Kopfschmerzen sind in der Schwangerschaft, besonders im späteren Verlauf wie der 38. SSW, ein häufiges Symptom, das viele werdende Mütter verunsichert. Während sie in den meisten Fällen harmlos sind, können sie in seltenen Fällen auch auf ernsthafte Komplikationen hinweisen. Das Verständnis der möglichen Ursachen und geeigneten Behandlungsmethoden ist daher essenziell.

Mögliche Ursachen für Kopfschmerzen in der späten Schwangerschaft
Die Ursachen für Kopfschmerzen in der 38. SSW können vielfältig sein und reichen von hormonellen Veränderungen über körperliche Belastungen bis hin zu schwangerschaftsspezifischen Erkrankungen.
Hormonelle Veränderungen
Obwohl die größten hormonellen Umstellungen oft im ersten Trimester stattfinden, können auch in der späten Schwangerschaft hormonelle Schwankungen zu Kopfschmerzen beitragen. Der Anstieg und Abfall bestimmter Hormone kann das Nervensystem beeinflussen.
Körperliche Ursachen
- Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich: Mit fortschreitender Schwangerschaft verändert sich die Körperhaltung durch das wachsende Baby. Dies kann zu Muskelverspannungen im Nacken und Rücken führen, die sich als Kopfschmerzen bemerkbar machen. Auch Fehlhaltungen, Bewegungsmangel oder Stress können diese Verspannungen verstärken.
- Flüssigkeitsmangel: Der Körper benötigt in der Schwangerschaft mehr Flüssigkeit, um sowohl die Mutter als auch das Baby zu versorgen. Ein Mangel kann dazu führen, dass das Blut dicker wird und die Durchblutung des Kopfes beeinträchtigt ist, was Kopfschmerzen auslösen kann.
- Niedriger Blutdruck: Ein niedriger Blutdruck, der in der Schwangerschaft auftreten kann, führt zu einer geringeren Durchblutung des Kopfes und kann ebenfalls Kopfschmerzen verursachen.
- Eisen- oder Magnesiummangel: Ein Mangel an diesen wichtigen Mineralstoffen kann zu verschiedenen Beschwerden führen, darunter auch Kopfschmerzen.
- Erkältungen: Infektionen wie Erkältungen können ebenfalls Kopfschmerzen als Begleitsymptom haben.
Lebensmittel und Triggerfaktoren
Bestimmte Lebensmittel wie Käse, Rotwein, Schokolade oder Zitrusfrüchte können bei empfindlichen Personen Migräneattacken auslösen. Auch der Verzicht auf gewohnte Mengen Koffein kann bei manchen Frauen zu Kopfschmerzen führen.
Migräne
Einseitige, pochende Kopfschmerzen, die möglicherweise von Licht- oder Geräuschempfindlichkeit begleitet werden, können auf Migräne hindeuten. Viele Frauen erleben während der Schwangerschaft eine Linderung ihrer Migräne, bei einigen kann sie jedoch auch unverändert bleiben oder sogar neu auftreten.

Ernsthafte Ursachen und Warnsignale
Obwohl die meisten Kopfschmerzen in der Schwangerschaft harmlos sind, ist es wichtig, Warnsignale zu erkennen, die auf ernstere Erkrankungen hinweisen könnten. Dies ist besonders relevant ab der 20. Schwangerschaftswoche.
Schwangerschaftsbedingte Erkrankungen (Gestosen)
Diese Erkrankungen, umgangssprachlich oft als "Schwangerschaftsvergiftung" bezeichnet, sind ernste Komplikationen, die Mutter und Kind gefährden können. Sie treten typischerweise nach der 20. Schwangerschaftswoche auf:
- Gestationshypertonie: Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck (≥ 140/90 mmHg) während der Schwangerschaft.
- Präeklampsie: Neben Bluthochdruck treten weitere Symptome auf, die auf eine Organstörung hindeuten, oft eine Beeinträchtigung der Nieren mit vermehrtem Eiweiß im Urin. Kopfschmerzen können ein frühes Warnzeichen sein.
- Eklampsie: Eine schwere Komplikation der Präeklampsie, die mit Krampfanfällen einhergeht.
- HELLP-Syndrom: Eine akute und schwer verlaufende Sonderform der Präeklampsie, die Leber, Blutplättchen und rote Blutkörperchen beeinträchtigt. Typische Symptome sind Schmerzen im rechten Oberbauch, Kopfschmerzen, Sehstörungen sowie Übelkeit und Erbrechen.
Warnzeichen, bei denen sofort ärztliche Hilfe gesucht werden sollte:
- Sehr starke und plötzlich auftretende Kopfschmerzen.
- Kopfschmerzen, die sich anders anfühlen als gewohnt.
- Kopfschmerzen, die trotz Einnahme eines geeigneten Schmerzmittels nicht besser werden.
- Zusätzliche Symptome wie Sehstörungen (verschwommenes Sehen, Flimmern), Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit oder unruhiger Geisteszustand.
- Starke und plötzliche Schwellungen im Gesicht, an Händen oder Füßen, besonders in Verbindung mit Kopfschmerzen.
- Auftreten von Kopfschmerzen nach der 20. Schwangerschaftswoche, insbesondere wenn sie stark sind oder mit anderen Symptomen einhergehen.
Sinusvenenthrombose
Ein erhöhtes Risiko für den Verschluss von Hirnvenen besteht in der Schwangerschaft, insbesondere bei Gerinnungsstörungen. Plötzliche, starke Kopfschmerzen können ein Symptom sein.

Behandlung von Kopfschmerzen in der Schwangerschaft
Die Behandlung von Kopfschmerzen in der Schwangerschaft erfordert Vorsicht, da nicht alle Medikamente für Mutter und Kind sicher sind. Grundsätzlich gilt: Hausmittel und nicht-medikamentöse Maßnahmen sollten zuerst versucht werden.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
- Ausreichend Trinken: Mindestens 2-3 Liter Wasser, ungesüßte Tees oder Saftschorlen pro Tag.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Kleine, ausgewogene Mahlzeiten helfen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
- Frische Luft und Bewegung: Spaziergänge oder leichte sportliche Aktivitäten können den Kreislauf anregen und Verspannungen lösen.
- Ruhe und Schlaf: Ausreichend Schlaf und Pausen sind wichtig, um Stress abzubauen und den Körper zu regenerieren.
- Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress und Verspannungen zu reduzieren.
- Massagen: Sanfte Massagen im Nacken- und Schulterbereich können Verspannungen lösen.
- Wärme: Eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen im Nackenbereich kann wohltuend sein.
- Ätherische Öle: Stark verdünntes Pfefferminzöl auf Schläfen und Stirn kann Linderung verschaffen (Anwendung nur nach Rücksprache mit Hebamme oder Arzt).
Medikamentöse Behandlung
Bei starken oder anhaltenden Kopfschmerzen, die sich mit Hausmitteln nicht bessern, kann eine medikamentöse Behandlung notwendig sein. Hierbei ist unbedingt ärztliche Rücksprache erforderlich.
- Paracetamol: Gilt als Schmerzmittel der ersten Wahl während der gesamten Schwangerschaft. Es sollte jedoch nur in der niedrigsten wirksamen Dosis und so kurz wie möglich eingenommen werden. Eine gelegentliche Einnahme (etwa einmal pro Woche) gilt als unbedenklich.
- Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS): Diese Medikamente sollten in den ersten beiden Trimestern nur in Ausnahmefällen und nach ärztlicher Abwägung eingenommen werden. Ab der 28. Schwangerschaftswoche sollten sie generell vermieden werden, da sie Risiken für das Kind bergen können (z.B. vorzeitiger Verschluss des Ductus arteriosus, Beeinträchtigung der Herz- und Nierenfunktion, verlängerte Blutungszeit). Eine niedrige Dosis ASS kann in bestimmten Fällen (z.B. zur Prävention von Präeklampsie) ärztlich verordnet werden.
- Triptane: Bei schweren Migräneattacken kann der Arzt nach sorgfältiger Abwägung Triptane verschreiben. Bestimmte Wirkstoffe wie Sumatriptan gelten als Mittel der Wahl in der Schwangerschaft, wenn andere Maßnahmen versagen.
Wichtig: Jegliche Einnahme von Schmerzmitteln während der Schwangerschaft muss unbedingt mit dem behandelnden Frauenarzt oder der Frauenärztin abgesprochen werden.
Entspannungsvideo für Schwangere mit Hebamme Anna-Maria | babyartikel.de
Vorbeugung von Kopfschmerzen
Eine gute Vorbeugung kann helfen, das Auftreten von Kopfschmerzen zu reduzieren:
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr.
- Integrieren Sie regelmäßige, moderate Bewegung in Ihren Alltag.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und legen Sie bewusst Pausen ein.
- Vermeiden Sie Stress, wo immer möglich, und nutzen Sie Entspannungstechniken.
- Identifizieren Sie persönliche Triggerfaktoren (z.B. bestimmte Lebensmittel) und versuchen Sie, diese zu meiden.
- Nehmen Sie alle Vorsorgetermine bei Ihrer Hebamme oder Ihrem Frauenarzt wahr, um mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen.
Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, Muster und Auslöser zu erkennen. Tragen Sie darin ein, wann die Kopfschmerzen auftreten, wie stark sie sind, was Sie gegessen und getan haben und welche anderen Faktoren (Wetter, Stress) eine Rolle spielen könnten. Diese Informationen sind auch für Ihren Arzt wertvoll.
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