Sternenkinder-Bestattung in Duisburg: Würdevoller Abschied für die Kleinsten

Das Projekt „Kinderhimmel Duisburg“ und die Bedeutung der Bestattung

Der Verlust eines Kindes, noch bevor es das Licht der Welt erblicken durfte, ist ein unermesslich schmerzhaftes Ereignis für Eltern und Angehörige. Das Projekt „Kinderhimmel Duisburg“ widmet sich der Aufgabe, betroffenen Familien in dieser schweren Zeit Beistand zu leisten und eine würdevolle Bestattung für diese sogenannten Sternenkinder zu ermöglichen. Dieses Projekt, das vor zwei Jahrzehnten auf Initiative des Bestatters und Presbyters Friedhelm Jung ins Leben gerufen wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die damals gängige Praxis, Fehlgeburten als medizinischen Abfall zu behandeln, zu ändern und stattdessen einen Ort der Trauer und des Gedenkens zu schaffen.

Die Bestattungen von Sternenkindern finden in Duisburg viermal im Jahr auf wechselnden Friedhöfen statt und sind für die trauernden Eltern kostenlos und konfessionell ungebunden. Diese würdevolle Form des Abschieds wird durch die ehrenamtliche Arbeit vieler Menschen ermöglicht, die ihre Arbeitskraft, Kreativität und ihr Mitgefühl in das Projekt einbringen. Die Stiftung „Dein Sternenkind“ unterstützt das Projekt, indem sie Fotos von Sternenkindern mit Einverständnis der Eltern zur Verfügung stellt.

Gestalteter Sarg für Sternenkinder-Bestattung mit blauen Tönen und goldenen Sternen

Die Gestaltung der Trauerfeiern und Beisetzungen

Die Trauerfeiern für Sternenkinder sind stets eine bewegende Zeremonie, die von Pfarrern und Seelsorgern begleitet wird. Vor der Kapelle sammeln sich schwarz gekleidete Eltern und Verwandte, um gemeinsam um ihre unerfüllten Hoffnungen zu trauern. Ihnen wird die Möglichkeit gegeben, einen kleinen Holzstern mit einem Gedanken oder Gruß an ihr Kind zu beschriften. Pfarrerinnen wie Sarah Süselbeck aus Obermeiderich betonen, dass diese kleinen Leben, auch wenn sie unerreichbar bleiben, unvergessen sind und nun in Gottes Ewigkeit leuchten.

Ein zentrales Element der Zeremonie ist ein liebevoll gestalteter Gemeinschaftssarg. Fiona Blaha, Auszubildende im Bestattungshaus Schroer, gestaltet diese Särge oft mit verschiedenen Blautönen und goldenen Sternen, um ihnen eine besondere Note zu verleihen. In diesem Sarg liegen die kleinen Sternenkinder, jedes in einem Leinentuch gewickelt und mit einem Wachsplättchen kenntlich gemacht, in kleinen Einzelfächern. Genau 22 Kerzen können für 22 kleine Sternenkinder leuchten, die das Licht der Welt nicht erblicken durften.

Gemeinschaftssarg mit 22 Kerzen, Blumen und Tüchern für eine Sternenkinder-Bestattung

Nach der feierlichen Verabschiedung begleitet ein Zug der Trauernden den Sarg bis zum frisch angelegten Sternenkinderfeld auf dem Friedhof. Dieser Ort dient als friedliche Stätte der Trauer und des Gedenkens, an dem Eltern und Angehörige in Ruhe verweilen und trauern können, ohne sich um eine Grabstätte oder deren Kosten kümmern zu müssen.

Rechtliche Grundlagen und Unterstützung für betroffene Familien

Die gesetzlichen Bestimmungen bezüglich der Bestattung von Fehl- und Totgeburten sind komplex und hängen vom Schwangerschaftsstadium und etwaigen Lebenszeichen ab. Grundsätzlich gilt:

  • Nachweis von Lebenszeichen nach der Geburt: Wenn ein Kind nach der Geburt Lebenszeichen wie einen Atemzug oder Herzschlag gezeigt hat, spricht man von einer Lebendgeburt. In diesem Fall besteht eine Beisetzungspflicht, und die Beurkundung sowie die Zeremonie ähneln denen erwachsener Verstorbener.
  • Totgeburt ab 500 Gramm oder 24. Schwangerschaftswoche: Ab einem Gewicht von 500 Gramm und/oder nach Erreichen der 24. Schwangerschaftswoche besteht ebenfalls eine Bestattungspflicht. Die Kinder werden beim Standesamt erfasst und ihr Tod beurkundet. Die Eltern entscheiden frei über die Art und den Ort der Beerdigung.
  • Fehlgeburt (Embryo/Fötus) unter 500 Gramm und vor der 24. Schwangerschaftswoche: In diesem Fall ist eine Beerdigung nach Bestattungsgesetz nicht zwingend vorgeschrieben. Die Entscheidung liegt jedoch bei den Eltern, ebenso wie die Entscheidung, ob eine Eintragung beim Standesamt gewünscht ist.

Viele Krankenhäuser und Kliniken bieten betroffenen Familien eine gemeinsame Bestattung mit anderen Sternenkindern an, die oft von Vereinen oder kirchlichen Organisationen organisiert wird. Das Projekt „Kinderhimmel“ arbeitet eng mit verschiedenen Duisburger Geburtskliniken und Praxen zusammen, darunter das Evangelische Krankenhaus Bethesda, Sana Kliniken Duisburg, St. Josef Krankenhaus Moers und die Helios St. Anna Klinik sowie St. Johannes Klinik. Auch Arztpraxen unterstützen das Projekt.

Liste von Kliniken und Praxen, die dem Projekt

Förderverein und weitere Hilfsangebote

Zur finanziellen Sicherung der Gestaltung des Sternenkinderfeldes wurde der Förderverein „Himmelskinder Meiderich e.V.“ ins Leben gerufen. Die offizielle Gründungsfeier fand am 16. März 2024 statt. Ein Weg aus Kreidesternen führt von der Kapelle bis zum Grabfeld, das für Besucher zugänglich ist. Acht Bilder, die von Sternenkindern gezeichnet wurden, sind ebenfalls ausgestellt.

Neben den Bestattungen bietet Duisburg weitere Hilfsangebote für trauernde Eltern:

  • CARITASVERBAND DUISBURG: Unter dem Oberbegriff „Kleine Leben“ bietet die Caritas psychologische Unterstützung, Einzel- und Paarberatungen sowie Gruppenangebote.
  • EVANGELISCHE BERATUNGSSTELLE DUISBURG / MOERS: Hier können Eltern Raum für Gespräche über ihre Trauer finden, Fragen stellen und eigene Wege der Bewältigung erkunden.
  • VEREIN STERNENKINDER DUISBURG e.V.: Der Verein legt Wert auf den Austausch unter Betroffenen und organisiert regelmäßige Gesprächsabende und Seminare zur Trauerbewältigung.

Diese vielfältigen Angebote unterstreichen das Engagement der Stadt und ihrer Organisationen, betroffenen Familien in einer der schwersten Lebenssituationen zur Seite zu stehen und ihnen einen Ort des Trostes und der Erinnerung zu bieten.

Verstorben im Mutterleib! Wie ergeht es Eltern von Sternenkindern? | Akte | SAT.1 TV

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