Aufzucht von Schwalbenküken: Wann zehren sie vom Dottersack?

Wenn Sie ein hilfloses oder verletztes Schwalbenküken finden, ist es verständlich, dass Sie helfen möchten. Um dem Jungvogel eine echte Chance zu geben, ist es jedoch wichtig, die richtige Pflegestelle zu finden. Dies erfordert etwas Mühe und Recherche.

Die Suche nach einer geeigneten Pflegestelle

Es gibt verschiedene Einrichtungen, die sich der Wildtierhilfe widmen, wie Tierheime, Wildvogelstationen und Wildtierhilfen. Viele dieser Organisationen verfügen über professionelle Internetauftritte, die den Eindruck einer kompetenten Anlaufstelle vermitteln. Das Kürzel "e.V." (eingetragener Verein) verleiht dem Ganzen einen Anschein von Seriosität, kann aber von jedem gegründet werden, der bestimmte Regeln einhält. Gemeinnützige Vereine, die Tieren helfen, benötigen zusätzlich eine Genehmigung des Veterinäramtes und gegebenenfalls des Ordnungsamtes. Diese Genehmigung setzt die Einhaltung von Mindestmaßen für Käfige und Volieren sowie den Nachweis von Sachkunde voraus.

Seit einiger Zeit gibt es für gemeinnützige Vereine auch die Möglichkeit, die Rechtsform der gGmbH (gemeinnützige GmbH) zu wählen, eine Mischform zwischen e.V. und GmbH. Leider haben nicht alle genannten Förderer und Unterstützer die Stationen, die sie namentlich unterstützen, wirklich kennengelernt. Städte und Gemeinden haben oft wenig Interesse an einer tiefgehenden Überprüfung solcher Einrichtungen, da sie andernfalls selbst für die Unterbringung von Fundtieren aufkommen müssten.

Schematische Darstellung einer Vogelstation mit verschiedenen Gehegen und Volieren

Problematische Aspekte bei Auffangstationen

Einige Tierheime und Auffangstationen sind dem Kommerz zum Opfer gefallen, bei denen die Tiere zum Mittel zum Zweck werden, um Arbeitsplätze und Lebensstandards zu sichern. Je größer eine Station, desto unwahrscheinlicher ist eine individuelle und intensive Pflege für jedes einzelne Tier. Für gesunde Wildtiere, die keine besondere Pflege benötigen, kann dies jedoch von Vorteil sein. Ein gesundes Vogelküken profitiert von der Gemeinschaft mit Artgenossen und dem spielerischen Wettbewerb um Futter.

Dies setzt jedoch voraus, dass die Station die Vögel artgerecht hält, sie nicht für Werbezwecke missbraucht und sie korrekt füttert - was leider oft nicht der Fall ist. Insbesondere in großen Auffangstationen, die eine Vielzahl von Wild- und Nutztierarten aufnehmen, fehlt es oft an fachkundigem Personal und der Zeit für individuelle Pflege. Ehrliche Stationen weisen von vornherein auf diese Umstände hin, sodass Sie entscheiden können, ob Sie das Tier wieder mitnehmen oder die Einschläferung akzeptieren möchten. Andere Stationen verschweigen diese Fakten und überlassen das Tier seinem Schicksal oder warten, bis jemand Zeit hat, es sachgerecht töten zu lassen.

Besonders schlimm ergeht es Findlingen, die nicht nur schwer verletzt sind, sondern auch noch "unalltäglich" sind oder als Aufmacher für PR-Zwecke dienen. Nach der Abgabe des Tieres erscheinen oft Fotos in der Presse, die das leidende Tier zeigen, begleitet von Texten, die die Leistungen der Einrichtung hervorheben. Dies sichert die Finanzierung und den Spendenfluss. Es ist fraglich, ob eine solche Fotosession, bei der das verletzte Tier fixiert und dem Stress ausgesetzt wird, dem Tier nicht schadet und Schmerzen verursacht. Wenn die Verletzungen nicht so dramatisch waren, um auf einen Fototermin zu verzichten, ist die plötzliche Einschläferung nach dem Termin rätselhaft.

Foto eines Schwalbenküken in einer kleinen, gut gepolsterten Box mit Nestmaterial

Gefahren der Überversorgung in privaten Pflegestellen

Bei kleinen privaten Pflegestellen besteht selten das Problem mangelnder Individualität, aber die Tiere können durch "Überversorgung an Liebe" fehlgeprägt werden. Das Bestreben, das Jungtier vor jeder Gefahr zu bewahren, hindert es daran, wichtige Fähigkeiten wie Jagen, Futtersuche, Gefahrenerkennung und -vermeidung zu erlernen. Wenn ein Einzeltier aufgezogen wird, lernt es oft nicht die Sprache und das Verhalten seiner eigenen Art, was zu Verhaltensauffälligkeiten führen kann.

Die richtige Fütterung und Aufzucht von Wildvögeln

Die Suche nach einer geeigneten Pflegestelle kann sich als einfacher erweisen als erwartet. Eine Vorauswahl von gemeinnützigen Heimen und privaten Pflegestellen ist bereits telefonisch möglich. Bei der Eingabe von "Handaufzucht von Wildvögeln" im Internet finden sich viele, oft widersprüchliche Ratschläge. Um die Aufzucht durch die Eltern nachzuahmen, ist es ratsam, sich auf ornithologische Seiten und Vogelsteckbriefe zu stützen, die die Kükenaufzucht explizit behandeln.

Viele Vogelküken erhalten eine andere Nahrung als ihre Eltern später. So füttern auch spätere Gemischt- und Weitfresser ihre Jungen zunächst mit bestimmten Insekten. Wenn Sie wissen oder vermuten, um welche Vogelart es sich handelt, recherchieren Sie die spezifischen Bedürfnisse der Kükenaufzucht. Informieren Sie sich, wie die Eltern ihre Küken an das freie Leben gewöhnen und ob die Futtersuche instinktiv erfolgt.

Nachdem Sie sich mit der Vogelart vertraut gemacht haben, rufen Sie in Frage kommende Pflege- und Auffangstationen an. Eine gute Pflegestelle wird zunächst Fragen stellen, um zu klären, ob eine Rückgabe an die Eltern möglich ist. Wenn nicht, wird man Sie fragen, ob Sie das Tier selbst aufziehen möchten oder es vorbeibringen wollen. Im ersten Fall erhalten Sie Ratschläge und telefonische Unterstützung. Im zweiten Fall wird erklärt, wie das Tier untergebracht, gefüttert und ausgewildert wird. Mit Ihrem erworbenen Wissen können Sie beurteilen, ob die Pläne der Station sinnvoll sind. Vertrauen Sie im Zweifelsfall auf Ihr Bauchgefühl. Eine gute Pflegestelle wird auch Besuche oder Nachfragen zum Befinden des Findlings zulassen.

Rauchschwalben im Kuhstall. Eifel bei Cochem

Was tun, wenn Sie ein gefundenes Küken aufnehmen?

Wenn Sie sich für eine Pflegestelle entschieden haben, füttern Sie Ihren Zögling noch einmal gut und transportieren Sie ihn in einem gut ausgepolsterten Karton mit Luftlöchern, der das Nest sicher fixiert. Wenn Sie sich der Eignung der Station sicher sind, können Sie den Karton direkt aus dem Auto nehmen. Bei Unsicherheit lassen Sie den Vogel zunächst im Auto und besichtigen Sie die Station allein. Achten Sie auf die lautlosen Aussagen der dort lebenden Tiere, um die Atmosphäre einzuschätzen. Wenn die Station einen guten Eindruck macht und Sie sich zur Abgabe entschließen, ist es hilfreich, wenn Sie gelegentlich nach dem Wohlbefinden Ihres Findlings schauen und seinen weiteren Werdegang begleiten.

Wildtierhilfe kostet Geld. Wenn Sie es sich leisten können und wollen, freut sich jede Station über finanzielle Unterstützung. Es ist jedoch ratsam, diese Spende nicht sofort bei der Abgabe des Tieres zu leisten.

Wann ist ein Eingreifen wirklich notwendig?

Es ist wichtig, nicht voreilig zu handeln. Beobachten Sie den Nistkasten mindestens eine bis zwei Stunden ununterbrochen aus der Entfernung, bevor Sie eingreifen. Erst wenn in dieser Zeit kein Elternteil aufgetaucht ist, sollten Sie den Brutbestand überprüfen. Ein erwachsener Vogel, der nicht flüchtet, sich anfassen lässt und ruhig in Ihrer Hand sitzt, ist wahrscheinlich schwer verletzt oder krank.

Jede Vogelart hat ihre eigene Strategie bei der Aufzucht. Einige Küken sind sofort flugfähig und selbstständig, andere werden noch wochenlang von den Eltern gefüttert und unterrichtet. Sie werden oft von unwissenden Menschen eingesammelt und so ihrer Eltern beraubt. Katzenhalter sollten erwägen, ihre Freigängerkatzen tagsüber im Haus zu lassen, um Vogeljunge zu schützen.

Ist der Vogel noch unbefiedert? Ist er stark geschwächt? Handelt es sich um einen Mauersegler oder eine Schwalbe? Polstern Sie einen Karton mit einem Handtuch oder Ähnlichem aus, um ein stützendes Nest zu schaffen. Solange die Ursache unklar ist, sollte das Tier bei Zimmertemperatur sitzen. Nackte Küken benötigen oft eine Mindesttemperatur von etwa 30 Grad.

Hasenbabys und Rehkitze sollten niemals berührt werden, da der menschliche Geruch ihre Entdeckung durch Feinde erleichtert und die Eltern sich möglicherweise zurückziehen. Bei Vögeln ist dies anders. Wenn der Jungvogel sich nicht mehr bedroht fühlt, wird er anfangen, seine Eltern zu rufen, wenn er nicht hilfsbedürftig ist.

Schwalben: Lebenszyklus und Brutverhalten

Schwalben verbringen knapp die Hälfte des Jahres in unseren Breiten und überwintern südlich der Sahara. Von Ende März bis Mitte Mai kehren sie aus ihren Winterquartieren zurück, wobei Rauchschwalben meist früher eintreffen als Mehlschwalben. Ihre Ankunftszeit variiert je nach Wetterlage auf dem Zugweg. Schwalben sind brutplatztreu und kehren zu ihren alten Niststandorten zurück. Ist kein Nest vorhanden, beginnen sie ab Mitte April mit dem Bau. Ab Mitte Mai bis Mitte Juni legen die Weibchen ihre Eier, die zwei bis drei Wochen bebrütet werden.

Die meisten Jungen schlüpfen im Juni und werden drei bis vier Wochen von den Altvögeln aufgezogen, bis sie flügge sind. Ein Mehlschwalbenpaar zieht drei bis fünf Junge auf, Rauchschwalben drei bis sechs. Nach dem Flüggewerden werden sie noch ein bis zwei Wochen außerhalb des Nestes weiter versorgt. Anfang bis Mitte Juli beginnen Schwalben oft eine Zweitbrut, Rauchschwalben können bei günstiger Witterung sogar dreimal brüten. Dies ist nur möglich, wenn die Eltern genügend Insekten für sich und ihre Jungen fangen können.

Der Herbstzug beginnt für Mehlschwalben ab Ende August/Anfang September. Sie sammeln sich im Süden Deutschlands, bevor sie die Reise nach Afrika antreten. Rauchschwalben sind meist früher mit der Brut fertig, bleiben aber länger.

Infografik mit den wichtigsten Daten zum Lebenszyklus von Rauch- und Mehlschwalben (Ankunft, Brutzeit, Auszug)

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