alkoholbedingter Störungen zusammengefasst. Das Fetale Alkoholsyndrom (FAS) hingegen beschreibt das Vollbild der Behinderung.
Die einzelnen Organe des Ungeborenen reifen in unterschiedlichen Zeitfenstern. Da Alkohol ein Zellgift ist, kann es sich in jeder Form und in jeder Phase der Schwangerschaft schädigend auf Organe und Organsysteme des Ungeborenen auswirken. Das zentrale Nervensystem entwickelt sich während der ganzen neun Monate und ist dadurch am stärksten gefährdet. Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ist die häufigste Ursache für nicht genetisch bedingte Behinderungen.
Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kommen pro Jahr mehr als 10.000 Babys mit Anzeichen für diese Störung auf die Welt. Diese Auffälligkeiten werden unter dem Begriff Fetale Alkoholspektrumstörung, kurz FASD (abgeleitet von der englischen Bezeichnung Fetal Alcohol Spectrum Disorders), zusammengefasst. Verbunden sind diese oftmals mit lebenslangen körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen, die unter anderem zu Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten führen können, etwa Ruhelosigkeit, Reizbarkeit und erhöhte Aggressivität. Für viele Betroffene ist es selbst später, wenn sie erwachsen sind, schwer bis unmöglich, den Alltag zu bewältigen und für sich selbst zu sorgen. Das gilt vor allem für die rund 3.000 Kinder, die jedes Jahr mit der schwersten Form der FASD, dem Fetalen Alkoholsyndrom (FAS), geboren werden.

Formen und Symptome von FASD
Je nach Schweregrad der FASD wird in der Medizin zwischen vier Formen unterschieden, die durch unterschiedliche Symptome gekennzeichnet sind:
- FAS (Fetales Alkoholsyndrom): Dies ist die schwerste Form des FASD, die mitunter auch Alkoholembryopathie genannt wird. Sie ist mit Störungen des zentralen Nervensystems, Wachstumsstörungen und Fehlbildungen verbunden. Zu den (nicht immer) sichtbaren Auffälligkeiten zählen Besonderheiten im Gesicht, wie schmalen Augenlidspalten, eine schmale Oberlippe oder eine kaum ausgeprägte Falte zwischen Nase und Mund. Dazu sind die betroffenen Kinder meist kleiner und/oder leichter als ihre Altersgenossen. Aufgrund der gestörten Hirnentwicklung zeigen sie oft intellektuelle Beeinträchtigungen sowie Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten. Auch in ihrem Sozialverhalten sind sie häufig auffällig.
- pFAS (partielles Fetales Alkoholsyndrom): Hier kommt es zu weniger sichtbaren und nicht in allen Bereichen auftretenden Anzeichen eines FAS. Typischerweise liegen keine Fehlbildungen vor.
- ARND (Alcohol Related Neurodevelopmental Disorder, auf Deutsch: Alkoholbedingte neurologische Entwicklungsstörung): Diese Form macht sich durch Störungen des zentralen Nervensystems ohne körperliche Anzeichen bemerkbar. Diese Kinder haben keine sichtbaren Auffälligkeiten. Sie sind normal groß und körperlich gesund entwickelt. Allerdings zeigen sie kognitive Beeinträchtigungen in Form einer geringen Intelligenz, emotionalen Störungen und/oder Verhaltensauffälligkeiten.
- ARBD (Alcohol Related Birth Defects, auf Deutsch: Alkoholbedingte Geburtsdefekte): Hierbei liegen Fehlbildungen an Organen und/oder den Knochen vor, das Gehirn ist jedoch normal entwickelt. Für eine ärztliche Diagnose der ARND und ARBD muss bestätigt sein, dass die Mutter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken hat. Ein FAS oder pFAS können auch dann diagnostiziert werden, wenn über die Trinkgewohnheiten der Mutter nichts bekannt ist.
Neben den genannten Symptomen weisen vor allem kleine Kinder mit einem FAS fast immer einige charakteristische Veränderungen im Gesicht auf: Ihre Lidspalte kann verkürzt und die Oberlippe nur schmal ausgebildet sein. Die vertikale Furche zwischen Nase und Oberlippe, das Philtrum, zeigt sich möglicherweise nur schwach oder gar nicht ausgeprägt. Darüber hinaus haben die betroffenen Kinder einige andere körperliche Auffälligkeiten: Bereits bei ihrer Geburt sind sie meist kleiner und leichter als andere Babys. Das ändert sich auch in den folgenden Jahren kaum. Auch das Gehirn ist oft kleiner als bei anderen Kindern. Zudem ist der Austausch von Informationen zwischen den einzelnen Hirnarealen vielfach gestört.

Zeitpunkt und Menge: Wann ist Alkohol am schädlichsten?
Der Alkoholkonsum kann in jeder Phase der Schwangerschaft die Gesundheit des Kindes gefährden. Im ersten Schwangerschaftsdrittel besteht die Gefahr körperlicher Fehlbildungen, da Alkohol Einfluss auf die Zellvermehrung/-teilung hat, was zu einer reduzierten Bildung von Gehirnzellen führen kann. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel treten in Folge von Alkoholkonsum besonders häufig Wachstumsstörungen und das Risiko für Fehlgeburten auf. Während des dritten Schwangerschaftsdrittels kann Alkoholkonsum zu Wachstumsstörungen und Störungen der Vernetzung oder Absterben von Nervenzellen führen.
Am schädlichsten ist der Alkohol für das Ungeborene, wenn er in den ersten zwei Dritteln der Schwangerschaft getrunken wird - also in der Phase, in der alle Organe des kindlichen Körpers angelegt werden. Insbesondere in den ersten sechs Wochen ihrer Schwangerschaft wissen viele Frauen allerdings noch gar nicht, dass in ihrem Bauch ein Kind heranwächst, weswegen sie womöglich aus Versehen Alkohol während der Schwangerschaft trinken.
Das Alles-oder-nichts-Prinzip
Ausgenommen von den spezifischen Schäden im weiteren Verlauf der Schwangerschaft ist die Phase zwischen Befruchtung und vollständiger Einnistung der Eizelle (etwa bis zur 5. SSW). In dieser Zeit gilt das sogenannte Alles-oder-nichts-Prinzip. Hast du in dieser Zeit Alkohol getrunken, ohne zu wissen, dass du schwanger bist, können mögliche Schäden an der Eizelle noch ausgeglichen werden, indem es entweder zu keiner Schwangerschaft kommt oder sich die Eizelle dennoch normal entwickelt.
Die Menge macht's?
Es gibt keinen risikolosen Alkoholgrenzwert in der Schwangerschaft! Sowohl chronischer Alkoholkonsum als auch geringe Mengen, wie ein Glas Sekt, können schwerwiegende und dauerhafte Schädigungen zur Folge haben. Eine unbedenkliche Menge Alkohol gibt es für das Ungeborene nicht. Schon ein Glas Wein oder Bier kann dem sich entwickelnden Kind schaden. Und bereits ein einmaliges Rauschtrinken mit mindestens fünf alkoholischen Getränken während der Schwangerschaft kann eine FASD zur Folge haben. Am geringsten ist das Risiko, wenn die Mutter nur im letzten Schwangerschaftsdrittel gelegentlich kleine Mengen Alkohol trinkt. Ganz ausschließen lässt es sich aber auch dann nicht.
Was tun, wenn versehentlich Alkohol getrunken wurde?
Wenn Sie schwanger sind und versehentlich Alkohol zu sich genommen haben, ist es verständlich, dass Sie sich Sorgen machen. Es ist wichtig zu wissen, dass nicht jeder Schluck Alkohol zwangsläufig zu bleibenden Schäden führt. Das gesunde Glas Rotwein ist ein Mythos. Allein entscheidend ist die Menge an reinem Alkohol, die die Mutter zu sich nimmt.
Manche Frauen erfahren erst spät in der Schwangerschaft von ihrer Schwangerschaft und haben bis dahin möglicherweise Alkohol konsumiert. In solchen Fällen ist es entscheidend, ab dem Zeitpunkt der Feststellung der Schwangerschaft konsequent auf Alkohol zu verzichten. Jeder alkoholfreie Tag kann einen Unterschied für die gesunde Entwicklung des Kindes machen. Wenn Sie in der Vergangenheit während der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben, ist es nie zu spät, damit aufzuhören.
Die "Alles-oder-nichts-Regel" in der frühen Schwangerschaft
Gerade in der sehr frühen Phase der Schwangerschaft, bevor die Organbildung abgeschlossen ist, gilt oft die "Alles-oder-nichts-Regel". Das bedeutet, dass entweder der Embryo durch den schädigenden Einfluss abstirbt oder sich trotz des Konsums normal weiterentwickelt. Bei einer geringen Menge, wie einem Schluck, und in einem frühen Stadium der Schwangerschaft, ist die Wahrscheinlichkeit, dass keine gravierenden Schäden entstehen, relativ hoch. Dennoch sollte man dies nicht als Freifahrtschein für weiteren Konsum betrachten.
Was Sie jetzt tun können:
- Bleiben Sie ruhig: Panik hilft nicht weiter. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie jetzt tun können.
- Verzichten Sie ab sofort konsequent auf Alkohol: Dies ist das Wichtigste, was Sie für die Gesundheit Ihres Kindes tun können.
- Ernähren Sie sich gesund und achten Sie auf einen gesunden Lebensstil: Dies unterstützt die Entwicklung Ihres Kindes optimal.
- Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt: Teilen Sie Ihre Sorgen und den Vorfall offen mit. Ihre Gynäkologin oder Ihr Gynäkologe kann Sie am besten beraten und eventuell weitere Schritte einleiten oder Sie beruhigen.
Alkohol in der Schwangerschaft
Alkoholfreie Alternativen und die Stillzeit
Möchten Sie nicht auf den Geschmack von alkoholischen Getränken verzichten, können Sie auf alkoholfreie Biere, alkoholfreien Wein oder Sekt zurückgreifen. Achten Sie aber beim Einkauf unbedingt darauf, dass diese Getränke keinen Restalkohol enthalten! "Alkoholfrei" bedeutet laut Gesetz, dass die Getränke nicht mehr als 0,5 % vol. enthalten dürfen. "Ohne Alkohol" darf nur auf Getränken stehen, bei denen tatsächlich 0,0 % vol. Alkohol enthalten sind. Auch Malzbier ist keine eindeutige Lösung, da sich darin auch noch Restalkohol befinden kann, der Ihrem Kind schadet.
Alkoholkonsum in der Stillzeit
Auch in der Stillzeit gilt Alkoholkonsum als problematisch. Der Alkohol aus dem Blut der Mutter geht in die Muttermilch über, sodass auch das Baby alkoholisiert wird. Die Alkoholkonzentrationen im Blut und in der Milch steigen annähernd parallel und erreichen nach etwa 30 Minuten ein Konzentrationsmaximum. Wenngleich die Übertragung nicht in gleichem Maß erfolgt wie in der Schwangerschaft, reicht sie aus, um zu Entwicklungsverzögerungen zu führen und sich direkt auf das Kind auszuwirken. So konnte man feststellen, dass Kinder, die über die Muttermilch unter Alkoholeinfluss stehen, schlechter schlafen, mehr schreien und schreckhafter sind. Gesicherte Daten darüber, wie viel Alkohol zu Schädigungen des Kindes führt, gibt es nicht. Deshalb empfiehlt man Müttern, in der Stillzeit vollständig auf Alkohol zu verzichten.

Hilfe und Unterstützung bei Problemen mit Alkohol in der Schwangerschaft
Wenn Sie feststellen, dass es Ihnen unheimlich schwerfällt, als Schwangere auf das Gläschen Rotwein am Abend oder ein Bier mit Freunden zu verzichten, sollten Sie sich Unterstützung suchen. Scheuen Sie sich nicht davor, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Informieren Sie am besten auch Ihre Hausärztin oder Gynäkologin. Es ist wichtig, ehrlich zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihren Alkoholkonsum zu sein, damit er oder sie Ihnen die bestmögliche Betreuung bieten kann. Sie sind auch ideale Ansprechpartner, wenn Sie Hilfe brauchen, um vom Alkohol wegzukommen.
Regelmäßige Bewegung oder Hobbys können Ihnen dabei helfen, den Drang nach Alkohol zu reduzieren. Durch Sport und Dinge, die Sie glücklich machen, sorgen Sie auch für ein glückliches Kind in Ihrem Bauch. Endorphine (=Glückshormone) darf Ihr Baby gerne viele bekommen. Endorphine machen Ihr Kind ruhiger und ausgeglichener.
Die Rolle von Familie und Freunden
Alkoholkonsum kann nicht nur Ihr Kind, sondern auch Ihre Beziehung gefährden. Ihr Partner oder Ihre Partnerin wird nicht einfach so akzeptieren, dass Sie wegen ein paar Gläsern Schnaps die Gesundheit Ihres gemeinsamen Kindes riskieren. Der Stress in der Partnerschaft wiederum ist ebenfalls ungünstig für das Baby. Bevor Sie also zu einem Glas Sekt, einer Flasche Bier oder einem Cocktail greifen, sollten Sie sich bewusst machen, was dabei auf dem Spiel steht. Familie, Freunde oder Profis stehen an Ihrer Seite. Sprechen Sie mit anderen Schwangeren darüber und suchen Sie Unterstützung bei Ihrer Familie, bei Freunden oder Fachleuten, falls es Ihnen schwerfallen sollte.
Fazit: Sie sind nicht allein
Schon kleine Mengen Wein, Bier oder Schnaps können die Entwicklung eines Babys im Mutterleib beeinträchtigen. Daher ist es wichtig, dass Schwangere keinen Alkohol trinken. Viele Frauen stehen vor dieser Herausforderung. Manchen fällt es leichter und anderen schwerer. Fest steht in jedem Fall: Sie sind nicht allein damit. Sprich mit anderen Schwangeren darüber und suche Unterstützung bei deiner Familie, bei Freunden oder Fachleuten, falls es dir schwerfallen sollte.
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