Die Bronchiolitis ist eine Entzündung der kleinsten Atemwege, der Bronchiolen, in der Lunge. Sie tritt vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern unter 12 Monaten auf, ist aber auch bei Kindern unter zwei Jahren häufig. Die Erkrankung ähnelt zu Beginn einem akuten Asthmaanfall, insbesondere wenn die Entzündung der Bronchiolen weit fortgeschritten ist. Aufgrund des geringen Durchmessers der Bronchien kann die Schleimhaut so stark anschwellen, dass die Belüftung und Entlüftung der Lungenbläschen erschwert wird.

Ursachen und Auslöser
Der typische Auslöser für Bronchiolitis sind Respiratory-Syncytial-Viren (RSV), auch bekannt als humane Pneumoviren. Andere Viren wie Rhinoviren, Parainfluenzaviren, Influenzaviren und humane Metapneumoviren können ebenfalls eine Rolle spielen. Die COVID-19-Pandemie hat die Übertragung und das Erscheinungsbild der Bronchiolitis beeinflusst. Während der Pandemie gab es einen deutlichen Rückgang der Fallzahlen, wahrscheinlich aufgrund von Social Distancing und anderen Vorsichtsmaßnahmen. Nach Lockerung dieser Maßnahmen nahmen die Fälle von RSV und Bronchiolitis weltweit wieder zu.
Das Coronavirus infiziert die oberen Atemwege | 360°
Symptome und Diagnose
Die Symptome der Bronchiolitis entwickeln sich typischerweise über ein bis drei Tage. Zu den Hauptsymptomen gehören:
- Husten, der anfangs trocken sein kann und später produktiv wird.
- Schnupfen und gelegentlich leichtes Fieber.
- Atemnot, insbesondere bei der Ausatmung (exspiratorische Dyspnoe), bedingt durch die Verlegung der peripheren Atemwege.
- Nasenflügeln (Erweiterung der Nasenlöcher bei der Einatmung) und blass-zyanotische Hautverfärbung bei schwereren Verläufen.
- Bei der Auskultation der Lunge sind feinblasige Rasselgeräusche (crackles) oder ein sehr leises Atemgeräusch zu hören. Manchmal sind auch Giemen (pfeifende Atemgeräusche) vorhanden.
- Bei kleinen Säuglingen können Apnoen, also kurze Atemaussetzer, auftreten.
- Manche Kinder, insbesondere Babys, können quengelig, unruhig sein oder schlecht trinken.
Die Diagnose wird in der Regel durch die klinische Anamnese und die körperliche Untersuchung gestellt. Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs kann unterstützend eingesetzt werden, zeigt aber oft nur unspezifische Befunde wie Überblähung, atelektatische Bezirke und Infiltrate. Eine spezifische Testung auf den viralen Erreger ist möglich, hat aber oft wenig Einfluss auf das Management und wird daher nicht routinemäßig empfohlen. Das COVID-19-Testing kann jedoch zur Abgrenzung von COVID-19 als Ursache der Infektion notwendig sein.

Behandlung und Management
Die Behandlung der Bronchiolitis konzentriert sich in erster Linie auf die Unterstützung der Symptome und die Sicherstellung einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr, da die Infektion in der Regel von selbst ausheilt.
Unterstützende Maßnahmen
- Freihalten der Nase: Da Säuglinge und Kleinkinder hauptsächlich durch die Nase atmen, ist es wichtig, die Nase von Sekret zu befreien. Hierfür kann Nasensekretabsaugung mittels einer Nasensaugflasche oder -birne eingesetzt werden.
- Atemwegshygiene: Regelmäßiges Lüften der Räume und das Husten oder Niesen in die Armbeuge sind wichtige Präventionsmaßnahmen.
- Flüssigkeitszufuhr: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist essenziell. Bei Säuglingen kann dies durch häufigere, kleinere Mahlzeiten erfolgen. Bei ungenügender Trinkmenge oder hoher Atemfrequenz kann eine Magensonde notwendig werden. Eine parenterale Ernährung (intravenöse Flüssigkeitszufuhr) wird nur in Ausnahmefällen bei Aspirationsgefahr, schlechtem Allgemeinzustand, schwerer Tachypnoe oder Dehydrierung erwogen.
- Sauerstofftherapie: Bei unzureichender Sauerstoffsättigung (<90%) ist die Gabe von Sauerstoff über eine Maske die wichtigste Maßnahme.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie ist oft begrenzt. Folgende Ansätze können zum Einsatz kommen:
- Bronchodilatatoren (Atemwegserweiterer): Medikamente wie Salbutamol können in einigen Fällen versucht werden, insbesondere bei Kindern mit Merkmalen einer obstruktiven Bronchitis oder einer Mischform. Ihre Wirksamkeit bei der reinen Bronchiolitis ist jedoch umstritten und sie werden nicht routinemäßig empfohlen.
- Glucocorticoide (Kortisonpräparate): Diese haben in der Behandlung der akuten Bronchiolitis keinen nachgewiesenen Nutzen und werden daher nicht empfohlen.
- Antibiotika: Da die Bronchiolitis meist viral bedingt ist, sind Antibiotika in der Regel nicht wirksam. Sie werden nur bei Verdacht auf eine bakterielle Superinfektion eingesetzt, was selten vorkommt.
- Nasal-suctioning: Die Absaugung von Nasensekret kann eine milde Linderung der Nasenverstopfung bewirken.

Verlauf und Komplikationen
Die akute Bronchiolitis heilt meist innerhalb von ein bis drei Wochen aus. Ein anhaltender Husten kann jedoch noch länger bestehen bleiben. Komplikationen sind selten, können aber eine Lungenentzündung (Pneumonie), Mittelohrentzündung oder in schweren Fällen eine Ateminsuffizienz mit Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Behandlung umfassen.
Bei Kindern, die wiederholt an obstruktiven Bronchitiden erkranken, kann ein hyperreagibles Bronchialsystem vorliegen. In solchen Fällen kann eine saisonale Dauertherapie mit entzündungshemmenden Medikamenten (oft inhalatives Kortison) in Erwägung gezogen werden, um die Häufigkeit und Schwere der Episoden zu verringern. Eltern sollten keine Angst vor dieser Therapieform haben, da das Risiko von Lungenschäden durch wiederholte Entzündungen oft höher einzuschätzen ist als das Risiko einer niedrig dosierten inhalativen Kortisontherapie.
Prävention
Präventive Maßnahmen umfassen:
- Ein ausreichender und vollständiger Impfschutz.
- Regelmäßiges Händewaschen und gutes Durchlüften von Räumen, insbesondere während der Infektionssaison.
- Das Erlernen von Hygienemaßnahmen wie Husten und Niesen in die Armbeuge.
- Für Kinder mit wiederholten Bronchitiden kann ein Kuraufenthalt am Meer hilfreich sein.
Es gibt auch präventive Medikamente gegen RSV, wie z.B. Nirsevimab, das für Säuglinge zugelassen ist.

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