Ursachen und Diagnose eines frühen Schwangerschaftsverlusts

Der Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft, Geburt oder kurz danach ist ein tiefgreifendes Ereignis. In den meisten Fällen sind solche tragischen Umstände weder durch die Eltern noch durch medizinische Fachkräfte zu verhindern.

Arten des Schwangerschaftsverlusts

Schwangerschaftsverluste können in verschiedene Phasen unterteilt werden:

  • Fehlgeburt in der Frühschwangerschaft (Frühabort): Verlust des Kindes bis zur 9. Schwangerschaftswoche.
  • Fehlgeburt im zweiten Schwangerschaftsdrittel (Spätabort): Verlust des Kindes nach der 12. Schwangerschaftswoche und mit einem Gewicht unter 500 Gramm.
  • Stillgeburt (Totgeburt): Tod des Kindes während der Schwangerschaft oder Geburt, wenn es mindestens 500 Gramm wiegt.
  • Tod nach der Geburt: Das Kind stirbt während oder kurz nach der Geburt.

Fehlgeburt in der Frühschwangerschaft

Nicht jede befruchtete Eizelle entwickelt sich zu einem gesunden Kind. Die meisten frühen Fehlgeburten werden durch Störungen bei der Befruchtung oder Einnistung verursacht, die zum Abbruch der Entwicklung führen.

Es wird geschätzt, dass etwa die Hälfte aller Frühschwangerschaften unbemerkt endet, da der Embryo nicht lebensfähig ist. Dies äußert sich oft als eine etwas verspätete oder stärkere Menstruationsblutung.

Von allen diagnostizierten Schwangerschaften enden 11 bis 15 % mit einer Fehlgeburt. Bei etwa 1 % der Paare mit Kinderwunsch treten drei oder mehr Fehlgeburten auf, was als "habituelle Aborte" bezeichnet wird.

Ursachen für Fehlgeburten im ersten Trimester

Bis zur 9. Schwangerschaftswoche, in der der Embryo die Organentwicklung durchläuft, ist die Schwangerschaft besonders anfällig für Störungen.

Chromosomenanomalien sind die häufigste Ursache für Fehlgeburten im ersten Trimester und machen 50 bis 70 % aus. Ungewöhnliche Chromosomenzahlen (Monosomie oder Trisomie) können die weitere Entwicklung des Embryos verhindern.

Weitere Ursachen können sein:

  • Schwäche des Muttermundes (Zervixi-Insuffizienz)
  • Infektionen
  • Schadstoffe und Genussgifte (Alkohol, Drogen)
  • Hormonstörungen
  • Abwehrreaktionen durch Antikörper
  • Stoffwechselerkrankungen der Mutter (z. B. unbehandelter Diabetes mellitus)
  • Seelische Belastungen und übermäßiger Stress, die das Immunsystem schwächen können.
Schema der Chromosomenanomalien bei Fehlgeburten

Symptome und Diagnose eines frühen Schwangerschaftsverlusts

Anzeichen für eine Fehlgeburt können plötzliche Blutungen und krampfartige Schmerzen im Unterleib sein. Manchmal wird der fehlende Herzschlag des Kindes auch erst bei einer Ultraschalluntersuchung festgestellt.

Die Diagnose eines Spontanaborts stützt sich auf:

  • Transvaginale Sonographie (Ultraschall): Dies ist die wichtigste Methode zur Beurteilung. Ein fehlender Herzschlag bei einem Embryo mit einer Scheitel-Steiß-Länge von mindestens 7 mm oder das Fehlen eines Embryos mit Herzschlag bei einem mittleren Durchmesser der Fruchtblase von mindestens 25 mm sind deutliche Hinweise auf ein Scheitern der Schwangerschaft.
  • Quantitative Bestimmung der Beta-Untereinheit des humanen Choriongonadotropins (beta-hCG): Serielle Messungen, die abnehmen, deuten auf eine gescheiterte Schwangerschaft hin.
  • Gynäkologische Untersuchung.

Bei Verdacht auf eine Missed Abortion (verhaltene Fehlgeburt), bei der der Embryo verstorben ist, aber keine Symptome wie Blutungen oder Krämpfe auftreten und der Muttermund geschlossen bleibt, ist eine genaue Diagnose mittels Ultraschall entscheidend. Ein fehlender Herzschlag bei einem Embryo von 7 mm oder mehr, auch nach mehreren Untersuchungen, ist ein starkes Indiz.

Ultraschallbild eines frühen Embryos mit und ohne Herzschlag

Behandlung von frühem Schwangerschaftsverlust

Die Behandlung hängt vom Stadium und den Symptomen ab:

  • Zuwarten (Erwartungsmanagement): Bei einem drohenden Abort oder wenn keine akuten Probleme bestehen, kann zunächst abgewartet werden, ob der Körper die Schwangerschaft von allein abstößt.
  • Medikamentöse Einleitung: Kann zur Beschleunigung des Abgangs eingesetzt werden.
  • Operative Entfernung: Eine Ausschabung (Abrasio, Kürettage) oder Saugkürettage kann notwendig sein, wenn die Fehlgeburt nicht von selbst erfolgt, starke Blutungen auftreten oder Gewebereste in der Gebärmutter verblieben sind.

Bei Rh-negativen Müttern wird Rho(D)-Immunglobulin verabreicht. Psychologische Unterstützung ist ebenfalls wichtig, um mit Trauer und Schuldgefühlen umzugehen.

Fehlgeburt im zweiten Schwangerschaftsdrittel

Ein Verlust nach der 12. Schwangerschaftswoche und mit einem Gewicht unter 500 Gramm wird als späte Fehlgeburt oder Spätabort bezeichnet. Da das Kind zu groß für eine Ausschabung ist, wird die Geburt meist medikamentös eingeleitet.

Mögliche Ursachen sind vorzeitige Wehen, eine Schwäche des Muttermundes oder ein vorzeitiger Blasensprung, oft als Folge einer Infektion.

Stillgeburt (Totgeburt)

Wenn das Kind während der Schwangerschaft oder Geburt stirbt und mindestens 500 Gramm wiegt, spricht man von einer Totgeburt. In Deutschland sind etwa 2 bis 3 von 1.000 Geburten betroffen.

Ursachen für Totgeburten

  • Plazentastörungen: Unzureichende Versorgung des Kindes, vorzeitige Plazentalösung.
  • Infektionen: Schädigung des Kindes oder der Plazenta.
  • Erkrankungen der Mutter: Diabetes, HELLP-Syndrom.
  • Nabelschnurkomplikationen: Nabelschnurknoten, Nabelschnurvorfall, zu enge Umwicklung des Halses.
  • Sauerstoffmangel.
  • Fehlbildungen des Kindes, teils infolge von Chromosomenanomalien.
  • Gewalteinwirkungen (Unfall, körperliche Gewalt).

Die genaue Todesursache ist nicht immer eindeutig feststellbar, selbst nach einer Obduktion.

Grafik, die verschiedene Ursachen für Totgeburten darstellt

Tod nach der Geburt

Manche Kinder sterben kurz nach der Geburt aufgrund von:

  • Unreifen Lungen mit schweren Atemproblemen.
  • Nicht operierbaren Fehlbildungen.
  • Hirnblutungen infolge von Sauerstoffmangel.
  • Schweren Infektionen und Sepsis mit Organversagen.
  • Extremer Frühgeburtlichkeit oder geringem Geburtsgewicht aufgrund von Mangelversorgung im Mutterleib.

Schwere Entscheidungen

In einigen Fällen wird der Tod des Kindes durch einen medizinischen Eingriff herbeigeführt, oft nach schwierigen Diagnosen und Abwägungen, wenn das Kind mit schweren Fehlbildungen geboren wurde oder die Überlebenschancen extrem gering sind. Solche Entscheidungen können mit erheblichen inneren Konflikten verbunden sein.

Fehlgeburt verstehen: Zwischen Ursachenforschung, Trauer und Hoffnung | Sex & the Body 17

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