Insolvenzantrag und Neugründung der Auffanggesellschaft
Nachdem die Geschäftsführung der Welle Möbel GmbH Anfang Mai [Jahr nicht spezifiziert] beim Amtsgericht Paderborn Insolvenzantrag stellen musste, liefen die Bemühungen um die Stabilisierung des Unternehmens auf Hochtouren. Nun wurde ein entscheidender Schritt zur endgültigen Sanierung des Möbelherstellers unternommen. Zum 01.09.2002 nahm die gegründete Auffanggesellschaft „Wellemöbel GmbH“ ihre Geschäftstätigkeit auf.
Wie einer Pressemitteilung zu entnehmen war, beträgt das Stammkapital der neuen Wellemöbel GmbH 500.000 Euro und wird von einem Treuhänder des Insolvenzverwalters gehalten. Geschäftsführer der Auffanggesellschaft ist Werner Schirmer, der bisher für den kaufmännischen Bereich in der Geschäftsführung der alten Welle Möbel GmbH zuständig war. Hermann Hänsler, der bisherige Geschäftsführer für den Bereich Marketing und Vertrieb, ist aus dem Unternehmen ausgeschieden. Seine Position ist derzeit kommissarisch besetzt. Den Vorsitz des gegründeten Beirats wird Karl Sommermeyer übernehmen.

Strategische Neuausrichtung und Produktionsbereiche
Die neue Wellemöbel GmbH wird die bisherigen drei Produktionsbereiche, Büro-, Jugendzimmer und Babymöbel, beibehalten. Diese wurden jedoch einer umfangreichen Programmbereinigung unterzogen, wodurch erhebliche Produktivitätssteigerungen erwartet werden.
Personalentscheidungen und Werksschließung
Nicht in die Auffanggesellschaft wechseln rund 250 Mitarbeiter der alten Welle Möbel GmbH. Davon entfallen etwa 170 Mitarbeiter auf das Werk in Warmsen in Niedersachsen, da dieser Standort aufgegeben wird. Durch die Schließung des Werks sollen sich die Auslastungsquoten der noch verbleibenden drei Standorte, Paderborn, Alsfeld und Detmold, signifikant erhöhen, im Durchschnitt auf über 90 %.

Beitrag der Arbeitnehmer zur Sanierung
Einen wesentlichen Beitrag zur Sanierung des Unternehmens haben die Arbeitnehmer erbracht. In umfangreichen Verhandlungen mit den Betriebsräten und der Gewerkschaft konnten bereits ein Interessenausgleich und ein Sozialplan sowie ein Anerkennungs- und Sanierungstarifvertrag für die neue Wellemöbel GmbH abgeschlossen werden. Auf Grund des Sanierungstarifvertrages verzichten die Arbeitnehmer bis zum 31.12.2002 neben den vermögenswirksamen Leistungen, dem anteiligen Weihnachts- und Urlaubsgeld zusätzlich auf 7,37% ihrer Bezüge. Für den Sozialplan ist eine Gesamtsumme von rund 2 Millionen Euro vorgesehen.
Finanzielle Prognosen und Ausblick
Nach derzeitigen Prognosen wird für die Auffanggesellschaft für den Zeitraum vom 01.09 bis 31.12.2002 ein Umsatz von rund 37 Millionen Euro erwartet. Für 2003 wird ein Umsatz von 84 Millionen Euro avisiert, der dann, laut Insolvenzverwalter Dr. Frank Kebekus, zu einem positiven Ergebnis führen würde.
Die neue Wellemöbel GmbH als Auffanggesellschaft sei in keiner Weise mehr von der Insolvenz der alten Welle Möbel GmbH tangiert und könne deshalb ohne jegliche insolvenzbedingte Hemmnisse ab 01.09.2002 ihre Tätigkeit aufnehmen. Ebenso seien Fortschritte bei der ebenfalls insolventen Holwelpa Speditions GmbH, der eigenen Logistikgesellschaft der alten Welle Möbel GmbH, festzustellen. Um den reduzierten Anforderungen der neuen Wellemöbel GmbH Rechnung zu tragen, müssen jedoch Personalanpassungen vorgenommen werden; 50 Mitarbeiter müssen kurzfristig entlassen werden. Die Gespräche mit der Gewerkschaft zur Umsetzung dieser Maßnahme sind aufgenommen worden.

Historischer Kontext der Insolvenzen
Der Fachanwalt für Insolvenzrecht Dr. Frank Kebekus aus Düsseldorf wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Bereits kurz vor Weihnachten, am 19. [Monat nicht spezifiziert], erfolgte der Insolvenzantrag für die Gesellschaften Wellemöbel Beteiligungs GmbH & Co. KG, Wellemöbel Verwaltungs GmbH, Wellemöbel GmbH, MF Bad Lippspringe GmbH und Howelpa Logistik GmbH. Der Insolvenzantrag kam nicht ganz überraschend, nachdem bereits zuvor von Kurzarbeit und ausstehenden Gehaltszahlungen berichtet worden war. Bereits 2002 und 2015 hatte Wellemöbel Insolvenz beantragt. Am 1. September [Jahr nicht spezifiziert] nahm die neugegründete Auffanggesellschaft unter dem Namen "Wellemöbel GmbH" ihre Geschäftstätigkeit auf. Das Stammkapital der neuen Wellemöbel GmbH beträgt 500.000 Euro, Geschäftsführer ist Werner Schirmer. Die neue Firma konzentriert sich auf die Sparten Büro-, Jugendzimmer und Babymöbel und ist "völlig befreit von den "Altlasten" der bisherigen Welle möbel GmbH". Im offiziellen O-Ton: "Die gesamten Altverbindlichkeiten werden ausschließlich im Insolvenzverfahren behandelt und belasten nicht das operative Geschäft der neuen Gesellschaft."
Wie bereits berichtet, wird der Produktionsstandort Warmsen geschlossen. Im Zuge der Sanierung verzichten überdies die Angestellten bis zum 31.12.2002 auf anteiliges Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie auf 7,37 Prozent ihrer Bezüge. Dr. Frank Kebekus ist kein Unbekannter bei Wellemöbel; erstmals war das Vorgängerunternehmen Welle Möbel GmbH im Mai 2002 in die Insolvenz gerutscht und auch damals agierte Kebekus als Insolvenzverwalter. Im November 2014 musste erneut Insolvenz angemeldet werden; Wellemöbel nutzte als eines der ersten Unternehmen in der Möbelbranche die damals noch neue Möglichkeit zu einer Sanierung in Eigenverwaltung. Wellemöbel stellt Schlaf-, Büro-, Jugend- und Babyzimmermöbel her. Die Unternehmensgruppe produziert an den Standorten Bad Lippspringe und Alsfeld und beschäftigt rund 530 Mitarbeiter. Das Logistikunternehmen Howelpa, das den Möbelfachhandel beliefert, hat seinen Sitz in Paderborn.
Die gesamte Möbelbranche leidet unter einem deutlichen Umsatzrückgang, da neue Möbel beim Verbraucher nicht mehr im Fokus stehen. Weiterhin muss die deutsche Möbelindustrie immer mehr Wettbewerbsanteile an osteuropäische Lieferanten abgeben. Diese greifen aufgrund niedriger Herstellungspreise den deutschen Markt an, da sie von Lohnkostenvorteilen und Steuerentlastungen profitieren.
Der seit Mitte Dezember 2018 durchgeführte Investorenprozess führte nicht zu einem Erfolg, weshalb die Geschäftstätigkeit der Wellemöbel GmbH zum 1. März [Jahr nicht spezifiziert] eingestellt wurde. Im Rahmen der Investorensuche wurde eine zweistellige Anzahl von potenziellen Interessenten angesprochen. Die letzten beiden hätten in dieser Woche final abgesagt, so dass dann auch die weiteren Möglichkeiten für eine Betriebsfortführung über den 1. März hinaus entfielen. Die Mitarbeiter wurden in Betriebsversammlungen am gestrigen Donnerstag, 28. März [Jahr nicht spezifiziert], informiert.
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