Nikolai Nerling, geboren am 26. August 1980 in Vastorf, ist eine umstrittene Figur, die als deutscher Rechtsextremist, Antisemit und Holocaustleugner bekannt ist. Bis 2017 war er als Grundschullehrer in Berlin tätig. Unter der Selbstbezeichnung "Der Volkslehrer" verbreitete er seit 2017 über seinen Videoblog rechtsextreme Ideologien, darunter die der Reichsbürgerbewegung, und seit 2020 auch Verschwörungserzählungen der "Querdenker"-Bewegung.
Frühe Karriere und erste Beanstandungen
Ab 2009 unterrichtete Nerling als angestellter Grundschullehrer in Berlin, zunächst an der Brüder-Grimm-Grundschule in Berlin-Wedding, später an der Grundschule in Berlin-Moabit. Berichten zufolge vermittelte er seinen Schülern seine Verschwörungstheorien, wie die Erfindung der Krankheit Ebola durch die Pharmaindustrie oder die Behauptung, Außerirdische hätten die ägyptischen Pyramiden erbaut. Er sprach auch über die Illuminaten und verängstigte damit die Kinder. Das Schulamt ermahnte ihn daraufhin, sich an den Lehrplan zu halten und keine privaten Ansichten im Unterricht zu verbreiten.
Konflikte wegen seiner Online-Aktivitäten
Ab 2017 führten Gespräche zwischen der Schulleitung, Nerling und der Schulverwaltung über seine Netzaktivitäten. Da er nach Ansicht des kommissarischen Schulleiters das politische Neutralitätsgebot nicht dienstlich missachtete und keine neuen Beschwerden eingingen, durfte er weiterhin unterrichten, jedoch nur noch die Fächer Musik, Sport und Englisch. Nachdem die Zeitung Der Tagesspiegel am 6. November 2018 über seine Aktivitäten berichtete, eskalierten die Ereignisse. Nerlings Schüler und Kollegen hätten seine Videos angeschaut und kommentiert, wobei die Kollegen ihn nur kurzzeitig gemieden hätten.
Fristlose Kündigung und Gerichtsverfahren
Im Mai 2018 kündigte die Bildungsverwaltung des Landes Berlin Nerling fristlos wegen fehlender Eignung als Lehrer. Dagegen klagte er vor dem Arbeitsgericht Berlin und argumentierte, die Kündigung sei grundlos und politisch motiviert. Am 16. Januar 2019 wies das Gericht die Klage ab. Die außerordentliche Kündigung wurde als rechtens befunden, da Nerling öffentlich Rechtsstaat und Verfassung beschimpft und verächtlich gemacht habe. Sein YouTube-Kanal wurde als publizistisches Propagandamittel eingestuft, über das er Holocaustleugnung verbreite und Straftätern eine Plattform biete. Das Gericht folgte der Auffassung der Schulverwaltung, dass Nerlings Videos seinen Unterricht beeinflussten und auch angestellte Lehrer zur Staatsloyalität verpflichtet sind. Die schriftliche Urteilsbegründung im Mai 2019 führte aus, Nerling fehle die "persönliche Eignung" für den öffentlichen Dienst des Landes Berlin, da er "mit großem Engagement" darauf anlege, "die Bundesrepublik Deutschland, das Grundgesetz und die Organe der Gewaltenteilung … zu beschimpfen oder verächtlich zu machen". Dies belegte das Gericht mit Zitaten aus Nerlings Videos und einem Plakat vom 8. Oktober 2016 am Alexanderplatz. Seine dortige Verknüpfung der Begriffe "Geheimdienste", "Zionisten" und "Holocaust" wurde als "modernisierte Fassung des traditionellen Gleichklangs von ‚Unwahrheit, Verschwörung und Judentum‘" bewertet. Nerling legte im Juni 2019 Berufung gegen das Urteil ein, zog diesen Antrag jedoch im September 2019 zurück.
Entwicklung des verschwörungsideologischen Weltbilds und öffentliche Auftritte
Nach eigenen Angaben entwickelte Nerling ab 2013 ein verschwörungsideologisches Weltbild, nachdem Internetvideos ihn davon überzeugt hatten, dass der Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School nicht stattgefunden habe. Er behauptete auch, dass über den Anschlag auf den Boston-Marathon und die Terroranschläge am 11. September falsche Informationen verbreitet würden.

Seit 2016 trat Nerling öffentlich in Erscheinung. Auf einer "Friedensdemo" in Berlin im Oktober 2016 forderte er mit einem Plakat die Streichung von Paragraf 130 des Strafgesetzbuchs zur Volksverhetzung und Holocaustleugnung. Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag im Juli 2017 störte er eine Schweigeminute für ertrunkene Geflüchtete mit dem Zwischenruf "Ich schweige nicht". Im Sommer 2017 rief er bei einer Lesung von Angela Merkel: "Diese Frau ist keine Kanzlerin des deutschen Volkes, sie ist eine Dienerin der Finanzeliten!", ein Ausdruck, mit dem Antisemiten eine angebliche "jüdische Weltverschwörung" andeuten. Im September 2017 fragte er Innenminister Thomas de Maizière provozierend, ob dieser glaube, dass der Terroranschlag vom 11. September von Osama bin Laden ausgelöst wurde. Während der Sondierungsgespräche über eine Jamaika-Koalition im Herbst 2017 fragte er Horst Seehofer (CSU) mit Verweis auf einen benachbarten Obelisken: "Warum tagen Sie in einem Haus, wo ein Freimaurersymbol auf der Ecke ist?".
Im Dezember 2017 verschafften sich Nerling und sein Kameramann unter falschem Namen Zutritt zu einer Podiumsdiskussion von Lea Rosh, der Initiatorin des Berliner Holocaustmahnmals. Nerling verlangte lautstark eine "Orientierung auf die Nation" und das Schließen der Grenzen. Als er sich weigerte, die Veranstaltung zu verlassen, wurde er von anderen Teilnehmern hinausgedrängt, wobei ein Mann zu Boden stürzte. Lea Rosh musste die Veranstaltung abbrechen.
In den Jahren 2018 und 2019 besuchte Nerling die Leipziger Buchmesse, wo er Besucher und Standmitarbeiter befragte und filmte und Veranstaltungen störte. Er stellte dort die NPD-Parteizeitung Deutsche Stimme und das rechtsextreme Magazin Compact vor und versuchte nachzuweisen, dass die Deutschen vom Aussterben bedroht seien. Nach vermehrten Beschwerden von Betroffenen, die er ohne Einverständnis gefilmt hatte, wurde ihm am 23. April 2019 von der Messeleitung ein Hausverbot erteilt.
Der YouTube-Kanal "Der Volkslehrer" und seine Inhalte
Seit September 2017 veröffentlichte Nerling auf seinem YouTube-Kanal "Der Volkslehrer" Videos mit rechtsextremen, antisemitischen, geschichtsrevisionistischen und verschwörungsideologischen Inhalten. Er verbreitete das Narrativ einer angeblichen verborgenen "jüdischen Clique", die das Weltgeschehen zu ihrem Vorteil lenke.

Im Dezember 2017 sprach Nerling mit dem damaligen stellvertretenden Bürgermeister von Lüneburg, Gerhard Scharf (CDU), über Gedenken an Verbrechen der Wehrmacht. Scharfs Aussagen wurden von Wissenschaftlern als Verharmlosung der Verbrechen der Wehrmacht beurteilt.
Ab Februar 2018 interviewte Nerling Neonazis und Holocaustleugner. Im März 2018 veröffentlichte er ein Interview mit Ursula Haverbeck, in dem sie den Holocaust leugnete. Er warb für Neonazi-Aufmärsche und berichtete darüber. In einem Video gab Nerling an, den inhaftierten Holocaustleugner Horst Mahler interviewt zu haben. Bei einem Besuch im ehemaligen KZ Dachau rief er seine Zuschauer dazu auf, zu Gedenkstätten zu gehen, dort zu sagen, dass sie sich nicht schuldig fühlen, und ihm davon ein Video zuzusenden.
Weitere Interviewpartner Nerlings waren der AfD-Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla, die "Reichsbürgerin" Heike Werding, Axel Schlimper, Frank Kraemer, Udo Voigt, der Rechtsterrorist Karl-Heinz Hoffmann und Marianne Wilfert. Anfang März 2020 interviewte Nerling im Landgericht Dresden den Holocaustleugner Bernhard Schaub und dessen Anwalt Martin Kohlmann. Nerling veröffentlichte das Gespräch mit dem Kommentar, Schaub sei für Sätze verurteilt worden, "die im Gegenentwurf zum NS-Staat (BRD) nicht gesagt werden dürfen". Daraufhin erstattete der Landgerichtspräsident Strafanzeige gegen ihn.
Nerlings Internetauftritte sind Teil eines Netzes rechtsextremer Propagandakanäle. Er hetzte in seinen Videos auch gegen Migranten und Geflüchtete und warnte vor "Überfremdung" und dem "Aussterben des deutschen Volkes". In einem Video vom 20. Februar 2021 beleidigte und verhöhnte er die Opfer des Anschlags in Hanau 2020. Er diffamierte sie als Kriminelle, bestritt die rassistischen Motive des Täters und propagierte einen bevorstehenden "Rassenkrieg". Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky erstattete daraufhin Strafanzeige.
Top 15 Verschwörungstheorien im Internet (dbate)
Ab dem 24. Februar 2022 stellte Nerling Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine in seinem Telegramkanal als angeblich "jüdisch inszeniert" dar und verwies auf die jüdische Abstammung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
Reichweite und Unterstützung
Bis Ende 2018 hatte Nerlings Kanal mehr als 60.000 Abonnenten; einzelne Videos erreichten über 100.000 Aufrufe. Bis 2020 erreichten seine Videos insgesamt mehrere Millionen Aufrufe. Der Fanclub "Die Volksschule" hat etwa 500 Mitglieder, darunter bekannte Neonazis, NPD-Funktionäre, "Reichsbürger", rechte Gelbwesten-Anhänger, Verschwörungsideologen und AfD-Politiker. Die Gruppe teilt antisemitische, rassistische und geschichtsrevisionistische Thesen.
Sperrung und Fortführung der Aktivitäten
Im April 2019 sperrte YouTube den Kanal wegen Verstößen gegen das Verbot von Hassreden. Nerling legte jedoch einen neuen Kanal an und richtete einen Kanal auf einer Messenger-App ein.
Weitere Auftritte und Aktivitäten
Am 17. Februar 2018 trat Nerling in Dresden bei einer Kundgebung des Holocaustleugners Gerhard Ittner auf und übersetzte die Rede der französischen Holocaustleugnerin Michèle Renouf. Anfang April 2018 nahm Nerling an einer geschlossenen Tagung des antisemitischen Bundes für Deutsche Gotterkenntnis teil. Am 20. April 2018 besuchte er das rechtsextreme Netzwerktreffen "Schild und Schwert". Zum 90. Geburtstag von Ursula Haverbeck trat Nerling am 10. November 2018 in Bielefeld als Redner auf und forderte deren Freilassung. Am 15. Februar 2019 filmte Nerling einen rechtsextremen "Gedenkmarsch" für die Luftangriffe auf Dresden. Im selben Monat nahm Nerling in Budapest am Gedenken an die Schlacht um Budapest teil.
Im Frühjahr 2019 besuchte Nerling die Freie Schule Elsengrund in Berlin-Mahlsdorf, an der der Holocaustleugner Bernhard Schaub als Lehrer gearbeitet hatte und das Tagebuch der Anne Frank als Fälschung bezeichnet worden sein soll. Zum 23. März 2019 rief Nerling über seinen YouTube-Kanal zu einer Kundgebung "Für Deutsche Kultur in Deutschland" auf dem Dresdner Theaterplatz auf.
Auftritt im ZDF und Kritik
Am Montagabend ließ das ZDF in seiner Wahl-Sondersendung "ZDF-Spezial" Nikolai Nerling zu Wort kommen. Der web.de-News-Redakteur Marco Fieber kritisierte dies scharf. Das ZDF verteidigte sich damit, dass die Redaktion den Mann nicht als Neonazi erkennen konnte. Kritiker bemängelten ein Bildungsdefizit im Hinblick auf rechtsradikale Medien und ihre Macher. Nerling und seine Follower feierten den Auftritt im ZDF. Ein weiterer Teilnehmer der Straßenumfrage trug ebenfalls ein "Mjölnir"-Symbol, das auch bei Rechtsextremen beliebt ist. Kritiker bemängelten, dass solchen Personen eine kostenlose Plattform geboten werde.
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