Stille Geburt: Informationen und Begleitung

Die stille Geburt, auch bekannt als Totgeburt, bezeichnet die Geburt eines Kindes, das bereits im Mutterleib verstorben ist. Medizinisch wird zwischen verschiedenen Begriffen unterschieden, die sich primär nach dem Gewicht des verstorbenen Kindes richten. Ein Kind, das bei der Geburt weniger als 500 Gramm wiegt, wird als Fehlgeburt (Abort) klassifiziert. Bei einem Gewicht von mindestens 500 Gramm oder nach der 24. Schwangerschaftswoche spricht man von einer Totgeburt oder stillen Geburt.

Umgangssprachlich werden die betroffenen Kinder oft als „Sternenkinder“ oder „Schmetterlingskinder“ bezeichnet. Etwa jede dritte Frau ist im Laufe ihres Lebens von einer Fehlgeburt betroffen. Diese treten am häufigsten in der Frühschwangerschaft, bis zur 12. Schwangerschaftswoche, auf und bleiben oft unbemerkt, da die Schwangerschaft noch nicht einmal festgestellt wurde.

Infografik: Zeitliche Einteilung von Schwangerschaftsverlusten mit Definitionen von Fehlgeburt, später Fehlgeburt und Totgeburt

Arten und Zeitpunkte von Schwangerschaftsverlusten

Frühe Fehlgeburt (Frühabort)

Fehlgeburten treten in der Frühschwangerschaft, das heißt bis zur 12. Schwangerschaftswoche, am häufigsten auf. Es wird vermutet, dass etwa die Hälfte aller frühen Schwangerschaften vorzeitig endet, da der Embryo nicht entwicklungsfähig war. Die Ursachen hierfür sind unterschiedlich und meist nicht eindeutig feststellbar. Hierzu gehören zum Beispiel grundlegende Irritationen bei der Befruchtung oder Einnistung der Eizelle oder auch hormonelle Schwankungen.

Bei einer spontanen Fehlgeburt wird der noch winzige Embryo oft begleitet von heftigen Blutungen und krampfartigen Schmerzen ausgeschieden. Es kann auch vorkommen, dass nach der medizinischen Diagnose über fehlende kindliche Lebenszeichen eine Ausschabung (Kürettage) durch den Frauenarzt oder die Frauenärztin erforderlich ist. Dieser Eingriff muss meist nicht unmittelbar geschehen.

Späte Fehlgeburt (Spätabort)

Im zweiten Schwangerschaftsdrittel, also zwischen der 12. und der 24. Woche, kommen Fehlgeburten seltener vor. Man spricht dann von einer späten Fehlgeburt oder einem Spätabort.

Totgeburt

Wiegt das im Mutterleib verstorbene Kind bei seiner Geburt mindestens 500 Gramm, oder stirbt es nach der 24. Schwangerschaftswoche, bezeichnet man es als Totgeborenes. Für den vorzeitigen Tod im Mutterleib können verschiedene Ursachen verantwortlich sein. Neben einer unzureichenden Versorgung des Kindes aufgrund von Störungen der Plazenta, sind Komplikationen mit der Nabelschnur denkbar. Auch Infektionen, nicht diagnostizierter Schwangerschafts-Diabetes und Fehlbildungen des Kindes können eine späte Fehlgeburt bewirken.

Ursachen und medizinische Aspekte

Die Ursachen für den Tod eines Kindes im Mutterleib sind vielfältig. Dazu zählen:

  • Störungen der Plazenta, die zu einer unzureichenden Versorgung des Kindes führen.
  • Komplikationen mit der Nabelschnur.
  • Infektionen.
  • Nicht diagnostizierter Schwangerschafts-Diabetes.
  • Fehlbildungen des Kindes.

Auch ein Baby kann leider während oder kurz nach der Geburt sterben. Ursachen hierfür können Fehlbildungen, Frühgeburten mit geringem Geburtsgewicht, nicht ausreichend entwickelte Lungenfunktion, Hirnblutungen, schwere Infektionen oder Blutvergiftungen sein.

Schema: Mögliche Ursachen einer Totgeburt

Medizinische Interventionen bei späten Fehlgeburten und Totgeburten

Aufgrund der Größe des Fetus ist eine Kürettage bei einer späten Fehlgeburt oder Totgeburt meist nicht mehr möglich und das verstorbene Kind muss geboren werden. Die Geburt kann auf natürlichem Wege einsetzen oder wird eingeleitet. Neigte man in früheren Zeiten dazu, eine Kaiserschnittgeburt vorzunehmen, wird dies zwischenzeitlich medizinisch aus verschiedenen Gründen eher abgeraten. Ausschlaggebend ist aus psychologischer Sicht jedoch, dass Frauen den Verlust ihres Kindes langfristig emotional besser verarbeiten, wenn sie ihr totes Kind auf natürlichem Weg geboren haben.

Umgang mit der Diagnose und emotionale Verarbeitung

Wenn eine festgestellte Schwangerschaft mit einer Fehlgeburt endet, kann dies sehr große Trauer auslösen - vor allem dann, wenn dieses Ereignis mehrmals passiert. Manche Schwangere plagen Selbstzweifel und Vorwürfe.

Die Bedeutung des Abschieds und der Bindung

Da bereits während der Schwangerschaft eine Mutter-Kind-Bindung entsteht, ist es vielen Frauen zudem wichtig, ihr totes Kind nach der Geburt eine Weile bei sich zu behalten. Mit zunehmendem medizinischem Fortschritt ist es im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge und der Pränataldiagnostik möglich, bereits während der Schwangerschaft Erkrankungen, Fehlbildungen oder abweichende Chromosomenkonstellationen festzustellen. Dies stellt Eltern oft vor die Frage nach Fortsetzung oder Beendigung der Schwangerschaft, wenn zum Beispiel festgestellt wird, dass die Lebensfähigkeit des Kindes schwer beeinträchtigt sein wird oder mit dem Tod des Kindes zu rechnen ist. Dies bedeutet für Eltern oft eine schwerwiegende Entscheidung für oder gegen das Leben ihres Kindes.

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Beratung und gesetzliche Regelungen

Eltern müssen in dieser Situation umfassende Informationsmöglichkeiten durch die behandelnden Ärzte, spezialisierte Fachkräfte, aber auch Beratungsstellen erhalten. Die ärztliche Pflicht zur Beratung wurde vom Gesetzgeber in § 2a Schwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG) geregelt.

Ein Schwangerschaftsabbruch, der nach der 12. Schwangerschaftswoche vorgenommen wird, bezeichnet man als Spätabbruch. Dieser ist straffrei, wenn eine medizinische Indikation nach § 218a Abs. 2 Strafgesetzbuch (StGB) gegeben ist. Bei einem Schwangerschaftsabbruch auf Grundlage einer medizinischen Indikation liegt der Fokus ausschließlich auf der Mutter des Kindes. Nach ärztlicher Erkenntnis ist ein Abbruch der Schwangerschaft angezeigt, um eine Gefahr für das Leben der Schwangeren oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustands der Schwangeren abzuwenden.

Begleitung und Unterstützung bei einer stillen Geburt

Wenn ein Baby im Bauch verstirbt, wird dessen anstehende Geburt als stille Geburt bezeichnet. Es gibt keine Eile, das Baby muss nicht sofort geboren werden. Viele Frauen wünschen sich, ihr totes Kind auf natürlichem Wege zu gebären, da dies den emotionalen Verarbeitungsprozess unterstützen kann.

Die Rolle der Hebamme und des Geburtshauses

Eine Hebammenbegleitung bei der kleinen Geburt ist fast uneingeschränkt möglich. Das kleine Kind und die Plazenta sind noch eins und werden gleichzeitig geboren. Bei guter Vorbereitung, Beobachtung und Begleitung ist die kleine Geburt ungefährlich. Eine Geburt zu Hause oder im Geburtshaus ist im Allgemeinen möglich, sofern sie professionell begleitet wird und keine speziellen gesundheitlichen Einschränkungen vorliegen. Eine kontinuierliche Begleitung durch eine Hebamme eröffnet häufig einen größeren Spielraum, auf persönliche Wünsche des Paares einzugehen.

Wir betreuen in unserem Geburtshaus stille Geburten nach der 36. SSW und sind für Sie und euch da. Nach euren Wünschen begleiten wir euch nach der Geburt beim Kennenlernen und Verabschieden eures Babys, ermöglichen Raum für Berührung, Rituale und Erinnerungen. Bei einer stillen Geburt ist diese gemeinsame Zeit einmalig und sehr bedeutsam.

Unterstützung durch Vereine und Doulas

Durch die Kooperation mit Organisationen wie dem KinderPact e.V. können nach der Geburt notwendige Schritte unterstützt werden. Diese Vereine fungieren als Bindeglied zwischen den betroffenen Eltern, einer Doula, dem Krankenhaus sowie den Ärzten. Viele Paaren ist nach der Diagnose einer Fehl- oder Totgeburt unklar, ob sie bei ihrem Weg Begleitung wünschen oder brauchen. Verspürt das betroffene Paar oder die Patientin den Wunsch, jemanden bei sich haben zu wollen, der einfach nur da ist, kann die Klinik jederzeit den Kontakt zu einer Doula herstellen.

Der Verein baut ein Netzwerk auf, welches sich um die Begleitung und Betreuung der Sterneneltern nach der Geburt kümmert. Die Zeit des Trauerns und Heilens ist individuell. Geschwisterkinder werden betreut. Der Verein kümmert sich um Bekleidung für das Sternenkind und stellt einen Fotografen, der Erinnerungsbilder macht. Sollten die Eltern ihr Baby nicht sehen wollen oder können, werden die Fotos durch den Verein aufbewahrt.

Der Prozess der stillen Geburt

Die Entscheidung: Einleiten oder Abwarten?

Wenn das Ungeborene nicht mehr lebt, ist es aus medizinischer Sicht meist möglich, den natürlichen Beginn der Wehen abzuwarten. Dies kann mehrere Tage dauern. Solange die begleitenden Untersuchungen unauffällig bleiben und keine besonderen Anzeichen wie Blutungen vorliegen, bedeutet das Abwarten keine gesundheitliche Gefährdung für die Mutter. Vom verstorbenen Kind geht keine Gefahr für die Schwangere aus, solange die Fruchthülle intakt ist.

Manche Frauen und Paare entscheiden sich dennoch für eine medikamentöse Einleitung. Wenn die Geburt sofort nach der traurigen Diagnose medikamentös eingeleitet wird, treffen die künstlichen Wehenhormone jedoch oft auf eine Gebärmutter, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht reif ist für die Geburt. Es kann trotz spürbarer Wehen manchmal bis zu mehreren Tagen dauern, bis der Muttermund bereit ist, sich zu öffnen.

Schmerzmanagement und Kaiserschnitt

Wenn bereits der seelische Schmerz übergroß ist, ist der Wunsch nach einer möglichst schmerzfreien Geburt oft besonders dringlich. In der Klinik ist für eine ausreichende Schmerzlinderung gesorgt, meist wird eine starke örtliche Betäubung (Periduralanästhesie) angeboten. Auch wenn der Kaiserschnitt heute bedeutend sicherer geworden ist als früher, birgt er für die Mutter ein höheres Risiko als eine natürliche Geburt. Zum seelischen Schmerz über den Verlust des Kindes kommen anschließend also noch körperliche Beeinträchtigungen durch den Eingriff hinzu.

Den Abschied bewusst gestalten

Eine „stille Geburt“ und der frühe Abschied von ihrem Kind werden für die meisten Eltern unvergessen bleiben. Viele fühlen sich dem toten Kind noch lange Zeit verbunden. Den Abschied bewusst zu gestalten, kann helfen, den Verlust begreifbar zu machen und neuen Mut zu fassen. Wenn die medizinischen Umstände ausreichend Zeit lassen, können die Eltern nachdenken, was sie sich für diese besondere Geburt wünschen, und dies mit ihrer Hebamme und ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen.

Sie können entscheiden, wo das Baby geboren werden soll und wen sie bei der Geburt dabei haben möchten. Wenn schon sicher ist, dass das Baby tot geboren wird oder unmittelbar nach der Geburt sterben wird, kann das Paar überlegen, ob es ein Abschiedsritual vorbereiten möchte.

Begegnung mit dem verstorbenen Kind

Wenn ihr Baby tot zur Welt gekommen ist, brauchen die Eltern vielleicht einige Zeit, bis sie sich für die Begegnung mit ihm öffnen können und es in den Arm nehmen möchten. Die Geburtshelferinnen und -helfer werden sie darauf vorbereiten, stehen ihnen in diesem Moment zur Seite und werden das Kind mit ihnen gemeinsam betrachten, wenn sie dafür bereit sind. Oft erfahren die Eltern bei dieser Begegnung neben allem Kummer auch Momente von Glück. Sie können sehen, wer ihr Kind ist.

Foto: Symbolische Darstellung von Erinnerungsstücken für Sternenkinder

Professionelle Hilfe und Selbsthilfegruppen

Für viele Frauen ist es wichtig, mit einem Experten über den Verlust zu sprechen. Sie können ihre Hebamme um Unterstützung bitten oder sich an eine Beratungsstelle in ihrer Umgebung wenden. Manchen Frauen oder Paaren tut es gut, sich in einer Selbsthilfegruppe mit anderen betroffenen Menschen auszutauschen, die eine ähnliche Erfahrung gemacht haben.

Es gibt verschiedene Organisationen und Netzwerke, die betroffene Eltern unterstützen, wie zum Beispiel:

  • Gesprächskreis am Vinzenz Pallotti Hospital
  • Juno Köln
  • kindsverlust.ch
  • Dein Sternenkind
  • Schatten & Licht e.V.

tags: #babyclub #stille #geburt