Gelbliche Flüssigkeit aus der Brust nach dem Abstillen: Ursachen und was Sie tun können

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Frauen auch lange nach dem Abstillen noch geringe Mengen einer gelblichen oder weißlich-gelben Flüssigkeit aus ihren Brüsten ausdrücken können. Dies kann für manche Mütter beunruhigend sein, aber oft handelt es sich um eine harmlose Reaktion des Körpers.

Was ist Galaktorrhoe?

Mediziner sprechen von Galaktorrhoe, wenn bei Frauen außerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit eine - meist milchige - Flüssigkeit aus der Brust austritt. Dieser „Milchfluss“ kann an beiden Brüsten auftreten und unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Die Flüssigkeit kann klar, milchig, gelblich oder manchmal auch bräunlich sein und eine leicht schlierige Konsistenz aufweisen.

Bei Neugeborenen beiderlei Geschlechts kann gelegentlich ein milchiges Sekret aus den Brustdrüsen austreten, was als „Hexenmilch“ bezeichnet wird. Diese bildet sich unter dem Einfluss mütterlicher Hormone und ist nicht mit Galaktorrhoe zu verwechseln.

Infografik, die den Unterschied zwischen Muttermilch, Hexenmilch und Galaktorrhoe erklärt

Ursachen für gelbliche Flüssigkeit nach dem Abstillen

In vielen Fällen ist das Auftreten einer gelblichen Flüssigkeit nach dem Abstillen auf eine fortgesetzte, wenn auch geringe, Milchbildung zurückzuführen. Dies kann mehrere Gründe haben:

Nachwirkungen der Stillzeit

Nach dem Abstillen bildet sich die Milchproduktion nicht sofort vollständig zurück. Es ist normal, dass der Körper noch einige Zeit benötigt, um die Milchgänge vollständig zu leeren und die Drüsen inaktiv werden zu lassen. Diese Restmilch kann über Wochen oder Monate hinweg langsam resorbiert werden und beim Ausdrücken austreten.

Eine Frau, die einmal gestillt hat, könnte theoretisch immer wieder mit dem Stillen beginnen, da die Fähigkeit zur Milchproduktion im Körper erhalten bleibt. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass Frauen viele Monate nach dem Abstillen noch einige Tropfen Milch abdrücken können.

Mechanische Stimulation

Die Brust kann auch durch äußere Reize weiterhin stimuliert werden. Dazu gehören:

  • Massagen der Brust
  • Beim Liebesspiel
  • Regelmäßiges Ausstreichen der Brust, um zu sehen, ob noch Milch vorhanden ist

Eine solche Stimulation kann den Prolaktinspiegel im Blut erhöhen und somit die Milchbildung auf niedrigem Niveau aufrechterhalten. Daher wird oft geraten, die Brust nicht unnötig zu stimulieren, wenn die Milchbildung eingestellt werden soll.

Hormonelle Faktoren und Erkrankungen

In einigen Fällen kann der Austritt von Flüssigkeit aus der Brust auch auf hormonelle Ungleichgewichte oder bestimmte Erkrankungen zurückzuführen sein. Ein erhöhter Prolaktinspiegel (Hyperprolaktinämie) ist eine häufige Ursache für Galaktorrhoe. Prolaktin ist ein Hormon der Hirnanhangsdrüse, das die Milchbildung anregt.

Mögliche Ursachen einer Hyperprolaktinämie, die zu Galaktorrhoe führen können, sind:

  • Störungen im Bereich der Hypophyse: Dies kann durch ein gutartiges Prolaktinom (Tumor der Hirnanhangsdrüse) oder eine Vermehrung der Prolaktin-ausschüttenden Zellen verursacht werden.
  • Störungen im Bereich des Hypothalamus: Erkrankungen in diesem Hirnbereich können die Prolaktinausschüttung beeinflussen.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente, z.B. gegen Depressionen, Bluthochdruck oder psychische Erkrankungen, können den Prolaktinspiegel erhöhen.
  • Andere Erkrankungen: Dazu zählen psychiatrische Erkrankungen, Nierenschwäche, Schilddrüsenunterfunktion und Erkrankungen der Brustdrüse selbst, wie z.B. ein Milchgangspapillom oder Brustkrebs.
  • Sonstige Ursachen: Dazu können die Einnahme bestimmter Verhütungsmittel, Stresssituationen oder Verletzungen im Brustkorbbereich gehören.

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Wann sollten Sie zum Arzt gehen?

Obwohl eine geringe Menge gelblicher Flüssigkeit nach dem Abstillen oft normal ist, gibt es Situationen, in denen eine ärztliche Abklärung ratsam ist:

  • Wenn die Flüssigkeit nur aus einer Brust austritt.
  • Wenn die austretende Flüssigkeit mit Blut vermischt ist.
  • Wenn die Galaktorrhoe mit weiteren Beschwerden einhergeht, wie z.B. Schmerzen, Verhärtungen in der Brust, Fieber, Zyklusstörungen oder unerklärlichem Gewichtsverlust.
  • Wenn Sie sich verunsichert fühlen oder sich Sorgen machen.

Was macht der Arzt?

Der Arzt wird zunächst Ihre Krankengeschichte erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen. Mögliche weitere Untersuchungen können sein:

  • Laboruntersuchungen: Bestimmung des Prolaktinspiegels und anderer Hormone (z.B. Schilddrüsenwerte).
  • Bildgebende Verfahren: Mammografie, Galaktografie (Röntgen der Milchgänge) oder Ultraschall der Brust.
  • Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe, falls verdächtige Zellen gefunden werden.

Was Sie selbst tun können

Wenn keine ernsthafte Ursache vorliegt und die Milchbildung nach dem Abstillen langsam zurückgeht, können Sie Folgendes tun:

  • Vermeiden Sie Selbststimulation der Brust durch regelmäßiges Ausstreichen. Dies kann die Milchbildung aufrechterhalten oder sogar steigern.
  • Wenn die Brust spannt oder sich unangenehm anfühlt, können Sie vorsichtig etwas Milch ausstreichen, nur bis zur Linderung der Spannung. Vermeiden Sie vollständiges Entleeren, da dies die Produktion weiter anregt.
  • Kühlen der Brust kann ebenfalls Linderung verschaffen.
  • Geduld: Die vollständige Rückbildung der Brust kann mehrere Wochen bis Monate dauern.

Wenn die Milchbildung als Folge von Medikamenten auftritt, wird der Arzt gegebenenfalls das Präparat wechseln. Bei Tumoren kann eine operative Entfernung notwendig sein. In manchen Fällen können auch Prolaktinhemmer eingesetzt werden.

Schema, das den natürlichen Rückbildungsprozess der Brust nach dem Abstillen darstellt

Muttermilch-Gelbsucht bei Neugeborenen

Es ist wichtig, die gelbliche Flüssigkeit nach dem Abstillen bei Erwachsenen von der Muttermilch-Gelbsucht bei Neugeborenen zu unterscheiden. Diese Art der Gelbsucht tritt bei Säuglingen in den ersten Lebenswochen auf und ist auf eine abnorme Ansammlung von Bilirubin im Blut zurückzuführen, deren genaue Ursache in Verbindung mit der Muttermilch noch nicht vollständig geklärt ist. Sie ist in der Regel harmlos und verschwindet nach einigen Wochen.

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