Für viele Schwangere ist die Vorstellung einer Geburt mit dem Baby in Beckenendlage (BEL) mit Unsicherheit verbunden. Doch entgegen verbreiteter Annahmen ist eine natürliche Geburt in dieser Position oft möglich und sicher, wenn die richtigen Voraussetzungen gegeben sind und das geburtshilfliche Team über entsprechende Erfahrung verfügt. Dieser Artikel sammelt verschiedene Geburtsberichte und Informationen rund um das Thema Beckenendlagengeburten.
Die Entscheidung für eine Hausgeburt und die Wendung zur Beckenendlage
Einige Eltern entschieden sich bereits in der Schwangerschaft bewusst für eine Hausgeburt, um den Stress und die wechselnde Betreuung im Krankenhaus zu vermeiden. Diese Vorstellung musste jedoch oft überdacht werden, wenn sich der Verdacht erhärtete, dass das Kind nicht in der üblichen Schädellage, sondern mit dem Po oder den Füßen nach unten im Bauch liegt. Trotz verschiedener Versuche wie Moxen oder der indischen Brücke, um das Baby zum Drehen zu animieren, verblieb das Kind in Beckenendlage. In solchen Fällen musste die Idee der Hausgeburt verworfen und die Möglichkeit eines Kaiserschnitts in Betracht gezogen werden.
Um dem Kind dennoch den Beginn einer natürlichen Geburt zu ermöglichen, meldeten sich manche Paare in Krankenhäusern an, die auf spontane Beckenendlagegeburten spezialisiert sind. Hierbei wird versucht, eine natürliche Geburt einzuleiten, und im Bedarfsfall kann ein Kaiserschnitt durchgeführt werden. Es wurde darauf hingewiesen, dass bei solchen Geburten eine größere Anzahl von Personen (6-9) anwesend sein kann, da alle auf mögliche Komplikationen vorbereitet sein müssen.
Der Geburtsverlauf in Beckenendlage: Ein erster Erfahrungsbericht
Die Wehen begannen für eine Frau um Mitternacht, zunächst in regelmäßigen Abständen. Nach einer Pause starteten sie erneut am Morgen, begleitet von einem fortschreitenden Fruchtwasserverlust. Nach Rücksprache mit der Hebamme wurde die Entscheidung getroffen, liegend mit der Rettung ins Krankenhaus zu fahren. Dort angekommen, zeigte die Untersuchung eine Muttermundöffnung von 3 cm. Nach anfänglicher Einschränkung aufgrund des Blasensprungs, konnte die Frau nach einer Toilettensitzung wieder aufstehen, da das Baby weiter nach unten gerutscht war.
Im Verlauf der Geburt öffnete sich der Muttermund stetig weiter. Durch Bewegung und weitere Toilettengänge intensivierten sich die Wehen, und der Muttermund war über 8 cm geöffnet. Die Pausen zwischen den Wehen wurden genutzt, um Kraft zu tanken. Es kam zu einem Moment, in dem die Gebärende unbewusst mitpresste. Kurz darauf wurden das Ärzteteam, der Anästhesist und die Kinderärztin hinzugezogen. Während der Geburt wurde ein Wehentropf verabreicht, was bei Beckenendlage üblich ist, um die Wehen zu intensivieren, insbesondere wenn der Kopf des Kindes geboren werden muss. Nach anfänglichem Zögern des Kopfes, sich zu lösen, wurde das Baby schließlich um 10:24 Uhr geboren. Die ersten Stunden nach der Geburt wurden für das Kennenlernen und Erholen genutzt, bevor die Familie das Krankenhaus nach wenigen Stunden wieder verlassen konnte.

Erfahrungsberichte und Ratschläge von Frauen, die eine BEL-Geburt hatten
In einem weiteren Erfahrungsbericht teilt eine Frau ihre Gedanken zur Geburt ihres zweiten Kindes in Beckenendlage. Nach einem Gespräch mit der Ärztin, die von einer äußeren Wendung abriet und eine spontane Geburt in BEL befürwortete, freute sie sich über die Möglichkeit einer natürlichen Entbindung. Sie fragt andere Frauen nach ihren Erfahrungen und ob sie eine BEL-Geburt wieder wählen würden.
Eine Antwort beschreibt die Geburt eines Sohnes in BEL als sehr schön und ohne große Komplikationen. Es wurde eine PDA (Periduralanästhesie) empfohlen, da diese bei BEL oft eingesetzt wird, um die Kraft am Ende der Geburt zu erhalten. Eine andere Frau berichtet von zwei Freundinnen, die spontan in BEL entbunden haben und froh darüber waren. Sie betont, dass die Geburt nicht schlimmer oder schmerzhafter war als eine Geburt in Schädellage. Wichtige Voraussetzungen seien ein Ultraschall kurz vor der Geburt, um die genaue Lage des Kindes zu prüfen, sowie die Position der Füße (nicht der Po oder die Nabelschnur voran). Eine geeignete Geburtsposition sei der Vierfüßlerstand.
Es gab auch Diskussionen über die genaue Definition der Beckenendlage und die Position der Füße. Einige Quellen besagen, dass bei einer Fußlage ein Kaiserschnitt empfohlen wird, während andere berichten, dass Geburten mit den Füßen voran erfolgreich und unkompliziert verliefen. Es wurde darauf hingewiesen, dass jedes Krankenhaus unterschiedliche Praktiken handhaben kann und dass es verschiedene Arten von BEL-Geburten gibt: die reine Steißlage, die Steiß-Fuß-Lage und die Knie-Fuß-Lage.
Eine Frau, die selbst in BEL entbunden hat, betont, dass die reine Steißlage die beste Geburtsposition für das Kind sei. Sie erklärt, dass Fußlagen mit mehr Komplikationen verbunden sein können, da die Füße sich verkanten und verklemmen können. Sie zitiert Ärzte, die eine reine Fußlage als Kaiserschnittindikation betrachten, da sie den geringsten Durchmesser des führenden Kindsteils darstellt und zu Komplikationen wie dem Fußvorfall oder Nabelschnurvorfall führen kann. Die vollkommene Steiß-Fuß-Lage, bei der das Kind in der Hocke liegt, wird als Geburt mit einem Durchmesser vergleichbar dem normalen kindlichen Kopf beschrieben, was die Geburt ähnlich schnell wie in Schädellage machen kann.

Detaillierte Geburtsberichte aus Beckenendlage
Ein detaillierter Geburtsbericht beschreibt den Beginn der Wehen um 2 Uhr morgens, gefolgt von einem Blasensprung gegen 6 Uhr. Nach der Ankunft im Krankenhaus wurde der Muttermund als 3 cm geöffnet befunden. Im Laufe des Tages öffnete sich der Muttermund stetig weiter, und die Wehen intensivierten sich. Die Frau beschreibt die Wehen als schmerzhaft, aber die Pausen als erholsam. Sie begann unbewusst mitzupressen, was zur Folge hatte, dass das geburtshilfliche Team - inklusive Anästhesist und Kinderärztin - gerufen wurde. Nach der Gabe eines Wehentropfes wurde das Baby, Moritz, nach drei Stunden im Krankenhaus geboren.
Ein weiterer langer Geburtsbericht schildert die Vorbereitung auf eine Geburt in Fußsteißlage. Nach einem Blasensprung und der Ankunft im Krankenhaus wurde ein CTG geschrieben, das starke Wehen in 2-3-minütigen Abständen aufzeigte. Nach einer Untersuchung wurde der Muttermund als 2 cm geöffnet befunden. Der Blasensprung wurde als "Zeichnung" interpretiert, was auf eine baldige Geburt hindeutete. Die Frau beschreibt die Wehen als extrem schmerzhaft und den Einlauf als unangenehm. Der Muttermund öffnete sich auf 6 cm, und die Wehen wurden immer intensiver. Nach Erreichen von 9 cm Muttermundöffnung begann die Frau mitzupressen. Die Geburt gestaltete sich als anstrengend, mit verschiedenen Positionenwechseln und der Gabe von Sauerstoff, da das Baby gestresst wurde. Schließlich wurde das Baby um 13:42 Uhr geboren. Die Mutter beschreibt den Moment der Geburt als den schönsten ihres Lebens.
Ein weiterer Bericht handelt von einer Frau, deren Kind in der 38. Schwangerschaftswoche in Beckenendlage lag. Trotz aller Bemühungen, das Baby zum Drehen zu bewegen, blieb es in dieser Position. Die Frau entschied sich nach ausführlicher Aufklärung über die Risiken und Vorteile für eine natürliche Geburt in der Spezialklinik. Die Geburt verlief intensiv, aber selbstbestimmt. Die Geburt im Vierfüßlerstand war ab den Presswehen die gewählte Position. Das Baby wurde mit dem Po voran geboren, gefolgt von den Beinen und schließlich dem Kopf. Der Partner war während der gesamten Geburt anwesend und unterstützte die Frau. Die Mutter betont, wie wichtig es ist, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und sich nicht verrückt machen zu lassen.
Ein weiterer Geburtsbericht aus Beckenendlage (BEL) beschreibt die anfängliche Unsicherheit und die Entscheidung für eine Geburt in einer Spezialklinik. Nach einem Blasensprung und der Ankunft im Krankenhaus wurde der Muttermund als 1 cm geöffnet befunden. Die Ärztin strahlte Zuversicht aus und erklärte, dass die Voraussetzungen gut seien. Die Wehen wurden immer intensiver, und die Frau musste verschiedene Positionen ausprobieren, um sie zu veratmen. Die Geburt wurde im Vierfüßlerstand begonnen, und nach einigen Presswehen wurde das Kind geboren. Die Mutter beschreibt das Erlebnis als anstrengend, aber letztendlich positiv. Sie betont, dass das Risiko einer BEL-Geburt nur erhöht sei, wenn die Frau unsicher ist oder das medizinische Personal keine Routine damit hat.
Was ist Beckenendlage? Definition und Arten
Die Beckenendlage (BEL) beschreibt eine Kindslage im Mutterleib, bei der das Baby nicht mit dem Kopf nach unten, sondern mit dem Po oder den Füßen in Richtung des mütterlichen Beckens liegt. Dies tritt bei etwa 5% aller Schwangerschaften zum Geburtstermin auf. Ursachen können vielfältig sein, darunter Frühgeburten, Vererbung, Mehrlingsschwangerschaften, Fehlbildungen der Gebärmutter, Myome oder ein verengtes Becken. Auch eine ungünstig liegende Plazenta oder eine kurze Nabelschnur können eine Steißlage begünstigen.
Es gibt verschiedene Varianten der Beckenendlage:
- Reine Steißlage: Die Beine des Babys sind hochgeschlagen, sodass die Füße vor dem Gesicht liegen. Der Steiß geht bei der Geburt voran.
- Unvollkommene Steiß-Fuß-Lage: Das Baby hat ein Bein angehockt und das andere Bein hochgeschlagen.
- Vollkommene Steiß-Fuß-Lage: Die Knie des Babys sind zum Bauch hingezogen.
- Unvollkommene Knielage: Das Baby hat nur ein Bein im Knie gebeugt, während das zweite Bein hochgeschlagen ist.
- Vollkommene Knielage: Das Baby hat beide Beine nach hinten angewinkelt.
- Vollkommene Fußlage: Das Baby hat beide Beine nach unten ausgestreckt.
Die reine Steißlage ist die häufigste Variante. Alle Formen der BEL gelten als Risikogeburten und erfordern eine besondere Überwachung.
Risiken und Interventionen bei Beckenendlage
Die Hauptrisiken bei einer Beckenendlagengeburt ergeben sich daraus, dass der Kopf des Babys zuletzt durch den Geburtskanal tritt. Dies kann dazu führen, dass die Nabelschnur zwischen dem Kopf und dem Geburtskanal der Mutter eingeklemmt wird, was zu einer kurzfristigen Sauerstoffunterversorgung führen kann. Ist dieser Zeitraum kurz, stellt dies in der Regel kein Problem dar. Bei einer längeren Unterversorgung sind jedoch Schäden möglich.
Um das Kind in die Schädellage zu drehen, kann ab der 34. Schwangerschaftswoche eine äußere Wendung versucht werden. Dabei versuchen Ärzte, das Baby von außen sanft in die richtige Position zu drehen. Diese Methode ist nicht immer erfolgreich.
Zusätzlich gibt es verschiedene Übungen und Techniken, die darauf abzielen, das Baby zum Drehen anzuregen:
- Indische Brücke: Die Schwangere lagert Becken und Bauch hoch, um das Baby zu einer Drehung zu animieren.
- Wärme-Akupunkturtechnik (Moxibustion): Ein bestimmter Punkt am kleinen Zeh wird mit einer glimmenden Beifußkraut-Zigarre erwärmt, um die Bewegung des Kindes anzuregen.
- Glockentrick: Der Klang eines Glöckchens im Vaginalbereich soll die Neugier des Kindes wecken.
- Taschenlampe: Mit einer leuchtenden Taschenlampe wird der Weg vom Kopf des Babys nach unten gezeigt, um es zur Drehung zu animieren.
Geburtsmediziner Gerhard Ortmeyer führt eine Äußere Wendung durch
Natürliche Geburt trotz Beckenendlage: Voraussetzungen und Durchführung
Eine natürliche Geburt in Beckenendlage ist möglich und sicher, wenn die notwendigen Rahmenbedingungen erfüllt sind und das geburtshilfliche Team über die erforderliche Erfahrung verfügt. Vorab werden Ultraschalluntersuchungen des Kindes und gegebenenfalls eine Magnetresonanztomographie (MRT) des mütterlichen Beckens durchgeführt, um sicherzustellen, dass "alles passt".
Wenn Risikofaktoren wie ein zu großes Kind oder ein zu enges Becken vorliegen, wird ein Kaiserschnitt einer natürlichen Geburt vorgezogen. Sind die Voraussetzungen gegeben, eignet sich die Gebärposition im Vierfüßlerstand, da sie als schonender gilt und den Geburtsverlauf für Mutter und Kind erleichtern kann.
Die Entscheidung für eine natürliche Geburt in Beckenendlage sollte immer in einem ausführlichen Gespräch zwischen der Schwangeren und ihrem Arzt oder ihrer Ärztin getroffen werden, bei dem alle Vor- und Nachteile sowie Risiken abgewogen werden.
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