Manche Babys schreien ohne erkennbare Ursache und hören einfach nicht auf - egal, was Sie als Eltern machen. Fachleute sprechen vom unstillbaren Schreien. Umgangssprachlich nennt man es auch Drei-Monats-Koliken. Manche Babys schreien in den ersten Wochen und Monaten ganz ohne ersichtlichen Grund und manchmal mehrere Stunden lang. 30 bis 40 Prozent aller Eltern kennen dieses Phänomen, das auch unter "Drei-Monats-Koliken" bekannt ist. Magen-Darm-Beschwerden sind jedoch selten die Ursache dafür. Oft hat das Baby zwar einen geblähten Bauch - der scheint aber eher eine Folge als der Anlass des Schreiens zu sein. In den meisten Fällen verschwindet das unstillbare Schreien nach circa drei Monaten von selbst.
Ursachen des unstillbaren Schreiens
Warum manche Babys unstillbar schreien, ist noch nicht abschließend geklärt. Fachleute vermuten, dass zum Beispiel genetische Faktoren und Belastungen in der Schwangerschaft und nach der Geburt dazu beitragen. Man nimmt an, dass es für diese Kinder schwieriger ist, die inneren und äußeren Reize ihrer neuen Welt zu verarbeiten und sich selbst zu beruhigen. Diese Babys neigen zu kurzen Nickerchen. Sie finden deshalb nur schwer in einen längeren Schlaf und brauchen länger, bis sie einen ausgeglichenen Rhythmus zwischen Wachsein und Schlafen entwickeln.
Die Schreiphasen nehmen in der Regel ab der 2. Lebenswoche zu und erreichen ihren Höhepunkt meist in der 6. Lebenswoche. Im Alter von sechs Wochen schreien die Babys am längsten, besonders häufig am späten Nachmittag oder frühen Abend. Nach etwa drei bis vier Monaten nimmt die Schreidauer deutlich ab. Dabei unterscheiden sich die Babys erheblich. Jedes 8. bis 10. Baby scheint diesem Schema jedoch nicht zu folgen. In solchen Fällen spricht man heute von „hochsensiblen“ oder „high need“ Babys.
Es ist wichtig zu wissen, dass Babys schreien, weil sie ihre Bedürfnisse noch nicht anders ausdrücken können. Schreien ist für sie der einzige Weg zu zeigen, dass ihnen etwas fehlt. Trösten Sie Ihr Kind, wenn es schreit. Babys schreien, weil sie:
- müde oder hungrig sind
- schwitzen oder frieren
- eine neue Windel brauchen
- Ruhe brauchen
- die Nähe von Mutter oder Vater suchen
- schmusen möchten
Babys schreien nie, um zu ärgern. Im Laufe der ersten Monate lernen Sie Ihr Kind immer besser kennen. Sie können dann unterscheiden, warum es schreit und was es gerade braucht.

Der Teufelskreis des Schreiens und wie man ihn durchbricht
Eltern mit einem Schreikind fragen sich oft: Was mache ich falsch? Nicht selten haben sie ein erhebliches Schlafdefizit, fühlen sich erschöpft und hilflos. Sie probieren alle möglichen Methoden der Beruhigung aus, lassen ihr Kind auf dem Arm hüpfen, schwingen es herum, fahren mit dem Auto um den Block - umsonst. Nicht nur das Baby, auch die Eltern sind völlig überfordert. Ein Teufelskreis kommt in Gang: Je mehr das Baby schreit, desto angespannter sind die Eltern. Die Anspannung der Eltern löst beim Baby noch mehr Stress und Schreien aus.
Ruhe bewahren ist deshalb der erste Rat an Eltern mit Schreikindern. Und: Weniger ist mehr. Versuchen Sie, die Abläufe, die bei Ihnen oder bei Ihrem Kind am Tag Stress erzeugen, zu verändern. Beobachten Sie sorgfältig, wann und in welcher Situation Ihr Kind Ihnen erste Anzeichen von Belastung signalisiert.
Was tun, wenn Ihr Kind unstillbar schreit?
Wenn Ihr Kind auch nach längerer Zeit nicht aufhört zu schreien und Sie mit den Nerven fertig sind, ist es sinnvoll, sich mit dem Partner abwechselnd um das Kind zu kümmern. Wenn Sie allein mit Ihrem Kind sind und merken, dass Ihnen das Schreien unerträglich wird, legen Sie Ihr Kind in sein Bettchen oder an einen anderen sicheren Platz und verlassen Sie den Raum, bevor Ihnen „der Kragen platzt“ und Sie vielleicht etwas Unüberlegtes tun. Versuchen Sie, sich selbst zu beruhigen: Hören Sie einige Minuten Ihre Lieblingsmusik, trinken Sie einen heißen Tee oder ein Glas Milch, entspannen Sie sich auf Ihre Art. Rufen Sie Freunde und Bekannte an, die Ihnen vielleicht kurzfristig zur Seite stehen können.
Wichtige Maßnahmen und Tipps für Eltern:
- Schildern Sie das Problem einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt. Lassen Sie eventuelle körperliche Ursachen für das Schreien abklären.
- Bleiben Sie ruhig, wenn Ihr Baby schreit.
- Legen Sie am Tag viele gemeinsame Pausen mit Ihrem Kind ein.
- Verschaffen Sie sich Inseln der Ruhe in Ihrem Alltag.
- Vermeiden Sie laute Geräusche, Hektik, viele Menschen und Übermüdung.
- Bleiben Sie bei einer Methode des Beruhigens. Zu viele Wechsel verwirren Ihr Baby noch mehr.
- Wenn Sie am Ende Ihrer Kräfte sind oder wütend auf Ihr Kind werden, verschaffen Sie sich eine kurze "Auszeit". Legen Sie Ihr Baby in sein Bett und gehen Sie aus dem Zimmer. Zählen Sie bis zehn, bevor Sie wieder zu Ihrem Kind gehen.
- Holen Sie sich Unterstützung durch Ihren Partner, Großeltern, Freunde oder andere Menschen.
- Sorgen Sie dafür, dass Sie sich selbst entspannen können. Wechseln Sie sich, falls möglich, in der Betreuung ab.
Eine geregelte Tagesstruktur mit einem regelmäßigen Schlaf- und Wachrhythmus trägt dazu bei, dass Ihr Kind leichter zur Ruhe kommt. Beschäftigen Sie sich regelmäßig mit Ihrem Kind, wenn es aufmerksam und zufrieden ist. So lernen Sie sich besser kennen. Und Ihr Kind erhält nicht nur Ihre Aufmerksamkeit, wenn es weint.

Stufenweise beruhigen
Sie können Ihrem Baby helfen, sich selbst zu beruhigen, indem Sie ihm stufenweise mehr Trost bieten. Das geht so:
- Zeigen Sie Ihrem Baby zunächst Ihr Gesicht und sprechen Sie ruhig mit ihm.
- Wird es nicht ruhiger, legen Sie ihm eine Hand auf den Bauch.
- Hilft auch das nicht, fassen Sie seine Arme oder Füße und führen sie behutsam in seiner Körpermitte zusammen.
Auf jeder Stufe verweilen Sie eine kurze Zeit. Wenn alles nichts hilft, nehmen Sie Ihr Baby auf den Arm. Ist Ihr Baby schon sehr aufgelöst, sollten Sie es gleich aufnehmen und zum Beispiel sanft wiegen. Bleiben Sie bei einer Art, es im Arm zu halten. Ein schneller Wechsel überfordert das Baby leicht.
Manche Eltern haben Angst, ihr Kind zu verwöhnen, wenn sie es zuverlässig trösten, wenn es weint. Doch die Fachleute wissen: In den ersten sechs Lebensmonaten können Sie Ihr Kind mit Trost oder Geborgenheit nicht verwöhnen. Kommen Sie ihm verlässlich zu Hilfe, wenn es schreit. Ein Baby kann nicht anders: Schreien ist seine stärkste Art, sich auszudrücken. Mit dem Schreien alarmiert es die Umgebung und veranlasst die Eltern, die Ursache des Schreiens zu beheben.
Wohltuendes für den Bauch
Was Sie ausprobieren können, um Ihrem Baby etwas Gutes zu tun:
- Achten Sie z.B. immer darauf, dass Ihr Baby möglichst nach jeder Mahlzeit ein „Bäuerchen“ macht, um unnötige störende Luft im Bauch loszuwerden.
- Zusätzlich empfehlen wir gerne eine Bauchmassage mit anschließendem Beine kreisen lassen.
- Die Anwendung von Wärme, zum Beispiel durch ein Kirschkernkissen auf dem Bauch, entspannt viele Kinder ebenfalls gut.
Auch wenn die Ursache für das Schreien nicht immer klar ist, ist es wichtig, dass Eltern wissen, dass das Schreien meist harmlos ist und in der Regel nach einigen Monaten nachlässt. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Baby Schmerzen hat oder krank ist, oder wenn Sie an Ihre Grenzen kommen, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Schütteln ist lebensgefährlich!
Wenn Sie merken, dass Sie total entkräftet und entnervt sind und vielleicht sogar den Drang verspüren, Ihr Baby zu schütteln: Versuchen Sie, etwas Distanz zu bekommen, zum Beispiel indem Sie kurz den Raum verlassen. Legen Sie Ihr Baby für die kurze Zeit Ihrer Abwesenheit an einen sicheren Ort, wie in seinen Laufstall oder sein Gitterbettchen - und rufen Sie eine Vertrauensperson an.
Babys nicht schütteln
Der Kopf des Babys schlägt beim Schütteln ungeschützt hin und her. Das Gehirn des kleinen Kindes ist sehr verletzlich. Schon hastige Bewegungen ohne Halten des Kopfes können gefährlich sein. Durch das Schütteln kann es zum Einriss von Blutgefäßen im Gehirn kommen. Diese Blutungen können zu bleibenden Schäden des Gehirns führen. In der Folge kann es zu schweren Störungen kommen, zum Beispiel:
- Entwicklungsstörungen mit Seh-, Hör- oder Sprachausfällen
- körperliche und geistige Behinderungen
- Verhaltensstörungen
- Krampfleiden
- Tod
Informieren Sie alle, die Ihr Kind versorgen oder beaufsichtigen: Schütteln ist lebensgefährlich - auch für Kleinkinder.
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Wann mit dem Baby zur Ärztin oder Arzt?
Nehmen Sie Kontakt zu Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt auf, wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Baby Schmerzen hat oder krank ist, oder wenn Sie an Ihre Grenzen kommen. Für alle Fragen rund um die Gesundheit von Babys, Kindern und Jugendlichen gibt es das TK-FamilienTelefon.
Wichtige Anzeichen, bei denen Sie ärztlichen Rat suchen sollten:
- Wenn Sie auch nach den ersten Lebenswochen noch das Gefühl haben, dass Sie das Schreien, aber auch andere Verhaltensweisen Ihres Kindes, nicht deuten können, und es nur schwer zu beruhigen ist.
- Wenn Ihr Kind zusätzlich Probleme mit dem Schlafen hat oder das Füttern ein Problem wird.
- Wenn Ihr Baby auch nach dem dritten Lebensmonat vermehrt schreit und quengelt.
Erfahrungsgemäß können Eltern mit fachlicher Hilfe und Unterstützung das übermäßige Schreien meist schon bald in den Griff bekommen. Inzwischen gibt es in allen Gemeinden auch sogenannte Frühe Hilfen. Dazu gehören auch Familienhebammen, die Sie bei besonderen Belastungen im ersten Lebensjahr unterstützen können.