Schwangerschaft nach Fehlgeburt: Wann Eisprung und wann wieder schwanger werden?

Eine Fehlgeburt ist eine der schwierigsten Erfahrungen, die eine Frau durchmachen kann. Sie tritt häufiger auf, als öffentlich diskutiert wird. Statistiken zeigen, dass etwa jede dritte Frau eine Fehlgeburt erlebt, meist in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten. Die Verarbeitung dieses Verlusts ist individuell und kann von tiefer Trauer und Angst vor einer erneuten Fehlgeburt geprägt sein. Diese Gefühle sind normal. Nach einer frühen und unkomplizierten Fehlgeburt ist eine erneute Schwangerschaft körperlich oft bereits im nächsten Zyklus möglich. Der Zyklus nach einer Fehlgeburt spielt dabei eine zentrale Rolle. Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) früher eine Wartezeit von mindestens sechs Monaten empfahl, deuten neuere Studien darauf hin, dass dies nicht zwingend notwendig ist.

Körperliche und seelische Erholung nach einer Fehlgeburt

Nach einer Fehlgeburt benötigen die meisten Frauen Zeit zur Erholung. Dies betrifft sowohl die körperliche Heilung als auch die seelische Verarbeitung des Verlusts. Die Dauer der Erholung hängt von den individuellen Erfahrungen und eventuell notwendigen medizinischen Eingriffen ab.

Ärztinnen, Ärzte und Hebammen empfehlen oft ein sogenanntes „kleines Wochenbett“ und in einigen Fällen auch eine Krankschreibung, um wieder vollständig zu Kräften zu kommen. Jede Frau hat nach einem Abort Anspruch auf eine Nachsorge durch eine Hebamme. Bei tiefer Trauer, Zweifeln oder Schuldgefühlen können psychologische Unterstützung oder Gespräche in Selbsthilfegruppen hilfreich sein.

Schema des weiblichen Fortpflanzungssystems mit Hervorhebung der Gebärmutter und Eierstöcke

Wann ist eine erneute Schwangerschaft möglich?

Die wesentliche Voraussetzung für eine erneute Schwangerschaft ist die physische, aber vor allem auch die psychische Bereitschaft. Dieser Zeitpunkt ist von Frau zu Frau unterschiedlich und sollte erst gegeben sein, wenn der Schmerz vergangen und die Trauer ehrlich verarbeitet ist.

Statistisch gesehen ist die Erfolgsrate für eine gesunde Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt leicht erhöht, wenn eine Frau relativ bald wieder schwanger wird. US-Forscher analysierten Daten von rund 1.000 Paaren und stellten fest, dass Frauen, die innerhalb der nächsten drei Monate nach der Fehlgeburt erneut schwanger wurden, nicht nur leichter schwanger wurden, sondern auch ihre Wahrscheinlichkeit erhöhten, ein gesundes Baby zur Welt zu bringen. Eine Studie der University of Aberdeen kam zu dem Schluss, dass Frauen, die nach einer Fehlgeburt innerhalb von sechs Monaten wieder schwanger werden, die größten Erfolgschancen und das geringste Komplikationsrisiko bei der nächsten Schwangerschaft haben.

Zyklus und Eisprung nach einer Fehlgeburt

Der Zyklus nach einer Fehlgeburt kann sich zunächst verschieben. Der erste Tag der Fehlgeburt ist nicht automatisch der erste Tag eines neuen Zyklus. Manche Frauen mit einem Frühabort vor der 5. Schwangerschaftswoche haben bereits nach vier bis sechs Wochen wieder ihren Zyklus, andere warten länger darauf.

Wichtig zu wissen ist: Auch wenn sich der Zyklus verschiebt, ist eine Schwangerschaft möglich. Der Eisprung kann bereits zwei Wochen nach Ende der Blutung wieder eintreten. Mit Ovulationstests oder einem Eisprungrechner kann der Eisprung exakt bestimmt werden, was die Chancen für eine Befruchtung erhöht. Geduld ist dennoch wichtig, und Entmutigung sollte vermieden werden, sollte der Wunsch, nach einer Fehlgeburt wieder schwanger zu werden, nicht sofort in Erfüllung gehen.

Es ist wichtig zu beachten, dass LH-Ovulationstests verfälscht sein können, solange noch HCG im Körper vorhanden ist. Günstige Schwangerschaftstests können helfen zu beobachten, wann diese nicht mehr anschlagen, was ein Indikator dafür ist, dass der HCG-Wert wieder bei Null ist und der Körper sich auf einen neuen Eisprung vorbereitet.

Grafik zur Veranschaulichung des weiblichen Zyklus mit Eisprung

Sexuelle Aktivität nach einer Fehlgeburt

Nach einer Fehlgeburt fühlen sich viele Frauen „leer“ oder körperlich „verwundet“. Es ist daher verständlich, dass die sexuelle Lust erst einmal verschwindet, bis der Schmerz und die seelischen „Narben“ verheilt sind. Sexueller Druck sollte vermieden werden. Das Verlangen sollte von allein zurückkommen, was ein Zeichen dafür ist, dass der Körper bereit ist.

Bei einer Fehlgeburt vor der 8. Schwangerschaftswoche spricht nichts gegen Geschlechtsverkehr in den darauffolgenden Wochen. Grundsätzlich sollte jedoch mit ungeschütztem Geschlechtsverkehr gewartet werden, bis die Blutung vorbei ist, um Infektionen zu vermeiden. Nach einer Ausschabung empfehlen Ärzte eine sexuelle Pause von etwa zwei Wochen.

Medizinische Aspekte und Unterstützung

Die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche und unbeschwerte Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt ist deren Verarbeitung - allein und als Paar. Zuversicht und Vertrauen stärken nicht nur die Psyche, sondern auch den Körper und seine Bereitschaft für eine Schwangerschaft.

Es ist ratsam, mit einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen offen über den Wunsch, wieder schwanger zu werden, zu sprechen. Regelmäßige Gesprächstermine, Untersuchungen oder Tests geben Halt und Orientierung, besonders bei Unsicherheiten, wenn sich beispielsweise die Periode noch nicht gleich einstellt oder medizinische Ursachen für die vorausgegangene Fehlgeburt vorlagen.

Ursachen und Risikofaktoren für Fehlgeburten

Eine Fehlgeburt kann verschiedene Ursachen haben, die nicht immer klar oder eindeutig sind. Häufig bleiben sie ungeklärt. Dennoch gibt es bestimmte Faktoren, die das Risiko für eine Fehlgeburt erhöhen:

  • Chromosomendefekte oder Fehlbildungen des Embryos: Diese sind für etwa 80 Prozent aller Fehlgeburten verantwortlich.
  • Fehlbildungen der Gebärmutter oder Myome: Diese machen etwa 10 Prozent der Fehlgeburten aus.
  • Frühere Fehlgeburten: Nach der ersten Fehlgeburt beträgt das Risiko für eine Wiederholung 15 bis 20 Prozent und steigt ab der dritten Fehlgeburt weiter an.
Infografik mit den häufigsten Ursachen für Fehlgeburten

Die Rolle von Progesteron

Bei Frauen, die mehrere Fehlgeburten hinter sich haben oder bei denen bestimmte Risikofaktoren vorliegen, kann eine Therapie mit dem Hormon Progesteron in Erwägung gezogen werden. Progesteron spielt eine entscheidende Rolle bei der Fruchtbarkeit und dem Erhalt einer Schwangerschaft.

Im zweiten Teil des Zyklus bereitet Progesteron die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung der befruchteten Eizelle vor. Fehlt Progesteron, ist die Schleimhaut möglicherweise nicht ausreichend vorbereitet. In der Schwangerschaft sorgt Progesteron für Stabilität. Die Ermittlung des Progesteron-Werts im Blut ist ein wichtiger Indikator. Bei einem Progesteronmangel kann die Gabe von Progesteron die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung erhöhen und das Risiko einer Fehlgeburt reduzieren.

Studien zeigen, dass die Gabe von natürlichem Progesteron bei mindestens drei Fehlgeburten hintereinander das Risiko für eine erneute Fehlgeburt senken konnte. Progesteron-Präparate sind in verschiedenen Formen erhältlich und werden immer in Absprache mit einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen angewendet.

Was Sie nach einer Fehlgeburt selbst tun können

Obwohl der Körper theoretisch bereits im nächsten Monat nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden kann, raten Ärzte oft zur Geduld. Sowohl die körperliche Erholung als auch die seelische Verarbeitung sind wichtig.

  • Zeit für Erholung: Geben Sie Ihrem Körper und Ihrer Seele die Zeit, die sie brauchen.
  • Risiken vermeiden: Vermeiden Sie Risikofaktoren wie Rauchen und Alkohol. Übermäßige körperliche Belastung sollte ebenfalls vermieden werden.
  • Stabiles Umfeld schaffen: Sprechen Sie mit Ihrem Partner, Freunden oder suchen Sie Unterstützung in Selbsthilfegruppen, um Ängste vor einer erneuten Fehlgeburt zu bewältigen.
  • Regelmäßige Arztbesuche: Nehmen Sie Vorsorgeuntersuchungen wahr, um Risiken frühzeitig zu erkennen.

Die Entscheidung, wann Sie es erneut mit einer Schwangerschaft versuchen, ist sehr persönlich. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um die beste Vorgehensweise für Ihre individuelle Situation zu finden. Vertrauen Sie auf die Signale Ihres Körpers und suchen Sie Unterstützung, wenn Sie sie benötigen.

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