Die Pille gehört neben dem Kondom zu den am häufigsten verwendeten Verhütungsmitteln und bietet eine sehr hohe Sicherheit. Aufgrund ihres Hormongehalts kann sie jedoch auch Nebenwirkungen mit sich bringen.
Arten von Verhütungspillen: Kombi-Pille und Minipille
Es existieren verschiedene Arten von Verhütungspillen. Die am weitesten verbreiteten sind die sogenannten Kombinationspillen (Kombipillen), die im allgemeinen Sprachgebrauch als "die Pille" bezeichnet werden. Diese enthalten eine Kombination aus den Hormonen Östrogen und Gestagen. Aufgrund ihres im Vergleich zu früheren Präparaten geringen Östrogengehalts handelt es sich heute bei fast allen Kombipillen um sogenannte Mikropillen.
Neben der Kombipille gibt es die Minipille. Im Gegensatz zur Kombipille enthält sie kein Östrogen, sondern ausschließlich ein Gestagen-Hormon. Die Forschung an einer "Pille für den Mann" läuft seit Jahren, jedoch ist bisher kein entsprechendes Präparat auf dem Markt erschienen. Im Folgenden wird hauptsächlich die Kombipille behandelt.

Wie wirkt die Pille?
Die Kombipille entfaltet ihre empfängnisverhütende Wirkung auf dreifache Weise:
- Unterdrückung des Eisprungs: Die Pille verhindert die Reifung einer Eizelle, wodurch kein Eisprung stattfinden kann und eine Befruchtung ausgeschlossen ist.
- Veränderung des Zervixschleims: Der Schleim im Gebärmutterhals wird durch die Pille verändert, was es Spermien erschwert, in die Gebärmutter zu gelangen.
- Beeinflussung der Gebärmutterschleimhaut: Die Pille verhindert einen ausreichenden Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, sodass sich eine befruchtete Eizelle nicht einnisten kann.
Mit der Pille verhüten: Der Start
Um einen sofortigen Schutz vor einer Schwangerschaft zu gewährleisten, sollte die Einnahme der Pille am ersten Tag der Monatsblutung begonnen werden. Sofern sicher keine Schwangerschaft besteht, kann die Einnahme auch an einem anderen Tag des Zyklus begonnen werden. In diesem Fall ist jedoch in den folgenden sieben Tagen eine zusätzliche Verhütungsmethode, wie beispielsweise Kondome, erforderlich.
In der Anfangsphase der Einnahme können Zwischenblutungen auftreten, die jedoch meist nach zwei bis drei Monaten verschwinden. Sollten diese anhalten, ist eine ärztliche Beratung ratsam.
Bei einem Wechsel von einer anderen (hormonellen) Verhütungsmethode zur Pille oder nach einer Geburt oder Fehlgeburt wird empfohlen, sich zuvor mit einer Ärztin oder einem Arzt zu beraten. Nach einem operativen Schwangerschaftsabbruch kann die Kombipille am Tag des Eingriffs begonnen werden; nach einem medikamentösen Abbruch am Tag der erfolgreichen Kontrolluntersuchung.
Wie muss ich die Pille einnehmen?
Die Pillenpackungen, sogenannte Blister, enthalten in der Regel 21, 22 oder 28 Tabletten. Die genauen Einnahmehinweise sind der Gebrauchsinformation des jeweiligen Präparats zu entnehmen.
- 21 Tabletten im Blister: Einnahme über 21 Tage, gefolgt von einer 7-tägigen Pause. Danach beginnt der nächste Blister.
- 22 Tabletten im Blister: Einnahme über 22 Tage, gefolgt von einer 6-tägigen Pause.
- 28 Tabletten im Blister: Bei einigen Präparaten sind 28 Tabletten enthalten, wobei die letzten 4 oder 7 Tabletten wirkstofffrei sind. Dies soll die kontinuierliche Einnahme erleichtern.
Der Verhütungsschutz besteht auch während der Einnahmepause (bzw. während der Tage mit wirkstofffreien Tabletten). In dieser Zeit kommt es meist zu schwächeren und kürzeren Blutungen als bei einer natürlichen Menstruation.
Für eine zuverlässige Wirkung muss die Pille täglich und möglichst zur gleichen Tageszeit eingenommen werden, idealerweise mit einem Glas Wasser. Wenn die Einnahme mehr als 12 Stunden später als üblich erfolgt, ist die Sicherheit beeinträchtigt. Eine Ausnahme bilden Pillen mit dem Hormon Nomegestrol, die bis zu 24 Stunden verspätet eingenommen werden können.
Für sogenannte Mehrphasenpillen können abweichende Einnahmeregeln gelten. Diese werden heute seltener verschrieben. Bei Unsicherheiten bezüglich des Pillentyps sollte die Ärztin oder der Arzt konsultiert werden.
Pille vergessen?
Sollte eine Pille vergessen worden sein, ist es ratsam, die nächste Pille so schnell wie möglich einzunehmen. Spezielle Tests und Anleitungen im Internet können darüber informieren, ob der Verhütungsschutz noch besteht, wie mit der Einnahme fortzufahren ist und ob die "Pille danach" infrage kommt.
Kann ich die Pille auch durchnehmen? (Langzyklus)
Frauen, die während ihrer Menstruation starke Beschwerden haben oder vorübergehend keine Periode wünschen (z.B. im Urlaub), können die Pille für eine gewisse Zeit durchnehmen, also ohne die übliche Einnahmepause fortfahren. Dies ist mit den meisten Kombipillen problemlos möglich und sollte ärztlich beraten werden.

Wie sicher ist die Pille?
Bei konsequenter und fehlerfreier Anwendung der Pille über ein Jahr werden laut Studien zwischen 3 und 10 von 1000 Frauen schwanger. Im Alltag können jedoch Anwendungsfehler auftreten, wie das Vergessen der Pille, eine verspätete Einnahme oder eine Beeinträchtigung der Wirkung. Bei einer solchen "Alltagsanwendung" werden innerhalb eines Jahres zwischen 24 und 70 von 1000 Frauen schwanger.
Was kann die Sicherheit der Pille gefährden?
Die Sicherheit der Pille kann durch verschiedene Faktoren beeinträchtigt werden:
- Einnahmefehler: Das Vergessen der Pille, eine verspätete Einnahme nach der Pause oder eine zu späte Besorgung eines neuen Rezepts können die Sicherheit gefährden. Auch Zeitverschiebungen auf Reisen können zu Einnahmefehlern führen. Apps können hierbei als Erinnerungshilfe dienen.
- Einfluss von Medikamenten: Bestimmte Arzneimittel, darunter Johanniskrautpräparate, Medikamente gegen Epilepsie und Viruserkrankungen sowie spezielle Antibiotika gegen Tuberkulose, können die Verhütungssicherheit einschränken. Auch einige Diabetes- oder Abnehmspritzen können die Wirksamkeit beeinträchtigen. Bei Unsicherheiten sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
- Verdauungsprobleme: Erbrechen oder starker Durchfall innerhalb von drei Stunden nach der Pilleneinnahme können dazu führen, dass die Pille nicht richtig wirkt. In solchen Fällen sollte umgehend eine zusätzliche Pille eingenommen werden. Bei fehlenden Pillen ist Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt zu halten.
Nebenwirkungen der Pille
Wie bei jedem Medikament können auch bei der Pille Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören unter anderem Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen, sexuelle Lustlosigkeit oder Brustspannen. Viele dieser Beschwerden verschwinden innerhalb der ersten drei Monate. Bei anhaltenden oder stark belastenden Symptomen kann ein Präparatewechsel erwogen werden. Falls dies keine Besserung bringt, sollte über eine alternative Verhütungsmethode nachgedacht werden.
Die Pille birgt ein leicht erhöhtes Risiko für Thrombosen, Herzinfarkt, Schlaganfall und bestimmte Krebsarten, wobei schwerwiegende gesundheitliche Probleme sehr selten sind.
Vorteile der Pille
Neben der zuverlässigen Verhütung können einige Pillenpräparate positive Auswirkungen haben, wie z.B. ein regelmäßigerer Menstruationszyklus, weniger Regelschmerzen und eine Verbesserung des Hautbildes. Bei Hautproblemen wie Akne kann die Pille eine positive Wirkung zeigen. Allerdings sind die Hormone auch mit potenziellen Nebenwirkungen verbunden, wie z.B. einem erhöhten Thromboserisiko, weshalb der Einsatz zur Aknebehandlung gut abgewogen werden muss.
Nachteile der Pille
Die Pille ist ein hormonelles Medikament, weshalb Nebenwirkungen möglich sind. Anwenderinnen müssen jeden Tag daran denken, die Pille zur gleichen Zeit einzunehmen und sich rechtzeitig um ein neues Rezept zu kümmern. Ein weiterer Nachteil ist das leicht erhöhte Risiko für Thrombosen, Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei der Minipille kann die Zykluskontrolle schlechter sein, was zu Menstruationsstörungen wie Schmier- oder Durchbruchblutungen führen kann. In seltenen Fällen kann die Minipille das Risiko einer Eileiterschwangerschaft erhöhen.
Was kostet die Pille?
Die Pille ist nur mit ärztlichem Rezept in der Apotheke erhältlich. Die Kosten für eine Monatspackung variieren je nach Präparat zwischen 17 und 25 Euro. Packungen für drei oder sechs Monate sind in der Regel preiswerter. Informationen zur Kostenübernahme sind separat erhältlich. Privatversicherte sollten sich bei ihrer Krankenkasse erkundigen.
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Häufig gestellte Fragen zur Pille
Kann die Pille zu einer Gewichtszunahme führen?
Studien konnten bisher keinen Zusammenhang zwischen der Einnahme der Pille und einer Gewichtszunahme belegen, weder bei Kombi- noch bei Minipillen. Deutliche Gewichtszunahmen sollten mit der Frauenärztin besprochen werden, da sie auch altersbedingt sein können.
Kann man trotz Pille schwanger werden?
Ja, in seltenen Fällen kann es trotz korrekter Pilleneinnahme zu einer Schwangerschaft kommen. Meist sind Einnahmefehler, Wechselwirkungen mit Medikamenten oder Verdauungsprobleme die Ursache. Eine Schwangerschaft bei fortgesetzter Pilleneinnahme stellt nach aktuellem Forschungsstand keine Gefahr für den Embryo dar.
Wie schnell werde ich nach dem Absetzen der Pille wieder fruchtbar?
Die Wiedererlangung der Fruchtbarkeit nach Absetzen der Pille ist individuell verschieden. Manche Frauen werden im nächsten Zyklus wieder schwanger, bei anderen kann es einige Monate dauern, bis sich der Zyklus normalisiert hat. Dies ist unabhängig von der Dauer der Pilleneinnahme.
Erhöht die Pille das Thromboserisiko?
Ja, alle östrogen- und gestagenhaltigen Präparate erhöhen das Thromboserisiko leicht. Es gibt jedoch Unterschiede zwischen den Präparaten. Die Ärztin oder der Arzt kann eine Liste mit Risikovergleichen bereitstellen.
Verzögert die Pille die Wechseljahre?
Die Pille verzögert nicht den Beginn der Wechseljahre, kann aber deren Anzeichen wie unregelmäßige Blutungen überlagern. Um den Beginn der Wechseljahre festzustellen, muss die Pille abgesetzt werden.
Kann ich die Pille in der Stillzeit nehmen?
Die Kombipille ist in der Stillzeit ungeeignet, da Östrogene die Milchproduktion verringern können. Die Minipille, die nur Gestagen enthält, ist eine geeignete Option.
Ist es schädlich, die Pille nach einer Pause wieder einzunehmen?
Es ist nicht notwendig, nach einer längeren Pillenpause eine Pause einzulegen. Das Thromboserisiko ist insbesondere in den ersten sechs Monaten der Einnahme erhöht, auch nach einer erneuten Einnahme nach einer Pause. Ein Absetzen der Pille sollte gut überlegt und ärztlich beraten werden.
Kann die Pille Hautprobleme wie Akne verbessern?
Ja, die Hormone in der Kombipille können sich positiv auf die Haut auswirken und Akne lindern. Der Einsatz zur Aknebehandlung sollte jedoch ärztlich beraten werden.
Beeinflussen Antibiotika die Sicherheit der Pille?
Nach aktuellem Wissen gefährden Antibiotika die Verhütungssicherheit der Pille nicht, außer bei speziellen Antibiotika zur Behandlung von Tuberkulose. Im Zweifel ist ärztlicher Rat einzuholen.
Was ist der Unterschied zwischen Einphasen- und Mehrphasenpillen?
Bei Einphasenpillen enthalten alle Tabletten die gleiche Hormondosis. Bei Mehrphasenpillen variiert die Hormondosis innerhalb eines Blisters, und die Tabletten müssen in der vorgeschriebenen Reihenfolge eingenommen werden. Die meisten Pillen sind heute Einphasenpillen.
Die Pillenpause: Notwendigkeit und Alternativen
Die klassische Einnahme der Pille sieht eine siebentägige Pause vor, die eine Abbruchblutung auslöst. Diese Blutung hat aus medizinischer Sicht keinen Nutzen und ahmt lediglich den natürlichen Zyklus nach. Studien zeigen, dass die monatliche Pillenpause weder gesundheitliche Vorteile bringt noch Nebenwirkungen reduziert. Daher ist sie nach heutigem Kenntnisstand nicht zwingend notwendig.
Kann die Pillenpause verkürzt oder ausgelassen werden?
Die Pillenpause kann aus medizinischer Sicht verkürzt oder komplett ausgelassen werden. Das Fortsetzen der Einnahme ohne Pause ist besonders sinnvoll, wenn in der dritten Einnahmewoche eine Pille vergessen wurde. Dies sollte jedoch immer ärztlich beraten werden, da Nebenwirkungen wie ein erhöhtes Thromboserisiko auftreten können.
Was passiert, wenn die Pillenpause verlängert wird?
Eine Verlängerung der Pillenpause über sieben Tage hinaus ist nicht empfehlenswert, da sie den Schutz vor ungewollten Schwangerschaften reduziert. Bei einer unabsichtlichen Verlängerung muss ab dem achten Tag eine zusätzliche Verhütungsmethode angewendet werden. Eine längere Pillenpause erhöht zudem das Thromboserisiko.
Pillenpause und Pillenwechsel
Der Wechsel von einer Mikropille zu einem anderen Präparat kann entweder direkt nach der letzten Pillenpackung ohne Pause oder nach der üblichen siebentägigen Pause erfolgen. Bei starken Nebenwirkungen kann der Wechsel auch mitten im Zyklus stattfinden, solange kein Einnahmetag ausgelassen wird. Das Auslassen der Pillenpause gilt als die sicherste Methode. Beim Wechsel von einer Mikro- zur Minipille oder umgekehrt wird empfohlen, ohne Pause zu beginnen und in der ersten Woche zusätzlich zu verhüten.
Die Minipille im Detail
Die Minipille, auch Gestagenpille genannt, enthält ausschließlich Gestagen und ist somit östrogenfrei. Ihre empfängnisverhütende Wirkung beruht primär auf der Verdickung des Zervixschleims, die das Eindringen von Spermien erschwert. Einige Minipillen mit Desogestrel oder Drospirenon hemmen zudem den Eisprung mit hoher Zuverlässigkeit. Die Minipille muss täglich zur exakt gleichen Uhrzeit eingenommen werden, was eine hohe Disziplin erfordert. Sie ist besonders geeignet für Frauen in der Stillzeit, da sie die Milchproduktion nicht beeinträchtigt. Ein Nachteil ist die schlechtere Zykluskontrolle, die zu Menstruationsstörungen führen kann. Neuere Präparate mit Drospirenon verursachen weniger Blutungsstörungen.

Langzyklus: Die Pille ohne Pause einnehmen
Das Durchnehmen der Pille ohne die übliche siebentägige Pause wird als Langzyklus bezeichnet. Dieses Einnahmeschema ist für die meisten monophasischen Kombinationspillen und für reine Gestagenpillen (Minipillen) geeignet. Es kann bei Regelschmerzen, Migräne oder anderen Beschwerden, die mit der Menstruation einhergehen, eine Lösung sein. Studien deuten darauf hin, dass der Langzyklus das Thromboserisiko sogar senken könnte, da der Hormonspiegel konstanter bleibt. Für Frauen, die die Pille durchnehmen und eine vergessen, gilt theoretisch, dass sie bis zu sieben Pillen nacheinander vergessen könnten, ohne den Schutz zu verlieren, da dies der üblichen Pause entsprechen würde. Dennoch wird meist empfohlen, in diesem Fall für sieben Tage zusätzlich zu verhüten, um den Überblick zu behalten.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit der Pille anzufangen?
Grundsätzlich wird empfohlen, am ersten Tag der Regelblutung mit der Einnahme der Pille zu beginnen. Dies erleichtert die Orientierung, da der natürliche Hormonzyklus neu beginnt. Falls keine Schwangerschaft besteht, kann auch an einem anderen Tag im Zyklus begonnen werden, wobei dann in den ersten sieben Tagen zusätzlich verhütet werden muss.
Bei unregelmäßigem Zyklus oder ausbleibender Periode kann ebenfalls an einem beliebigen Tag mit der Einnahme begonnen werden, sofern eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen ist. In den ersten Wochen nach Beginn der Pilleneinnahme können leichte Nebenwirkungen wie Zwischenblutungen oder Stimmungsschwankungen auftreten, die sich meist nach einigen Monaten legen.
Der Wiedereinstieg mit der Pille
Ein Wiedereinstieg mit der Pille ist grundsätzlich in jedem Alter möglich, auch nach einer längeren Pause oder nach dem 45. Lebensjahr. Dabei ist eine individuelle ärztliche Beratung wichtig, da sich Hormonspiegel und Risikofaktoren mit dem Alter verändern können. Frauen über 45 haben häufiger gesundheitliche Risikofaktoren, die die Wahl des Verhütungsmittels beeinflussen können. In solchen Fällen kann eine östrogenfreie Pille (Minipille) oder eine andere hormonfreie Methode sinnvoller sein.