Nabelschnurblut: Eine wertvolle Ressource für die Zukunft

Die Einlagerung von Nabelschnurblut bietet Familien eine einzigartige Möglichkeit für zukünftige medizinische Behandlungen. Durch die Entnahme und Lagerung von Nabelschnurblut-Stammzellen wird der Zugang zu Stammzelltherapien ermöglicht.

Stammzellen aus Nabelschnurblut - Anwendungsmöglichkeiten

Was ist Nabelschnurblut und warum ist es wertvoll?

Nabelschnurblut ist das Blut, das sich nach der Geburt und dem Abnabeln noch in der Nabelschnur und der Plazenta befindet. Es ist für das Baby nach der Geburt nicht mehr essenziell, da es seinen Sauerstoff über die eigene Atmung und Nährstoffe über die Muttermilch erhält. Früher wurden Nabelschnur und Plazenta entsorgt, doch heute wird erkannt, dass Nabelschnurblut eine reiche Quelle für Stammzellen darstellt.

Während der Schwangerschaft findet die Blutbildung hauptsächlich in der Leber und Milz des Babys statt. Erst im letzten Drittel der Schwangerschaft wandern die Blutzellen in das Knochenmark. Zur Zeit der Geburt befinden sich daher sehr viele und vitale Stammzellen im Blut des Babys, und somit auch in der Nabelschnur und Plazenta.

Diese Stammzellen sind besonders wertvoll, da sie sich in alle verschiedenen Zell- und Gewebetypen des Körpers verwandeln können. Dies ermöglicht die Regeneration von verbrauchtem oder krankem Gewebe und macht sie zu einer wichtigen Ressource für die Behandlung vieler Krankheiten, darunter Leukämie.

Das Blut der Nabelschnur enthält hämatopoetische Stammzellen, die zur Behandlung von Blutkrebs wie Lymphomen und Leukämien eingesetzt werden können. Darüber hinaus sind im Nabelschnurblut mindestens zwei weitere Stammzellarten enthalten: mesenchymale Stammzellen, aus denen Zellen des Bindegewebes entstehen können.

Die Zellen im Nabelschnurblut sind noch sehr jung und haben daher kaum Schäden in ihrem Erbgut angesammelt. Sie verhalten sich oft toleranter, was das Risiko von Abstoßungsreaktionen bei Transplantationen verringert.

Schema des Blutkreislaufs von Fötus, Nabelschnur und Plazenta

Entnahme und Verarbeitung von Nabelschnurblut

Die Entnahme von Nabelschnurblut ist ein unkomplizierter und schmerzfreier Prozess für Mutter und Kind. Nach der Geburt des Babys und dem Abklemmen der Nabelschnur wird das verbleibende Blut aus der Nabelschnur und Plazenta gesammelt. Dies geschieht unter höchststerilen Bedingungen durch geschultes medizinisches Personal.

Nach der Entnahme wird das Nabelschnurblut zusammen mit anderen biologischen Materialien von einem Kurier an ein spezialisiertes Labor versandt. Dies muss in der Regel innerhalb von 72 bis maximal 96 Stunden geschehen, abhängig von lokalen Bestimmungen.

Im Labor werden die Blutstammzellen isoliert und die Probe für die Lagerung vorbereitet. Der Prozess der Einlagerung, auch Kryokonservierung genannt, beinhaltet das Einfrieren der Stammzellen bei extrem tiefen Temperaturen von etwa -196 °C in flüssigem Stickstoff. Bei diesen Temperaturen kommt der Stoffwechsel der Stammzellen fast vollständig zum Erliegen, wodurch ihr Alterungsprozess stark verlangsamt wird und sie ihre Wachstumsfähigkeit über Jahrzehnte behalten können.

Ablauf der Nabelschnurblutentnahme und des Transports zum Labor

Öffentliche vs. Private Nabelschnurblutbanken

Für werdende Eltern gibt es grundsätzlich zwei Hauptoptionen bezüglich des Nabelschnurbluts: Spenden oder Einlagern lassen. Die FamiCord Gruppe wird als führender Anbieter in Europa mit umfassender Erfahrung in der Bereitstellung von Material für hämatopoetische Transplantationen und innovative experimentelle Therapien genannt.

Öffentliche Nabelschnurblutbanken

Bei der Spende an eine öffentliche Nabelschnurblutbank wird das Nabelschnurblut für die Allgemeinheit gelagert und kann potenziell jedem Patienten helfen, der eine Stammzelltransplantation benötigt. Diese Spende ist für die Eltern kostenfrei, da die Kosten für Entnahme und Lagerung übernommen werden. Im Gegenzug treten die Eltern jedoch alle Rechte an den Zellen ab.

Öffentliche Banken stellen höhere Qualitätsanforderungen an die Blutproben. Es findet eine strenge Auswahl statt; oft werden nur wenige von zehn potenziellen Spenden letztendlich eingelagert. In Deutschland gibt es beispielsweise die DKMS Nabelschnurblutbank in Dresden und die José Carreras Stammzellbank in Düsseldorf.

Die Typisierungsdaten der Spende werden in ein zentrales Register eingetragen, das weltweit vernetzt ist, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die Spende gefunden wird, wenn sie benötigt wird.

Private Nabelschnurblutbanken

Bei privaten Nabelschnurblutbanken lagern Eltern die Nabelschnurblutproben gegen Entgelt für sich selbst oder ein bedürftiges Familienmitglied ein. Die Kosten für die Einlagerung können je nach Anbieter und Dauer der Lagerung zwischen 3.000 und 5.000 Schweizer Franken (oder etwa 1.500 bis 3.000 Euro für 20 Jahre) liegen. Diese Option wird oft als "Geschäft mit der Hoffnung" bezeichnet.

Die Vorteile liegen darin, dass die eingelagerten Stammzellen im Bedarfsfall für das eigene Kind oder Familienmitglieder zur Verfügung stehen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass die eigenen Nabelschnurblut-Stammzellen jemals zum Einsatz kommen, relativ gering - Wissenschaftler schätzen sie auf 1:1000 bis 1:2000.

Es gibt keine Garantie, dass eingelagerte Stammzellen im Eigenblut nicht ebenso krank werden wie die später im Leben gebildeten Zellen. Für die meisten Krankheiten, bei denen eine Stammzelltransplantation infrage kommt, werden nicht eigene, sondern fremde Stammzellen benötigt (allogene Transplantation).

Einige private Anbieter bieten sogenannte hybride Modelle an, bei denen die Einlagerung für den Eigenbedarf erfolgt, die Probe aber auch anonym im öffentlichen Stammzellenspendenregister registriert wird. Eltern können dann bei einer Anfrage entscheiden, ob sie die Zellen freigeben möchten, und erhalten im Falle einer Freigabe die Kosten für die Einlagerung zurückerstattet.

Vergleichstabelle: Öffentliche vs. Private Nabelschnurblutbanken

Potenzielle Anwendungen und medizinischer Nutzen

Nabelschnurblut enthält Stammzellen, die im Kampf gegen verschiedene Krankheiten wertvoll sind. Die bisher erfolgreichsten Anwendungen liegen im Bereich der Behandlung von Blutkrankheiten wie Leukämie. Bei diesen Erkrankungen können die Stammzellen helfen, das Blutbildungssystem und die Immunabwehr nach einer Chemotherapie oder Bestrahlung wieder aufzubauen.

Weltweit wurden bereits Zehntausende von Stammzell-Präparaten aus Nabelschnurblut bei über 80 verschiedenen Erkrankungen eingesetzt. Die Zellen aus dem Nabelschnurblut sind noch unreifer und führen seltener zu Abwehrmechanismen im Körper als Stammzellen aus dem Knochenmark.

Die Forschung arbeitet intensiv an neuen Anwendungsmöglichkeiten von Nabelschnurblut-Stammzellen. Dazu gehören potenzielle Behandlungen für Stoffwechselstörungen, Immunschwächen, aber auch für komplexere Erkrankungen wie Typ-1-Diabetes, Parkinson oder Herzfehler. Theoretisch ist es sogar möglich, aus Stammzellen beschädigte Organe nachzubilden.

Allerdings betonen viele Forscher und Ärzte, dass viele der weitergehenden Anwendungsbereiche, die von privaten Anbietern beworben werden (wie die Heilung von Autismus, Diabetes oder Parkinson), derzeit noch im Bereich der experimentellen Medizin oder Tierversuche liegen. Es wird geschätzt, dass es noch zehn bis 20 Jahre dauern könnte, bis sich solche Therapien etabliert haben.

Ein wichtiger Punkt ist die Menge der Stammzellen. Die im Nabelschnurblut verfügbare Menge ist begrenzt und reicht meist nur für die Behandlung eines Kindes aus, nicht aber für Erwachsene, es sei denn, zwei Spenden werden kombiniert.

Stammzellen aus Nabelschnurblut - Anwendungsmöglichkeiten

Die Entscheidung für oder gegen die Einlagerung

Die Entscheidung, ob Nabelschnurblut eingelagert werden soll, ist eine sehr persönliche und oft kontrovers diskutierte Frage. Während private Anbieter die Zukunftsperspektiven und potenziellen Heilungschancen hervorheben, mahnen viele Mediziner zur Vorsicht und betonen die geringe Wahrscheinlichkeit einer tatsächlichen Nutzung der eigenen eingelagerten Stammzellen.

Die FamiCord Gruppe betont ihr Engagement für Qualität und Sicherheit, wobei der gesamte Prozess von unabhängigen Prüfern kontrolliert wird. Sie kümmern sich um jeden Aspekt der Nabelschnurbluteinlagerung, von der Entnahme bis zur Freigabe für Transplantationskliniken.

Michael Gianotti, ein Leukämie-Überlebender, entschied sich nach seiner eigenen Erfahrung bewusst für die Einlagerung des Nabelschnurbluts seiner Söhne. Dies unterstreicht die emotionale Bedeutung, die das Thema für betroffene Familien haben kann.

Es ist ratsam, sich vor einer Entscheidung umfassend von medizinischem Fachpersonal beraten zu lassen und sowohl die Vorteile als auch die Nachteile sowie die damit verbundenen Kosten abzuwägen. Die FamiCord Gruppe bietet umfassende Informationen und Unterstützung für werdende Eltern, die eine Einlagerung von Nabelschnurblut in Erwägung ziehen.

Infografik: Wann kommen Stammzellen aus Nabelschnurblut zum Einsatz?

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