Vor 50 Jahren betrat der Mensch erstmals den Mond, und nur zwei Jahre später, am 30. Juli 1971, landete die amerikanische Mondmission Apollo 15 auf dem Erdtrabanten. Am folgenden Morgen wurde innerhalb von nur 20 Minuten ein zusammengeklapptes Fahrzeug ausgepackt: das Lunar Roving Vehicle (LRV), das erste von Menschen geschaffene Auto, das über die Mondoberfläche fuhr. Inzwischen befinden sich drei dieser Mondautos auf dem Mond.

Die Anfänge der Mondmobilität
Die Idee, ein Fahrzeug für den Mond zu entwickeln, entstand aus dem Wunsch, die Reichweite und Transportkapazität der Astronauten zu erhöhen. Das LRV war für den einmaligen Gebrauch konzipiert und wurde mit den Saturn-V-Raketen zum Mond transportiert.
Ferenc Pavlics und Georg von Tiesenhausen: Die Köpfe hinter dem Mondauto
Der heute 93-jährige ungarische Ingenieur Ferenc Pavlics ersann für die NASA viele Teile des Lunar Roving Vehicle. Einer seiner wichtigsten Mitarbeiter war der deutsch-baltische Ingenieur Georg von Tiesenhausen, der bereits in Deutschland an der V2-Rakete mitgearbeitet hatte. Von Wernher von Braun zur NASA geholt, legte von Tiesenhausen bereits 1959 sein Konzept für ein Mondfahrzeug vor, das zehn Jahre später in das LRV einfloss.
Die Metallgitter-Reifen: Eine Schlüsselkomponente
Die vielleicht wichtigsten vier Teile des Mondautos sind seine Räder, die mit einem elastischen Metallgitter bereift sind. Diese wurden maßgeblich vom Reifenspezialisten Pavlics entwickelt. Der Ingenieur hatte nach dem Ungarischen Volksaufstand 1956 über mehrere Stationen in die USA geflüchtet und wurde dort von General Motors für seine Expertise eingestellt. Die Gitterreifen bestanden aus einem verzinkten Stahldraht-Gitter mit einem Durchmesser von 81 Zentimetern und waren mit V-förmig angeordneten Titanblechen für besseren Grip im Mondsand versehen. Diese Konstruktion erwies sich als äußerst robust; bei allen drei eingesetzten LRVs gab es nie Probleme mit den Reifen.

Technische Spezifikationen und Leistung
Das Lunar Roving Vehicle war 3,1 Meter lang und hatte einen Radstand von 2,3 Metern bei einer Bodenfreiheit von 36 Zentimetern. Im zusammengefalteten Zustand betrug das Packmaß nur 1,7 mal 1,5 mal 0,9 Meter. Da das Mondauto keine schützende Karosserie trug und zum größten Teil aus Aluminium bestand, wog es nur 210 Kilogramm. Die mögliche Zuladung auf dem Mond betrug beeindruckende 490 Kilogramm, wovon allein 353 Kilogramm auf die Astronauten und ihre schwere Ausrüstung entfielen.
Antrieb und Energieversorgung
Für den Antrieb sorgte ein Elektromotor pro Rad, jeder leistete 180 Watt. Die Energie bezog das Mondauto von zwei 36-Volt-Silberoxid-Zink-Batterien von Varta, die nicht wiederaufladbar waren. Die Energie reichte für eine Strecke von maximal 92 Kilometern. Die von der NASA angegebene Höchstgeschwindigkeit lag bei 13 km/h, wobei Astronaut Eugene Cernan bei einem Einsatz 18 km/h erreichte und damit den inoffiziellen Geschwindigkeitsrekord auf dem Mond hält.
Die Steuerung und Navigation
Die Astronauten lenkten das Mondauto per Joystick, der mittig positioniert und für beide Insassen erreichbar war. Die Steuerbefehle gingen an je einen 72-Watt-Lenkmotor pro Achse. Aufgrund der nur ein Sechstel der Erdanziehungskraft auf dem Mond hüpfte das Auto häufig, oft hatte nur ein Rad Bodenkontakt. Für die Navigation standen ein Kreisel-Instrument (Gyroskop), ein Kilometerzähler und ein Sonnenschatten-Gerät zur Verfügung.

Erkundungsmissionen und Herausforderungen
Die erste Tour des LRV führte zum sogenannten Ellenbogen der Hadley-Rille. Die Astronauten durften sich nicht zu weit von ihrem Landepunkt entfernen, da sie den Rückweg zur Mondfähre auch zu Fuß schaffen mussten. Das LRV sparte Zeit und half beim Transport von schweren Messgeräten und Mondgesteinsproben, musste aber im Falle einer Panne verzichtbar sein.
Apollo 15: Die erste Fahrt
Bei der Montage des ersten Mondautos stellten die Astronauten fest, dass die Vorderachslenkung beschädigt war. Dank der Allradlenkung war dies jedoch kein Problem. Die erste Tour zur Hadley-Rille diente auch der Erprobung des Navigationssystems. Während dreier EVAs erkundeten die Astronauten Krater und den Stone Mountain. Erstmals wurde auch versucht, mit der auf dem LRV befestigten Kamera den Start der Aufstiegsstufe der Mondlandefähre aufzunehmen.
Apollo 16: Erste Reparaturen
Im April 1972 führte Apollo 16 ein neues Mondauto mit. Bei der zweiten Tour versagte die Hinterachslenkung. Das LRV sollte den Start der Mondfähre zur Erde übertragen, was besser, aber immer noch nicht perfekt gelang.
Apollo 17: Die einzige Reparatur außerhalb der Erde
Im Dezember 1972 kam das dritte LRV auf den Mond. Erstmals funktionierte die Lenkung beider Achsen, jedoch beschädigte ein Astronaut versehentlich die rechte hintere Radabdeckung. Da der aufgewirbelte Staub die Sicht stark behinderte, reparierten die Astronauten das Schutzblech provisorisch mit Klebeband, Klammern von der Innenbeleuchtung der Mondfähre und Mondkarten. Diese Reparatur ist bis heute die einzige erfolgte Reparatur eines Autos außerhalb der Erde. Die Apollo-17-Astronauten fuhren mit ihrem Mondauto 34 Kilometer weit und brachten 110,4 Kilogramm Gesteinsproben mit. Erstmals gelang eine perfekte Übertragung der Aufnahmen des Raketenstarts vom Mond.

Andere Fahrzeuge auf dem Mond und im All
Bereits bevor Apollo 15 das erste Mondauto mitbrachte, versuchten die Amerikaner die Arbeit auf dem Mond komfortabler zu gestalten. Der MET (Modular Equipment Transporter) von Apollo 14, eine einachsige Zugkarre, erwies sich jedoch als Flop, da er sich im hügeligen Gelände nur schwer ziehen ließ.
Sowjetische und chinesische Rover
Am 17. November 1970 landete der sowjetische Mond-Rover Lunochod 1 auf dem Mond. Das ferngesteuerte Fahrzeug fuhr in elf Monaten 10,54 Kilometer weit und untersuchte über 500 Bodenproben. Später kamen weitere Rover hinzu, darunter das chinesische Fahrzeug Jadehase 2, das seit Januar 2019 die Rückseite des Mondes erkundet und den Rekord für den am längsten in Betrieb befindlichen Mondauto hält.

Der Tesla Roadster im Weltall
Neben den drei Lunar Roving Vehicles der NASA gibt es nur einen einzigen Pkw, der extraterrestrisch unterwegs ist: Elon Musks Tesla Roadster, der 2018 als Probeballast in den Orbit geschossen wurde und seitdem durchs All kreuzt.
Zukunftsvisionen: Mondautos von morgen
Toyota plant im Rahmen einer internationalen Weltraumexpedition im Jahr 2029 den Start des wasserstoffbetriebenen Lunar Cruiser. Dieses Fahrzeug soll mit seiner Größe und Ausstattung eher einem Wohnmobil ähneln und Platz für vier Crewmitglieder bieten, die darin forschen und leben können. Die Energieversorgung erfolgt über Brennstoffzellen, wobei Wasser als Nebenprodukt anfällt, das für verschiedene Zwecke genutzt werden kann.

Das Erbe der Lunar Roving Vehicles
Von den ursprünglich vier gebauten LRVs blieben drei auf dem Mond zurück. Sie sind bis heute ein Symbol für menschlichen Erfindergeist und Pioniergeist. Trotz ihres Alters und der extremen Bedingungen auf dem Mond sind sie dank ihrer Aluminiumbauweise und der fehlenden Atmosphäre rostfrei. Ein unverbindliches Kennenlernen ist zwar wegen der Entfernung und der verbrauchten Batterien nicht möglich, doch die drei bewährten Mondautos mit geringer Laufleistung haben eine faszinierende Geschichte geschrieben.