Das humane Choriongonadotropin (hCG) ist ein Hormon, das während der Schwangerschaft von speziellen Zellen der Plazenta gebildet wird. Insbesondere zu Beginn einer Schwangerschaft ist seine Bildung erhöht und dient der Aufrechterhaltung derselben. Mittels laborchemischer Bestimmung des Wertes können Ärzte eine Schwangerschaft bereits im Frühstadium, eine fehleingenistete Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (Eileiterschwangerschaft) oder den Verlauf einer frühen Fehlgeburt beurteilen. Eine Erhöhung des Wertes kann auch im Zusammenhang mit bestimmten Krebserkrankungen auftreten, weswegen hCG zusätzlich als Tumormarker dient.
Was ist hCG und wie entsteht es?
hCG ist ein Proteohormon, das heißt, es weist die Eigenschaften eines Proteins (Eiweiß) auf. Nach erfolgreicher Befruchtung einer Eizelle bilden die Synzytiotrophoblasten der Plazenta hCG. Dieses Hormon verhindert den Abbau des Corpus luteum (Gelbkörpers). Insbesondere in der Frühschwangerschaft übernimmt der Gelbkörper die Produktion von Progesteron. Dies signalisiert den Eierstöcken, keine weiteren Eizellen freizusetzen, und ermöglicht so ein ungestörtes Fortschreiten der Schwangerschaft.
Sobald sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnistet, beginnt der Körper mit der hCG-Produktion. Dieser Moment ist biologisch entscheidend, denn ohne ausreichend hCG würde die Schwangerschaft sehr früh enden. Der Prozess beginnt mit dem Eisprung. Wird die Eizelle befruchtet, wandert sie durch den Eileiter in die Gebärmutter und nistet sich dort ein. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die frühe Plazenta mit der Produktion von hCG.
Das Hormon beta-hCG (ß-hCG) ist den meisten im Zusammenhang mit dem Schwangerschaftstest bekannt. Es ist für den Eintritt und Erhalt der Schwangerschaft essentiell. Ungefähr fünf Tage nach der Befruchtung wird durch eine spezielle Form des hCG die Einnistung der Eizelle vorbereitet. Dies stimuliert den Gelbkörper im Eierstock, Progesteron auszuschütten, welches wiederum den Eierstöcken signalisiert, keine weiteren Eizellen freizusetzen.

Symptome und Anzeichen einer frühen Schwangerschaft durch hCG
Schwangere Frauen leiden häufig gerade zu Beginn einer Schwangerschaft an (Morgen)Übelkeit. Diese ist auf hCG zurückzuführen, welches Störungen der Peristaltik von Magen und Darm verursachen und somit entsprechende Beschwerden auslösen kann. Daneben ist vermehrter Harndrang ein häufiges Symptom einer Frühschwangerschaft. hCG und Progesteron fördern die Durchblutung der Beckenorgane, einschließlich der Harnblasenmuskulatur, wodurch Schwangere häufiger das Gefühl haben, Wasser lassen zu müssen.
Auch vermehrte Müdigkeit kann ein frühes Anzeichen sein, da das Hormon eine Rolle bei der Schilddrüsenstimulation spielt und den Stoffwechsel beeinflusst. HCG kann bei vielen Frauen auf den Magen schlagen und Schwangerschaftsübelkeit verursachen.
Nachweis von hCG: Blut- und Urintests
Der Nachweis von hCG kann mittels Blut- sowie Urinprobe erfolgen. Urintests haben eine Nachweisgrenze von 20 bis 100 mU/ml, abhängig vom Hersteller. Ein Schwangerschaftstest (Urintest) fällt positiv aus, wenn die hCG-Menge mehr als 10 Einheiten (Units) pro Liter (U/l) beträgt.
Ein qualitativer Blut-Schwangerschaftstest misst, ob sich das Hormon hCG im Blut befindet. Ein quantitativer Blut-Schwangerschaftstest misst den genauen hCG-Gehalt im Blut. Diese Tests werden oft durchgeführt, wenn eine medizinische Fachkraft mehr über den Zustand der Schwangerschaft wissen möchte.
Die meisten Schwangerschaftstests für die Heimanwendung erkennen hCG-Konzentrationen frühestens ab dem Fälligkeitstag der Periode. Empfindlichere Tests können hCG bereits Tage vor dem Ausbleiben der Periode nachweisen.
HCG-Normwerte in der Schwangerschaft
Der hCG-Wert einer nicht schwangeren Frau liegt normalerweise bei unter 4 Units pro Liter Blut (IU/l). Nach Einsetzen der Menopause können die Werte ansteigen und etwa 10 U/l erreichen. Männer weisen Werte von maximal drei U/I auf.
In der Schwangerschaft ist der Wert von Natur aus erhöht und steigt exponentiell an. Die typischen Referenzwerte für hCG im Serum während der Schwangerschaft sind:
| Schwangerschaftswoche (SSW) | Zeit nach Empfängnis | Normwert (Serum) |
|---|---|---|
| 3. SSW | 1. Woche | 5 - 50 U/l |
| 4. SSW | 2. Woche | 50 - 500 U/l |
| 5. SSW | 3. Woche | 100 - 5.000 U/l |
| 6. SSW | 4. Woche | 500 - 10.000 U/l |
| 7. SSW | 5. Woche | 1.000 - 50.000 U/l |
| 8. SSW | 6. Woche | 10.000 - 100.000 U/l |
| 9. und 10. SSW | 7. + 8. Woche | 15.000 - 200.000 U/l |
| 11. bis 14. SSW | 2. - 3. Monat | 10.000 - 100.000 U/l |
| 2. Trimester | 8.000 - 100.000 U/l | |
| 3. Trimester | 5.000 - 65.000 U/l |
Der höchste Wert wird meist zwischen der 9. und 10. SSW erreicht, danach sinkt hCG wieder. Es ist wichtig zu beachten, dass dies Richtwerte sind und die Werte von Frau zu Frau stark variieren können. Eine HCG-Wert-Tabelle kann Orientierung geben, ist aber kein exakter Maßstab.
Bedeutung von zu niedrigen oder zu hohen hCG-Werten
Zu niedrige oder langsam ansteigende hCG-Werte
Zu niedrige oder zu langsam ansteigende hCG-Werte im Rahmen einer Schwangerschaft können ein Hinweis auf eine Fehlgeburt oder eine Einnistung des Embryos außerhalb der Gebärmutter (Extrauteringravidität) sein. Eine Abnahme oder geringe Steigerungsrate der hCG-Konzentration über 48 Stunden kann ein Zeichen für eine ektope Schwangerschaft oder eine Fehlgeburt sein. Im Falle einer ektopen Schwangerschaft kann der hCG-Spiegel auch nur auf einem Plateau bleiben oder sehr langsam ansteigen.
Ein langsamer Anstieg kann jedoch auch normal sein, insbesondere bei einer späten Einnistung. Ein negatives Testergebnis bedeutet nicht zwangsläufig, dass keine Schwangerschaft vorliegt, da der hCG-Spiegel in einem sehr frühen Stadium noch niedrig sein kann.
Zu hohe hCG-Werte
Sehr hohe hCG-Werte hingegen können auf eine Mehrlingsschwangerschaft hinweisen. Bei Frauen mit einer Zwillings- oder Mehrlingsschwangerschaft sind die hCG-Konzentrationen oft 30% bis 50% höher als bei Schwangerschaften mit einem einzelnen Fötus. Dies kann auch zu einer stärker ausgeprägten morgendlichen Übelkeit führen.
Außerhalb der Schwangerschaft deutet eine hCG-Erhöhung auf einen Tumor hin. Dies gilt insbesondere für Keimzelltumoren (Hoden- und Eierstockkrebs), Chorionkarzinom (Krebswucherung der Plazenta) und Blasenmole (Fehlbildung der Plazenta). Erhöhte Messwerte können auch bei anderen Krebsformen wie Darm- oder Lungenkrebs auftreten.

HCG in der Reproduktionsmedizin und Diät
hCG spielt nicht nur bei einer bereits bestehenden Schwangerschaft eine Rolle. In der Reproduktionsmedizin nutzen Mediziner das Hormon bei der Therapie von Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch. Im Rahmen einer künstlichen Befruchtung (In-vitro-Fertilisation) erhalten Patientinnen parenteral hCG zur Stimulierung der Ovarien, damit diese mehrere Eizellen produzieren, die dann in-vitro befruchtet werden.
Als nicht zugelassenes Therapiemittel wird das Hormon auch im Rahmen der sogenannten hCG-Diät eingesetzt. Hierbei erhalten Personen mit Gewichtsabnahmewunsch regelmäßig Hormoninjektionen, wodurch das Absinken des Blutzuckerspiegels und ein damit einhergehendes Hungergefühl verhindert werden soll.
Interpretation von hCG-Werten und medizinische Abklärung
Es ist wichtig zu verstehen, dass hCG-Werte individuell sind und Schwankungen sowie unterschiedliche Anstiegsraten normal sein können. Ein langsamer Anstieg kann, vor allem bei später Einnistung, unbedenklich sein.
Sehr hohe hCG-Werte bedeuten nicht automatisch, dass es ein Mädchen wird. Auch Bauchform, Aussehen oder Übelkeit sagen nichts über das Geschlecht aus. Ein verzögerter normaler Anstieg ist möglich und nicht automatisch problematisch.
Wenn Sie sich Sorgen um Ihre hCG-Werte machen, ist eine ärztliche Abklärung unerlässlich. Der Arzt kann anhand der Konzentration erkennen, ob ein Risiko für eine ektope Schwangerschaft besteht oder eine Fehlgeburt stattgefunden hat. Eine kontinuierliche Abnahme der hCG-Konzentration deutet darauf hin, dass eine Fehlgeburt stattgefunden hat oder die Schwangerschaft möglicherweise nicht mehr besteht.