Viele Frauen kennen das: Kurz vor der Periode tritt ein starkes Hungergefühl auf, oft begleitet von Heißhungerattacken auf Süßes und Fettiges. Dieses Phänomen, auch als PMS-Hunger bekannt, ist ein normaler Bestandteil des weiblichen Zyklus und hat verschiedene Ursachen, die mit hormonellen Schwankungen, der Stimmung und dem Stoffwechsel zusammenhängen.
Wenn der Körper kurz vor der Periode steht, verändern sich die Hormonspiegel. Das Progesteron-Level steigt an, während das Östrogen-Level sinkt. Östrogen hat eine appetitzügelnde Wirkung, während Progesteron eher appetitanregend wirkt. Dieser hormonelle Umschwung kann erklären, warum viele Frauen in dieser Zeit mehr Hunger verspüren.
Zusätzlich zu den hormonellen Einflüssen spielen auch emotionale Faktoren eine Rolle. Vor und während der Periode können gesteigerte Gefühle auftreten, die Teil des Prämenstruellen Syndroms (PMS) sind. Trostsuche in Form von süßen oder kohlenhydratreichen Speisen ist in solchen Momenten eine häufige Reaktion.
Ein weiterer Grund für den gesteigerten Hunger ist die Veränderung des Stoffwechsels. Kurz vor der Periode beschleunigt sich der Stoffwechsel, was bedeutet, dass der Körper in der Woche vor der Periode bis zu 350 Kalorien mehr benötigen kann. Diese erhöhte Stoffwechselaktivität in der lutealen und menstruellen Phase äußert sich in stärkerem Hunger.

Die Rolle der Hormone im Detail
Der weibliche Zyklus lässt sich in vier Hauptphasen unterteilen: Menstruation, Follikelphase, Ovulationsphase und Lutealphase. Jede Phase ist durch spezifische hormonelle Veränderungen gekennzeichnet, die sich auf den Appetit auswirken.
Menstruationsphase (ca. Tag 1-5)
Während der Menstruationsphase sind die Hormonspiegel generell niedrig. Dies kann dazu führen, dass Frauen häufiger Heißhunger auf Kohlenhydrate verspüren, da der Körper schnell Energie benötigt.
Follikelphase (ca. Tag 6-14)
In der Follikelphase steigt der Östrogenspiegel allmählich an. Dieser Anstieg macht den Körper empfindlicher gegenüber Insulin, was dazu führt, dass der Appetit tendenziell abnimmt. Heißhungerattacken sind in dieser Phase eher selten.
Ovulationsphase (ca. Tag 14)
Die Ovulationsphase, die nur wenige Tage dauert, ist durch einen weiteren Anstieg des Östrogenspiegels gekennzeichnet. Auch hier ist der Appetit meist gedämpft.
Lutealphase (ca. Tag 15 bis zur nächsten Periode)
Die Lutealphase ist die Phase, in der die meisten Frauen Heißhungerattacken erleben. Hier steigt der Progesteronspiegel an, während der Östrogenspiegel sinkt. Wie bereits erwähnt, wirkt Progesteron appetitanregend. Zusätzlich arbeitet der Körper in dieser Phase härter, um sich auf eine mögliche Schwangerschaft vorzubereiten oder die Gebärmutterschleimhaut abzustoßen.
Der Stoffwechsel fährt hoch, was bedeutet, dass bis zu 300 Kalorien mehr am Tag verbrannt werden. Um diesen erhöhten Kalorienbedarf zu decken und Heißhungerattacken vorzubeugen, wird empfohlen, den Anteil an komplexen Kohlenhydraten zu erhöhen.
Die hormonellen Schwankungen in der Lutealphase, insbesondere der Abfall des Serotoninspiegels (des sogenannten "Glückshormons"), können zu schlechter Laune und Stimmungsschwankungen führen. Süße und fettige Lebensmittel werden dann oft als "Comfort Food" genutzt, um diese Stimmungsschwankungen auszugleichen.
Ernährungstipps zur Linderung von Zyklusbeschwerden
Die Ernährung kann eine entscheidende Rolle dabei spielen, wie Frauen sich während des Menstruationszyklus fühlen. Eine an den Nährstoffbedarf angepasste Ernährung kann helfen, Blutzuckerschwankungen auszugleichen und hormonell bedingte Veränderungen zu unterstützen.
Eisenreiche Lebensmittel in der Menstruationsphase
Während der Menstruation verliert der Körper Blut, was den Eisenbedarf erhöht. Setzen Sie in dieser Phase auf eisenreiche Lebensmittel wie rotes Fleisch, Linsen und Spinat. Die Kombination mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln wie Orangen verbessert die Eisenaufnahme.
Proteinreiche Ernährung in der Follikelphase
In der Follikelphase steigt der Östrogenspiegel, was Energie und Insulinsensitivität erhöht. Eine proteinreiche Ernährung mit Eiern, Fisch und Hülsenfrüchten unterstützt den Muskelaufbau und die Regeneration.
Omega-3-Fettsäuren und Mineralstoffe während des Eisprungs
Um den Eisprung herum ist der Östrogen- und LH-Spiegel am höchsten. Kalzium- und magnesiumreiche Lebensmittel wie Nüsse, Samen und grünes Blattgemüse helfen, Krämpfen vorzubeugen und die Muskelentspannung zu fördern. Omega-3-Fettsäuren aus fettem Fisch, Nüssen und Samen können Entzündungen reduzieren und die Fruchtbarkeit unterstützen.
Magnesiumreiche Lebensmittel in der Lutealphase
In der Lutealphase sind magnesiumreiche Lebensmittel wie dunkles Blattgemüse, Nüsse, Samen und Vollkornprodukte empfehlenswert, um Krämpfe und Spannungen zu reduzieren.

Weitere wichtige Ernährungshinweise
- Komplexe Kohlenhydrate: Achten Sie auf komplexe Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten und Haferflocken, um Heißhungerattacken vorzubeugen und den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
- Zucker- und Koffeinkonsum reduzieren: Übermäßiger Konsum kann Blutzuckerschwankungen verschlimmern und Stimmungsschwankungen verstärken.
- Omega-3-Fettsäuren: Diese unterstützen die Hormonregulation und wirken entzündungshemmend.
- Vitamine und Mineralien: Vitamin B6, Vitamin D und Zink spielen eine wichtige Rolle bei der Hormonregulation und können PMS-Symptome lindern.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Vermeiden Sie lange Essenspausen, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
- Gesunde Alternativen: Greifen Sie bei Heißhunger zu gesunden Alternativen wie Nüssen, Samen, Vollkornprodukten oder Obst.
Es ist wichtig, auf den Körper zu hören und ihm gelegentlich auch mal den ein oder anderen Snack achtsam und bewusst zu gönnen. Sport und Entspannung können ebenfalls dazu beitragen, sich ausgeglichener zu fühlen und den Drang nach Kohlenhydraten oder süßen Speisen zu reduzieren.