Die Trächtigkeit einer Hündin erstreckt sich durchschnittlich über 63 Tage ab dem Tag der Ovulation, was etwa 61 Tagen ab dem Zeitpunkt der erfolgreichen Belegung entspricht. Während dieser Zeit entwickeln sich aus winzigen befruchteten Eizellen lebensfähige Welpen, und der mütterliche Organismus durchläuft bedeutende physiologische Anpassungen. Um die Bedürfnisse der Hündin in jeder Phase ihrer Trächtigkeit besser zu verstehen und das Management entsprechend anzupassen, wird die Trächtigkeit üblicherweise in drei Hauptphasen unterteilt. Jede dieser Phasen ist durch spezifische Entwicklungsprozesse gekennzeichnet, die unterschiedliche Anforderungen an Fütterung, Bewegung und Betreuung stellen.

Erste Trächtigkeitsphase: Unsichtbare Anfänge (Tag 1-21)
In den ersten drei Wochen nach der erfolgreichen Befruchtung sind die Vorgänge im Körper der Hündin äußerlich meist nicht sichtbar. Die befruchteten Eizellen wandern durch die Eileiter in die Gebärmutter. Dort schwimmen sie zunächst als freie Blastozysten in der Uterusflüssigkeit. Diese Wanderungsphase dauert etwa zwei Wochen.
Äußerlich zeigt die Hündin in dieser frühen Phase in der Regel keinerlei Veränderungen. Gelegentlich können jedoch leichte Verhaltensänderungen beobachtet werden: Manche Hündinnen werden anhänglicher, während andere sich eher zurückziehen. Um die dritte Woche herum können manche Hündinnen eine vorübergehende Appetitlosigkeit oder leichte Übelkeit erfahren, ein Phänomen, das der menschlichen Morgenübelkeit ähnelt.
Das Management in dieser Phase folgt dem Prinzip "weniger ist mehr". Die Hündin erhält weiterhin ihr gewohntes hochwertiges Futter in normaler Menge; eine Erhöhung der Futtermenge wäre zu diesem Zeitpunkt kontraproduktiv. Die gewohnte Bewegungsroutine wird beibehalten, um die Kondition der Hündin zu erhalten. Kritisch ist jedoch die Vermeidung von Stress, da Ortswechsel, Rangordnungskämpfe oder andere belastende Situationen die empfindliche Einnistungsphase stören können.
Zweite Trächtigkeitsphase: Erste Anzeichen und Entwicklung (Tag 22-45)
Mit Beginn der vierten Woche vollzieht sich ein bemerkenswerter Wandel: Aus den Embryonen entwickeln sich Feten, bei denen bereits alle wichtigen Organe angelegt sind. Bei vielen Hündinnen werden nun erste äußere Anzeichen sichtbar. Die Zitzen beginnen sich aufzurichten und nehmen eine kräftigere rosa Färbung an. Bei schlanken Hündinnen kann eine leichte Zunahme des Bauchumfangs erkennbar werden.
Das Verhalten der Hündin verändert sich oft deutlich: Sie wird ruhiger, schläft mehr und zeigt ein gesteigertes Interesse an Futter. Manche Hündinnen werden besonders anhänglich und suchen vermehrt Körperkontakt, während andere ruhige Rückzugsorte bevorzugen. In dieser Phase beginnen die ersten Anpassungen in der Betreuung. Ab Tag 35 kann die Futtermenge leicht erhöht werden.
Der Ultraschall spielt eine entscheidende Rolle bei der Trächtigkeitsdiagnose. Ab Tag 21 können geübte Untersucher die Fruchtanlagen als kleine, echoarme (dunkle) Bläschen in der Gebärmutter darstellen. Für eine sichere Diagnose wird jedoch meist bis Tag 28 gewartet, wenn die fetalen Herzaktionen sicher darstellbar sind. Die Welpenzählung per Ultraschall ist jedoch unzuverlässig, da die Genauigkeit nur etwa 70% beträgt und oft zu wenige Welpen gezählt werden.
Trächtigkeitsultraschall bei einer Hündin...Tierarztbergedorf.de
Die abdominale Palpation ist eine ältere Methode der Trächtigkeitsdiagnostik, die in geübten Händen zwischen Tag 28 und 35 recht zuverlässig ist. Die Fruchtampullen fühlen sich als prall-elastische, glatte Strukturen an, die wie Perlen auf einer Schnur entlang der Gebärmutterhörner aufgereiht sind. Die Grenzen der Palpation sind klar definiert: Vor Tag 28 sind die Ampullen zu klein, nach Tag 35 beginnen sie zu verschmelzen und der Uterus sinkt ab, wodurch einzelne Früchte nicht mehr unterscheidbar sind.
Ab Tag 45 beginnt die Mineralisierung der fetalen Skelette, die röntgenologisch darstellbar wird. Die Röntgenuntersuchung ist die genauste Methode für die Welpenzählung und hilft bei der Geburtsüberwachung, um zu wissen, wann alle Welpen geboren sind.
Dritte Trächtigkeitsphase: Dramatisches Wachstum und Vorbereitung auf die Geburt (Tag 46-63)
Die letzten drei Wochen der Trächtigkeit sind durch dramatisches Wachstum gekennzeichnet. Etwa 75% des Geburtsgewichts der Welpen werden in dieser Phase zugenommen. Die Skelette beginnen zu mineralisieren, was ab Tag 45 röntgenologisch sichtbar wird.
Die körperlichen Veränderungen der Hündin sind nun unübersehbar. Der Bauchumfang nimmt täglich zu, die Milchleisten schwellen deutlich an, und in den letzten Tagen vor der Geburt kann bereits Vormilch (Kolostrum) aus den Zitzen austreten. Die vergrößerte Gebärmutter drückt auf die inneren Organe, was zu häufigem Harnabsatz und reduzierter Magenkapazität führt.
Das Verhalten in dieser Phase ist geprägt von zunehmender Ruhe und beginnender Nestbauaktivität. Etwa eine Woche vor der Geburt beginnen viele Hündinnen, geeignete Wurfplätze zu suchen. Sie scharren in Decken, tragen Spielzeug oder Stofftiere umher und zeigen deutliches Interesse an ruhigen, geschützten Orten. Der Energiebedarf steigt in dieser Phase stark an. Da gleichzeitig die Magenkapazität abnimmt, muss die Tagesration auf vier bis fünf kleine Mahlzeiten verteilt werden.

Ernährung während der Trächtigkeit
Die Ernährung der trächtigen Hündin folgt einem klaren Phasenmodell, das sich an der fetalen Entwicklung orientiert. Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, trächtige Hündinnen müssten "für zwei fressen". In den ersten fünf Wochen bleibt der Energiebedarf der Hündin praktisch unverändert, da die Embryonen mikroskopisch klein sind und ihr Nährstoffbedarf vernachlässigbar ist.
Mit Beginn der sechsten Woche setzt das eigentliche fetale Wachstum ein. Der Energiebedarf der Hündin steigt moderat um etwa 10-15% pro Woche. Diese Steigerung sollte graduell erfolgen und sich an der Körperkondition orientieren. Die letzten zwei Wochen sind metabolisch die anspruchsvollste Phase, in der der Energiebedarf auf 130-160% des Normalbedarfs ansteigen kann.
Für eine präzise Fütterung ist es wichtig, den Erhaltungsbedarf der Hündin zu kennen. Dieser kann aus der Tagesration berechnet werden, die die Hündin vor der Belegung erhalten hat. Nach dem 35. Trächtigkeitstag kann der Energiebedarf durch eine Formel approximiert werden, die den Trächtigkeitstag und die erwartete Anzahl der Welpen berücksichtigt. Eine Feinabstimmung erfolgt durch Beobachtung der Gewichtszunahme der Hündin.
Die Umstellung auf Welpenfutter erfolgt idealerweise ab Tag 35 graduell über eine Woche. Welpenfutter bietet eine höhere Energiedichte, ein optimales Calcium-Phosphor-Verhältnis, erhöhten Proteingehalt und bessere Verdaulichkeit.
Wichtige Nährstoffe und Supplementierung
Folsäure spielt eine zentrale Rolle in der frühen Embryonalentwicklung. Eine Supplementierung mit 5 mg je Hündin täglich, idealerweise bereits vor der Belegung begonnen und bis zum 42. Trächtigkeitstag fortgeführt, kann das Risiko von Gaumenspalten und Spina bifida senken.
DHA (Docosahexaensäure), eine Omega-3-Fettsäure, ist essentiell für die Entwicklung von Gehirn und Retina. Studien zeigen, dass Welpen von DHA-supplementierten Müttern bessere Lernfähigkeiten und Sehschärfe entwickeln. Eine Gabe von 0,4 mg EPA+DHA pro kcal Futteraufnahme ab der Trächtigkeitsmitte ist empfehlenswert, sofern es nicht bereits im Futter enthalten ist.
Calcium sollte entgegen der weitverbreiteten Meinung während der Trächtigkeit nicht supplementiert werden. Überschüssiges Calcium kann die körpereigene Parathormon-Produktion unterdrücken. Nach der Geburt, wenn der Calciumbedarf durch die Milchproduktion sprunghaft ansteigt, kann der Körper nicht schnell genug reagieren, was zu lebensbedrohlicher Eklampsie führen kann. Ein ausgewogenes Alleinfutter enthält ausreichend Calcium.
Bewegung und Haltung während der Trächtigkeit
Bewegung während der Trächtigkeit ist ein wichtiger Baustein für eine komplikationslose Geburt. Die richtige Aktivität erhält die Muskulatur, fördert die Durchblutung der Plazenta und verhindert übermäßige Gewichtszunahme.
In den ersten drei Wochen kann und sollte die Hündin ihr normales Bewegungsprogramm beibehalten. Arbeitshunde können ihrer Tätigkeit nachgehen, Sporthunde moderat trainieren. Mit Beginn der Organogenese der Feten wird das Training moderater; gleichmäßige Bewegung bleibt wichtig, aber Intensitätsspitzen werden vermieden.
In den letzten drei Wochen bestimmt die Hündin selbst ihr Bewegungspensum. Mehrere kurze Spaziergänge von 10-20 Minuten sind einem langen Marsch vorzuziehen. Bestimmte Symptome wie starkes Hecheln nach minimaler Anstrengung, Verweigerung weiterzugehen, auffälliges Hinlegen während des Spaziergangs, Zittern oder unsicherer Gang deuten auf Überlastung hin. Bei solchen Zeichen sollte die Aktivität abgebrochen und Ruhe gewährt werden.
Die trächtige Hündin benötigt eine Umgebung, die Sicherheit und Komfort bietet. Rutschige Böden sollten vermieden werden; Teppichläufer oder Yogamatten auf glatten Flächen schaffen Sicherheit. Treppen sollten nur unter Aufsicht bewältigt werden.
Ab der sechsten Woche entwickeln viele Hündinnen ein verstärktes Ruhebedürfnis. Es sollten mindestens zwei Rückzugsorte geschaffen werden: einer im Familienbereich, wo die Hündin dabei sein kann, ohne gestört zu werden, und ein absolut ruhiger Ort, idealerweise dort, wo später die Wurfkiste stehen wird. Diese Plätze sollten zugfrei, nicht zu warm (20-22°C) und leicht zu reinigen sein.
Ab Tag 50 sollte die Wurfkiste aufgebaut und zugänglich sein, damit sich die Hündin daran gewöhnen kann. Die Wurfkiste sollte attraktiv gestaltet sein, z.B. durch das Hineinlegen beliebter Kauartikel und gemeinsame Ruhezeiten dort, damit die Hündin sie mit positiven Erfahrungen verknüpft.
Gesundheitliche Vorsorge: Impfungen und Parasitenkontrolle
Bei Impfungen während der Trächtigkeit gilt der Grundsatz größter Zurückhaltung. Die Hauptimpfungen sollten bereits vor der Belegung aktuell sein.
Das canine Herpesvirus (CHV-1) ist ein Hauptverursacher des "Welpensterbens". Die Herpes-Impfung ist speziell für trächtige Hündinnen entwickelt worden und sollte erwogen werden bei einer Vorgeschichte von Welpenverlusten oder bekanntem Herpes-Status im Bestand oder Umfeld. Die Impfung sollte entweder während der Läufigkeit oder 7-10 Tage nach dem Deckakt und erneut 1-2 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin erfolgen. Die gebildeten Antikörper werden über das Kolostrum an die Welpen weitergegeben und schützen diese in der neonatalen Phase.
Die Parasitenkontrolle während der Trächtigkeit zielt darauf ab, die Übertragung von Würmern auf die Welpen zu verhindern. Viele Hündinnen tragen ruhende Spulwurmlarven in ihrer Muskulatur, die durch normale Entwurmungen nicht erreicht werden und ab etwa Tag 42 reaktiviert werden. Fenbendazol (Panacur) täglich von Tag 40 bis zwei Tage nach der Geburt oder eine zweimalige Behandlung mit Milbemycinoxim/Praziquantel (Milbemax) an Tag 40 und 55 sind wissenschaftlich belegte und wirksame Protokolle zur Reduktion der Wurmbürde bei Welpen.
Untersuchungsplan und Diagnostik
Ein durchdachter Untersuchungsplan minimiert Stress für die Hündin und maximiert den diagnostischen Nutzen:
- Tag 28-35: Ultraschalluntersuchung zur optimalen Trächtigkeitsdiagnose. Fruchtanlagen und Herzaktion sind gut darstellbar.
- Tag 53-58: Röntgenuntersuchung zur Welpenzählung, falls eine genaue Zahl für die Geburtsplanung wichtig ist.
Die Unterscheidung normaler trächtigkeitsbedingter Veränderungen von echten Warnsignalen ist essentiell. Viele Erstzüchter sind verunsichert, doch viele Veränderungen sind völlig normal:
- Morgendliche Übelkeit (Tag 21-28): Etwa 30% der Hündinnen zeigen vorübergehende Appetitlosigkeit oder Übelkeit.
- Klarer Vaginalausfluss (ab Tag 28): Ein zäher, klarer bis weißlicher Schleimpfropf kann sich lösen, ein normales Zeichen hormoneller Veränderungen.

tags: #ultraschallbilder #trachtigkeitstag #21 #tag