Die Brunsterkennung und die damit verbundene Fruchtbarkeit von Rindern sind entscheidend für eine erfolgreiche Tierhaltung. Moderne Technologien und ein fundiertes Verständnis hormoneller Prozesse spielen hierbei eine zentrale Rolle. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte der Brunsterkennung, des Hormonflusses und der Behandlung von Fruchtbarkeitsstörungen.
Herausforderungen bei der Brunsterkennung
Die Milchmenge kann zwar auf die Brunst reagieren, jedoch erst am Tag nach der Brunst. Am Brunsttag selbst sind die Tiere unruhiger und fressen signifikant weniger, was zu einem Milchrückgang am Folgetag führt. Dies ist für die Brunsterkennung und eine mögliche Besamung einen Tag zu spät.
Auch die Körpertemperatur ist für die Brunsterkennung zu ungenau, da eine mögliche Erhöhung nur im Bereich von wenigen Zehntel Grad liegt. Ebenso funktioniert die Milchtemperatur, die von Melkrobotern routinemäßig gemessen wird, nicht zuverlässig für die Brunsterkennung.

Technische Hilfsmittel zur Aktivitätsmessung
Grundsätzlich kann man zwischen Schrittzählern (Pedometer) und Halsbandsensoren (Respaktoren) unterscheiden, die typische Kopf- bzw. Halsbewegungen messen. Alle Hersteller von Melktechnik bieten technische Lösungen zur Aktivitätsmessung an.
Einige, aber nicht alle Messsysteme sind wissenschaftlich überprüft. Geprüfte Systeme sollten Erkennungsraten von über 90% ermöglichen. In Verbindung mit einem zweiten Parameter können sie die Brunsterkennung verbessern.
Da technische Hilfsmittel jedoch nicht alle brünstigen Kühe aufspüren können, sollten Milcherzeuger weiterhin die äußerlichen Brunstsymptome wie Brunstschleim, Aufspringen und Duldung beobachten.
Hormoneller Einfluss auf die Brunst
Der Einfluss einer Hormonbehandlung auf die Aktivität hängt vom jeweiligen Wirkstoff ab. Das Produkt „Estrumate“, das den Wirkstoff Cloprostenol (ein synthetisch hergestelltes Prostaglandin F2α) enthält, löst den Gelbkörper auf und induziert anschließend die Brunst. In einem Versuch zeigten hormonbehandelte Kühe eine „normale“ Aktivitätserhöhung, vergleichbar mit unbehandelten Kühen und einer spontanen Brunst ohne Hormoneinsatz.
Das OvSynch-Programm hingegen arbeitet mit einem zyklusanschiebenden Wirkstoff (Gonadotropin Releasing Hormon, GnRH). GnRH führt zur Ausschüttung der Hormone FSH und LH, die den Eisprung bewirken. Tierärzte berichten, dass beim OvSynch-Programm kein einheitlicher Aktivitäts-Peak zu erkennen ist. Die Besamung muss hierbei terminorientiert erfolgen, also in einem vom Hormonprogramm vorgegebenen Zeitabstand nach der letzten GnRH-Behandlung.

Brunsterkennung bei Jungrindern
Jungrinder zeigen nach Ergebnissen und Erfahrungen von Landwirten eine sehr deutliche Aktivitätssteigerung während der Brunst, die größer ist als bei Kühen. Daher reicht die alleinige Aktivitätsmessung aus, um brünstige Jungrinder zu erkennen.
Optimale Besamungszeitpunkte
Die höchste Trächtigkeitsrate bei der ersten Besamung wird etwa 7 bis 18 Stunden nach dem Aktivitäts-Peak erreicht. Dies zeigen Untersuchungen an über 2000 Kühen in zehn Betrieben. Gegenüber einer zu frühen oder zu späten Besamung waren bis zu 15% mehr Tiere tragend.
Der Aktivitäts-Peak bietet einen objektiven Zeitpunkt zur Bestimmung des optimalen Besamungszeitraums. In Auswertungen an über 1700 Brunsten lag der Aktivitäts-Peak gehäuft in den frühen Morgenstunden zwischen 2.00 und 8.00 Uhr.
Hormonelle Steuerung des Sexualzyklus
Ein optimal funktionierender Eierstock und eine gut erkennbare Brunst sind essenziell für die Fruchtbarkeit von Rindern. Die Steuerung des Sexualzykluses ist ein komplexer Prozess, der von vielen Faktoren abhängt und eng mit dem Hormonzyklus verbunden ist.
Wichtige Hormone im Sexualzyklus:
- FSH (Follikelstimulierendes Hormon): Fördert das Wachstum eines Follikels (gebildet in der Hirnanhangdrüse).
- LH (Luteinisierungshormon): Bewirkt Eisprung und die Bildung eines Gelbkörpers (gebildet in der Hirnanhangdrüse).
- Östrogen (Brunsthormon): Wird vom Follikel gebildet und bewirkt die Brunstanzeichen.
- Progesteron (Trächtigkeitshormon): Wird vom Gelbkörper gebildet und erhält die Trächtigkeit aufrecht.
- Prostaglandin: Wird von der Gebärmutter gebildet und bewirkt die Auflösung des Gelbkörpers.
- GnRH (Gonadotropin Releasing Hormon): Wird im Gehirn gebildet und regt die Hirnanhangdrüse zur Hormonbildung an.
Ablauf des Eierstock- und Hormonzyklus:
- Der Hypothalamus bildet GnRH, welches die Freisetzung von Hormonen aus der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) anregt.
- Die Hypophyse produziert FSH, das die Entwicklung eines Follikels auf dem Eierstock bewirkt (Vorbrunst).
- Der reife Brunstfollikel bildet Östrogen, was zu den äußeren Brunstsymptomen führt.
- Etwa 10-13 Stunden nach Abklingen der Brunstanzeichen erfolgt der Eisprung (Ovulation) durch die Wirkung von LH.
- LH löst auch die Gelbkörperbildung aus.
- In der Gelbkörper- oder Ruhephase bildet der Gelbkörper Progesteron, das die Gebärmutter auf die Aufnahme einer befruchteten Eizelle vorbereitet.
- Findet keine Befruchtung statt, löst Prostaglandin die Rückbildung des Gelbkörpers aus.
- Der sinkende Progesteronspiegel führt im Gehirn zur erneuten GnRH-Bildung, und der Zyklus wiederholt sich.

Hormontherapien und deren Anwendung
Hormontherapien können bei Fruchtbarkeitsstörungen eingesetzt werden. Die Gabe von Prostaglandin F2α (PGF) kann zuverlässig eine Brunst induzieren, insbesondere bei Kühen mit einem tastbaren Gelbkörper. Auch die alleinige Gabe von GnRH oder humanem Choriongonadotropin (hCG) kann zur Behandlung von Fruchtbarkeitsstörungen eingesetzt werden.
Bei geruchlich abweichendem Vaginalsekret oder dem Nachweis von Trueperella pyogenes ist die Anwendung von Antibiotika angezeigt. Eine Behandlung vor dem 27. Tag post partum erscheint nicht ratsam.
Die Vermeidung von schweren Mängeln in Haltung, Fütterung oder anderen Krankheiten ist essenziell, da diese die Reproduktionsleistung nicht verbessern.
Spezifische Anwendungsfälle:
- Stille Brunst: Die häufigste Ursache für Anöstrie.
- Ovarialzysten: Verschiedene hormonelle Behandlungsstrategien können angewendet werden.
- Endometritis: Die Fruchtbarkeit von Kühen mit Endometritis kann beeinträchtigt sein.
Besamungszeitpunkt und Trächtigkeitsraten
Die künstliche Besamung mit der höchsten Trächtigkeitsrate aus erster Besamung erfolgt etwa 7 bis 18 Stunden nach dem Aktivitäts-Peak. Untersuchungen an über 2000 Kühen zeigten, dass dies zu bis zu 15% mehr tragenden Tieren führt im Vergleich zu einer zu frühen oder zu späten Besamung.
Fütterungsstrategien und Mineralstoffmanagement
Calcium-Binder wie Reisspelzen und Zeolith A können die Calcium-Aufnahme im Dünndarm verhindern. Zeolith A kann jedoch auch die Futteraufnahme verschlechtern. Die Überzeugung vieler Betriebe, dass Calcium-Binder Milchfieber vorbeugen, wird teilweise durch hohe Kalium-Gehalte als Ursache für Milchfieberprobleme relativiert. Die erfolgreichere Fütterungsstrategie hängt wesentlich vom Grobfutter und insbesondere von den Grassilagen ab.
Bodenbeschaffenheit und Klauengesundheit
Das Fräsen eignet sich grundsätzlich nur für planbefestigte Böden. Bei Spaltenböden würden die Kanten abgeschlagen, was zu Ausrutschen und Klauenverletzungen führen kann. Bewährt haben sich in der Praxis das Schneiden von Rillen und Gummiauflagen.
Unabhängig vom Sanierungsverfahren sollten Landwirte auf saubere Laufflächen achten.
Einstreu und Liegeflächengestaltung
Die Einstreu soll die Liegefläche trocken halten, keine Fremdkörper enthalten, weich sein und ein hohes Wasserbindungsvermögen aufweisen. Zudem muss die Preiswürdigkeit stimmen. Je nach betrieblicher Bezugsmöglichkeit haben sich gehäckseltes Stroh, Strohmehl oder Sägemehl bewährt.
Boxenabmessungen und Nackenrohr
Vor dem Einbau von Boxen sollten Landwirte einzelne große Tiere messen und die Boxenbreite erfassen. Das gewellte Nackenrohr sollte auf 1,25 bis 1,33 m lichter Höhe zur Liegefläche bzw. 10 bis 15 cm unter Widerristhöhe montiert werden. Der horizontale Abstand zur Kotstufe sollte je nach Herde bei 1,60 bis 1,70 m liegen. Wichtig ist, dass die Tiere mit allen vier Beinen auf der Liegefläche stehen können. Die gewellte Form des Nackenrohrs positioniert die Tiere vor dem Ablegen in der Boxenmitte.

Trächtigkeitsuntersuchung Rinder - Tierärztin | Wissenswert
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