Eine Fehlgeburt, auch Abort oder Abgang genannt, bezeichnet das Ende einer Schwangerschaft vor der 24. Schwangerschaftswoche, wenn das ungeborene Kind weniger als 500 Gramm wiegt und nicht lebensfähig ist. Stirbt das Kind nach diesem Zeitraum, sprechen Ärzte von einer Totgeburt. Statistisch gesehen sind etwa zehn bis 20 Prozent aller Schwangeren von einer Fehlgeburt betroffen, was für die betroffenen Frauen eine enorme psychische Belastung darstellt.
Die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt ist in der Frühschwangerschaft, also den ersten 12 Wochen, am höchsten. Etwa 80 Prozent aller Aborte ereignen sich in dieser Phase, häufig bereits beim Einnisten der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut. Das Risiko einer Fehlgeburt wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, darunter das Alter der Eltern, vorangegangene Fehlgeburten und die Häufigkeit von Schwangerschaften.
Ursachen einer Fehlgeburt
Die häufigste Ursache für eine Fehlgeburt sind Gendefekte beim Embryo oder Fötus, die etwa 50 bis 70 Prozent der Aborte im ersten Schwangerschaftsdrittel bedingen. Diese genetischen Anomalien verhindern oft die weitere lebensfähige Entwicklung des Kindes, woraufhin der Körper die Schwangerschaft beendet.
Weitere mögliche Ursachen für eine Fehlgeburt sind:
- Hormonstörungen: Dazu zählen Schilddrüsenunterfunktion, Eizellreifungsstörungen oder Gelbkörperschwäche. Der Gelbkörper produziert Progesteron, das für den Erhalt der Gebärmutterschleimhaut unerlässlich ist.
- Anatomische Fehlbildungen: Fehlbildungen von Spermien, der Plazenta oder der Gebärmutter, wie beispielsweise ein Uterus subseptus (Gebärmutter mit Trennwand), können zu einem Abort führen.
- Immunologische Störungen: Das Immunsystem der Mutter kann die befruchtete Eizelle als fremd erkennen und angreifen.
- Mangelernährung: Ein Eisenmangel kann zu einer schlechteren Sauerstoffversorgung des ungeborenen Kindes führen und Entwicklungsstörungen oder eine Fehlgeburt nach sich ziehen.
- Gerinnungsstörungen: Störungen wie das Anti-Phospholipid-Syndrom können zu einer beschleunigten Blutgerinnung führen, was die Bildung von Blutgerinnseln begünstigt.
- Psychische Belastungen: Starker Stress, finanzielle Sorgen, beruflicher Druck oder emotionale Traumata können das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen.
In vielen Fällen bleibt die Ursache einer Fehlgeburt trotz ausführlicher Untersuchungen unklar. Dies wird als idiopathischer Abort bezeichnet.
Anzeichen einer Fehlgeburt
Eine Fehlgeburt äußert sich typischerweise durch vaginale Blutungen und krampfartige Unterbauchschmerzen, die den Ausstoß des ungeborenen Kindes bewirken. Die Blutungen können von leicht rosa bis dunkelrot variieren und auch Gewebeteile enthalten. Sie können plötzlich oder allmählich auftreten.
Medizinisch werden verschiedene Stadien und Formen des Aborts unterschieden:
- Drohender Abort (Abortus imminens): Vaginale Blutungen, eventuell mit Schmerzen, aber der Muttermund ist noch geschlossen und der Embryo lebt. Strikte Bettruhe kann helfen, eine Fehlgeburt zu verhindern.
- Beginnender Abort (Abortus inicipiens): Stärkere vaginale Blutungen und schmerzhafte Wehen, der Muttermund ist bereits geöffnet. Eine Verhinderung der Fehlgeburt ist meist nicht mehr möglich.
- Unvollständiger Abort (Abortus incompletus): Nicht alle Schwangerschaftsrückstände werden ausgestoßen und verbleiben in der Gebärmutter.
- Fieberhafter Abort (Abortus febrillis): Entzündung der Gebärmutterschleimhaut und Eierstöcke mit Fieber und eitrigem Ausfluss. Ein septischer Abort kann zu einer Blutvergiftung führen.
- Verhaltener Abort (Missed Abortion): Der Embryo ist abgestorben, aber der Körper stößt ihn nicht aus. Dies wird oft erst bei einer Ultraschalluntersuchung festgestellt, da keine Lebenszeichen mehr vorhanden sind.
- Windei (Blasenmole): Eine befruchtete Eizelle, die sich nicht weiterentwickelt und zugrunde geht. Auf dem Ultraschall ist eine leere Fruchtblase sichtbar.
Bei drei oder mehr aufeinanderfolgenden Fehlgeburten sprechen Ärzte von habituellen Aborten. Die Ursachen hierfür liegen oft in genetischen Veränderungen oder einem fehlgeleiteten Immunsystem, wobei in 40 Prozent der Fälle keine eindeutige Ursache gefunden wird.
Niedriger Blutdruck (Hypotonie) in der Schwangerschaft
Ein niedriger Blutdruck, medizinisch als Hypotonie oder Blutniederdruck bezeichnet, ist in der Schwangerschaft relativ häufig und betrifft insbesondere junge, schlanke Frauen und Schwangere selbst. Ärzte sprechen von Hypotonie, wenn der Blutdruck unter 100/60 mmHg sinkt.
Die Symptome eines niedrigen Blutdrucks können vielfältig sein und umfassen:
- Schwindel, insbesondere beim schnellen Aufstehen, da das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit aufgrund der verminderten Durchblutung.
- Kopfschmerzen, ebenfalls durch Sauerstoffmangel im Gehirn bedingt.
- Kalte Hände und Füße.
- Herzrasen als Kompensationsmechanismus des Körpers.
- Atemnot und ein Engegefühl in der Brust.
- Sehstörungen wie "Sternchen sehen" oder Schwarzwerden vor Augen.
Obwohl niedriger Blutdruck meist keine Erkrankung darstellt, kann er die Lebensqualität beeinträchtigen. In der Schwangerschaft kann ein stark erniedrigter Blutdruck potenziell problematisch sein, da die Versorgung von Gebärmutter und Kind mit Sauerstoff und Nährstoffen beeinträchtigt werden kann.

Ursachen und Risiken von niedrigem Blutdruck in der Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft bewirkt das Hormon Progesteron eine Erweiterung der Blutgefäße, um die Versorgung von Gebärmutter und Fötus zu optimieren. Dies kann dazu führen, dass Blut in den Beinen "versackt" und der Blutdruck sinkt. Dies ist oft im zweiten und dritten Trimester der Fall.
Ein weiteres Problem kann das Vena-cava-Syndrom sein, das im späten Stadium der Schwangerschaft auftreten kann. Wenn die Schwangere auf dem Rücken liegt, drückt das Gewicht des Kindes auf die untere Hohlvene (Vena cava), was den Blutrückfluss zum Herzen behindert und zu einem Blutdruckabfall führen kann. Dies beeinträchtigt auch die Blutversorgung des Gehirns und kann zu Schwindel oder Ohnmacht führen.
Ein starker Blutdruckabfall, insbesondere unter 70 mmHg systolisch, kann gefährlich werden, da das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und es zu Ohnmacht kommen kann. Dies kann in bestimmten Situationen, wie beim Autofahren, lebensbedrohlich sein.
Wann zum Arzt bei Fehlgeburt oder niedrigem Blutdruck?
Bei Anzeichen einer Fehlgeburt wie vaginalen Blutungen und krampfartigen Unterleibsschmerzen sollten Schwangere sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Eine Ultraschalluntersuchung kann den Zustand des ungeborenen Kindes beurteilen.
Bei niedrigem Blutdruck in der Schwangerschaft ist es wichtig, die genaue Ursache abklären zu lassen, insbesondere wenn Symptome wie starker Schwindel, Übelkeit, Ohnmacht oder Kopfschmerzen auftreten. Regelmäßige Blutdruckkontrollen während der Schwangerschaftsvorsorge sind unerlässlich.
Maßnahmen bei niedrigem Blutdruck in der Schwangerschaft
Es gibt verschiedene Maßnahmen, um die Symptome eines niedrigen Blutdrucks zu lindern und den Kreislauf zu stabilisieren:
- Bewegung: Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren, aber auch leichte Gymnastik am Morgen, fördert die Durchblutung.
- Langsam aufstehen: Nach dem Liegen oder Sitzen den Oberkörper erst aufrichten, dann kurz hinsetzen, bevor man aufsteht.
- Ausreichend trinken: Mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag, vorzugsweise Wasser oder ungesüßte Tees.
- Salzkonsum: Eine erhöhte Kochsalzzufuhr kann den Blutdruck positiv beeinflussen.
- Wechselduschen: Kalt-warme Duschen trainieren die Blutgefäße und regen den Kreislauf an.
- Kleine, häufige Mahlzeiten: Dies verhindert Blutzuckerschwankungen und fördert die Verdauung.
- Erhöhter Oberkörper beim Schlafen: Kann den Blutrückfluss zum Herzen erleichtern.
- Kompressionsstrümpfe: Unterstützen den Blutrückfluss aus den Beinen.
- Beine hochlegen: Bei Schwindelgefühl hilft es, die Beine hochzulegen.
- Kaffee in Maßen: Kann den Blutdruck kurzfristig anheben.
Medikamente zur Kreislaufanregung sind in der Schwangerschaft meist tabu, da sie die Blutversorgung des Kindes beeinträchtigen können. Pflanzliche Mittel wie Kampfer oder Weißdorn können nach ärztlicher Absprache eingesetzt werden.
Schwangerschaft: Was tun bei niedrigem Blutdruck?
Nach einer Fehlgeburt
Nach einer Fehlgeburt ist es grundsätzlich möglich, wieder schwanger zu werden. Das Risiko einer erneuten Fehlgeburt liegt bei etwa 24 Prozent. Es ist ratsam, nach einem Abort ärztliche Untersuchungen durchführen zu lassen, um mögliche Ursachen wie Hormonstörungen, Fehlbildungen der Gebärmutter oder genetische Veränderungen abzuklären.
Viele Ärzte raten von einer sofortigen erneuten Schwangerschaft ab, da der Körper eine Regenerationsphase benötigt und die seelische Verarbeitung der Fehlgeburt Zeit braucht. Trauerarbeit ist ein wichtiger Prozess, unabhängig von der Schwangerschaftswoche, in der die Fehlgeburt eintrat.
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