Magen-Darm-Beschwerden bei Kleinkindern

Eine Gastroenteritis, umgangssprachlich oft fälschlicherweise als Magen-Darm-Grippe bezeichnet, ist eine Entzündung des Verdauungstrakts. Sie äußert sich typischerweise durch Erbrechen, Durchfall oder beides und kann von Fieber und Bauchkrämpfen begleitet sein. Weltweit ist sie die häufigste Magen-Darm-Erkrankung bei Kindern und tritt jährlich in Milliarden von Fällen auf, insbesondere bei Kindern unter 5 Jahren in Regionen mit eingeschränkter medizinischer Versorgung.

Eine schwere Gastroenteritis kann zu Dehydrierung (Austrocknung) und einem Ungleichgewicht von Elektrolyten im Blut führen, da durch Erbrechen und Durchfall erhebliche Flüssigkeitsmengen verloren gehen. Während die Folgen in Ländern mit guter Ernährung und medizinischer Versorgung weniger dramatisch sind, bleibt die akute Gastroenteritis auch in entwickelten Ländern ein häufiges Problem und eine häufige Ursache für Notaufnahmen und Krankenhausaufenthalte bei Kindern in den USA.

Infografik: Übersicht über die Ursachen und Symptome von Gastroenteritis bei Kleinkindern

Ursachen der Gastroenteritis bei Kindern

Gastroenteritis wird gewöhnlich durch eine Infektion ausgelöst, wobei Viren die häufigste Ursache darstellen. Seltener sind Bakterien und Parasiten verantwortlich. In Ausnahmefällen können auch chemische Giftstoffe, Medikamente oder allergische Reaktionen eine Rolle spielen.

Virale Ursachen

Viren sind die häufigste Ursache für Gastroenteritis bei Kindern. Vier Virusgattungen sind hierbei am relevantesten:

  • Norovirus: Seit der Einführung der Rotavirus-Impfung ist das Norovirus die häufigste Ursache für Gastroenteritis bei allen Altersgruppen, auch bei Kindern. Es befällt häufig Kinder im Alter von 6 bis 18 Monaten und tritt das ganze Jahr über auf, mit einer Häufung von November bis April. Die Übertragung erfolgt meist durch den Verzehr kontaminierter Nahrung oder Wasser, und das Virus ist hoch ansteckend, was zu Epidemien in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kreuzfahrtschiffen und Pflegeheimen führt.
  • Rotavirus: Dieses Virus war weltweit eine häufige Ursache für schweren, dehydrierenden Durchfall bei Säuglingen und Kleinkindern. Seit der Einführung der Rotavirus-Impfung ist die Häufigkeit gesunken. Infektionen treten typischerweise bei Säuglingen und Kleinkindern im Alter von 3 bis 15 Monaten auf und sind hoch ansteckend, meist durch fäkal-orale Übertragung. In gemäßigten Klimazonen traten die meisten Infektionen im Winter und Frühling auf, heute ist das Muster weniger vorhersehbar.
  • Humane Astroviren: Diese Viren können Menschen jeden Alters infizieren, betreffen aber hauptsächlich Säuglinge und Kleinkinder. In gemäßigten Klimazonen treten Infektionen am häufigsten in den Wintermonaten auf, in tropischen Regionen eher im Sommer. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral.
  • Humane Adenoviren: Diese Viren betreffen am häufigsten Kinder unter 2 Jahren und treten das ganze Jahr über auf, mit einer leichten Zunahme im Sommer. Die Übertragung erfolgt sowohl fäkal-oral als auch durch ausgeatmete Tröpfchen.

Kinder stecken sich mit viralen Gastroenteritis-Erregern meist bei anderen Kindern an, beispielsweise in Kindertagesstätten oder Schulen. Die virale Gastroenteritis ist sehr ansteckend und verbreitet sich leicht von Kind zu Kind, primär über die fäkal-orale Übertragung. Dies bedeutet, dass Viren im Stuhl einer infizierten Person in den Mund einer anderen Person gelangen. Dies geschieht oft unbemerkt, wenn Kinder oder ihre Betreuer nach dem Kontakt mit infiziertem Stuhl (z.B. beim Windelwechseln) ihre Hände nicht gründlich waschen und anschließend Gegenstände berühren, die dann von anderen Kindern in den Mund genommen werden. Auch Niesen, Husten und Spucken können zur Verbreitung beitragen.

Schema: Fäkal-orale Übertragung von Viren bei Kindern

Bakterielle Ursachen

Zu den häufigsten Bakterien, die eine Gastroenteritis verursachen, zählen:

  • Campylobacter
  • Clostridioides difficile (C. diff)
  • Escherichia coli (E. coli)
  • Salmonellen
  • Shigellen
  • Staphylokokken (verursachen Lebensmittelvergiftung durch Staphylokokken)

Seltener sind Infektionen mit Yersinia, Listeria und Vibrio.

Kinder können sich mit bakterieller Gastroenteritis auf verschiedene Weisen anstecken:

  • Durch Berühren oder Essen von verunreinigten Lebensmitteln, insbesondere rohem oder nicht durchgebratenem Fleisch, Geflügel oder Eiern.
  • Durch Verzehr kontaminierter Meeresfrüchte.
  • Durch Trinken von nicht pasteurisierter Milch oder Saft.
  • Durch Kontakt mit Tieren, die bestimmte Bakterien übertragen (z.B. Reptilien, Vögel, Amphibien, Hunde und Katzen mit Durchfall).
  • Durch Verschlucken von kontaminiertem Wasser, z.B. aus Quellen, Bächen, Wasserparks und Schwimmbecken.

Bakterien können sich in Lebensmitteln, die nicht kühl gelagert werden, vermehren. Staphylokokken-Bakterien können Giftstoffe absondern, die zu plötzlichem Erbrechen und Durchfall führen. Eine Gastroenteritis, die durch Mikroorganismen oder bakterielle Toxine in Lebensmitteln übertragen wird, wird auch als Lebensmittelvergiftung bezeichnet.

Eine Infektion mit Clostridioides difficile kann bei Kindern auftreten, die kürzlich Antibiotika eingenommen haben, da diese auch nützliche Darmbakterien abtöten können, die normalerweise krankheitsverursachende Bakterien in Schach halten. Diese Infektion kann im Krankenhaus oder im häuslichen Umfeld erworben werden und ist eine häufige bakterielle Ursache für Durchfallerkrankungen in den USA.

Parasitäre Ursachen

Gastroenteritis durch Parasiten, wie Giardia intestinalis und Cryptosporidium parvum, wird meist durch das Trinken von verunreinigtem Wasser oder durch fäkal-orale Übertragung verursacht. Der Parasit Entamoeba histolytica ist eine häufige Ursache für blutigen Durchfall in Regionen mit schlechten sanitären Einrichtungen.

Chemische Giftstoffe und Medikamente

Die Aufnahme von chemischen Giftstoffen, beispielsweise aus bestimmten Pflanzen oder Meerestieren, kann ebenfalls eine Gastroenteritis auslösen. Auch die Kontamination von Wasser oder Nahrungsmitteln mit Chemikalien wie Arsen, Blei oder Quecksilber kann zu einer durch chemische Toxizität bedingten Gastroenteritis führen.

Darüber hinaus kann Durchfall eine Nebenwirkung vieler Medikamente sein. Bei Auftreten von Durchfall sollte stets geprüft werden, ob ein Medikament als Ursache in Frage kommt.

Symptome einer Gastroenteritis bei Kindern

Die Symptome einer Gastroenteritis sind typischerweise eine Kombination aus:

  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Bauchkrämpfen
  • Fieber
  • Appetitlosigkeit

Durch Viren verursachte Gastroenteritis

Viren verursachen meist wässrigen Durchfall, der selten Schleim oder Blut enthält. Das Rotavirus kann bei Säuglingen und Kleinkindern 5 bis 7 Tage anhalten, oft begleitet von Erbrechen und Fieber. Der Durchfall ist wässrig, aber ohne Blut. Bei Kindern kann dieser Durchfall zu schwerer Dehydrierung führen.

Das Norovirus führt bei Kindern eher zu Erbrechen als zu Durchfall, der 1 bis 3 Tage anhält. Bauchkrämpfe, Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen können auftreten.

Das Adenovirus verursacht leichtes Erbrechen, das 1 bis 2 Tage nach Beginn des Durchfalls einsetzt. Der Durchfall kann 1 bis 2 Wochen andauern. Die Symptome von Astrovirus ähneln denen einer milden Rotavirus-Infektion.

Durch Bakterien verursachte Gastroenteritis

Eine bakterielle Gastroenteritis führt sehr wahrscheinlich zu Fieber und blutigem Durchfall und kann Bauchkrämpfe auslösen. Bestimmte Bakterienstämme, wie einige E. coli- und Shigella-Arten, können Giftstoffe produzieren, die das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) auslösen können. HUS ist eine ernste Komplikation, die zu Nierenversagen führen kann und eine häufige Ursache für chronische Nierenerkrankungen bei Kindern ist.

Durch Parasiten verursachte Gastroenteritis

Parasiten verursachen typischerweise einen lang anhaltenden Durchfall, der auch intermittierend auftreten kann. Der Durchfall ist in der Regel nicht blutig. Kinder können bei chronischen parasitären Infektionen sehr müde sein und an Gewicht verlieren.

Vergleichstabelle: Symptome viraler vs. bakterieller Gastroenteritis bei Kindern

Komplikationen der Gastroenteritis

Die häufigste Komplikation einer schweren Gastroenteritis ist die Dehydrierung. Kinder mit leichtem Flüssigkeitsmangel zeigen starken Durst, während Kinder mit starkem Flüssigkeitsmangel apathisch, reizbar oder lethargisch wirken können. Säuglinge sind für Flüssigkeitsmangel und dessen ernste Folgen besonders anfällig und benötigen sofortige ärztliche Hilfe.

Warnzeichen für Dehydrierung bei Säuglingen, die sofortige ärztliche Versorgung erfordern, sind:

  • Eingesunkene Fontanellen (die weichen Stellen zwischen den Schädelknochen).
  • Eingesunkene Augen.
  • Keine Tränen beim Weinen.
  • Trockener Mund.
  • Geringe Urinausscheidung.
  • Teilnahmslosigkeit und Energiemangel.

Bei älteren Kindern sind eine verminderte Urinausscheidung und übermäßiger Durst leichter festzustellen.

Diagnose einer Gastroenteritis bei Kindern

Die Diagnose einer Gastroenteritis stützt sich auf die Symptome des Kindes, die Krankengeschichte (inklusive möglicher Infektionsquellen) und eine körperliche Untersuchung. Spezielle Tests sind meist nicht erforderlich, da die meisten Formen von Gastroenteritis von selbst abklingen.

Wenn die Symptome schwerwiegend sind oder länger als 48 Stunden anhalten, können Stuhltests auf weiße Blutkörperchen, Bakterien, Viren oder Parasiten durchgeführt werden. Bluttests können ebenfalls zur Suche nach Infektionszeichen oder Komplikationen wie Elektrolytveränderungen eingesetzt werden.

Behandlung einer Gastroenteritis bei Kindern

Die wichtigste Behandlung bei Gastroenteritis besteht in der Flüssigkeitszufuhr und der Verabreichung von Rehydratationslösungen, um den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auszugleichen. Bei Säuglingen unter sechs Monaten sollte, falls möglich, weiterhin Muttermilch oder Säuglingsnahrung verabreicht werden. Bei älteren Kindern können Wasser und ungesüßter Tee angeboten werden. Fertige Elektrolytlösungen aus der Apotheke sind oft die ideale Wahl, um den Elektrolythaushalt schnell wieder aufzufüllen. Diese sollten in kleinen Portionen, am besten löffelweise, angeboten werden, um den Magen nicht zu überfordern.

Medikamente gegen Durchfall oder Antibiotika werden nur in bestimmten Fällen und unter ärztlicher Anleitung verabreicht. Antibiotika sind nur bei bakteriellen Infektionen wirksam und können bei viralen Infektionen sogar schädlich sein. Bei starken Symptomen, Fieber oder Anzeichen von Dehydrierung ist ein Arztbesuch unerlässlich.

Als Schonkost eignen sich leicht verdauliche Kohlenhydrate wie Zwieback, Reis oder Nudeln, oft mit Gemüsebrühe. Auch geriebener Apfel und Bananen können zur Genesung beitragen. Fettreiche Speisen und stark zuckerhaltige Getränke sollten vermieden werden.

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Vorbeugung von Magen-Darm-Infektionen

Die beste Vorbeugung gegen Gastroenteritis ist die Einhaltung von guten Hygienemaßnahmen:

  • Gründliches Händewaschen: Regelmäßiges und sorgfältiges Händewaschen, insbesondere nach dem Toilettengang, dem Windelwechseln und vor dem Essen, ist entscheidend.
  • Lebensmittelsicherheit: Sichere Zubereitung von Lebensmitteln, insbesondere gründliches Durchgaren von Fleisch und Eiern, sowie korrekte Lagerung von Speisen.
  • Sauberes Wasser: Vermeidung des Konsums von nicht pasteurisierter Milch oder Saft und von Wasser aus unsicheren Quellen.
  • Kontaktvermeidung: Vermeidung von engem Kontakt mit erkrankten Personen.

Die Impfung gegen Rotaviren ist eine wirksame Maßnahme zur Prävention schwerer Verläufe.

Wann zum Arzt?

Ein Arztbesuch ist besonders wichtig, wenn:

  • Ein Säugling unter 12 Wochen Fieber entwickelt.
  • Anzeichen von schwerer Dehydrierung auftreten (siehe oben).
  • Das Kind nichts oder nur wenig trinkt und sich fortwährend erbricht.
  • Die Symptome schwerwiegend sind oder länger als 48 Stunden anhalten.
  • Blutiger Durchfall auftritt.
  • Starke Bauchschmerzen bestehen, insbesondere wenn diese mit anderen besorgniserregenden Symptomen einhergehen.
  • Die Eltern ein ungutes Gefühl haben und sich Sorgen um den Zustand ihres Kindes machen.

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