Anwendung von Inhalatoren: Ein umfassender Leitfaden

Dosieraerosole (DA) spielen eine bedeutende Rolle in der Inhalationstherapie. Laut Daten des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung machten sie im Jahr 2020 knapp die Hälfte aller inhalativen Arzneimittel aus. Salbutamol hatte dabei einen Anteil von etwa 46 Prozent aller verordneten Dosieraerosole.

Illustration verschiedener Inhalator-Typen

Funktionsweise und Anwendung von Dosieraerosolen (DA)

Dosieraerosole transportieren Wirkstoffe mithilfe eines Treibmittels in die tiefen Abschnitte der Lunge. Wenn sie ausgelöst werden, entsteht ein Nebel mit hoher Geschwindigkeit. Damit die Wirkstoffpartikel nicht bereits im Mund- und Rachenbereich haften bleiben, ist es wichtig, langsam und synchron zur Auslösung einzuatmen. Menschen, die Schwierigkeiten mit dieser Koordination haben, können einen Spacer als Inhalationshilfe verwenden.

Vorbereitung und Anwendung

Bei der erstmaligen Anwendung eines DA oder wenn es für mindestens fünf Tage nicht genutzt wurde, sind die ersten bis zu vier Sprühstöße zu verwerfen, abhängig vom jeweiligen Produkt. Vor der Anwendung wird die Schutzkappe entfernt und das Gerät zwischen Daumen und Mittel- oder Zeigefinger gehalten, wobei der Daumen und das Mundstück nach unten zeigen. Der Inhalationsvorgang kann im aufrechten Sitzen oder Stehen und mit leicht zurückgeneigtem Kopf gestartet werden. Das Dosieraerosol muss vor der Anwendung kräftig geschüttelt werden. Unmittelbar vor der Inhalation sollte langsam und vollständig ausgeatmet werden.

Der Inhalationsvorgang

Das Mundstück wird fest mit den Lippen umschlossen. Der Sprühstoß wird durch das Herunterdrücken des Metallbehälters ausgelöst. Zeitgleich mit der Sprühstoßauslösung muss langsam und so tief wie möglich eingeatmet werden.

Nachbereitung und weitere Hinweise

Es empfiehlt sich, den Atem nach der Inhalation für circa fünf bis zehn Sekunden anzuhalten und nach Absetzen des Inhalators über die »Lippenbremse« mit locker aufeinander gelegten Lippen auszuatmen. Es darf nicht in den Inhalator geatmet werden. Bei der Verwendung mehrerer Hübe wird empfohlen, circa 30 Sekunden bis zum nächsten Sprühstoß zu warten.

Die Rolle des Spacers

Ein Spacer erleichtert die Synchronisation zwischen der Sprühstoßauslösung und der Einatmung, wodurch mehr Wirkstoff in die Lunge gelangt. Zudem mindert er den Druck des Treibgases, sodass größere Teilchen bereits an der Spacerwand haften bleiben, statt sich im Mund- und Rachenraum abzusetzen. Bei der Nutzung wird das Mundstück des Dosieraerosols in den Spacer eingesteckt und über dessen Mundstück eingeatmet. Der eigentliche Inhalationsvorgang läuft ab wie oben beschrieben. Besitzt der Spacer ein Ventil, muss er nach der Inhalation zum Ausatmen nicht abgesetzt werden.

Schema einer korrekten Anwendung eines Dosieraerosols mit Spacer

Pulverinhalatoren (Dry Powder Inhaler, DPI)

Pulverinhalatoren arbeiten ohne Treibgas und sind daher umweltfreundlicher als Dosieraerosole. Bei ihnen wird das wirkstoffhaltige Pulver durch einen kräftigen Atemzug am Gerät vernebelt. Daher entfällt bei DPI eine Koordination der Einatmung mit dem Auslösen, allerdings müssen in der Regel Atemstromstärken von 30 bis 60 Litern pro Minute erreicht werden, damit genug Wirkstoff in die tiefen Lungenabschnitte gelangt.

Vorteile und Anwendung von DPI

DPI lösen in der Regel weniger lokale Nebenwirkungen aus als DA, da sich durch die niedrigere Partikelgeschwindigkeit weniger Teilchen im Mund- und Rachenraum absetzen. Zudem weiten sich die Stimmbänder beim tiefen Atemzug reflektorisch. Manche Modelle arbeiten mit Kapseln oder Aluminiumblistern, die vor der Inhalation in das Gerät eingelegt werden müssen. Bei anderen werden von einem Pulverdepot, das sich im Gerät befindet, einzelne Dosen abgetrennt.

Vorbereitung und Inhalation

Die Schutzkappe des Geräts wird geöffnet. Falls erforderlich, wird eine Kapsel oder ein Blisterstreifen eingelegt und das Gerät wird geschlossen. Unmittelbar vor der Anwendung ist der Blister oder die Kapsel anzustechen, etwa durch das Drücken eines Durchstechdorns, der anschließend in seine Ausgangsposition zurückgleiten muss. Zunächst ist vollständig auszuatmen, dann das Mundstück mit den Lippen fest umschließen. Mit einem kräftigen Zug und leicht erhöhter Geschwindigkeit durch den Inhalator einatmen, ohne dabei durch die Nase zu atmen. Anschließend den Pulverinhalator absetzen und den Atem für fünf bis zehn Sekunden anhalten. Dann mit Lippenbremse oder über die Nase ausatmen.

Nachbereitung und wichtige Hinweise

Wenn möglich, ist nach der Inhalation zu prüfen, ob Kapsel oder Blister vollständig entleert wurden. Falls das nicht gelungen ist, kann die Restdosis durch einen erneuten Atemzug durch den Inhalator aufgenommen werden. Das Mundstück kann nach Bedarf mit einem trockenen Tuch gereinigt und die Schutzkappe wieder aufgesetzt werden.

Vergleich von Dosieraerosol und Pulverinhalator

Häufige Anwendungsfehler bei Pulverinhalatoren

  • In den Pulverinhalator atmen: Dies sollte unbedingt vermieden werden, da die Atemluft Feuchtigkeit enthält, die sich im Pulver absetzen kann und zum Verklumpen führt.
  • Inkorrektes Laden: Oft muss zunächst eine Dosis des Pulvers freigesetzt werden, bevor eingeatmet wird. Ein Klicken oder ein anderes Geräusch zeigt meist an, ob eine Dosis freigesetzt wurde. Manche Geräte zählen die Dosen sichtbar herunter.
  • Kippen des Inhalators: Nach dem Freisetzen der Dosis sollte der Inhalator nicht gekippt werden, um Pulververlust zu vermeiden.
  • Zu flacher Atemzug: Damit das Pulver wirken kann, muss es tief in die Lunge gelangen. Ein zu flacher Atemzug führt dazu, dass sich das Pulver bereits auf dem Weg ablagert.
  • Feuchtigkeit: Pulverinhalatoren sollten vor Nässe geschützt und nicht in Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit gelagert werden, es sei denn, sie befinden sich in einem fest verschlossenen Behältnis. Hitze vertragen die Inhalatoren ebenfalls nicht gut.

Für kleine Kinder ist ein Pulverinhalator in der Regel nicht geeignet, da das tiefe und kräftige Einatmen, das für die Wirkung erforderlich ist, kleineren Kindern oft nicht gelingt. Dann ist ein Dosieraerosol mit Maske oder Spacer meist die bessere Wahl. In der Regel ist es erst ab einem Alter von 6 Jahren sinnvoll, auf den Pulverinhalator umzusteigen, was aber eine gute Übung mit dem Kind voraussetzt.

Vernebler für die Feuchtinhalation

Zur Feuchtinhalation benötigt man einen Vernebler. Diesen gibt es in verschiedenen technischen Ausführungen:

  • Kompressor-Vernebler: Erzeugt Druckluft, welche die Wirkstofflösung zu kleinsten Tröpfchen vernebelt.
  • Ultraschall-Vernebler: Versetzen Wasser in Schwingung; Teilchen aus der Wirkstofflösung lösen sich und mischen sich mit Luft. Je höher die Frequenz, desto feiner die Tröpfchen.
  • Membran-Vernebler: Eine dünne Membran mit kleinsten Bohrungen schwingt, saugt die Wirkstofflösung an und erzeugt Tröpfchen mit genau definierter Größe.

Vorbereitung und Anwendung von Verneblern

Vor jeder Inhalation sind die Hände gründlich zu waschen und der Vernebler ist gemäß der Produktanweisung zusammenzubauen. Die Inhalationslösung kommt in den dafür vorgesehenen Medikamentenbehälter und ist häufig selbst herzustellen durch das Hinzutropfen der verordneten Menge an Arzneistofflösung zu einer Kochsalz-Trägerlösung. Der Behälter ist nach dem Befüllen wieder zu schließen.

Der Inhalationsvorgang mit Vernebler

Zum Inhalieren sollte man aufrecht und entspannt sitzen, keinesfalls liegen. Das Mundstück wird zwischen die Zähne genommen und mit den Lippen fest umschlossen. Für Kleinkinder und Säuglinge empfiehlt sich eine gut sitzende Maske statt eines Mundstücks, die durch einen Erwachsenen über Mund und Nase gelegt und während der gesamten Inhalation festgehalten werden muss. Während des gesamten Inhalationsvorgangs, der in der Regel einige Minuten dauert, ist langsam über das Mundstück beziehungsweise die Maske ein- und auszuatmen. Die Inhalation ist beendet, sobald die Lösung aufgebraucht ist. Eventuell auftretende Lösungsreste sind zu verwerfen.

Nachbereitung und Reinigung

Nach dem Ausschalten kann der Vernebler entsprechend der Produktbeschreibung gereinigt werden. Es ist wichtig, den Vernebler und das Mundstück nach jeder Anwendung gründlich zu reinigen, um Keimvermehrung vorzubeugen. Bei regelmäßiger Nutzung kann der Hausarzt oder die Hausärztin jährlich eine neue Verordnung für ein Zubehörpaket ausstellen, da dieses alle zwölf Monate getauscht werden sollte.

PARI BOY® SX

Inhalation als Hausmittel und Therapie

Inhalieren ist ein gängiges Hausmittel bei Erkältungssymptomen, das helfen soll, die Nase zu befreien und gereizte Bronchien zu beruhigen. Beim Inhalieren werden Tröpfchen und kleinste, zerstäubte Teilchen, sogenannte Aerosole, eingeatmet, die tief in die Atemwege gelangen. Man kann reinen Wasserdampf einatmen, der die Schleimhäute befeuchtet, oder Zusätze wie Salz oder ätherische Öle verwenden, um eine abschwellende oder schleimlösende Wirkung zu erzielen.

Arten der Inhalation und ihre Besonderheiten

Die bekannteste Methode ist die Topf-Variante, bei der heißes Wasser in einen Topf gefüllt und mit einem Handtuch über dem Kopf die aufsteigenden Dämpfe eingeatmet werden. Daneben gibt es einfache Inhalationsgeräte aus der Apotheke sowie elektrische Inhalatoren. Elektrische Inhalatoren, sei es als Kompressor- oder Ultraschall-Variante, ermöglichen eine feinere Vernebelung der Wirkstoffe, sodass diese die unteren Atemwege erreichen.

Wichtige Hinweise zur Anwendung

Bei der heißen Topf-Variante besteht Verbrühungsgefahr, weshalb sie für Kinder ungeeignet ist. Elektrische Inhalatoren sind einfacher zu handhaben und sicherer. Eine gründliche Reinigung von Vernebler und Mundstück nach jeder Anwendung ist essenziell. Inhalatoren als Kassenleistung sind an bestimmte Voraussetzungen gebunden.

Effektivität und Zusätze

Während die traditionelle Methode über dem Topf eher zur Vorbeugung durch verbesserte Durchblutung im Rachenraum dient, ermöglichen elektrische Inhalatoren durch feine Vernebelung das gezielte Ansteuern der unteren Atemwege. Die Zugabe einer zweiprozentigen Salzlösung kann die Schleimhäute und Bronchien gut befeuchten und zähen Schleim lösen. Bei starker Verschleimung kann eine höhere Salzkonzentration (hypertonische Lösung) hilfreich sein, um Flüssigkeit aus den Schleimhäuten austreten zu lassen und den Schleim zu verflüssigen.

Vorsicht bei ätherischen Ölen und für bestimmte Personengruppen

Mit der Zugabe ätherischer Düfte sollte zurückhaltend umgegangen werden. Bei Kindern können ätherische Dämpfe zu lebensbedrohlichen Verkrampfungen der Bronchien führen. Bei Erwachsenen besteht die Gefahr von Schleimhautreizungen und allergischen Reaktionen, insbesondere bei Asthmatikern, da heißer Dampf die Bronchien reizen kann. Allergiker sollten auf pflanzliche Zusätze wie Kamille verzichten. Für Kinder ist die Inhalation mit zugegebenen Wirkstoffen nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt zu empfehlen, da ihre Atemwege äußerst sensibel auf stark wirksame ätherische Dämpfe reagieren können.

tags: #antra #mups #10 #mg #saugling