Friedhöfe in Unna: Orte der Erinnerung, Besinnung und Begegnung

Friedhöfe sind mehr als nur Bestattungsstätten; sie spiegeln die Kultur einer Gesellschaft wider und erzählen durch ihre Inschriften, den Blumenschmuck und die Gaben für die Verstorbenen Geschichten über die Toten und die Hinterbliebenen. Sie sind Zeugen der Zivilisation und bieten Raum für Trauer, Pietät, Besinnung und Erholung. In Unna erfüllen die Friedhöfe auch die Funktion von Begegnungsorten, an denen Hinterbliebene bei der Grabpflege in Kontakt kommen und Spaziergänger Ruhe und Nachdenklichkeit finden können.

Grafische Darstellung der verschiedenen Friedhöfe in Unna mit ihren jeweiligen Besonderheiten

Der Alte Westfriedhof in Unna: Geschichte, Wandel und künstlerische Belebung

Der Alte Westfriedhof, gelegen in der Nähe der Lindenbrauerei und des Zentrums für Internationale Lichtkunst, ist die größte Grünanlage innerhalb des Stadtrings von Unna und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits im Jahr 1820 fand hier die erste Bestattung statt, gefolgt von schrittweisen Erweiterungen. Mit zunehmender Knappheit von Grabstätten in der Innenstadt wurden neue Friedhöfe angelegt, und 1985 markierte die letzte Beisetzung das Ende seiner Funktion als aktive Begräbnisstätte.

In den 1990er Jahren war der Westfriedhof von Vandalismus, Party- und Drogenszenen betroffen. Um dem entgegenzuwirken, gründete sich 1996 der Freundeskreis Westfriedhof. Dieser sorgt seither für einen täglichen Schließdienst, um das Betreten nach Einbruch der Dunkelheit zu verhindern, und ermöglicht die Herrichtung und Pflege einzelner Grabstätten. Heute präsentiert sich der Westfriedhof als grüne Lunge mit altem Baumbestand und eindrucksvollen Grabanlagen, die an bekannte Persönlichkeiten Unnas erinnern.

Besondere Aufmerksamkeit erregt der Westfriedhof durch eine jährlich stattfindende, teils provokante Lichtkunst-Aktion. Der Friedhof und der Platz der Kulturen werden für kurze Zeit mit farbigen Lichtern illuminiert, was dem Friedhof eine ganz besondere Atmosphäre verleiht. Diese Aktionen, bei denen Grabstätten, Denkmäler, Bäume und die Friedhofsmauer beleuchtet werden, ergänzt durch leuchtende Skulpturen, finden auch in anderen Parks und Höhlen statt. Besucher sind angehalten, den Friedhof tagsüber bis zur Dämmerung respektvoll zu besuchen.

Impressionen der Lichtkunst-Aktion auf dem Westfriedhof Unna mit beleuchteten Grabstätten und Skulpturen

Anfahrt zum Westfriedhof Unna

Mit dem Auto: Von der A44 bis zur Ausfahrt 53 Unna-Ost, dann auf die B233 Richtung Unna. Weiter über den Kreisverkehr auf die Bundesstraße 1 (dritte Ausfahrt) und an der Ampel links. Alternativ von der A1 bis zur Ausfahrt 84 Unna-Zentrum, dann links auf die B1 Richtung Unna. Dem Innenstadtring folgen, am Bahnhof vorbei, durch den Tunnel und bis zur Tankstelle (Beschilderung zur Brauerei).

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Mit den Regionalzügen RE 7 oder 13 (von Hagen oder Hamm), RB 54 (von Fröndenberg/Ruhr), RB 59 oder S4 (von Dortmund) bis Unna. Vom Ausgang rechts zum Markt, zu Fuß durch die Bahnhofstraße, über den oberen Markt, rechts vor dem Schokoladenhaus und dem Kaufhaus Schnückel in die Massener Straße, vorbei am Kino zur Brauerei und geradeaus.

Der Westfriedhof ist auch über die Radfernweg Hellweg-Route erreichbar.

Besondere Bestattungsmöglichkeiten: Frühchen-Gräber auf dem Hemmerder Friedhof

Der Friedhof in Hemmerde bietet eine besondere Grabstätte, auf der Eltern ihr Kind beisetzen können, wenn sie eine Tot- oder Fehlgeburt hatten. Vikarin Julia Kreuch und Gärtnerin Iris Adolf zeigen diese wichtige Grabstätte, die Eltern in ihrer Trauer einen Ort der Erinnerung und des Abschieds bietet. Der Hemmerder Friedhof soll zukünftig noch stärker zu einem Begegnungsort werden.

Besondere Grabstätte für Frühchen auf dem Hemmerder Friedhof, symbolisch gestaltet

Tragische Funde und Ermittlungen: Babyleichen in Unna und Siegen

Die Thematik von toten Neugeborenen und Frühchen wirft immer wieder Fragen auf und führt zu traurigen Funden und aufwendigen Ermittlungen. Im Juli 2013 wurde am Kirchplatz 7 in Unna am Seiteneingang der evangelischen Stadtkirche die Leiche eines männlichen Neugeborenen entdeckt. Der Säugling, in weiße Tücher gewickelt und in einer Tasche abgelegt, trug Kleidung mit Tiermotiven und machte einen gepflegten Eindruck. Ein maschinengeschriebener Brief in englischer Sprache lag bei, der die Vermutung nahelegte, dass die Mutter die englische Sprache beherrscht und den Leichnam in die Obhut der Kirche geben wollte.

Eine Obduktion ergab, dass das Kind bei der Geburt gelebt hatte und vermutlich ein bis zwei Tage zuvor verstorben war. Die Geburt wurde als offensichtlich unprofessionell und nicht ärztlich begleitet eingestuft. Die Staatsanwaltschaft Siegen ermittelte in einem ähnlichen Fall, bei dem drei Frühchen in einer Klinik gestorben waren. Eines der drei toten Frühchen, ein Zwillingsfrühchen namens Niklas, wurde kurz vor der Beerdigung von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und zur Obduktion gebracht. Die Todesursachen der drei Säuglinge blieben zunächst rätselhaft und wurden durch die Untersuchung von Gewebeproben auf Gift, Nervenkrankheiten und Bakterien/Viren weiter erforscht. Ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt wurde eingeleitet.

Diese Fälle erinnern an Vorfälle wie den in Mainz, bei dem eine verseuchte Infusion zwei Babys das Leben kostete, oder an die Entdeckung von zwei Babyleichen auf einem Friedhof in Düsseldorf, bei der die Mutter ermittelt werden konnte. Die Polizei bittet in solchen Fällen stets um Hinweise aus der Bevölkerung, um die Hintergründe aufzuklären und die betroffenen Mütter zu finden.

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Die Geschichte der jüdischen Friedhöfe in Unna

Unna verfügt über eine lange Geschichte jüdischen Lebens, die sich auch in den Friedhöfen widerspiegelt. Der erste jüdische Friedhof, der sogenannte „Judengraben“, befand sich außerhalb der Stadtmauer. Ein Pachtvertrag ist nicht erhalten, aber es ist wahrscheinlich, dass die Parzelle den Juden ohne Rechte überlassen wurde. Das ewige Ruherecht im jüdischen Glauben macht eine einfache Verpachtung unwahrscheinlich. Es ist belegt, dass die Grasnutzung anderweitig verpachtet war.

Nach der Inbetriebnahme des neuen Friedhofs erlaubte der jüdische Gemeindevorstand, entgegen alter Gesetze, die Entfernung von Grabsteinen zur privaten Nutzung. Der einzige erhaltene Grabstein des „Judengrabens“, der von Rahel, Frau des Jechiel Dreifus, stammte und 1829 verstorben war, wurde 1961 als Trittstein wiedergefunden.

Der heutige jüdische Friedhof in Unna an der Massener Straße wurde ab 1854 genutzt und bis 1942 belegt. Die jüdische Gemeinde erwarb das Grundstück am 17. Juli 1854, die Beisetzung der verstorbenen Helene Culp geborene Maibaum fand jedoch bereits früher statt. Der Friedhof ist in Gräberfelder unterteilt, wobei das Begräbnisfeld des israelitischen Altersheims sich größtenteils im linken Teil befindet.

Das Schicksal der Familie Marcus nach den Novemberpogromen 1938, die durch Selbstmord ums Leben kam, und die Beisetzung von Armin Holländer, der 1941 tot aufgefunden wurde und anscheinend ohne Sarg und Grabstein verscharrt wurde, sind tragische Beispiele der Verfolgung während der NS-Zeit. Die Listen deportierter und umgekommener jüdischer Bürger Unnas in den Jahren 1938-1942 dokumentieren das Ausmaß dieser Verbrechen.

Historische Aufnahme des jüdischen Friedhofs in Unna oder eine detaillierte Karte der Grabfelder

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