Yoga-Übungen für den unteren Rücken während der Schwangerschaft

Rückenschmerzen sind eine häufige Begleiterscheinung in der Schwangerschaft. Studien zeigen, dass bis zu 80 Prozent der werdenden Mütter im Laufe ihrer Schwangerschaft unter Rückenschmerzen leiden, insbesondere im fünften bis siebten Monat. Dies liegt an hormonellen Veränderungen, die Bänder, Sehnen und Gelenke weicher machen, um Platz für das wachsende Baby zu schaffen. Diese Lockerung kann zu Instabilität führen und bestehende Fehlhaltungen verstärken.

Schema, das die Anatomie der Wirbelsäule und des Beckens während der Schwangerschaft zeigt, mit Hervorhebung der Lendenwirbelsäule und der hormonellen Einflüsse.

Ursachen von Rückenschmerzen in der Schwangerschaft

1. Stärkere Krümmung der Lendenwirbelsäule

Mit fortschreitender Schwangerschaft verändert sich die Körperhaltung, um das Gewicht des wachsenden Bauches auszugleichen. Dies führt oft zu einer stärkeren Krümmung der Lendenwirbelsäule, was den Druck auf diese Region erhöht und zu Verspannungen sowie Schmerzen führen kann. Wenn die Gebärmutter auf Nerven im Beckenboden drückt, können sogar Ischias-Schmerzen entstehen.

2. Weichmachende Schwangerschaftshormone

Das Hormon Relaxin spielt eine entscheidende Rolle bei der Vorbereitung des Körpers auf die Geburt, indem es Muskeln, Sehnen und Bänder weicher macht. Während dies für die Geburt von Vorteil ist, kann es auch zu Instabilität im Becken führen, beispielsweise durch Iliosakralgelenk (ISG)-Blockaden oder schmerzhafte Symphysenlockerungen.

3. Bewegungsmangel

Ein Mangel an Bewegung und fehlendes gezieltes Training für die Rückenmuskulatur können Rückenschmerzen in der Schwangerschaft verschlimmern. Regelmäßige, moderate Bewegung wie Yoga oder Gymnastik ist daher essenziell.

Was hilft bei schwangerschaftsbedingten Rückenschmerzen?

Bewegung ist der Schlüssel zur Linderung von Rückenschmerzen während der Schwangerschaft. Kurse für Schwangere, die Yoga oder Gymnastik beinhalten, sind besonders empfehlenswert. Auch sanfte Massagen oder Akupunktur, durchgeführt von erfahrenen Fachkräften, können Erleichterung bringen.

Wichtiger Hinweis: Bei anhaltenden, stechenden Schmerzen oder zusätzlichen Symptomen wie Lähmungserscheinungen sollten Sie unbedingt ärztlichen Rat einholen, da diese auf ernstere Probleme hindeuten könnten.

Yoga-Übungen zur Linderung und Vorbeugung von Rückenschmerzen

Yoga bietet eine hervorragende Möglichkeit, Rückenschmerzen in der Schwangerschaft vorzubeugen und zu lindern. Die Kombination aus Kräftigung von Rücken und Beckenboden sowie Mobilisation der Wirbelsäule ist hierbei besonders effektiv. Yoga-Erfahrung ist dabei nicht zwingend erforderlich.

1. Beckenkreisen im Vierfüßlerstand

Anleitung: Gehen Sie in den Vierfüßlerstand, mit Händen unter den Schultern und knie­hüftbreit aufgestellt. Legen Sie bei Knie­problemen ein Kissen unter. Kreisen Sie Ihr Becken für 2-3 Minuten. Dies entspannt und entlastet den Rücken und den Beckenboden.

Wirkung: Entlastung und Mobilisation des unteren Rückens und des Beckens.

Illustration einer Schwangeren, die Beckenkreisen im Vierfüßlerstand ausführt.

2. Katze-Kuh-Pose

Anleitung: Aus dem Vierfüßlerstand werden beim Einatmen die Schultern sanft nach hinten geführt und der Brustkorb geöffnet (Kuh). Beim Ausatmen wird ein Katzenbuckel gemacht, der Rücken wird gerundet.

Wirkung: Mobilisiert die Wirbelsäule, lockert die Schulter- und Nackenmuskulatur und entlastet den unteren Rücken.

3. Wand-Hund (modifizierter Herabschauender Hund)

Anleitung: Stellen Sie sich mit hüftbreiten Beinen von einer Wand entfernt auf, sodass Sie diese mit ausgestreckten Armen erreichen können, wenn Sie sich nach vorne lehnen. Legen Sie die Hände an die Wand, sodass der Oberkörper parallel zum Boden ausgerichtet ist. Halten Sie den Kopf nicht nach oben gestreckt. Halten Sie die Position 30-60 Sekunden und atmen Sie ruhig. Vermeiden Sie ein Hohlkreuz.

Wirkung: Dehnt und streckt die gesamte Rückenmuskulatur.

Grafik, die die Ausführung der Wand-Hund-Pose zeigt.

4. Beckenkippung im Stand

Anleitung: Kommen Sie in einen stabilen Stand, die Fußsohlen gut auf der Matte verankert. Bewegen Sie das Becken abwechselnd nach vorne und hinten, um bewusst aus dem Hohlkreuz zu kommen.

Wirkung: Mobilisiert das Becken und hilft, eine neutrale Wirbelsäulenposition zu finden.

5. Seitliche Dehnung im Liegen

Anleitung: Setzen Sie sich auf die Matte und kommen Sie vorsichtig über die Seite in Rückenlage. Stellen Sie die Beine hüftbreit auf und lassen Sie beide Knie auf eine Seite sinken. Die Arme liegen auf Schulterhöhe. Der Kopf kann mittig bleiben oder in die entgegengesetzte Richtung der Beine gedreht werden. Legen Sie bei Bedarf ein Kissen unter die Knie. Arbeiten Sie ohne Druck. Halten Sie die Position 5-10 Atemzüge, dann wechseln Sie die Seite.

Wirkung: Löst Verspannungen im unteren Rücken durch seitliche Dehnung.

Illustration einer Schwangeren in seitlicher Knie-Drehung auf dem Rücken liegend.

6. Tiefe Hocke (Malasana)

Anleitung: Stellen Sie die Füße leicht gegrätscht auf, die Zehen zeigen etwas nach außen. Senken Sie langsam das Gesäß Richtung Boden, während Sie den Rücken gerade lassen. Setzen Sie sich ab, falten Sie die Hände vor der Brust und legen Sie die Ellenbogen an die Knie. Richten Sie die Brust auf. Wenn möglich, die Fersen am Boden abstellen, sonst eine gerollte Decke unterlegen. Bei Balanceproblemen an eine Wand lehnen. Halten Sie die Position fünf Atemzüge. Nach der 32. Schwangerschaftswoche nur ausführen, wenn das Kind mit dem Kopf nach unten liegt. Bei schon geöffnetem Muttermund vor der 38. Woche und vorzeitigen Wehen verzichten.

Wirkung: Dehnt und mobilisiert den unteren Rücken und den Beckenboden, verbessert die Durchblutung im Becken und regt die Verdauung an.

7. Stellung des Kindes (Balasana)

Anleitung: Starten Sie im Vierfüßlerstand und öffnen Sie die Knie mattenweit, sodass der Babybauch Platz hat. Senken Sie den Oberkörper sanft Richtung Boden, die großen Zehen dürfen sich berühren. Bringen Sie das Becken zu den Fersen. Wandern Sie mit den Fingerspitzen nach vorne, legen Sie die Arme nach vorne ab, bis eine angenehme Streckung im Rücken spürbar ist. Der Oberkörper liegt abgelegt. Das Gewicht des Kindes hängt nach unten.

Wirkung: Entlastet den Rücken und dehnt sanft die Wirbelsäule.

Zeichnung der Stellung des Kindes (Balasana) für Schwangere, mit Fokus auf genügend Platz für den Bauch.

8. Der Tiger (Vyaghrasana)

Anleitung: Im Vierfüßlerstand das Bein und den diagonalen Arm auf Höhe der Wirbelsäule ausstrecken. Wenn Kraft oder Balance fehlen, nur das Bein nach hinten ausstrecken. Achten Sie darauf, dass die Hände unter den Schultern sind und die Finger weit aufgefächert. Die Knie sind unter der Hüfte. Der Blick ist nach unten gerichtet, um die Halswirbelsäule lang zu lassen.

Wirkung: Kräftigt den Rücken, Beckenboden und die tiefen Bauchmuskeln, stärkt das Gleichgewicht.

9. Seitneigung (Parighasana-Variante)

Anleitung: Im Kniestand das rechte Bein zur Seite ausstrecken, der rechte Fuß ist geerdet. Den linken Arm heben und die Wirbelsäule lang ziehen. Ohne die Länge zu verlieren, zur rechten Seite neigen. Für 5 tiefe Atemzüge pro Seite halten. Darauf achten, dass das linke Knie, das gestreckte Bein und der Oberkörper in einer Linie sind.

Wirkung: Öffnet die Flanken und Schulterpartie, dehnt die Zwischenrippenmuskulatur und lässt tiefer atmen.

10. Der tiefe Ausfallschritt (Low Lunge)

Anleitung: Der vordere Fuß ist gut geerdet, der hintere liegt ausgestreckt auf dem Boden auf. Knie und Fußgelenk sind direkt übereinander. Der Oberkörper ist aufrecht über der Hüfte. Variante: Arme nach oben ausstrecken, Handflächen zeigen nach innen. Für 5 tiefe Atemzüge pro Seite bleiben.

Wirkung: Dehnt den Hüftbeuger (Iliopsoas) und die Oberschenkel, öffnet den Brustkorb und stärkt Rücken und Beine.

Illustration einer Schwangeren in der Low Lunge Pose.

Zusätzliche Tipps zur Linderung von Rückenschmerzen

  • Wärme: Eine nicht zu heiße Wärmflasche oder ein warmes Bad (maximal 37 Grad) können entspannend wirken.
  • Selbstmassage: Eine sanfte Selbstmassage mit einem warmen Kirschkernkissen oder einem weichen Igelball kann Linderung verschaffen. Legen Sie sich auf den Rücken und rollen Sie sanft über die schmerzende Stelle. Dies funktioniert auch sitzend oder stehend, indem Sie das Kissen oder den Ball zwischen Wand und Rücken klemmen.
  • Bewegung: Moderate Spaziergänge auf stabilem Untergrund lockern den Körper und fördern die Durchblutung.
  • Entspannungsübungen: Geführte Tiefenentspannung und Affirmationen können helfen, Stress und Ängste abzubauen, die zu Verspannungen beitragen können.

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Schwangerschaftsyoga-Kurse und professionelle Unterstützung

Es gibt viele zertifizierte Yoga- und Schwangerschaftsgymnastik-Kurse, die oft von Krankenkassen bezuschusst werden. Fragen Sie Ihre Gynäkologin, Hebamme oder Krankenkasse nach Empfehlungen. Online-Angebote sind ebenfalls eine gute Option, um flexibel und bedarfsgerecht zu üben.

Die meisten Ursachen für Rückenschmerzen in der Schwangerschaft sind harmlos, aber es ist wichtig, bei anhaltenden oder starken Beschwerden immer einen Arzt zu konsultieren.

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