Prof. Dr. Matthias W. Beckmann, Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen, hat die Leitung der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Bayreuth GmbH übernommen. Er ist einer der renommiertesten Gynäkologen Deutschlands und wird seine Expertise einbringen, um die Behandlungsqualität in Bayreuth weiter zu verbessern.

Akademische und berufliche Würdigungen
Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung des 65. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) in Berlin wurde Prof. Dr. Matthias W. Beckmann mit der bedeutenden Carl-Kaufmann-Medaille ausgezeichnet. Diese Ehrung stellt die höchste Auszeichnung dar, die einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen verliehen werden kann.
Prof. Dr. Diethelm Wallwiener, Ärztlicher Senior Professor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Tübingen, würdigte in seiner Laudatio Prof. Beckmanns außerordentlichen Einsatz für die Fachgesellschaft und seinen maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung der DGGG über Jahrzehnte. Darüber hinaus dankte er im Namen der DGGG für die herausragenden klinischen und wissenschaftlichen Fachkenntnisse, die Prof. Beckmann in der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) und in den Zertifizierungskommissionen der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. eingebracht hat.
Prof. Beckmann ist zudem Chefredakteur der Fachzeitschrift „Geburtshilfe und Frauenheilkunde“, dem offiziellen Leitlinienorgan der DGGG. Über ein Jahrzehnt leitete er das gemeinsame Leitlinienprogramm der DGGG, der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. und der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.
Im Rahmen des 64. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) in München erhielt Prof. Dr. Matthias W. Beckmann das erstmalig verliehene Ehrendiplom der Kolposkopie für besondere Verdienste in diesem Bereich, einer Untersuchung zur Erkennung gynäkologischer Krebserkrankungen.
Klinische Forschung und Studienphasen
Grundsätzlich werden in der klinischen Forschung interventionelle und nicht-interventionelle Studien unterschieden.
Interventionelle Studien
Interventionelle Studien, meist Therapiestudien, erproben eine bestimmte (neue) Behandlungsmethode. Sie werden in die Phasen I bis IV eingeteilt:
- Phase I-Studien: Kleine Studien, in denen eine neue Behandlung erstmals an gesunden Freiwilligen erprobt wird. Hier werden grundlegende pharmakologische Eigenschaften eines neuen Medikaments überprüft.
- Phase II-Studien: Größere Studien mit 100 bis 300 Teilnehmern. Ein Medikament wird erstmals bei Patientinnen und Patienten mit der zu behandelnden Erkrankung erprobt. Ziel ist die Ermittlung der optimalen Dosierung sowie erste Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit.
- Phase III-Studien: Große Studien, die maßgeblich über die Marktzulassung eines Medikaments entscheiden. Sie liefern präzise Informationen über Wirksamkeit und Verträglichkeit und beinhalten meist Vergleiche mit etablierten Behandlungen.
- Phase IV-Studien: Diese Studien finden nach der Marktzulassung eines Medikaments statt. Sie dienen der gezielten Untersuchung von Medikamenten bei Patientinnen und Patienten mit spezifischen Eigenschaften oder der Beurteilung seltener Nebenwirkungen.
Nicht-interventionelle Studien
Bei nicht-interventionellen Studien gibt es keine gezielte "Intervention"; es wird lediglich beobachtet und dokumentiert. Sie umfassen:
- Fall-Kontroll-Studien: Retrospektive Studien, bei denen Patientinnen und Patienten mit einer bestimmten Behandlung mit jenen verglichen werden, die diese Behandlung nicht erhalten haben. Die Auswertung erfolgt anhand medizinischer Unterlagen.
- Kohortenstudien: Prospektive Studien, bei denen eine Gruppe von Patientinnen und Patienten, die eine bestimmte Behandlung erhalten, über Jahre hinweg hinsichtlich ihres Krankheitsverlaufs beobachtet wird.
- Anwendungsbeobachtungen: Eine Sonderform nicht-interventioneller Studien.
Fokus auf Bayreuth: Ziele und Strategie
Prof. Dr. Matthias W. Beckmann hat eine klare Vision für die Frauenklinik der Klinikum Bayreuth GmbH: die weitere Verbesserung der Behandlungsqualität und Sicherheit für Frauen und Kinder. "Mein Ziel ist es, die medizinische Betreuung und die Sicherheit für Frauen und Kinder, die am Klinikum geboren werden, zu erweitern", erklärt der neue Chefarzt.
Nachdem sich die Klinikum Bayreuth GmbH im Vorjahr von ihrem damaligen Chefarzt trennte, zeigte sich die Stärke des Teams. Prof. Beckmann lobte das außergewöhnliche Engagement der ärztlichen Kollegen und der gesamten Mannschaft in dieser herausfordernden Phase. Seit dem 1. Januar 2018 arbeitet er für das Klinikum Bayreuth und sieht seine Hauptaufgaben in der Personalplanung, der strategischen Ausrichtung der Klinik und dem Implementieren neuester Behandlungsstandards.
Für die Umsetzung dieser Ziele und die Behandlung der Patientinnen ist Dr. Johannes Lermann, Prof. Beckmanns ständiger Stellvertreter, aus Erlangen nach Bayreuth gekommen. Gemeinsam mit dem bestehenden Ärzteteam plant das neue Führungsduo:
- Die baldige Einführung laparoskopischer Operationsmethoden ("Schlüssellochchirurgie") für eine schonendere Behandlung und schnellere Genesung.
- Den Aufbau einer Einheit für geburtshilflichen Ultraschall nach allerneuesten Standards.
- Die Stärkung des Gynäkologischen Krebszentrums und des Brustzentrums.
Die kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen wird als äußerst hilfreich für diese Vorhaben angesehen. Zudem können die qualifizierten Mitarbeiter des Bayreuther Klinikums von den Weiterbildungsmöglichkeiten des Universitätsklinikums profitieren.

Vorbereitung auf den Medizincampus Oberfranken
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vorbereitung auf das Projekt Medizincampus Oberfranken. In naher Zukunft werden die ersten Medizinstudierenden ihren klinischen Ausbildungsteil am Klinikum Bayreuth absolvieren. Dies erfordert eine Klinikleitung, die auch Lehraufgaben übernehmen kann. Prof. Beckmann unterstützt die strategische Ausrichtung auf den Medizincampus und die damit verbundenen Berufungsverfahren für zukünftige Chefärzte.
Kooperation und Modellprojekte
Prof. Dr. Beckmann freut sich auf die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Gynäkologinnen und Gynäkologen in Bayreuth und Umgebung. Er ist überzeugt, dass die geplante Kooperation zwischen Erlangen und Bayreuth erfolgreich sein wird, da bereits eine erfolgreiche Blaupause existiert.
Seit 2015 leitet Prof. Beckmann kommissarisch die Frauenklinik am St. Theresien-Krankenhaus Nürnberg gGmbH. Dort wurde eine neue Abteilung etabliert, die Zahl der Entbindungen stieg von 220 auf etwa 830 pro Jahr (Stand 2017), und die Anzahl der Operationen von null auf 720. Dieses Modell der Kooperation mit dem Universitätsklinikum Erlangen ist vergleichbar mit der Zusammenarbeit in Bayreuth.
Dr. Joachim Haun, Geschäftsführer der Klinikum Bayreuth GmbH, begrüßt die Kooperation ausdrücklich und betont das bereits hohe Niveau der Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum. Die Zusammenarbeit mit der Frauenklinik in Erlangen soll dieses Niveau weiter anheben und dient als erster Schritt in Richtung des Medizincampus, der Forschung und Lehre am Klinikum Bayreuth ermöglichen soll.
Zur Person: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann
Prof. Dr. Matthias W. Beckmann ist ein erfahrener Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit den Schwerpunkten Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin sowie Gynäkologische Onkologie. Er ist Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen, die mit etwa 8500 Patientinnen pro Jahr die zweitgrößte deutsche Einzelklinik in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe darstellt. Zudem ist er Chefarzt der Frauenklinik am St. Theresien-Krankenhaus Nürnberg.
Stellvertreter: Dr. Johannes Lermann
Der 42-jährige Dr. Johannes Lermann fungiert als ständiger Stellvertreter von Prof. Beckmann in Bayreuth. Er ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit Schwerpunkt Geburtshilfe und Perinatalmedizin und zudem stellvertretender Leiter des Brustzentrums und des Gynäkologischen Zentrums. Dr. Lermann studierte in Würzburg und Wien und war zuvor am Uniklinikum Erlangen tätig.
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