Kardiotokografie (CTG): Anleitung zur Untersuchung und Interpretation

Die Kardiotokografie, allgemein bekannt als CTG oder Wehenschreiber, ist eine nicht-invasive Untersuchungsmethode in der modernen Geburtshilfe, die eine wesentliche Rolle bei der Überwachung der Gesundheit von Mutter und Kind spielt. Sie kombiniert die Aufzeichnung der fetalen Herzfrequenz (Kardio) mit der Erfassung von Wehenaktivitäten (Tokographie). Moderne CTG-Geräte können darüber hinaus weitere Parameter wie den mütterlichen Blutdruck, fetale Bewegungen (Kineto-CTG), fetale Pulsoximetrie und den uterinen Blutfluss mittels Doppler-Ultraschall erfassen, um ein umfassenderes Bild des Zustands des ungeborenen Kindes zu erhalten.

Der Begriff Kardiotokographie leitet sich aus dem Englischen "Cardiotocography" ab und beschreibt die drei wesentlichen Funktionen der Methode: "Kardio" für die Herztöne des Kindes, "Toko" für die Aufzeichnung der Wehen und "Graphie" für das Schreiben bzw. Aufzeichnen. Manche Experten bezeichnen die Methode, die auch die Bewegungen des Kindes erfasst, als Kardiotokokinetographie.

Schema eines CTG-Geräts mit Beschriftung der einzelnen Komponenten wie Ultraschallkopf und Drucksensor.

Was ist ein CTG und wie funktioniert es?

Ein CTG-Gerät zeichnet zwei Hauptkurven auf, die entweder auf Millimeterpapier oder einem digitalen Bildschirm dargestellt werden. Diese Kurven ermöglichen eine kontinuierliche Überwachung des Wohlbefindens des Fötus:

  • Horizontale Achse (X-Achse): Diese Achse repräsentiert die Zeit und ermöglicht die Nachvollziehbarkeit der Aktivität über einen definierten Zeitraum.
  • Obere Kurve: Zeigt die fetale Herzfrequenz (FHF) in Schlägen pro Minute (bpm) an. Diese Kurve schwankt je nach Herzaktivität des Fötus.
  • Untere Kurve: Zeichnet die Wehentätigkeit auf. Diese wird entweder durch einen externen Drucksensor auf dem Bauch der Mutter oder durch einen internen Druckkatheter direkt in der Gebärmutter gemessen. Sie zeigt die Kontraktionen des Uterus, deren Stärke in mmHg oder als relative Einheit dargestellt wird.

Die fetale Herzfrequenz eines gesunden Kindes liegt in der Regel zwischen 110 und 160 bpm. Muster wie Akzelerationen (vorübergehende Erhöhungen der FHF) und Dekelerationen (vorübergehende Abnahmen der FHF) geben Hinweise auf die Reaktion des Fötus auf Wehen oder Stressfaktoren. Die Variabilität oder Oszillation der Kurve, also die Fluktuation der Herzfrequenz um einen Mittelwert, liefert wichtige Informationen über den Zustand des autonomen Nervensystems des Fötus.

Die untere Kurve gibt Aufschluss über die Häufigkeit, Dauer und Stärke der Wehen. Regelmäßige und starke Kontraktionen sind ein Zeichen für den Fortschritt der Geburt.

Beispiel einer typischen CTG-Aufzeichnung mit fetaler Herzfrequenzkurve und Wehenkurve.

Wann wird ein CTG durchgeführt?

Gemäß der aktuellen S3-Leitlinie ist eine CTG-Untersuchung nicht für jede schwangere Frau routinemäßig erforderlich, insbesondere wenn keine besonderen Risiken vorliegen (Low-risk-Kollektiv). Studien haben gezeigt, dass diese Untersuchungen bei Frauen ohne Risiken möglicherweise nicht notwendig sind und im schlimmsten Fall zu unnötigen Eingriffen während der Geburt führen könnten.

Indikationen für ein CTG:

  • Risikoschwangerschaften: Bei Schwangerschaften mit gesundheitlichen Problemen oder Komplikationen.
  • Verdacht auf vorzeitige Wehentätigkeit: Typischerweise ab der 26. bis 28. Schwangerschaftswoche (SSW).
  • Veränderungen beim Herzschlag des Babys: Ab der 28. SSW, wenn der Frauenarzt oder die Hebamme Auffälligkeiten bemerkt.
  • Nach dem errechneten Geburtstermin (ET): Um das Wohlergehen des Fötus sicherzustellen, da das Risiko für Komplikationen mit jedem Tag nach dem ET steigt. In solchen Fällen wird oft alle zwei Tage ein CTG empfohlen.
  • Bei der Geburt (intrapartales CTG): Zur kontinuierlichen Überwachung der fetalen Herzfrequenz und der Wehentätigkeit.
  • Spezifische Indikationen zur CTG-Wiederholung: Anhaltende Tachykardie (>160 bpm), Bradykardie (<100 bpm), Verdacht auf Plazentainsuffizienz, Wachstumsverzögerung des Babys, Mehrlingsschwangerschaften, drohende Frühgeburt, vaginale Blutungen, oder wenn Medikamente zur Wehenhemmung eingesetzt werden.

Bei Schwangerschaften mit normalem Verlauf wird ein CTG oft erst ab der 37. SSW empfohlen. Für die Indikationsstellung einer fetalen Dopplersonographie oder eines CTG ist eine sorgfältige sonographische Untersuchung des Feten erforderlich.

Grafik, die den empfohlenen Zeitpunkt für CTG-Untersuchungen während der Schwangerschaft basierend auf dem Risikoprofil zeigt.

Ablauf einer CTG-Untersuchung

Eine CTG-Untersuchung ist ein relativ einfacher Prozess, der normalerweise zwischen 20 und 30 Minuten dauert, aber auch länger sein kann.

Vorbereitung:

  • Die schwangere Frau wird gebeten, sich bequem zu positionieren, meist auf dem Rücken liegend mit leicht erhöhtem Oberkörper oder auf der Seite.
  • Der Bauch wird freigelegt, um die Sensoren anbringen zu können.
  • Es wird empfohlen, vor der Untersuchung ausreichend zu trinken und eine leichte Mahlzeit zu sich zu nehmen, jedoch keine großen Mahlzeiten unmittelbar davor.
  • Ein Besuch der Toilette vorab ist ratsam.
  • Entspannungstechniken können helfen, ruhig zu bleiben, da Stress die fetale Herzfrequenz beeinflussen kann.

Anbringen der Sensoren:

Zwei Haupttypen von Sensoren werden verwendet:

  • Ein Ultraschallsensor (Dopplerschallkopf) zur Erfassung der fetalen Herzfrequenz.
  • Ein Drucksensor (Tokodynamometer) zur Messung der Wehentätigkeit.

Diese Sensoren werden mit elastischen Bändern am Bauch der Mutter befestigt. In einigen Fällen können zusätzliche Sensoren für andere Parameter angelegt werden.

Eine Frau mit CTG-Gurten um den Bauch, die Sensoren sind sichtbar.

Durchführung der Untersuchung:

Nach Positionierung der Sensoren beginnt die Aufzeichnung. Die fetale Herzfrequenz und die Wehentätigkeit werden simultan erfasst und in Echtzeit auf dem CTG-Monitor dargestellt. Moderne Geräte verfügen oft über einen integrierten Drucker für die Aufzeichnung.

Interpretation der Ergebnisse:

Nach Abschluss der Aufzeichnung wertet das medizinische Personal (Arzt oder Hebamme) die Daten aus. Dabei werden die fetale Herzfrequenz, Muster wie Akzelerationen und Dezelerationen sowie die Häufigkeit und Intensität der Wehen beurteilt. Die Interpretation erfolgt oft anhand des FIGO-Scores, der Kriterien wie Baseline-Frequenz, Oszillation und Dezelerationen berücksichtigt. Ein normales CTG zeigt eine Baseline-Frequenz zwischen 110 und 160 bpm, normale Oszillationen und keine pathologischen Dezelerationen.

Nach der Untersuchung:

Die Sensoren werden entfernt, und die Frau kann ihre normalen Aktivitäten wieder aufnehmen. Gegebenenfalls werden weitere Anweisungen für die weitere Schwangerschaftsüberwachung oder Geburtsvorbereitung gegeben.

Sonderfall: Das interne CTG

Die interne CTG-Überwachung ist eine invasivere Methode, die eingesetzt wird, wenn die externe Überwachung keine klaren Ergebnisse liefert oder in spezifischen klinischen Situationen, wie bei einer Frühgeburt oder wenn die Fruchtblase bereits gesprungen ist.

  • Voraussetzungen: Die Fruchtblase muss gesprungen und der Muttermund teilweise geöffnet sein.
  • Einführen des Sensors: Ein dünner Draht mit einer Elektrode wird durch den Muttermund in die Gebärmutter eingeführt und an der Haut des Fötus (meist am Kopf) befestigt. Diese Kopfschwartenelektrode misst direkt die fetale Herzfrequenz. Ein externer Tokodynamometer oder ein spezieller Katheter kann zur Messung der Wehenaktivität verwendet werden.
  • Überwachung: Die direkte Messung ermöglicht eine sehr genaue Überwachung der Herzfrequenz.
  • Entfernung: Nach der Geburt oder wenn die interne Überwachung nicht mehr benötigt wird, werden Draht und Elektrode vorsichtig entfernt.

Aufgrund der Invasivität und möglicher Risiken wie Infektionen oder Verletzungen des Fötus wird das interne CTG relativ selten und nur bei speziellen Indikationen angewendet.

8 Tipps zur Vorbereitung auf eine CTG-Untersuchung

  1. Informieren Sie sich: Machen Sie sich mit dem Zweck und Ablauf der Untersuchung vertraut, um Ängste zu reduzieren.
  2. Bequeme Kleidung: Tragen Sie Kleidung, die leicht an- und ausgezogen werden kann, da die Sensoren am Bauch angebracht werden.
  3. Ausreichend trinken: Gute Hydratation kann zu klareren Ergebnissen beitragen.
  4. Leichte Mahlzeit: Essen Sie einen Snack, um sich wohlzufühlen.
  5. Toilettengang: Leeren Sie Ihre Blase vor der Untersuchung.
  6. Entspannungstechniken: Üben Sie tiefe Atemübungen oder leichte Meditation.
  7. Kommunizieren Sie Ihre Bedürfnisse: Wenn das Liegen auf dem Rücken unangenehm ist, fragen Sie nach einer anderen Position.
  8. Stellen Sie Fragen: Scheuen Sie sich nicht, Bedenken zu äußern oder Fragen zu stellen.

Planen Sie ausreichend Zeit ein, da eine CTG-Untersuchung 20 bis 30 Minuten oder länger dauern kann.

Herausforderungen und Kritik an der Kardiotokografie

Trotz ihrer weit verbreiteten Anwendung ist die Kardiotokografie nicht unumstritten. Einige Herausforderungen und Kritikpunkte umfassen:

  • Interobserver-Variabilität: Die Interpretation von CTG-Ergebnissen kann zwischen verschiedenen Ärzten oder Hebammen variieren, was zu unterschiedlichen Einschätzungen führen kann.
  • Zunahme operativer Eingriffe: Studien deuten darauf hin, dass die kontinuierliche CTG-Überwachung im Vergleich zur intermittierenden Auskultation mit einem erhöhten Risiko für Interventionen wie Kaiserschnitte oder Vakuumextrakionen verbunden sein kann, ohne dass dies zwangsläufig zu besseren Ergebnissen für das Baby führt.
  • Fehlalarme: CTGs können falsch-positive Ergebnisse liefern, die unnötige Sorgen oder medizinische Eingriffe auslösen.
  • Schwierigkeit der Interpretation: Nicht jede Abweichung im CTG-Muster ist ein Zeichen für eine Gefährdung des Kindes. Bewegungen des Kindes, mütterliche Haltung oder die Einnahme von Medikamenten können die Aufzeichnungen beeinflussen.

Die Entscheidung für oder gegen ein CTG sollte daher immer im Kontext des gesamten klinischen Bildes und in Absprache mit der werdenden Mutter getroffen werden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie können verschiedene Wehenarten, wie Senkwehen und Geburtswehen, im CTG erkannt werden?

Das CTG kann unterschiedliche Wehenmuster aufzeichnen. Übungswehen und Senkwehen können als leichtere Kontraktionen sichtbar sein, während Geburtswehen der Eröffnungsphase sich als eindeutige und regelmäßige Kurve im CTG darstellen. Die Höhe der angezeigten Werte gibt dabei nur den Druck in der Gebärmutter an und korreliert nicht direkt mit der Stärke oder Schmerzhaftigkeit der Wehen.

Sind Übungswehen auf dem CTG zu sehen?

Ja, Übungswehen (Braxton-Hicks-Kontraktionen) sind oft auf dem CTG als leichtere Kontraktionen sichtbar, heben sich aber in ihrer Regelmäßigkeit und Intensität von Geburtswehen ab.

Ab welchem Wehenwert im CTG spricht man von regelmäßigen Wehen?

Die Interpretation von Wehenwerten ist komplex und hängt von der Frequenz, Dauer und Form der Kurve im Zusammenhang mit der fetalen Herzfrequenz ab. Regelmäßige Geburtswehen zeigen sich als eindeutige und wiederkehrende Ausschläge.

Wann bekommt man die ersten Wehen und wie fühlen sie sich an?

Die ersten Wehen, oft als Übungswehen oder Senkwehen wahrgenommen, können bereits in der späten Schwangerschaft auftreten. Sie können sich als leichte Verhärtung des Bauches oder als ziehendes Gefühl bemerkbar machen.

Das CTG zeigt Wehen, aber ich spüre nichts?

Moderne CTG-Geräte können auch sehr schwache, für die Mutter nicht spürbare Kontraktionen der Gebärmutter aufzeichnen. Dies ist kein Grund zur Sorge, sondern zeigt die Empfindlichkeit des Geräts.

Was deutet auf Jungen und was auf Mädchen hin?

Das CTG kann keine Rückschlüsse auf das Geschlecht des Kindes zulassen. Dies ist eine Information, die primär durch Ultraschalluntersuchungen gewonnen werden kann.

Was bedeutet es, wenn das CTG piept?

Ein Piepton beim CTG kann verschiedene Bedeutungen haben, je nach Gerät und Kontext. Es kann eine Alarmfunktion sein, die auf eine Auffälligkeit in der fetalen Herzfrequenz oder Wehentätigkeit hinweist, oder auch einfach die Anzeige einer erfassten fetalen Herzaktion.

Wie sehen Wehen aus?

Auf dem CTG erscheinen Wehen als wellenartige Ausschläge auf der unteren Kurve, die die Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur darstellen. Ihre Frequenz, Dauer und Form werden analysiert.

Kann man das Herz vom Baby im Bauch spüren?

Ja, besonders in den späteren Phasen der Schwangerschaft können werdende Mütter die Bewegungen des Babys und manchmal auch das Herzklopfen spüren. Das CTG ermöglicht es, diese Herzfrequenz präzise zu messen und hörbar zu machen.

Was beeinflusst das CTG?

Mehrere Faktoren können das CTG beeinflussen, darunter: die fetale Herzfrequenz (wach/schlafend), fetale Bewegungen, mütterliche Position und Bewegung, mütterlicher Blutdruck, Stress der Mutter, Medikamente und die genaue Platzierung der Sensoren.

Warum muss das Baby beim CTG wach sein?

Die fetale Herzfrequenz variiert, je nachdem, ob das Baby wach ist oder schläft. Ein waches Baby zeigt oft mehr Akzelerationen, was für die Interpretation der Herzfrequenzvariabilität wichtig ist. Wenn das Baby während des CTGs schläft, kann die Interpretation schwieriger sein.

Wird kurz vor der Geburt mit dem Ultraschall geschaut?

Ja, kurz vor und während der Geburt können Ultraschalluntersuchungen durchgeführt werden, um das Gewicht, die Lage des Kindes, die Fruchtwassermenge und die Nabelschnurdurchblutung zu beurteilen, zusätzlich zum CTG.

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