Die Rolle der Hebamme bei einem Kaiserschnitt

Die Geburt eines Kindes ist ein tiefgreifender Prozess, der sowohl für die werdenden Eltern als auch für das Neugeborene eine Zeit großer Veränderungen und neuer Erfahrungen mit sich bringt. Die Hebamme spielt dabei eine zentrale Rolle, die weit über die reine Geburtsbegleitung hinausgeht. Ihre Unterstützung erstreckt sich von der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zur wichtigen Nachsorge im Wochenbett. Dies gilt auch und insbesondere dann, wenn eine Kaiserschnittentbindung (Sectio) notwendig wird.

Arten von Kaiserschnitten und die Rolle der Hebamme

Es gibt verschiedene Szenarien, die zu einem Kaiserschnitt führen können:

Geplanter (primärer) Kaiserschnitt

In bestimmten Fällen ist bereits vor der Geburt klar, dass eine vaginale Entbindung nicht möglich oder ratsam ist. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn das Kind in Beckenendlage liegt und das mütterliche Becken zu eng ist. In solchen Situationen wird ein primärer Kaiserschnitt geplant.

Aufklärung und Vorgespräch

Auch bei einem geplanten Kaiserschnitt ist die Aufklärung durch die Hebamme und das medizinische Personal von großer Bedeutung. Sie erhalten neben dem Termin für den Kaiserschnitt auch einen Termin für eine Anästhesie-Sprechstunde. Hier wird Ihnen Blut abgenommen und alle Fragen bezüglich der Narkose besprochen. Die Hebamme kann hierbei unterstützend wirken und Ihnen helfen, Ängste abzubauen. Für die Operation wird in der Regel eine rückenmarksnahe Betäubung (Spinalanästhesie) bevorzugt, sodass Sie bei vollem Bewusstsein sind und die ersten Momente mit Ihrem Kind miterleben können.

Vorbereitung zu Hause

Vor dem Eingriff ist es wichtig, alle notwendigen Aufklärungs- und Einverständniserklärungen auszufüllen und zur Operation mitzubringen. Am Tag des Eingriffs sollten Sie die Anweisungen bezüglich Essen und Trinken genau befolgen. In der Regel bedeutet dies, sechs Stunden vor dem Eingriff keine feste Nahrung und ab zwei Stunden vorher keine Flüssigkeit mehr zu sich zu nehmen. Das Entfernen von Schmuck und gegebenenfalls die Rasur des Operationsbereichs sind weitere vorbereitende Schritte.

Aufnahme und Vorbereitung in der Klinik

Am Tag des Eingriffs werden Sie im Kreißsaal auf den Kaiserschnitt vorbereitet. Hierbei wird ein Kardiotokogramm (CTG) geschrieben, um die Wehentätigkeit und die Herztöne des Kindes zu überwachen. Bei Bedarf kann auch eine Ultraschalluntersuchung erfolgen. Über einen Venenzugang erhalten Sie Flüssigkeit zur Stabilisierung des Kreislaufs. Die betreuende Hebamme rasiert den Schnittbereich, falls dies noch nicht geschehen ist, und stattet Sie mit einem OP-Hemd aus. Wenn eine Begleitperson anwesend ist, erhält diese ebenfalls OP-Kleidung.

Eine Hebamme bereitet eine werdende Mutter auf einen Kaiserschnitt vor, indem sie den Bauchbereich für die Operation vorbereitet.

Kaiserschnitt und Geburt im Operationssaal

Im Operationssaal werden EKG-Elektroden und eine Blutdruckmanschette angebracht, um Ihren Kreislauf zu überwachen. Anschließend erfolgt die Spinalanästhesie und kurz vor Beginn des Eingriffs wird ein Blasenkatheter gelegt. Nach der Desinfektion des Bauches wird der Operationsbereich mit einem Tuch abgedeckt. Ihre Begleitperson nimmt am Kopfende Platz, während die Hebamme hinter dem Tuch das Baby in Empfang nimmt. Die Wirkung der Anästhesie wird nochmals überprüft. Die Eröffnung der Bauchdecke erfolgt mit schonenden Verfahren, um Gewebeverletzungen zu minimieren und die Genesungszeit zu verkürzen.

Nach wenigen Minuten ist Ihr Kind geboren. Sie dürfen Ihr Baby kurz begrüßen, bevor es im Erstversorgungsraum von Kinderärzt:innen untersucht wird und Ihnen dann wieder übergeben wird. Die Hebamme spielt eine Schlüsselrolle bei der ersten Begrüßung und stellt sicher, dass das Bonding zwischen Ihnen und Ihrem Kind beginnen kann, sofern es der Zustand von Mutter und Kind zulässt.

Ein Neugeborenes wird direkt nach dem Kaiserschnitt von einer Hebamme gehalten und auf die Brust der Mutter gelegt.

Überwachung im Kreißsaal und auf der Wochenbettstation

Nach dem Kaiserschnitt bleiben Sie mit Ihrem Baby für etwa zwei Stunden zur Überwachung im Kreißsaal. Ihr Baby ist in dieser Zeit bei Ihnen, und auch das erste Anlegen an die Brust ist bereits hier möglich. Die Hebamme unterstützt Sie dabei und achtet auf die ersten Anzeichen des Wohlbefindens bei Mutter und Kind. Anschließend werden Sie und Ihr Baby auf die Wöchnerinnenstation verlegt.

Auf der Wochenbettstation werden Sie und Ihr Baby für die nächsten vier bis fünf Tage betreut. Tägliche ärztliche Visiten, Pflegefachpersonal für Mobilisation, Stillberatung und die Versorgung Ihres Kindes stehen Ihnen zur Seite. Zur Thromboseprophylaxe erhalten Sie täglich eine Heparin-Spritze. Familienzimmer für Begleitpersonen sind oft verfügbar und können bei Interesse angefragt werden. Am Entlassungstag finden das Abschlussgespräch und die U2-Untersuchung des Kindes statt.

Sekundärer Kaiserschnitt

Ein sekundärer Kaiserschnitt wird notwendig, wenn sich erst während der Geburt herausstellt, dass eine vaginale Entbindung nicht möglich ist. Gründe hierfür können eine unzureichende Muttermundöffnung, schlechte Herztöne des Kindes oder hohes Fieber bei der Mutter sein. In solchen Situationen werden Sie und Ihre Begleitperson offen über die Notwendigkeit und den Ablauf der Operation informiert. Die Betäubung erfolgt in der Regel per Peridural- oder Spinalanästhesie.

Notkaiserschnitt (Notsectio)

Ein Notkaiserschnitt wird in akuten Notfällen durchgeführt, wenn es der Mutter oder dem Kind plötzlich und unerwartet schlecht geht. In diesem Fall ist eine schnelle Operation unerlässlich. Zur Sicherheit der Mutter wird meist eine Vollnarkose eingeleitet, um eine umgehende Operationsbereitschaft zu gewährleisten. In dieser Situation stehen Mutter und Kind absolut im Mittelpunkt, und die Hebamme und das medizinische Team arbeiten mit höchster Priorität.

Die Rolle der Hebamme im Wochenbett nach einem Kaiserschnitt

Die Unterstützung durch eine Hebamme ist auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus von unschätzbarem Wert, insbesondere nach einem Kaiserschnitt. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Nachsorge-Hebamme bis zu 12 Wochen nach der Geburt.

Betreuung zu Hause

Die Nachsorge-Hebamme kommt in der Regel in den ersten Tagen nach der Entlassung täglich zu Ihnen nach Hause. Sie berät bei allen Fragen rund um die Säuglingspflege, achtet auf den Gesundheitszustand des Kindes, sein Trinkverhalten und seine Entwicklung. Sie kontrolliert die Abheilung des Nabels und informiert über anstehende kinderärztliche Untersuchungen.

Für die Mutter überprüft die Hebamme die Rückbildung der Gebärmutter und die Heilung eventueller Geburtsverletzungen, wie z.B. der Kaiserschnittwunde. Sie unterstützt beim Stillen und berät bei Problemen. Auch bei Fragen zur Eltern-Kind-Bindung oder zur Bewältigung des Alltags mit einem Neugeborenen steht sie zur Seite. Für Väter und Co-Mütter ist die Nachsorge-Hebamme ebenfalls eine wichtige Ansprechperson.

Eine Hebamme besucht eine junge Mutter mit ihrem Neugeborenen zu Hause und gibt Ratschläge zur Säuglingspflege.

Spezifische Unterstützung nach einem Kaiserschnitt

Nach einem Kaiserschnitt kann das Wochenbett anders verlaufen als nach einer vaginalen Geburt. Die Hebamme achtet besonders auf die Wundheilung der Operationsnarbe und kann bei Rötungen, Schwellungen oder Sekretion frühzeitig medizinische Hilfe veranlassen. Sie berät auch, wenn das Stillen nach dem Kaiserschnitt anfangs Schwierigkeiten bereitet, beispielsweise wenn die Milchproduktion später einsetzt oder das Baby noch etwas schwach ist.

Auch die körperliche Rückbildung kann nach einem Kaiserschnitt etwas anders verlaufen. Frauen mit Kaiserschnitt wird oft empfohlen, erst später mit der Rückbildungsgymnastik zu beginnen, meist nach zwei Monaten, wenn die Operationswunde vollständig verheilt ist. Die Hebamme kann hierzu beraten und auf die besonderen Bedürfnisse nach einem operativen Eingriff eingehen.

Psychische Verarbeitung und Unterstützung

Die Geburt eines Kindes, unabhängig von der Geburtsmethode, ist ein emotionales Ereignis. Ein Kaiserschnitt kann jedoch, insbesondere wenn er unerwartet oder in einer Notfallsituation erfolgte, psychisch belastend sein. Frauen können das Gefühl des Kontrollverlusts erleben oder Schuldgefühle entwickeln, die Geburt nicht "richtig" bewältigt zu haben. Die Hebamme kann hier eine wichtige emotionale Stütze sein, indem sie ein offenes Ohr für Sorgen und Ängste hat und bei Bedarf an entsprechende Fachberatungsstellen oder Therapeuten verweisen kann.

Die Rolle der Hebamme während der Geburt

Gesetzlich ist bei jeder Geburt die Anwesenheit einer Hebamme vorgeschrieben, nicht aber zwingend die eines Arztes, es sei denn, es liegt ein Notfall vor. Dies unterstreicht die enorme Verantwortung und das hohe Fachwissen, das Hebammen mitbringen.

Begleitung und Überwachung

Während der Geburt unterstützt die Hebamme die Gebärende unter anderem durch Atemtechniken, hilft bei der Wahl der richtigen Position und beurteilt kontinuierlich den Geburtsfortschritt. Sie überwacht die Herztöne des Kindes mittels CTG und führt Untersuchungen des Muttermundes durch. Direkt nach der Entbindung kümmert sie sich um die Erstversorgung des Neugeborenen, beurteilt dessen Gesundheitszustand und führt die erste Vorsorgeuntersuchung (U1) durch. Ebenso wird die Mutter nach der Geburt von ihr untersucht.

Zusammenarbeit mit Ärzten

Bei Abweichungen von der Norm, wie z.B. auffälligem Blutdruck der Mutter oder auffälligen Herztönen des Kindes, zieht die Hebamme eine Ärztin oder einen Arzt hinzu. Grundsätzlich übernimmt bei einer Klinikgeburt mit Erscheinen des Arztes/der Ärztin die ärztliche Leitung. Dennoch betont die Leitlinie die besondere Beziehung zwischen Hebamme und Gebärender und das Recht der Hebamme, Bedenken gegen ärztliche Anordnungen zu äußern, wenn sie eine Gefahr für Mutter oder Kind sieht.

Arten von Hebammen

Es gibt verschiedene Formen der Hebammenbetreuung, die unterschiedliche Bedürfnisse abdecken:

Freiberufliche Hebamme

Freiberufliche Hebammen bieten Vorsorge in der Schwangerschaft, Hausgeburten und Wochenbettbetreuung an. Sie sind oft im Notfall auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten erreichbar, leiten aber in der Regel keine Klinikgeburten.

Beleghebamme

Beleghebammen sind frei praktizierende Hebammen mit einem Belegvertrag mit einer Klinik oder einem Geburtshaus. Die Betreuung und Geburt finden in der jeweiligen Einrichtung statt. Dies ermöglicht Frauen, eine vertraute Hebamme auch während der Geburt an ihrer Seite zu haben. Für die Rufbereitschaft fällt oft eine Pauschale an.

Angestellte Hebamme (Klinikhebamme)

Diese Hebammen sind fest in einer Klinik angestellt und arbeiten dort im Kreißsaal, auf der Wochenbettstation oder in der Kinderklinik. Sie arbeiten meist im Schichtdienst, sodass eine kontinuierliche Betreuung gewährleistet ist, auch wenn es nicht immer möglich ist, eine ganz bestimmte Hebamme für die gesamte Geburt zu haben.

Familienhebamme

Familienhebammen übernehmen eine besondere Rolle. Sie sind oft auch als Familienhelferinnen ausgebildet und unterstützen Schwangere und junge Eltern, die sich unsicher oder überfordert fühlen. Ihre Begleitung kann vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende des ersten Lebensjahres des Kindes reichen und ist Teil des Netzwerks "Frühe Hilfen".

Häufige Fragen zur Hebammenbetreuung und zum Kaiserschnitt

Einmal Kaiserschnitt - immer Kaiserschnitt?

Nicht zwingend. Auch wenn die Kaiserschnittrate bei einer zweiten Geburt höher sein kann, wenn die erste Entbindung per Kaiserschnitt erfolgte, ist eine vaginale Geburt oft möglich.

Wer entscheidet über einen Kaiserschnitt?

Die Entscheidung wird je nach Schweregrad und Verlauf getroffen. Komplikationen können einen Kaiserschnitt unumgänglich machen. Eine normale Geburt wird in der Regel angestrebt. Ein Wunschkaiserschnitt ist möglich, muss aber ärztlich besprochen und genehmigt werden.

Frühgeburt = Kaiserschnitt?

Ein Kaiserschnitt kann für Frühgeborene der schonendste Weg ins Leben sein. Wenn das Frühchen jedoch reif genug ist, kann auch eine vaginale Geburt erfolgen.

Wie werde ich betäubt?

Bei einem geplanten Kaiserschnitt wird meist eine regionale Betäubung (Spinal- oder Periduralanästhesie) angewendet, die vom Bauch abwärts wirkt. Dies ermöglicht es der Mutter, bei vollem Bewusstsein bei der Geburt dabei zu sein.

Ist ein Kaiserschnitt weniger schmerzhaft?

Das erste Aufstehen nach einem Kaiserschnitt kann schmerzhaft sein, ist aber wichtig für die Kreislaufstabilisierung und zur Vorbeugung von Komplikationen wie Thrombosen. Schmerzmittel, die auch stillende Frauen einnehmen dürfen, können die Beschwerden lindern. Es ist wichtig, aktiv nach ausreichender Schmerztherapie zu fragen.

Phasen der Geburt – Hebammen des Marien Hospital Herne erklären Geburtsphasen am Beckenmodell

Die Arbeit der Hebamme ist essenziell für eine sichere und unterstützende Geburt, sei es auf natürlichem Wege oder per Kaiserschnitt. Ihre Expertise, Fürsorge und kontinuierliche Begleitung tragen maßgeblich zum Wohlbefinden von Mutter und Kind bei.

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