Mirena® Hormonspirale: Anwendung, Nebenwirkungen und Erfahrungen

Die Mirena® Hormonspirale, auch bekannt als Intrauterinsystem (IUS), ist eine weit verbreitete Methode zur langfristigen Schwangerschaftsverhütung. Sie gibt kontinuierlich geringe Mengen des Hormons Levonorgestrel ab, welches die Gebärmutterschleimhaut verändert und den Gebärmutterhalsschleim für Spermien undurchlässiger macht. Dies bietet eine sehr zuverlässige Verhütung, die mit der Sicherheit einer Sterilisation vergleichbar ist, jedoch reversibel bleibt.

Seit 1997 ist die Hormonspirale Mirena® in Deutschland auf dem Markt und zeichnet sich durch eine hohe Effektivität bei einer langen Liegezeit von bis zu 8 Jahren aus. Sie kann nicht nur zur Verhütung eingesetzt werden, sondern auch zur Linderung starker und schmerzhafter Regelblutungen sowie zur Vorbeugung von Endometriumhyperplasie im Rahmen einer Östrogensubstitutionstherapie.

Schema einer Hormonspirale mit Rückholfäden

Funktionsweise und Anwendung der Mirena®

Die Mirena® ist ein T-förmiges Kunststoffgerüst, das Levonorgestrel enthält. Dieses Hormon wird direkt in die Gebärmutterschleimhaut abgegeben und entfaltet dort seine Wirkung:

  • Veränderung des Gebärmutterhalsschleims: Der Schleim wird zäher und für Spermien schwerer passierbar.
  • Veränderung der Gebärmutterschleimhaut: Der Aufbau der Schleimhaut wird gehemmt, was eine Einnistung einer befruchteten Eizelle erschwert oder verhindert.

Im Gegensatz zu einigen anderen hormonellen Verhütungsmethoden unterdrückt die Mirena® in der Regel nicht den Eisprung, wodurch der natürliche Zyklus der Frau meist erhalten bleibt.

Einlegen der Mirena®

Das Einlegen der Hormonspirale sollte idealerweise während oder kurz nach der Menstruation erfolgen, da der Muttermund dann leicht geöffnet ist und eine Schwangerschaft mit hoher Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Vor dem Eingriff findet ein ausführliches Beratungsgespräch statt, in dem über Nutzen und Risiken aufgeklärt wird. Die Patientin muss schriftlich ihre Einwilligung geben. Vor dem Einlegen werden die Scheide und der Gebärmuttermund desinfiziert. Anschließend wird die Gebärmutterlänge gemessen und gegebenenfalls der Gebärmutterkanal mit speziellen Instrumenten erweitert. Die Spirale wird dann mittels eines dünnen Röhrchens vorsichtig in die Gebärmutterhöhle eingeführt. Nach dem Einlegen werden die Rückholfäden auf eine passende Länge gekürzt. Eine erste Lagekontrolle mittels Ultraschall erfolgt in der Regel 2 bis 6 Wochen nach dem Einsetzen, weitere Kontrollen sind halbjährlich oder jährlich empfohlen.

Einige Frauen empfinden das Einlegen als schmerzhaft, insbesondere wenn sie noch kein Kind geboren haben. Vorübergehende Schmerzen und Krämpfe im Unterleib sind möglich, klingen aber erfahrungsgemäß nach kurzer Zeit ab. Die Einnahme eines Schmerzmittels wie Ibuprofen etwa zwei Stunden vor dem Einsetzen kann zur Schmerzlinderung beitragen.

Entfernung der Mirena®

Die Entfernung der Mirena® sollte durch eine Ärztin oder einen Arzt erfolgen. Dabei wird ein Spekulum eingeführt, um die Rückholfäden zu sehen. Ein leichter Zug an den Fäden genügt in der Regel, um die Spirale zu entfernen. Nach der Entfernung können einige Minuten Schmerzen, Krämpfe und leichter blutiger Ausfluss auftreten. In seltenen Fällen kann die Entfernung schwerwiegendere Symptome verursachen, die sofortige ärztliche Behandlung erfordern. Nach der Entfernung kann im ersten folgenden Zyklus bereits eine Schwangerschaft eintreten.

Verhütung mit Hormonspirale: Verharmloste Nebenwirkungen? Die ganze Reportage | stern TV

Mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen

Obwohl die Mirena® als sicheres und gut verträgliches Verhütungsmittel gilt, können Nebenwirkungen auftreten. Die meisten Nebenwirkungen treten in den ersten Monaten nach dem Einsetzen auf und lassen mit der Zeit nach.

Häufige Nebenwirkungen

Zu den häufigsten möglichen Nebenwirkungen zählen:

  • Blutungsstörungen: In den ersten 6 Monaten nach dem Einlegen sind Blutungsstörungen wie Schmierblutungen oder unregelmäßige Blutungen normal. Bei etwa 30% der Frauen treten diese gehäuft auf. Danach werden die eigentlichen Monatsblutungen oft kürzer und schwächer. Bei etwa 20% der Frauen bleiben die Blutungen sogar ganz aus. Diese Veränderungen werden oft als positiv empfunden, insbesondere von Frauen mit zuvor starken oder schmerzhaften Regelblutungen.
  • Kopfschmerzen: Kopfschmerzen sind eine der häufigsten möglichen Nebenwirkungen.
  • Akne und fettige Haut
  • Bauchschmerzen
  • Brustschmerzen
  • Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen
  • Migräne
  • Übelkeit
  • Haarausfall

Die im Blut messbaren Hormonspiegel sind bei der Mirena® deutlich geringer als bei vielen anderen hormonellen Verhütungsmitteln, weshalb hormonbedingte Begleiterscheinungen seltener auftreten.

Seltenere Komplikationen

In selteneren Fällen können folgende Komplikationen auftreten:

  • Vaginale Infektionen: Die Spirale als Fremdkörper kann als Nährboden für Bakterien dienen.
  • Herausfallen der Spirale: Dies geschieht meist unbemerkt und kann zu einer ungewollten Schwangerschaft führen. Symptome hierfür können sein, dass die Rückholfäden nicht mehr tastbar sind.
  • Wandern der Spirale in den Bauchraum
  • Verletzung der Gebärmutterwand beim Einlegen (selten)
  • Bildung von Ovarialzysten, die sich in der Regel von selbst zurückbilden.
  • Ausbleiben der Menstruation: Bei etwa 20% der Frauen bleibt die Menstruation ganz aus, was in der Regel kein gesundheitliches Risiko darstellt.
Infografik zu den häufigsten Nebenwirkungen der Mirena

Indikationen und Kontraindikationen

Anwendungsgebiete

  • Verhinderung einer Schwangerschaft
  • Behandlung von starker und/oder schmerzhafter Regelblutung (Idiopathische Menorrhagie)
  • Vorbeugung von Endometriumhyperplasie während einer Östrogensubstitutionstherapie

Wann Mirena® nicht angewendet werden sollte

Die Anwendung von Mirena® ist nicht ratsam bei:

  • Schwangerschaft oder Verdacht auf Schwangerschaft
  • Bekannten oder vermuteten hormonabhängigen Tumoren (z. B. Brustkrebs)
  • Aktueller oder wiederkehrender Beckenentzündung
  • Infektionen des unteren Genitaltrakts
  • Gebärmutterinfektionen nach der Entbindung oder Fehlgeburt in den letzten 3 Monaten
  • Erkrankungen, die mit einer erhöhten Infektionsanfälligkeit einhergehen
  • Zellveränderungen des Gebärmutterhalses
  • Gebärmutterhals- oder Gebärmutterkrebs (verdächtig oder diagnostiziert)
  • Blutungen ungeklärter Ursache aus der Gebärmutter
  • Abweichungen der Gebärmutterform (z. B. Fibrome, die die Gebärmutterhöhle verformen)
  • Akuten Lebererkrankungen oder Lebertumoren
  • Allergie gegen Levonorgestrel oder andere Bestandteile des Systems

Besondere Vorsicht ist geboten bei Migräne, vorübergehenden Sehstörungen oder anderen Symptomen, die auf einen Schlaganfall hindeuten könnten.

Besondere Patientengruppen und Wechselwirkungen

Schwangerschaft und Wochenbett

Nach der Entfernung der Spirale kann eine Schwangerschaft im folgenden Zyklus eintreten. Eine Hormonspirale kann frühestens etwa sechs Wochen nach einer vaginalen Geburt oder einem Kaiserschnitt gelegt werden. Die Anwendung während des Stillens ist möglich, da die Hormonmengen in der Muttermilch sehr gering sind.

Morbus Crohn

Aufgrund von Einzelfallberichten, die eine Verschlimmerung der Erkrankung nach Einlage einer Hormonspirale beschreiben, wird von einer Anwendung bei Morbus Crohn eher abgeraten.

Diabetes mellitus

Bei Diabetikerinnen sollte nach dem Einlegen der Mirena® der Blutzucker anfangs häufiger kontrolliert werden.

Wechseljahre

In den Wechseljahren kann Mirena® Teil einer Hormontherapie sein, wobei gleichzeitig Östrogene in verschiedenen Formen angewendet werden können.

Kosten und Kostenübernahme

Das Einlegen einer Hormonspirale ist in der Regel keine Leistung, die von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Patientinnen müssen sowohl die Kosten für das Material als auch für das Einsetzen selbst tragen. Ultraschallkontrollen sind bis auf die erste Kontrolle nach dem Einsetzen ebenfalls kostenpflichtig.

Erfahrungsberichte von Anwenderinnen

Die Erfahrungen mit der Mirena® sind vielfältig. Viele Frauen schätzen die stressfreie und langfristige Verhütung, die ihnen erlaubt, spontan zu sein und sich keine täglichen Gedanken über Verhütung machen zu müssen. Insbesondere Frauen, die mit Nebenwirkungen anderer hormoneller Verhütungsmethoden wie der Pille zu kämpfen hatten, berichten von einer besseren Verträglichkeit.

Einige Nutzerinnen berichten von anfänglichen Nebenwirkungen wie Schmierblutungen, Kopfschmerzen oder Stimmungsschwankungen, die sich jedoch nach einigen Monaten legten. Die Reduzierung oder das vollständige Ausbleiben der Menstruation wird von vielen als großer Vorteil empfunden, da dies oft mit einer Linderung von Menstruationsschmerzen einhergeht.

Das Einsetzen wird von einigen als sehr schmerzhaft beschrieben, während andere es als erträglich empfinden. Die Möglichkeit einer örtlichen Betäubung wird von manchen als hilfreich genannt.

Es gibt auch Berichte über Frauen, die unter der Mirena® litten und sich diese entfernen ließen, beispielsweise aufgrund von Dauerblutungen oder anderen unerwünschten Nebenwirkungen. Diese Erfahrungen unterstreichen, dass die Verträglichkeit individuell sehr unterschiedlich ist.

Einige Anwenderinnen heben hervor, dass die Mirena® die Libido weniger stark beeinflusst als die Pille. Auch bei der Behandlung von Endometriose-Symptomen wird die Hormonspirale positiv erwähnt.

Collage aus Zitaten von Anwenderinnen mit unterschiedlichen Erfahrungen

Wichtige Informationen zur Mirena®

  • Lange Liegezeit: Bis zu 8 Jahre wirksam.
  • Hormonelle Wirkung: Lokale Abgabe von Levonorgestrel.
  • Verhütungssicherheit: Sehr hoch (Pearl-Index 0,1-0,3).
  • Mögliche Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Schmierblutungen, Akne, Stimmungsschwankungen.
  • Kontrolluntersuchungen: Regelmäßige Überprüfung des Sitzes mittels Ultraschall.
  • Kein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

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