Die Suche nach spiritueller Deutung bei der Geburt eines Kindes
Die Geburt eines Kindes ist ein einschneidendes Lebensereignis. Viele junge Eltern suchen nach einer spirituellen Deutung für dieses tiefgreifende Erlebnis. Als Antwort auf diesen Bedarf haben einige Diözesen spezielle Segensfeiern für Neugeborene konzipiert. Diese Angebote richten sich an Eltern, die sich mit der Taufe ihres Kindes auseinandersetzen, diese aber möglicherweise erst später wünschen oder noch unschlüssig sind.

Das Projekt "Segensfeiern für Neugeborene" im Bistum Essen
Seit rund vier Jahren werden im Bistum Essen Segensfeiern für Neugeborene erprobt. Dieses Projekt entstand im Rahmen des diözesanen "Zukunftsbild"-Prozesses 2017, bei dem Ideen für die Gestaltung kirchlichen Lebens in sich wandelnden gesellschaftlichen Bedingungen gesammelt wurden. Die Erfahrungen mit bereits bestehenden Segensfeiern an verschiedenen Orten des Bistums flossen maßgeblich in das Konzept ein. Zehn feste Standorte wurden etabliert, an denen in pandemiefreien Zeiten im Schnitt alle vier Monate eine Andacht stattfindet.
Alle Elternpaare, bei denen mindestens ein Elternteil katholisch oder evangelisch ist, erhalten bald nach der Geburt ihres Kindes ein persönliches Glückwunschschreiben mit einer Einladung. Das Angebot ist grundsätzlich auch offen für konfessionell nicht gebundene Familien, die auf verschiedenen Wegen beworben werden. Alexander Jaklitsch, der für das Projekt zuständig ist, betont jedoch, dass es sich um ein dezidiert christliches Angebot handelt: "Es ist zwar niedrigschwellig, aber es ist ein Gottesdienst."
Konzeption der Segensfeiern: Eltern im Fokus
Ein zentrales Element der Segensfeiern für Neugeborene ist ihre Konzeption aus der Erfahrungswelt der Eltern. "Wir nehmen die Geburt, das Elternwerden ernst, feiern dieses Ereignis und nehmen alles auf, was an Sorgen, Freuden oder Gedanken da ist und sprechen dann den Segen zu", erklärt Jaklitsch. Bei der biblischen Lesung werden Texte verwendet, die einen Bezug zu diesem Erfahrungsumfeld haben.
Abgrenzung zur Taufe: Kein "Gottesdienst light"
Die Verantwortlichen haben sich von Beginn an mit kritischen Fragen auseinandergesetzt, ob diese Feiern in Konkurrenz zur Taufe stehen. Alexander Jaklitsch macht deutlich, dass die Feiern nie als Konkurrenzangebot zur Taufe gedacht waren und auch keine "Taufe light" darstellen. Die Taufe sei mehr als ein Segen am Lebensanfang; sie beinhaltet die bewusste Entscheidung, das Leben in Gemeinschaft mit Jesus Christus zu gestalten. Bei der Kindertaufe sichern die Eltern zu, ihre Kinder auf diesem Weg zu begleiten. Ein Segen hingegen ist die Vergegenwärtigung der Zusage Gottes, die von Beginn der Schöpfung an gilt: "Jedes Kind ist von Anfang seines Lebens an Gottes geliebtes Kind."
Um sich rituell klar von der Taufe abzugrenzen, wird beim Segensritus kein Weihwasser verwendet. Stattdessen werden die Eltern eingeladen, dem Kind die Hände auf den Kopf zu legen, während der Liturg seine Hände auf die der Eltern legt und ein Segensgebet spricht.

Die Berechtigung ritueller Feiern am Lebensanfang
Der Freiburger Liturgiewissenschaftler Stephan Wahle sieht eine klare Berechtigung für solche Segensfeiern. Aufgrund der kirchlichen Verantwortung zur "Ritendiakonie" für alle Menschen, die danach fragen, dürfe und müsse es neben der Taufe weitere religiös-rituelle Feiern am Lebensanfang geben. Diese Ansicht wird auch von Pastoralreferent Alexander Jaklitsch geteilt, der überzeugt ist, dass neue Angebote wie Segensfeiern klassische Rituale wie die Taufe ergänzen können.
Für manche Familien sei es genau richtig, ihr Kind "nur" taufen zu lassen, da dies Ausdruck ihres Glaubens und ihrer Spiritualität sei. Dennoch stellen die Segensfeiern Anfragen an die Taufpastoral. Viele Eltern ließen ihre Kinder taufen, um ein Ritual am Lebensanfang wahrzunehmen, ohne die tiefere Bedeutung der Taufe zu erfassen. Daher seien Klärungsprozesse nötig, wie Seelsorger verständlich vermitteln können, was den Kern einer Taufe ausmacht.
Existenzielle Ausnahmesituationen als Kontaktpunkte
Die Geburt eines Kindes stellt eine existenzielle Ausnahmesituation dar, für die viele junge Eltern eine spirituelle Deutung suchen. In anderen Diözesen, wie dem Bistum Dresden-Meißen, gibt es ebenfalls solche Segensfeiern. Dort sind die Voraussetzungen aufgrund der geringeren Kirchenbindung der Bevölkerung anders. Die Feiern finden in der Schwesternkapelle eines kirchlichen Krankenhauses statt. Die Texte sind offen gestaltet und greifen die existenziellen Erfahrungen der Eltern auf, wie Sorgen, Wünsche, Dankbarkeit und Bangen.
Claudia Leide vom Bistum Dresden-Meißen erklärt, dass für jedes Kind eine Kerze angezündet wird, die die Eltern mit nach Hause nehmen dürfen. Einige erhalten auch einen persönlichen Segen. Für manche Teilnehmer sei diese Segensfeier ein Schritt zur Taufe, für die meisten jedoch ein erster Kontakt mit Glauben und Kirche. "Gerade hier in Ostdeutschland müssen wir uns überlegen, wie wir mit den Menschen ins Gespräch, in Verbindung kommen", betont Leide. Existenzielle Situationen wie die Geburt eines Kindes seien dafür besonders geeignet, um "Samen auszustreuen, die hoffentlich irgendwann aufgehen."
Ökumenisches Projekt: Segensfeiern für Babys
Spirituelle Begleitung im Wochenbett: Trost und Ermutigung durch Glauben
Die Zeit mit einem Neugeborenen kann für Mütter eine emotionale Achterbahnfahrt sein. Gefühle wie Verunsicherung, Selbstzweifel, Ängste und Anspannung sind häufig, ebenso wie ein Gefühl der Einsamkeit und Isoliertheit. Hormonelle Umstellungen können zu sogenannten Baby Blues führen, der sich durch vorübergehende Stimmungsschwankungen und erhöhte Sensibilität auszeichnet.
Viele Mütter sprechen ihre anfänglichen Schwierigkeiten nicht an, aus Angst, die einzigen zu sein, die so empfinden, oder aus Scham, dass sich neben der Freude auch andere Gefühle mischen. Dieses Tabuthema muss dringend angesprochen werden. Für gläubige Frauen bietet der Glaube an Gott Trost und Ermutigung. Durch die Bibel spricht Gott Trost zu und bietet Hilfe für Situationen an, in denen man an die eigenen Grenzen stößt.
Biblische Ermutigung in herausfordernden Zeiten
Gottes Wort kann eine tiefe Beruhigung schenken, wie die Erfahrung zeigt, dass eine Predigt nach einer panikähnlichen Zuständen tiefe Ruhe brachte. Ehemänner können dabei helfen, indem sie Andachten, Psalmen oder tröstende Bibelworte vorlesen. Es ist ratsam, bereits vor der Geburt Bibelverse bereitzulegen, über den Wickeltisch zu hängen oder auswendig zu lernen.
Beispiele für ermutigende Bibelverse:
- Philipper 4,6-7: "Seid um nichts besorgt, sondern in allem durch Gebet und Bitten mit Danksagung eure Anliegen Gott kundtun; und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus." Dieser Vers betont die Bedeutung des Gebets und die verändernde Kraft von Gottes Frieden, der Verstand und Gefühle beeinflusst.
- Römer 8,28: "Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind." Dieser Vers bietet die Hoffnung, dass alle Lebenssituationen, ob gut oder schlecht, zum Guten dienen können, auch wenn dies nicht sofort ersichtlich ist.
- Jesaja 49,15: "Vergisst etwa eine Frau ihren Säugling, dass sie sich nicht erbarmt über den Sohn ihres Leibes? Doch auch wenn diese vergessen würde, ich werde dich nicht vergessen." Dieser Vers vergleicht Gottes Fürsorge mit der einer Mutter und versichert, dass Gott seine Kinder niemals vergisst, selbst in einsamen Stunden. Gott versteht die Anstrengungen und Herausforderungen der Mutterschaft.
Gott fordert dazu auf, ihn um Weisheit zu bitten, wenn man ratlos ist. Gott, der alles weiß, macht keine Vorwürfe, sondern bietet seine Unterstützung an. Die Erkenntnis, dass Gott einen liebt und wertschätzt, kann das Selbstwertgefühl stärken.
Christliche Werte und das Wachstum im Glauben
Das Christentum bietet eine klare Definition von Freiheit, die darin besteht, ein Kind Gottes zu sein und nach seinem Willen zu leben. Diese Erkenntnis kann zu einem Gefühl der Wertschätzung führen. Christen sind dazu aufgerufen, sich stetig weiterzuentwickeln und im Glauben zu wachsen. Dieses Wachstum erfordert jedoch aktive Bemühungen und die Annahme von "geistlicher Milch" - dem Wort Gottes - anstelle von unreifer Nahrung.
Die Akzeptanz durch Gott, wie sie in 1. Mose 43,1-4 beschrieben wird, wo Gott Jakob (Israel) einen neuen Namen gibt, unterstreicht den Wert, den Gott seinen Kindern beimisst. Auch wenn die Vorstellung, ein Kind Gottes zu sein, anfangs unsicher erscheinen mag, ist die biblische Botschaft klar und unmissverständlich. Die christliche Freiheit ist keine bedingungslose Freiheit, sondern eine Freiheit innerhalb der Gemeinschaft mit Christus, die eine Umkehr und ein Leben nach seinen Werten erfordert.

Projekte und Initiativen im christlichen Kontext
Diverse Organisationen und Projekte setzen sich weltweit für die Verbreitung des christlichen Glaubens und die Unterstützung bedürftiger Menschen ein:
- Befreit! - Seelsorge für Südostasien: Bietet Seelsorge in kriegsgezeichneten Regionen Südostasiens.
- BigShipKenia: Ein Projekt zur Unterstützung nach einer Flut im Slumgebiet von Kiamaiko.
- Business for Transformation (B4T) Kenia: Setzt sich gegen Ausbeutung und Ungerechtigkeit in der Arbeitswelt ein.
- Frauen stärken - Familien heilen Vietnam: Adressiert Gewalt gegen Frauen und Kinder.
- Gaming und Mission Deutschland: Verbindet das Thema Gaming mit der Verbreitung des Evangeliums.
- GoGlobal | Dein Jüngerschaftsprojekt Deutschland: Eine einjährige Jüngerschaftsschule für junge Erwachsene.
- Haus der Hoffnung Russland: Unterstützt Obdachlose und Suchtkranke in Saratov.
- Haus des Segens: Bietet Gemeinschaft, Workshops und Aktivitäten an.
- Krankenhaus Matyazo Tansania: Bietet medizinische Versorgung.
- Lebenszeichen Rumänien: Begleitet schwangere Frauen und Mütter im Mutter-Kind-Zentrum.
- LEVANTE Brasilien: Unterstützt Kinder in Armenvierteln der Region Recife.
- Maranatha Paraguay: Eine christliche Initiative.
- Pag-Asa Philippinen: Engagiert sich für Straßenkinder in Manila.
- Playparx Kambodscha: Bietet Männern die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und Gott kennenzulernen.
- Region Kaukasus: Bringt Hoffnung und Wandel in die Region.
- Sisters for Hope Kenia: Arbeitet mit zwangsprostituierten Frauen.
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