Eine Fehlgeburt ist ein zutiefst belastendes Ereignis, das viele Frauen und Paare vor enorme emotionale und körperliche Herausforderungen stellt. Das Wissen, grundsätzlich schwanger werden zu können, ist oft der einzige Trost in dieser schwierigen Zeit. Die Frage, wie es nach einer Fehlgeburt weitergeht und wann eine neue Schwangerschaft möglich ist, beschäftigt viele Betroffene.
Wann kann ich wieder schwanger werden?
Nach einer frühen und komplikationslosen Fehlgeburt kann eine erneute Schwangerschaft theoretisch bereits im nächsten Zyklus eintreten. Körperlich gesehen besteht die Möglichkeit einer erneuten Empfängnis, sobald sich der Hormonhaushalt wieder reguliert hat und die erste normale Regelblutung stattgefunden hat. Dies kann bei manchen Frauen schnell geschehen, bei anderen dauert es etwas länger. Auch nach einer Ausschabung ist in der Regel keine besondere Wartezeit erforderlich. Wenn Sie sich eine baldige erneute Schwangerschaft wünschen, ist es ratsam, weiterhin Folsäuretabletten einzunehmen.
War die Schwangerschaft jedoch bereits weiter fortgeschritten, ist eine Wartezeit sinnvoll. Nach einer Fehl- oder Totgeburt befindet sich der Körper im sogenannten Wochenbett. Diese Zeit der Erholung ist entscheidend für die Rückbildung der Gebärmutter und deren Heilung. Eine individuelle Beratung durch Ihre Hebamme oder Ihren Frauenarzt ist hierbei unerlässlich.
Wichtiger Hinweis: Neben der körperlichen Bereitschaft ist auch die psychische Verarbeitung des Verlustes von großer Bedeutung. Überstürzen Sie nichts und horchen Sie auf Ihre inneren Bedürfnisse. Erst wenn Sie sich mental wieder bereit fühlen, können Sie sich auf eine neue Schwangerschaft einlassen.
Was tun während & nach einer Fehlgeburt? – Tipps von Dr. med. Reinhard Hannen 👨⚕️ storchgeflüster.
Wiederholte Fehlgeburten (Habitueller Abort)
Wenn eine Frau nach einer Fehlgeburt erneut schwanger wird, begleitet sie oft die Angst vor einem erneuten Verlust. Obwohl ein wiederholter Verlust nicht ausgeschlossen werden kann, ist er äußerst selten. In den meisten Fällen liegen erbliche, körperliche Gründe oder chronische Erkrankungen zugrunde. Von einem habituellem Abort spricht man bei drei oder mehr aufeinanderfolgenden Fehlgeburten mit demselben Partner. Etwa ein Prozent aller Paare mit Kinderwunsch sind davon betroffen, und die Situation ist für sie meist sehr belastend. Hier kann eine psychologische Begleitung sehr hilfreich sein.
Spätestens nach der dritten, manchmal auch schon nach der zweiten Fehlgeburt, werden die Ursachen medizinisch abgeklärt. Mögliche Gründe sind:
- Genetische oder hormonelle Ursachen
- Fehlbildungen, Myome oder Verwachsungen der Gebärmutter
- Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder starkes Übergewicht
Abhängig von den Untersuchungsergebnissen kann eine Behandlung der Grunderkrankung notwendig sein. Besprechen Sie das weitere Vorgehen mit Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen.
Schwanger werden nach einer Eileiterschwangerschaft
Eileiterschwangerschaften sind zwar selten, können aber ein erhebliches Risiko darstellen. Bei einer erneuten Schwangerschaft nistet sich das befruchtete Ei im Schnitt bei jeder vierten Frau wieder außerhalb der Gebärmutter ein. Nach zwei Eileiterschwangerschaften steigt dieses Risiko auf bis zu 70 Prozent. Die Entscheidung, wann und ob Sie wieder schwanger werden können, sollte unbedingt mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Arzt besprochen werden, wobei die eingesetzte Therapie eine entscheidende Rolle spielt. Eine frühe medizinische Begleitung und Ultraschallkontrollen sind bei einer erneuten Schwangerschaft unerlässlich.
Begleitung für die nächste Schwangerschaft
Für viele Frauen ist es beruhigend, wenn die Ärztin oder der Arzt in den ersten kritischen Wochen und Monaten einer erneuten Schwangerschaft engmaschiger untersucht und alle Ergebnisse detailliert erläutert. Auch eine Hebamme kann eine wertvolle Unterstützung sein. Sie hat ein offenes Ohr für Ihre Sorgen und Ängste und kann Ihnen helfen, das Vertrauen in Ihren Körper zurückzugewinnen. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) bietet hierzu Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten.

Der Umgang mit dem Verlust: Emotionale Verarbeitung
Eine Fehlgeburt ist nicht nur ein körperliches Ereignis, sondern auch ein tiefgreifender emotionaler Verlust. Gefühle wie Trauer, Schuld, Ohnmacht und Wut sind normal und dürfen zugelassen werden. Es gibt keinen „richtigen“ Weg, mit diesem Verlust umzugehen. Jede Frau und jedes Paar verarbeitet die Situation individuell.
Zeit und Raum für Trauer
Viele Ärztinnen und Ärzte möchten eine Fehlgeburt schnell beenden, um den Frauen zu helfen, damit sie abschließen können. Für die meisten Frauen ist es jedoch essenziell, Zeit und Raum für ihre Trauer zu bekommen und den Prozess selbst mitgestalten zu können. Eine frühe Fehlgeburt ist nach wie vor ein Tabuthema, und vielen Frauen fällt es schwer, darüber zu sprechen und Unterstützung zu suchen. Hebammen spielen hier eine wichtige Rolle, indem sie informieren und die Frauen während des Prozesses begleiten.
Alternative Behandlungsmethoden
Neben der operativen Ausschabung gibt es auch alternative Behandlungsmethoden:
- Abwartendes Vorgehen: In vielen Fällen kann der Körper die Fehlgeburt selbstständig verarbeiten. Dies kann einige Wochen dauern, und Schmerzmittel können unterstützend eingesetzt werden.
- Medikamentöse Unterstützung: Medikamente wie Misoprostol können die Ausstoßung des Schwangerschaftsgewebes einleiten. Dies kann eine gute Option sein, wenn weder abgewartet noch operiert werden möchte.
Die Entscheidung für eine bestimmte Methode sollte immer individuell und in Absprache mit dem behandelnden Arzt getroffen werden.
Die Bedeutung des Abschieds
Für viele Eltern ist ein Abschied, beispielsweise durch eine Bestattung, ein wichtiger Schritt im Verarbeitungsprozess. Viele Kliniken bieten Sammelbestattungen an, und in einigen Bundesländern sind auch individuelle Bestattungen möglich. Sich Zeit für den Abschied zu nehmen, kann helfen, den Verlust zu verarbeiten.

Körperliche Erholung im Wochenbett
Nach einer Fehl- oder Totgeburt ist die Zeit des Wochenbetts besonders wichtig für die körperliche Rückbildung und Heilung. Die Betreuung durch eine Hebamme ist hierbei von unschätzbarem Wert. Sie achtet auf die seelischen Bedürfnisse aller Familienmitglieder und begleitet die körperlichen Veränderungen. Auch das Abstillen kann als Teil des Abschieds betrachtet werden.
Mutterschutz nach Fehl- oder Totgeburt
Frauen haben nach einer Fehl- oder Totgeburt Anspruch auf Mutterschutz. Die Dauer des Mutterschutzes richtet sich nach dem Zeitpunkt des Schwangerschaftsverlustes. Dieser Schutz ist freiwillig, und die Frau entscheidet selbst, ob und in welchem Umfang sie ihn in Anspruch nehmen möchte.
Medizinische Untersuchungen vor einer erneuten Schwangerschaft
Bevor Sie nach einer Fehlgeburt erneut schwanger werden, sind einige medizinische Untersuchungen ratsam, insbesondere wenn es zu wiederholten Fehlgeburten gekommen ist:
- Untersuchung des Erbguts (Chromosomenanalyse): Zur Feststellung genetischer Abweichungen.
- Untersuchung des Hormonhaushalts: Überprüfung von Hormonen des Zuckerstoffwechsels, der Schilddrüse und weiblichen Geschlechtshormonen.
- Ausschluss von Infektionen: Untersuchung auf Viren, Bakterien oder Pilze.
- Ultraschall: Zur Feststellung von Fehlbildungen der Gebärmutter oder Eierstöcke.
- Antikörpernachweis: Überprüfung auf Antikörper, die die Schwangerschaft beeinträchtigen könnten.
Was Sie selbst tun können
Neben medizinischer Betreuung gibt es auch Dinge, die Sie selbst tun können, um die Zeit nach einer Fehlgeburt zu bewältigen und sich auf eine mögliche neue Schwangerschaft vorzubereiten:
- Geben Sie sich Zeit: Sowohl für die körperliche Erholung als auch für die emotionale Verarbeitung.
- Vermeiden Sie Risiken: Verzicht auf Rauchen und Alkohol, Vermeidung von übermäßiger körperlicher Belastung.
- Schaffen Sie ein stabiles Umfeld: Sprechen Sie offen über Ihre Ängste und Sorgen mit Ihrem Partner, Freunden oder Ihrer Familie.
- Gehen Sie regelmäßig zum Frauenarzt: Nehmen Sie Vorsorgeuntersuchungen wahr und besprechen Sie alle Auffälligkeiten.
Es ist wichtig zu wissen, dass Sie nach einer Fehlgeburt grundsätzlich die Fähigkeit besitzen, schwanger zu werden und ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Die meisten Frauen, die eine Fehlgeburt erleben, haben danach eine intakte Schwangerschaft.