Der Zeitpunkt der Zeugung: Ein Leitfaden für werdende Eltern

Die Familienplanung ist für viele Paare ein bedeutender Schritt. Wenn in deinem Freundes- oder Bekanntenkreis bereits einige Eltern sind, hast du sicher schon davon gehört, dass sich eine gesunde Ernährung und wenig Stress positiv auf deinen Kinderwunsch auswirken können. Darüber hinaus spielt aber auch der Zeitpunkt und die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs eine wichtige Rolle. Vermutlich fragst du dich: „Wann und wie oft sollte ich Sex haben, um schwanger zu werden?“. Antworten auf diese und viele weitere Fragen rund um das Thema Sex bei Kinderwunsch findest du in diesem Ratgeber.

Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs bei Kinderwunsch

Wünschen sich Paare ein Kind, haben sie meist sehr oft Geschlechtsverkehr, um die Chancen einer Schwangerschaft zu erhöhen. Doch wie oft Sex bei Kinderwunsch empfohlen wird, wissen nur die wenigsten - und auch Expertinnen und Experten sind sich uneins bei der Frage, ob jeden Tag Sex bei Kinderwunsch förderlich oder doch eher hinderlich ist.

Einige Fachleute setzen auf die genaue Planung und empfehlen, Sex nur kurz vor oder während dem Eisprung zu haben, damit die Qualität der Spermien möglichst hoch bleibt. Andere raten zu häufigem Sex, um schnell schwanger zu werden. Jeden Tag Geschlechtsverkehr zu haben, kann allerdings eher kontraproduktiv sein, da dies schnell zu Stress und Anspannung führen kann. Und sobald du und dein Partner Sex als Pflichtprogramm wahrnehmen, wirkt er ermüdend und schafft letztlich mehr Frust als Lust. Außerdem braucht dein Partner Zeit, damit sich sein Spermiendepot wieder füllen kann.

Weniger ist oft mehr

Generell ist regelmäßiger Geschlechtsverkehr bei Kinderwunsch der beste Weg, um möglichst schnell schwanger zu werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kinsey Instituts an der Indiana University. Dabei erforschten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, ob und wie häufiger Sex das Immunsystem der Frau beeinflusst. Nach Ansicht von Forschungsleiterin Tierney Lorenz wehrt das weibliche Immunsystem normalerweise Eindringlinge wie potenzielle Krankheitserreger ab. Dazu können auch die männlichen Spermien gehören. Haben Frauen mit Kinderwunsch jedoch regelmäßig jeden zweiten oder dritten Tag Geschlechtsverkehr, gewöhnt sich das Immunsystem an die Samenzellen.

Grafik, die den weiblichen Menstruationszyklus und die fruchtbaren Tage rund um den Eisprung darstellt.

Der richtige Zeitpunkt für den Geschlechtsverkehr

Entscheidend für den Kinderwunsch ist auch, wann du Geschlechtsverkehr hast. Denn im monatlichen Zyklus gibt es ausschließlich einige wenige fruchtbare Tage. Generell gilt der Zeitpunkt rund um den Eisprung als beste Zeit, schwanger zu werden. Daher ist häufiger Sex vor und während des Eisprungs besonders zielführend.

Beim Eisprung wird die Eizelle freigesetzt und macht sich über den Eileiter auf den Weg zur Gebärmutter. Sie ist auf ihrem Weg für 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig. Somit kann auch Sex nach dem Eisprung noch zu einer Schwangerschaft führen. Da die männlichen Spermien fünf bis sechs Tage in der Gebärmutter überleben können, sind deine Chancen allerdings höher, wenn du Sex bereits einen oder zwei Tage vor dem Eisprung hast und die Spermien somit auf die Eizelle „warten“.

Es gibt inzwischen Rechner und Tabellen, mit denen du die fruchtbaren Tage bestimmen kannst. Die Berechnungen sind relativ genau und unterstützen die Planung von Paaren mit Kinderwunsch.

Der Zyklus und der Eisprung

In der ersten Hälfte des Monatszyklus reift im Eierstock ein Eibläschen (Follikel) heran, in dem sich eine Eizelle befindet. Ist diese Reifung abgeschlossen, schüttet die Hirnanhangdrüse das luteinisierende Hormon (LH) aus. Dieser plötzliche LH-Anstieg bewirkt den Eisprung. Das bedeutet, dass der reife Follikel platzt und die Eizelle in den Eileiter springt (Ovulation).

Die eine - selten auch mehrere - Eizelle wird vom trichterförmigen Ende des Eileiters, der sich über den Eierstock stülpt, aufgefangen. Von dort aus wandert sie im Eileiter zur Gebärmutter. An der inneren Wand des Eileiters finden sich feine Härchen, sogenannte Zilien. Diese verursachen einen Flüssigkeitsstrom in Richtung der Gebärmutter und unterstützen so die Eizelle auf ihrem Weg.

Am äußeren Ende des Eileiters trifft die befruchtungsfähige Eizelle auf die Samenzellen (Spermien). Diese sind innerhalb von etwa zwei Stunden durch den Gebärmutterhals und die Gebärmutter aufgestiegen. Auf ihrem Weg hatten sie Hilfe von Stoffen, die dafür sorgen, dass die Samenzellen beweglich bleiben. Außerdem ist der ansonsten verschlossene Gebärmutterhals in der Zeit um den Eisprung herum für Spermien durchlässig. Im Idealfall durchdringt nun ein Spermium die Eihülle und die Erbanlagen von Mann und Frau verschmelzen.

Die Eizelle ist höchstens 24 Stunden nach dem Eisprung lebens- und befruchtungsfähig. Spermien hingegen können zwischen drei und fünf Tagen im Körper einer Frau überleben und zeugungsfähig sein. Die ideale Zeit für eine Befruchtung beginnt somit zwei Tage vor dem Eisprung und ist am Tag danach beendet. Da der genaue Zeitpunkt des Eisprungs in der Regel nicht bekannt ist, gilt der 9. bis 16. Zyklustag für die Empfängnis als optimal.

Schema der Spermienwanderung zur Eizelle.

Ovulationstests zur Bestimmung der fruchtbaren Tage

Etwas einfacher sind Ovulationstests aus der Apotheke. Die Teststäbchen werden in den Urin gehalten und messen in drei Minuten die zunehmende Konzentration des Hormons LH in den 24 bis 36 Stunden vor dem Eisprung. Dieser Test besagt aber leider nur, ob LH nachweisbar ist, aber nicht, ob es danach auch wirklich zu einem Eisprung kommt. Ein Anstieg des LH ist nämlich auch ohne anschließenden Eisprung möglich. Ein anderes Testverfahren misst den CO2-Gehalt in der ausgeatmeten Luft.

Intensität und Entspannung: Der Schlüssel zur Befruchtung

Wie oft du in der Zeit rund um den Eisprung Sex hast, bleibt letztlich aber ganz dir und deiner Lust überlassen. Denn wichtiger als die Häufigkeit und der Zeitpunkt ist die Intensität des Geschlechtsverkehrs und dass du und dein Partner möglichst entspannt und ohne Druck an die Sache herangeht. Zu hohe Erwartungen führen letztlich nur zu Stress und Unwohlsein und verhindern womöglich, dass sich euer Kinderwunsch erfüllt.

Schiebe daher die wissenschaftlichen Aspekte und Ratschläge beim Sex beiseite und genieße vor allem die intime Zeit zu zweit.

Der weibliche Orgasmus als Unterstützung

Auch der weibliche Orgasmus kann die Befruchtung der Eizelle unterstützen. Zu diesem Schluss gelangt der Gynäkologe und Reproduktionsmediziner Johannes Huber aus Wien. Beim Orgasmus wird demzufolge eine große Menge des Botenstoffes Oxytocin frei. Das sorgt dafür, dass sich die Gebärmuttermuskulatur zusammenzieht. Kommt der Mann zum gleichen Zeitpunkt zum Orgasmus, können die Samenzellen durch die Kontraktionen leichter zur Eizelle gelangen. Außerdem kann der Orgasmus der Frau auch spontan einen Eisprung auslösen, wenn der Geschlechtsverkehr während der fruchtbaren Tage stattfindet.

Welche Stellung ist optimal bei Kinderwunsch?

Viele Paare fragen sich, was die beste Stellung bei Kinderwunsch ist. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keine Stellung, die besser oder schlechter geeignet ist, um schwanger zu werden. Trotz allem halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach eine Position, in der das Sperma möglichst weit vor die Gebärmutter gebracht wird, die Befruchtung unterstützen kann. Zu diesen Positionen zählen unter anderem:

  • Missionarsstellung
  • Hündchenstellung
  • Sex von der Seite

Generell wird bei Kinderwunsch oft eine Stellung empfohlen, bei der die Spermien den Gesetzen der Schwerkraft folgen können. Doch auch dieser Ratschlag ist aus medizinischer Sicht nicht hilfreich. Denn die Schwerkraft kann die Befruchtung nicht unterstützen oder erschweren.

Illustration verschiedener Sexualpositionen.

Weitere Tipps und Maßnahmen zur Unterstützung der Empfängnis

Wie und wie oft ihr bei Kinderwunsch Geschlechtsverkehr habt, bildet eine wichtige Basis für eine zeitige Schwangerschaft. Daneben ist auch ein Besuch in einer gynäkologischen Praxis ratsam, wenn du ein Baby bekommen möchtest. Dort wirst du untersucht, um festzustellen, ob du körperlich fit und bereit für eine Schwangerschaft bist. Außerdem gibt eine Blutuntersuchung Aufschluss, ob du eventuell Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine, Mineralstoffe, Folsäure oder Eisen benötigst.

Auch eine bewusste Ernährung ist ab jetzt für dich und deinen Partner wichtig. Du sorgst damit für optimale Voraussetzungen, damit ein gesundes Baby in deinem Bauch wachsen kann. Beim künftigen Vater gewährleistet eine ausgewogene Kost mit vielen Vitaminen und Spurenelementen eine hochwertige Spermienqualität. Daneben gibt es weitere Maßnahmen für Männer mit Kinderwunsch, um den Prozess positiv zu beeinflussen.

Die Berechnung der Schwangerschaftsdauer

Im europäischen Raum beginnt die ärztliche Berechnung einer Schwangerschaft mit dem ersten Tag der letzten Regelblutung, also 14 Tage vor der Befruchtung. Die Empfängnis ist der Zeitpunkt, zu dem der männliche Samen die Eizelle befruchtet. Der Eisprung findet ungefähr um die Mitte des Zyklus herum statt. Will man den Zeitpunkt genau benennen, müsste man 12-16 Tage vom Beginn der Periodenblutung zurückrechnen.

Die genaue Berechnung des Zeitpunktes des Eisprungs kann nur im Nachhinein erfolgen, d.h. für die direkte Bestimmung des Eisprungs im aktuellen Zyklus ist die Methode nicht geeignet. Mit einer Messung über mehrere Monate entstehen recht verlässliche Erfahrungswerte. Einem normalen Zyklus liegen im Durchschnitt 28 Tage zugrunde, aber auch bis zu 35 Tage sind keine Seltenheit.

Wenn die Befruchtung erfolgt ist, kann man - ausgehend von dem ersten Tag der letzten Menstruation (Berechnung nach Naegele) - den voraussichtlichen Geburtstermin berechnen. Die Naegele-Regel lautet: Tag der letzten Monatsblutung minus 3 Monate plus 7 Tage (falls notwendig plus/minus die Anzahl der Tage, die der Zyklus vom 28-tägigen Rhythmus abweicht) plus 1 Jahr. Diese Rechnung setzt voraus, dass die Frau weiß, wann ihre letzte Regelblutung war und ein regelmäßiger Zyklus vorliegt.

Wenn der Tag der Konzeption bekannt ist, kann man die Berechnung nach der Konzeptionsmethode anwenden: Konzeptionstermin minus 3 Monate minus 7 Tage plus 1 Jahr.

In der Frauenarztpraxis stehen sogenannte Schwangerschaftskalender (Gravidarien) zur Berechnung zur Verfügung, bzw. gibt es diverse Apps und andere Medien, in denen der Geburtstermin automatisch angezeigt wird. Der errechnete Geburtstermin kann nur einen Anhaltspunkt darstellen. Es gibt eine individuelle Schwangerschaftsdauer. Nur etwa 4% aller Schwangerschaften enden wirklich am errechneten Termin! Auch bei einem regelmäßigen Zyklus vor der Empfängnis und genauer Kenntnis des letzten Menstruationstermins wird der überwiegende Teil der Kinder (88%) in einem Zeitraum von 14 Tagen um den errechneten Termin herum geboren, mit einer normalen Abweichung von 10,8-12,7 Tagen.

Wann beginnt die Schwangerschaft aus ärztlicher Sicht?

Auch wenn die Befruchtung zwei Wochen zurückliegt - die Ärztin, der Arzt oder die Hebamme tragen die Dauer der Schwangerschaft mit vier Wochen ein. Die „geburtshilfliche Rechnung“ beginnt nämlich mit dem ersten Tag der letzten Menstruation. Dieser Tag ist ein fester Anhaltspunkt, der Tag der Empfängnis lässt sich dagegen oft nicht sicher angeben.

Ausgehend vom ersten Tag der letzten Menstruation dauert eine Schwangerschaft etwa 280 Tage (vierzig Wochen bzw. zehn sogenannte Mondmonate zu 28 Tagen). So wird auch der Geburtstermin ermittelt.

Fragen und Mythen rund um den Zeitpunkt der Zeugung

Es gibt viele Fragen und auch einige Mythen bezüglich des Zeitpunkts der Zeugung und der Empfängnis.

Wie lange ist die Eizelle befruchtungsfähig?

Die Eizelle ist nach dem Eisprung nur für etwa 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig. Die Spermien können jedoch bis zu fünf Tage im weiblichen Fortpflanzungstrakt überleben. Daher ist der Zeitraum vor dem Eisprung besonders wichtig für eine mögliche Empfängnis.

Kann man auch beim ersten ungeschützten Geschlechtsverkehr schwanger werden?

Ja, das ist absolut möglich. Der Irrglaube, dass man beim ersten ungeschützten Geschlechtsverkehr nicht schwanger werden kann, ist weit verbreitet und schlichtweg falsch. Wenn Sie ungeschützten Geschlechtsverkehr haben und nicht schwanger werden möchten, müssen Sie eine geeignete Verhütungsmethode finden.

Wie lange dauert es vom Samenerguss bis zur Befruchtung?

Die Spermien legen die Strecke vom Gebärmutterhals bis zur Eizelle im Eileiter wahrscheinlich innerhalb von rund 15 bis 45 Minuten zurück. Langsamere Spermien können jedoch mehrere Stunden benötigen. Von den Hunderten Millionen Spermien, die beim Samenerguss freigesetzt werden, erreichen nur wenige hundert tatsächlich die Eizelle.

Wann nistet sich die befruchtete Eizelle ein?

Nach der Befruchtung teilt sich die Eizelle und wandert durch den Eileiter in die Gebärmutter. Die Einnistung (Implantation) in die Gebärmutterschleimhaut erfolgt etwa 6 bis 10 Tage nach der Befruchtung.

Wie früh kann ein Schwangerschaftstest positiv ausfallen?

Moderne Schwangerschaftstests, insbesondere Frühtests, können bereits 5 Tage vor der erwarteten Regelblutung eine Schwangerschaft nachweisen. Klassische Schwangerschaftstests sind zuverlässiger und zeigen ein positives Ergebnis in der Regel etwa 15 Tage nach dem Geschlechtsverkehr, oder ab dem ersten Tag der ausbleibenden Periode.

Vergleich von Schwangerschaftstests mit unterschiedlicher Empfindlichkeit.

Kann Stress die Empfängnis verhindern?

Obwohl Stress niemals gesund ist, verhindert er nicht direkt die Empfängnis, solange er nicht den Menstruationszyklus oder das Sexualleben stört. Es gibt sogar Studien, die darauf hindeuten, dass die Verwendung von Ovulationstests zur Planung des Geschlechtsverkehrs den Prozess der Empfängnis unterstützen kann.

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Wichtige Nährstoffe und Vorsorgeuntersuchungen

Schwangere Frauen haben einen erhöhten Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen, insbesondere an Folsäure, Jod und Eisen. Eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung versorgt Mutter und Kind in der Regel ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen - mit Ausnahme von Folsäure und Jod, bei denen eine zusätzliche Einnahme empfohlen wird. Auch die Einnahme von Vitamin D kann Sinn machen, vor allem in den sonnenarmen Monaten.

Es ist ratsam, einen Termin für die erste Vorsorgeuntersuchung bei einer Ärztin oder einem Arzt oder einer Hebamme zu vereinbaren. Bei diesem Termin wird ein umfassender gesundheitlicher Eindruck über die Schwangere gewonnen, einschließlich einer körperlichen Untersuchung und gegebenenfalls Blut- und Urintests. Der Mutterpass wird ausgestellt, in dem alle wichtigen Informationen und Untersuchungsergebnisse festgehalten werden.

Urinuntersuchung auf Chlamydien

Chlamydien sind sexuell übertragbare Infektionen, die oft unbemerkt bleiben, aber zu ernsthaften Komplikationen während der Schwangerschaft führen können. Daher gehört ein spezieller Urintest auf Chlamydien zu den Vorsorgeuntersuchungen in den ersten Wochen der Schwangerschaft.

Beratung und Unterstützung für werdende Eltern

Bei Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt oder auch bei persönlichen oder partnerschaftlichen Problemen stehen Schwangerschaftsberatungsstellen kostenlos zur Verfügung. Sie bieten Informationen zum Mutterschutz am Arbeitsplatz, zum Unterhaltsrecht und unterstützen bei Behördengängen. Auch für Paare, die ohne Partner oder Partnerin ein Kind bekommen, gibt es vielfältige Unterstützungsangebote.

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