Muttermilch bei anderen Tieren

Beim Menschen gelten Mütter als „Langzeitstillende“, wenn sie ihren Kindern noch im dritten Lebensjahr die Brust geben. Für Orang-Utan-Mütter ist das nichts. Über viele Aspekte des Verhaltens wildlebender Orang-Utans ist noch immer wenig bekannt, so auch über die Ernährung der Jungtiere. Das liegt vor allem daran, dass die Affen die meiste Zeit des Tages hoch oben in Bäumen verbringen. Gerade wenn sich die Mütter nachts mit ihren Jungen in die Nester verziehen, ist eine Beobachtung kaum mehr möglich.

Orang-Utan-Mutter beim Stillen

Forschungsmethoden und Erkenntnisse bei Orang-Utans

Die Forscher um Tanya Smith von der australischen Griffith University in Nathan umgingen dieses Problem, indem sie bei Zähnen von Orang-Utans die Verteilung von Barium untersuchten. Barium stammt aus Speichern im Körper der Mütter und konzentriert sich in der Muttermilch. Die Jungtiere lagern es dann in Knochen und Zähnen ein. Ähnlich wie Bäume weisen Zähne Wachstumsringe auf, so dass man gemessene Barium-Konzentrationen in einzelnen Schichten mit dem Alter der Tiere in Verbindung bringen kann.

Insgesamt untersuchten die Forscher Backenzähne von vier vor Jahren erschossenen Jungtieren, die in zoologischen Museen aufbewahrt werden. Es handelte sich dabei um Exemplare des Borneo-Orang-Utans (Pongo pygmaeus) sowie des Sumatra-Orang-Utans (Pongo abelii).

Umstürzender Baum verfehlt Mutter mit Kind um Haaresbreite1

Die Forscher stellten fest, dass der Barium-Gehalt im ersten Lebensjahr anstieg. Zwischen dem 12. und 18. Lebensmonat fiel der Barium-Gehalt dann ab - die Tiere begannen, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Nachfolgend schwankte er dann in einem annähernd jährlichen Rhythmus. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Tiere immer dann auf Muttermilch zurückgriffen, wenn - jahreszeitlich bedingt - weniger Früchte zur Verfügung standen.

Lange Stillperioden bei Orang-Utans

Für eines der untersuchten Tiere konnten die Forscher recht genau beziffern, wann es vollständig auf feste Nahrung umstieg: Es war zu diesem Zeitpunkt 8,1 Jahre alt. Ein weiteres Tier hatte wohl bis zu seinem Tod im Alter von 8,8 Jahren noch Muttermilch getrunken. Für keinen anderen nicht-menschlichen Primaten sei ein derart später vollständiger Umstieg auf feste Nahrung nachgewiesen, schreiben die Forscher.

Das Geburtsintervall beträgt bei Orang-Utans vier bis acht Jahre - auch dies ist die längste bei Menschenaffen bekannte Spanne. Aufgezogen wird der Nachwuchs allein von den Weibchen, erst mit fünf bis acht Jahren beginnt die allmähliche Trennung von der Mutter. Wegen der langsamen Fortpflanzungsrate bringen die Weibchen im Laufe ihres rund 50 Jahre währenden Lebens oft nur zwei bis drei Jungtiere zur Welt - was mit ein Grund dafür ist, dass das Überleben der Affen in freier Wildbahn so bedroht ist.

Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, wie die Verfügbarkeit von Nahrung und andere Umweltfaktoren das Stillverhalten bei Primaten beeinflussen, erklärt Smith.

Biologische Grundlagen und evolutionäre Aspekte des Stillens

Etwa in der zwölften Woche ist ein Embryo so weit ausdifferenziert, dass man ihn als männlich oder weiblich bestimmen kann. Zu diesem Zeitpunkt sind viele Anlagen bereits geschaffen - unter anderem auch die für die Brust. Über die rudimentären, körperlichen Grundvoraussetzungen zum Stillen des Nachwuchses verfügen also beide Elternteile. Doch es gibt nur eine Säugetierart - die Dayak-Flughunde - deren Männchen dazu auch tatsächlich fähig sind. Bei allen anderen Säugetierspezies hat die Natur diese Aufgabe allein den Weibchen zugeteilt.

Obwohl es auch hinsichtlich der Nahrungsverfügbarkeit von Vorteil wäre, wenn beide Eltern stillen könnten, können nur sie Milch bilden. In den Siebzigerjahren erklärten Evolutionstheoretiker das Phänomen mit dem Umstand, dass männliche Säugetiere sich ihrer Vaterschaft nie sicher sein können. Darum fehle ihnen der evolutionäre Drang, Energie in die Aufzucht der Nachkommen zu investieren.

Besonderheiten beim Stillverhalten von Primaten

Angestoßen wurde ihre Forschung durch die Beobachtung von Azara-Nachtaffen. Die Mütter der Spezies stillen den Nachwuchs, alle anderen Betreuungsaufgaben übernehmen die Väter. Dieser Umstand stelle „bestehende Vermutungen darüber, warum Männchen nicht stillen, auf den Kopf“, so Studienautor George Constable, Mathematiker an der University of York.

Milch produzieren sie aber keine - und das ist den Studienautoren zufolge auch besser so. Denn über das Mikrobiom der Brustmilch nehmen die Kleinen Bakterien - sogenannte Symbionten - auf, die eine Schlüsselrolle beim Aufbau ihres Darmmikrobioms spielen. Nützliche Symbionten schützen vor Krankheiten und helfen bei der Verdauung. „Wenn beide Elternteile an der Fütterung beteiligt sind, verdoppelt sich die Chance, dass schädliche Symbionten weitergegeben werden und im Darmmikrobiom Fuß fassen“, sagt Constable.

Dass die Aufgabe des Stillens bei den Müttern liegt, ist evolutionär einleuchtend. Ob bereits im Mutterleib Symbionten von der Mutter an das ungeborene Kind weitergegeben werden, ist zwar noch strittig, doch spätestens während des Geburtsvorgangs kommt es unvermeidbar zu einer Übertragung. „Diese Theorie entspricht dem evolutionären Bestreben von Säugetieren, die Ausbreitung potenziell schädlicher Elemente zu begrenzen“, so Constable. Ein anderes Beispiel für eine solche Strategie sei, dass beim Menschen die mitochondriale DNA ausschließlich von der Mutter weitergegeben werde, wodurch die Ausbreitung schädlicher Mutationen unterdrückt wird.

Das Studienteam betont, dass seine Theorie nicht für die Bewertung verschiedener Arten der Ernährung von menschlichen Säuglingen gedacht oder geeignet sei. „Unser Modell ist sehr stark auf die langfristige Evolution des Tierreichs ausgerichtet“, sagt Erstautor Brennen Fagan, Mathematiker der Universität York.

Mensch-Tier-Stillen in Geschichte und Kultur

Das Mensch-Tier-Stillen wurde in verschiedenen Kulturen zu verschiedenen Epochen ausgeübt. Die Praxis des Stillens oder des Säugens zwischen Menschen und anderen Spezies gab es in beide Richtungen; genauso wie Frauen junge Tiere stillten, kamen Tiere zum Einsatz, um menschliche Babys und Kinder zu säugen. Die Tiere wurden als Ammenersatz für Säuglinge verwendet, besonders nachdem die Zunahme der Syphilis das gesundheitliche Risiko erhöhte, da durch das Stillen die Krankheit übertragen werden konnte.

In Europa setzte man in den Findelhäusern des 18. und 19. Jahrhunderts häufig Ziegen und Esel ein, um die verlassenen Kinder zu ernähren. Tiere wiederum wurden von Frauen aus gesundheitlichen Gründen gestillt - um beispielsweise die Brustwarzen abzuhärten und den Milchfluss zu verbessern - oder auch für religiöse und kulturelle Zwecke.

Terrakottababyflaschen aus dem dritten Jahrtausend v. Chr., die in Sumer gefunden wurden, gelten als ein Hinweis darauf, dass Kinder, die damals nicht gestillt wurden, tierische Milch erhielten, vermutlich die von Kühen. Es ist möglich, dass einige Kinder auch direkt von laktierenden Tieren gesäugt wurden, dies war eine Alternative zum Stillen durch Ammen.

Mythologie und historische Beispiele

Soweit nicht andere stillende Frauen zur Verfügung standen, war es für eine Mutter, die nicht genug Muttermilch hatte, wahrscheinlich, dass sie ihr Kind verlor. Um dies zu verhindern, setzte man Tiere wie Esel, Kühe, Ziegen, Schafe oder Hunde ein. Direktes Säugen war dabei dem Melken vorzuziehen, da es beim Melken zu Verunreinigung durch Mikroben kommen konnte. Dies führte häufig zu tödlichen Durchfallerkrankungen.

Das Säugen von menschlichen Säuglingen durch Tiere ist ein wiederholtes Thema in der klassischen Mythologie. Am bekanntesten ist die Sage um die legendären Gründer von Rom - die Zwillinge Romulus und Remus -, die als Kinder von einer Wölfin gesäugt worden sein sollen; porträtiert mit der Kapitolinischen Wölfin, einer lebensgroßen Bronzefigur einer Wölfin, die Romulus und Remus säugt. Der griechische Gott Zeus soll von der Nymphe Amaltheia mit der Milch einer Ziege aufgezogen worden sein; porträtiert wurde dies verschiedentlich: einmal wird der Gott von einer Ziege gesäugt oder die Nymphe brachte ihm die Milch der Ziegen. Auch Telephos, der Sohn des Herakles, soll von einem Reh gesäugt worden sein.

Mehrere berühmte antike historische Figuren wurden angeblich von Tieren gesäugt: Kyros I. soll von einem Hund gesäugt worden sein, während Stuten angeblich Krösus, Xerxes und Lysimachos säugten. Geschichten von verlassenen Kindern, die durch tierische Mütter wie Wölfinnen und Bärinnen aufgezogen wurden, waren in Europa vom Mittelalter bis in die Neuzeit weit verbreitet. Ein wirklicher Fall war der von dem wilden Peter von Hameln, der 1724 in Norddeutschland gefunden wurde.

Der Glaube an die Übertragung von Eigenschaften

Der Glaube, dass tierische Eigenschaften über die Milch übertragen werden konnten, war weit verbreitet. In den Lehren des Koran wird davon abgeraten, Babys tierische Milch zu geben, basierend auf der Annahme, dass dadurch tierische Züge übertragen werden könnten, während der Talmud es erlaubt, dass Kinder von Tieren gesäugt werden, wenn das Wohl des Kindes dies verlangt. Auch von Muttermilch gab es die Annahme, dass diese Charaktereigenschaften überträgt.

Die Rolle der Ziege als Ammenersatz

Ziegen wurden häufig genutzt, um menschliche Säuglinge und Kleinkinder zu säugen. Von den Khoikhoi im südlichen Afrika wurde berichtet, dass diese ihre Babys auf die Bäuche der weiblichen Ziegen binden, so dass diese es ernähren konnten. Im 18. und 19. Jahrhundert war es in Europa weit verbreitet, Ziegen als Alternative zu menschlichen Ammen zu verwenden, da sie leichter zu bekommen und billiger waren als Ammen, auch galten sie als sicherer, da es weniger wahrscheinlich war, dass die Ziegen im Gegensatz zu menschlichen Ammen Krankheiten übertrugen.

Dies war eine gut eingeführte Praxis in den ländlichen Gebieten von Frankreich und Italien; Pierre Brouzet, der Leibarzt von Ludwig XV. von Frankreich beschrieb, wie er einige Bauern gesehen habe „die keine anderen Ammen, außer Mutterschafe hatten, und diese Bauern waren so stark und kräftig wie die anderen.“ Im Jahre 1816 hörte der deutsche Schriftsteller Conrad A.

Medizinische Anwendungen und Mythos

Ein wichtiger Grund Ziegen zum Säugen von Babys zu verwenden war der Versuch, Säuglingen mit angeborener Syphilis, die diese Erkrankung durch ihre Mütter übertragen bekommen hatten, zu heilen. Die Ziegen wurden mit einer flüssigen Verbindung aus Quecksilber gefüttert - wenn diese sie nicht trinken wollten, wurde Honig als ein Weg der Verschleierung des metallischen Geschmacks empfohlen - oder das Quecksilber wurde in die Blutbahn der Ziegen aufgenommen, über eine absichtlich zugefügte Wunde am Bein des Tieres, welche mit einer quecksilberhaltigen Salbe abgedeckt wurde. Man nahm an, dass das Quecksilber bei den Ziegen akkumulieren würde und über die Milch an die syphilitischen Babys weitergegeben werde, wenn diese an den Zitzen dieser Ziegen gesäugt werden würden.

In Frankreichs Heimen für Findelkinder wurde eine große Anzahl von Ziegen gehalten, sie galten als weniger problematisch als die Unterschichtfrauen, welche ansonsten kamen, um die Säuglinge zu stillen. In einigen Institutionen brachten die Pflegerinnen die Säuglinge zu den Ziegen, anderswo kamen die Ziegen zu den Kindern. Alphonse Le Roy beschrieb, wie Ziegen im Jahre 1775 im Findelhaus in Aix verwendet wurden: „Die Krippen sind in einem großen Raum in zwei Reihen angeordnet. Jede Ziege, die zum Säugen kam, kam meckernd herein und stöberte das ihr anvertraute Baby auf, entfernte die Abdeckung mit ihren Hörnern und spannte sich über die Krippe, um das Baby zu säugen.“ Im Irland des 19.

Tierische Milch und ihre Rolle in der Ernährung

Die Praxis des Stillens von Tieren durch den Menschen ist historisch bezeugt und wird nach wie vor auch heute von manchen Kulturen praktiziert. Die Gründe für diese Praxis sind vielfältig: Junge Tiere werden gesäugt, um die Brüste einer Frau zu leeren, um die Laktation anzuregen, um gute Brustwarzen zu entwickeln, um Empfängnis zu verhindern usw.

Beispiele für Mensch-Tier-Stillen

Ein Beispiel für diese Praxis stammt aus England: Als die Schriftstellerin Mary Wollstonecraft 1797 nach der Geburt ihrer zweiten Tochter durch Kindbettfieber im Sterben lag, ordnete der Arzt an, dass Welpen auf ihre Brüste gelegt wurden, um die Milch abzuziehen, eventuell auch mit der Absicht, dadurch ihre Gebärmutter so zu kontrahieren, dass die infizierte Plazenta, die sie langsam vergiftet, abgestoßen wurde. In ähnlicher Weise empfahlen englische und deutsche Ärzte zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert mit Welpen die Milch in Brüsten der Mutter „abzuziehen“.

Es gibt auch religiöse und zeremonielle Gründe für das Stillen von Tieren: die heilige Veronica Giuliani (1660-1727), eine italienische Nonne und Mystikerin, war bekannt dafür ein Lamm zu sich ins Bett zu nehmen und zu säugen, als Symbol für das bekannte Lamm Gottes. Die japanischen Ainu opfern für ein jährlich stattfindendes Bärenfest einen Bären, welcher zuvor eingefangen, aufgezogen und von den Frauen gestillt worden ist.

Auch wurden Tiere allgemein als „Milch-Geschwister“ für Kleinkinder verwendet, um die Brustwarzen abzuhärten und die Laktation aufrechtzuerhalten. In Persien und der Türkei wurden Welpen für diesen Zweck verwendet. Auch in den Vereinigten Staaten wurde dies im frühen 19. Jahrhundert praktiziert; so empfahl der Arzt William Potts Dewees im Jahr 1825, dass ab dem achten Monat der Schwangerschaft, die werdenden Mütter regelmäßig mit einem Welpen ihre Brustwarzen abhärteten, die Sekretion ihrer Brust verbesserten und dadurch Entzündungen der Brüste vorbeugten. Die Praxis scheint um 1847 in Ungnade gefallen zu sein, als Dewees vorschlug, dass eine Krankenschwester oder ein anderer Fachmann für diese Aufgabe eher geeignet sei als ein Tier.

Indigene Völker der ganzen Welt haben viele Arten von Tieren für denselben Zweck verwendet.

Die Zusammensetzung und Anpassung von Säugetiermilch

Auf unserer Erde gibt es über 4200 Arten von Säugetieren. Säugetiere sind Wirbeltiere, die Haare oder Fell haben, Warmblüter sind und deren Weibchen ihre Jungen mit ihrer Milch säugen.

Die Milch von allen Säugetieren enthält Wasser, Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Mineralien, Vitamine, zelluläre Bestandteile und Abwehrstoffe. Aber jede Art produziert eine Milch, die sich qualitativ von der Milch anderer Arten unterscheidet und perfekt an das Wachstum und die Entwicklung der Jungen der jeweiligen Art angepasst ist.

Die Zusammensetzung der Milch hängt von der Wachstumsrate der Art ab. Frauenmilch hat wenig Eiweiß und wenig Fett. Säugetiere mit hohem Fettgehalt in der Milch haben in der Regel Jungtiere, die schnell eine dicke Fettschicht bilden müssen, um sie vor Kälte zu schützen. Säugetiere mit hohem Proteingehalt in der Milch haben dagegen Jungtiere, die schnell wachsen müssen und in kurzer Zeit ausgewachsen sind. Menschen gehören mit zu den am langsamsten wachsenden Arten aller Säugetiere.

Art % Protein % Fett
Mensch 0,9 3,8
Zwergmeerkatze 2,1 3,0
Ziege 2,9 4,5
Kuh 3,4 13,7
Afrikanische Elefant 4,0 5,0
Schwarzbär 7,0 25,1
Mausohrfledermaus 8,5 15,8
Kegelrobbe 9,2 59,8
Hauskatze 10,6 10,8
Blauwal 11,9 40,9
Hausmaus 12,5 27,0

Ein wichtiges Merkmal aller nicht-menschlichen Säugetiere ist, dass sie ihre Jungen solange säugen, bis diese in der Lage sind, unabhängig von der Mutter zu überleben. Gesäugt zu werden ist die entscheidende Brücke zwischen Kindheit und Erwachsensein.

Unterschiedliche Stillmethoden bei Säugetieren

Das weibliche Schnabeltier säugt, obwohl es keine Brust oder Zitze hat. Die Brustdrüsen befinden sich unter dem Brustkorb des Muttertiers. Die Jungen drücken mit ihrem weichen, biegsamen Schnabel gegen den Brustkorb der Mutter und lecken dann die heraustropfende Milch von ihrer Haut und ihren Haaren ab.

Wale müssen ihre schnittige, hydrodynamische, effiziente Körperform bewahren. Die Milchdrüsen der Weibchen befinden sich daher unter ihren dicken Fettschichten. Diese innerliche Lokation schützt die Milch auch vor Kälte. Das Jungtier stößt gegen diesen Bereich und die Milch - so dick wie Sahne - spritzt heraus. Ein Grauwalbaby kann am Tag 80 Pfund Walmilch trinken.

Nilpferde werden unter Wasser geboren und säugen auch unter Wasser. Die Mutter steckt ihren Kopf ins Wasser und hebt ihr Neugeborenes zum Atmen an die Oberfläche. Dann taucht das Baby wieder unter, findet die Zitze und saugt, während es instinktiv die Ohren herunterklappt und seine Nüstern verschließt. Alle 20 - 40 Sekunden bewegt es sich rasch zur Wasseroberfläche, um zu atmen und zu schlucken.

Soziale Stillpraktiken und extreme Stillperioden

Weibliche und junge Löwen leben gemeinsam in einem Rudel. In dem Rudel kümmern sich alle Löwinnen um alle Jungen. Anders als die meisten anderen Säugetiere säugt jede Löwin auch jedes fremde Junge. Eine schlafende Löwin, die die ganze Nacht über auf der Jagd war, kümmert sich nicht weiter darum, welche Jungen bei ihr trinken. Weil alle Rudelmitglieder so eng miteinander verwandt sind, hilft die Löwin der Familie, indem sie auch die Jungen der anderen säugt.

Eine Mützenrobbe lebt ungefähr 30 Jahre, verbringt aber nur 4 Tage damit als Jungtier gesäugt zu werden und Kind zu sein. Dies ist die kürzeste Säugephase aller Säugetiere. Mützenrobben leben im Meer, müssen jedoch außerhalb des Wassers gebären und säugen. Die einzige vorhandene feste Fläche sind schwimmende Eisschollen. Die Jungen werden genau zu dem Zeitpunkt geboren, wenn das Eis anfängt zu schmelzen und zerbricht. Ein plötzlicher Sturm kann die Eisschollen übereinander werfen und Mütter und Jungtiere verletzen. Oder eine Eisscholle kann zerbrechen und die Mütter und ihre Jungen könnten getrennt werden. Durch die kurze Kindheit werden diese Risiken verringert.

Orang-Utans werden 7 Jahre lang von ihrer Mutter gesäugt, von ihr am Körper getragen und schlafen mit ihr gemeinsam - mit eine der längsten Säugephasen von allen Säugern. Die Jungen bleiben bei ihren Müttern mindestens bis ein neues Baby geboren wird. Männliche Orang-Utans begeben sich dann allein auf Wanderschaft, während die weiblichen Tiere noch einige Zeit bei der Mutter bleiben und beobachten können, wie ein Baby versorgt wird. Sie sind ausgesprochene Akrobaten und säugen häufig während sie nur mit einer Hand und einem Fuß an einem Ast herabhängen.

Junge Säugetiere werden entwöhnt, wenn die Mutter erneut trächtig ist oder sich auf die nächste Tragzeit vorbereitet. In westlichen Kulturen der Menschen wird heute dagegen, die Vorbereitung auf eine Wiederaufnahme der Berufstätigkeit außerhalb des Hauses, als häufigster Grund für das Abstillen genannt.

Tierrechte und die Debatte um Milchkonsum

Milch ist eines der wenigen Tierausbeutungsprodukte, die tatsächlich ein Nahrungsmittel darstellen. Wenn auch nicht für Menschen. Die Ausbeutung nichtmenschlicher Tiere zur Gewinnung von tierlicher Muttermilch zerstört nicht nur das Leben der Elterntiere, sondern produziert und vernichtet unentwegt Nachkommen. In einem schier undurchbrechbar wirkenden Kreislauf werden Säugetiere geschwängert, damit sie Kinder bekommen und die für diese bestimmte Milch dann von Menschen gestohlen und verkauft werden kann. Fühlende Individuen werden zu Produktionsmaschinen. Abläufe mechanisiert, optimiert, maximiert. Weltweit wird jährlich mehr Milch produziert als die gesamte Biomasse der Menschen auf der Welt. Wenn wir nicht alle mit diesem Bild sozialisiert wären, würde es wirken wie aus einer völlig überzogenen Science-Fiction-Dystopie.

Viele Menschen glauben, Milch sei gesund und natürlich oder Kühe gäben immer Milch. Muttermilch ist gesund, jedoch nur im Säuglingsalter und nur von der eigenen Art. Kuhmilch ist für den Organismus von Kälbern vorgesehen und nicht für Menschen geeignet. Zudem müssen die Kälber ihren Müttern weggenommen und getötet oder getrennt für die Milchproduktion aufgezogen werden. Da Kühe, wie alle Säugetiere, nur dann Milch geben, wenn sie Nachkommen zur Welt gebracht haben, werden sie jedes Jahr künstlich befruchtet. Die Kälber werden ihnen nach der Geburt weggenommen, was für die sozialen und sensiblen Tiere traumatisch ist. Die weiblichen Nachkommen sind ebenfalls zu einem Leben als Gebärmaschine verdammt, in einem Kreislauf aus Befruchtung, Schwangerschaft, Geburt und Milchproduktion. Nach etwa drei Monaten werden die Muttertiere erneut befruchtet.

Aufgrund der unnatürlich hohen Milchleistung, auf die sie gezüchtet wurden, leiden sie meist an Euterentzündungen sowie an Bein- und Klauenkrankheiten. Gewöhnlich lässt die Milchleistung nach vier bis fünf Geburten nach. Da die Kühe dann nicht mehr genug Profit einbringen, werden sie geschlachtet. Kühe geben den Menschen weder ihre Milch noch ihre Kälber freiwillig. Damit die Milch für Menschen verwertbar wird, müssen die Kälber ihren Müttern weggenommen werden. Da die männlichen Kälber naturgemäß keine Milch geben, sind sie für die Milchindustrie nicht nutzbar. Neben der Erzeugung von klimaschädlichen Treibhausgasen führt die Rinderhaltung für die Milchproduktion zu ähnlichem, massenhaftem Leid wie in der Fleischindustrie.

Die etwa 4.300.000 „Milchkühe“, die in Deutschland leben, verbringen den Großteil ihres Lebens in riesigen Ställen oder auf von Fäkalien verseuchten Plätzen, die kaum mehr Raum bieten, als der eigene Körper zum Stehen oder Liegen braucht. Kühe und Kälber werden in Käfigen, Ställen oder Boxen oft so beengt gehalten, dass sie sich kaum umdrehen können. Die Milchkuh auf der Weide ist die Ausnahme. Die meisten werden in der Stallhaltungsform „Laufstall Gülle“ und etwa 30 Prozent in Anbindehaltung gehalten. In der Biohaltung ergeht es den Kühen und Kälbern meist nicht besser. Auch sie werden gezüchtet, um eine möglichst hohe „Milchleistung“ zu erbringen und ebenfalls nach wenigen Jahren, meist noch im Jugendalter, zum Schlachter gebracht.

Auch viele „Biokühe“ verbringen ihr Leben an Stricken oder Ketten im Stall. Bei dem Konsum von Biomilch bleibt das grundlegende Problem zudem weiter bestehen: Der Wert des Lebens der Tiere bemisst sich nur nach der ökonomischen Verwertbarkeit ihrer Körper. Die Gründe und die Form ihrer Existenz ergeben sich allein aus dem Zweck für die Menschen. Ihr Recht auf Leben und Unversehrtheit, ihre Bedürfnisse nach sozialen Bindungen und eigenständigen Mutter-Kind-Beziehungen, ohne Willkür und Gewalt, werden weiterhin ignoriert.

Das Verfügen über Lebewesen, seien es menschliche oder nichtmenschliche Tiere, deren Züchtung, Manipulation, Kontrolle und Nutzung sowie die Missachtung ihrer Interessen bleiben bestehen. Lebewesen werden zu „Nutztieren“, weil ihnen diese Bezeichnung und Funktion vom Menschen aufgedrückt werden. Diese sind veränderbar und keine Tatsachen. Gewohnheit und Geschmack können das lebenslange Leiden und die grausame Tötung unzähliger Individuen nicht rechtfertigen. Tiere sind keine Ware, keine Lebensmittel und kein „Nutzvieh“, sondern individuelle, leidensfähige Lebewesen mit eigenen Interessen und vielfältigen Bedürfnissen. Ernährung ist längst keine Privatsache mehr, sondern betrifft zwangsläufig immer andere, deren Interessen berücksichtigt oder verletzt werden. Jeder Mensch entscheidet sich bei seinem Konsum für oder gegen Leiden, Schmerzen und Tod.

Es gibt weit gesündere Kalzium- und Proteinquellen als Kuhmilch: Samen, Nüsse, grünes Gemüse, Tofu oder pflanzliche Milchsorten. In fast allen Supermärkten sind inzwischen Milch, Sahne und Jogurt auf pflanzlicher Basis zu finden.

  • Milchkonsum über das Säuglingsalter hinaus ist unter den Säugetieren nicht vorgesehen. Fähigkeit abnimmt, Laktose zu verdauen.

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