Die Folgen von Abtreibungsverboten in den USA

Seit der Aufhebung des bundesweiten Rechts auf Abtreibung in den USA im Jahr 2022 hat sich die Gesetzgebung in vielen Bundesstaaten drastisch verschärft. Dies hat tiefgreifende und oft tragische Folgen für die reproduktive Gesundheit und das Leben von Frauen. Die Auswirkungen reichen von einem Anstieg der Säuglingssterblichkeit bis hin zu lebensbedrohlichen Komplikationen für Schwangere, die auf die restriktive Gesetzgebung zurückzuführen sind.

Verschärfung der Abtreibungsgesetze und ihre Auswirkungen

Seit der Aufhebung der Grundsatzentscheidung Roe vs. Wade durch den Obersten Gerichtshof im Juni 2022 liegt die Gesetzgebung zur Legalität von Schwangerschaftsabbrüchen wieder bei den einzelnen Bundesstaaten. In 19 dieser Staaten sind Abtreibungen inzwischen verboten oder werden so streng reguliert, dass Betroffene kaum Zugang zu medizinischer Hilfe haben. Diese Entwicklung hat zu einer fragmentierten Landschaft der Gesundheitsversorgung geführt, in der der Wohnort einer Frau darüber entscheidet, ob, wo, wann und wie sie eine Abtreibung erhalten kann und ob sie bei Komplikationen oder einer Fehlgeburt angemessen versorgt wird.

Karte der USA mit farblich markierten Bundesstaaten, die Abtreibungsverbote oder -beschränkungen eingeführt haben.

Anstieg der Säuglingssterblichkeit

Studien haben erste negative Folgen der neuen Beschränkungen offengelegt. So berichtete die BBC im Februar von einer Untersuchung der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, die ergeben hat, dass in 14 der Staaten mit strengen Abtreibungsverboten die Sterblichkeit von Kleinkindern wesentlich angestiegen sei. Laut der Studie sind hier seit der Aufhebung von Roe vs. Wade 478 Todesfälle von Säuglingen bekannt geworden, die direkt oder indirekt auf die neuen Abtreibungsverbote zurückzuführen seien. Zusätzlich sei im selben Zeitraum auch die Anzahl der Todesfälle aufgrund angeborener Anomalien um 10,87 Prozent angestiegen. Dies sei in den betreffenden Staaten eine direkte Folge der neuen Gesetzgebung, die eine Abtreibung auch dann verbietet, wenn bereits feststeht, dass ein Kind schwerstkrank und nicht überlebensfähig zur Welt kommen wird.

Eine weitere Studie der Ohio State University, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Jama Pediatrics", untersuchte Daten aus den 18 Monaten nach dem Urteil. In drei untersuchten Monaten lag die Säuglingssterblichkeit in den Vereinigten Staaten rund sieben Prozent höher als zuvor üblich, was durchschnittlich 247 zusätzliche tote Säuglinge pro Monat bedeutete. Der Großteil dieser Todesfälle wurde auf angeborene Fehlbildungen zurückgeführt. Vor der Aufhebung des Rechts auf Abtreibung hätten Betroffene in solchen Fällen "eine Abtreibung durchführen können, anstatt die Schwangerschaft fortzusetzen und die Erfahrung machen zu müssen, dass ein Säugling stirbt", so die Forscher.

Gesundheitskrise und lebensbedrohliche Komplikationen

Die Bundesstaaten mit Abtreibungsverboten haben zu einer beispiellosen Gesundheitskrise geführt. Schon kurz nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Juni 2022 tauchten Berichte von Frauen auf, denen eine Abtreibung verweigert wurde, obwohl sich ihr Gesundheitszustand drastisch verschlechterte. Beispiele hierfür sind:

  • In Texas konnte eine Frau, deren Fruchtblase in der 18. Woche platzte, erst dann eine Abtreibung vornehmen lassen, als sie eine Sepsis entwickelte. Sie verbrachte drei Tage auf der Intensivstation, und einer ihrer Eileiter verschloss sich dauerhaft.
  • In Tennessee verlor eine Frau vier Liter Blut, als sie ihren toten Fötus zur Welt brachte.
  • In Oklahoma wurde eine blutende Frau mit einer nicht lebensfähigen Schwangerschaft von drei verschiedenen Krankenhäusern abgewiesen.

Diese Fälle verdeutlichen die erschreckenden Folgen, wenn Ärzte aufgrund vager und restriktiver Gesetze zögern, notwendige medizinische Eingriffe vorzunehmen. Die Angst vor juristischen Konsequenzen - von Klagen über den Verlust der ärztlichen Zulassung bis hin zu Haftstrafen - zwingt medizinisches Personal dazu, abzuwarten, bis sich der Zustand einer Patientin derart verschlechtert, dass sie zu sterben droht.

USA: Recht auf Abtreibung vor dem Aus? | DW Nachrichten

Die Rate von Frauen, die aufgrund einer Fehlgeburt ins Krankenhaus eingeliefert wurden und dort eine lebensbedrohliche Sepsis entwickelten, ist in Bundesstaaten mit strikten Abtreibungsgesetzen wie Texas um 50 Prozent gestiegen. Zugleich tun diese Staaten kaum etwas, um die Auswirkungen auf die Müttersterblichkeit zu erforschen.

Trumps Einfluss und die Zukunft der Abtreibungsrechte

Vor diesem Hintergrund zeichnet sich ab, dass sich die Situation unter einer erneuten Präsidentschaft von Donald Trump weiter verschärfen könnte. Bereits in seinen ersten Wochen im Amt unternahm Trump Schritte, die als Vorgeschmack auf seine weitere Politik in Sachen Abtreibungsrecht gelten können:

  • Er begnadigte mehrere Pro-Life-Aktivisten, die für die Blockade von Abtreibungskliniken verurteilt worden waren.
  • Sein Justizministerium verkündete, dass in vergleichbaren Fällen nur noch in besonderen Situationen juristisch gegen Demonstrierende vorgegangen werden dürfe.
  • Trump hob zwei Dekrete auf, die sein Amtsvorgänger Joe Biden eingebracht hatte und die den Zugang zu reproduktiver Gesundheitsversorgung gewährleisten sollten.
  • Die generelle Kategorisierung von Schwangerschaftsabbrüchen als Gesundheitsversorgung wurde rückgängig gemacht.

Fachleute rechnen damit, dass die Trump-Regierung in der näheren Zukunft zusätzliche Schritte unternehmen wird, um den Zugang zu Abtreibungsmedikamenten weiter einzuschränken. Organisationen wie die rechtskonservative Heritage Foundation mit ihrem "Project 2025" legen Strategien vor, wie der Zugang zu Abtreibungen weiter eingeschränkt werden könnte. Dazu gehört die Überprüfung der Sicherheit des Abtreibungsmedikaments Mifepristone und die mögliche Wiederbelebung des Comstock Acts, eines Bundesgesetzes aus dem 19. Jahrhundert, das den Versand von Abtreibungspillen per Post kriminalisieren könnte.

Die restriktive Gesetzgebung beeinflusst nicht nur einzelne Frauen, sondern auch die medizinische Infrastruktur in den Bundesstaaten. Weniger junge Menschen wollen in Staaten mit eingeschränkten Abtreibungsgesetzen studieren, und noch weniger bewerben sich auf Stellen für ihre medizinische Ausbildung. Dies führt zu einem wachsenden Mangel an qualifiziertem Personal, was die Krise im Gesundheitssystem verschärft, insbesondere für Frauen in ländlichen Gebieten.

Trotz dieser Entwicklungen gibt es auch positive Signale. In mehreren Bundesstaaten, in denen im November 2024 Referenden stattfanden, stimmten Mehrheiten für Maßnahmen, die das Recht auf Abtreibung in den Landesverfassungen verankern und die Rechte von Schwangeren stärken. Die Zahl der Abtreibungspillen, die zur Durchführung von Abtreibungen verwendet werden, hat sich verdoppelt, was auf eine verbesserte Informationslage und Nachfrage hindeutet.

Grafik, die den Anstieg der Säuglingssterblichkeit in US-Bundesstaaten mit Abtreibungsverboten zeigt.

Rechtliche und soziale Herausforderungen

Die rechtliche Landschaft in den USA ist durch die Aufhebung von Roe vs. Wade komplex und unübersichtlich geworden. Während einige Bundesstaaten das Recht auf Abtreibung weiterhin schützen, haben andere strenge Verbote erlassen. Dies führt zu einer "zerklüfteten Landschaft", in der der Zugang zu reproduktiver Gesundheitsversorgung stark vom jeweiligen Bundesstaat abhängt.

Die Kriminalisierung von Frauen und medizinischem Personal, die Einschränkung des Zugangs zu Informationen und Dienstleistungen sowie die steigende Mütter- und Kindersterblichkeit sind gravierende Folgen dieser Politik. Die Debatte um das Recht auf Abtreibung bleibt eines der umstrittensten Themen in der US-amerikanischen Gesellschaft und wird voraussichtlich auch in Zukunft eine zentrale Rolle in politischen Auseinandersetzungen spielen.

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