Die häufigsten Geburtsverletzungen bei Mutter und Kind

Die Geburt eines Kindes ist ein einzigartiges Erlebnis - emotional und körperlich intensiv. Während viele Frauen eine natürliche Geburt ohne größere Komplikationen erleben, kann es dennoch zu Geburtsverletzungen kommen. Diese Verletzungen entstehen, wenn das Gewebe während der Geburt stark gedehnt oder sogar eingerissen wird. Doch wie häufig treten solche Verletzungen auf, und welche Faktoren beeinflussen das Risiko? Welche Arten von Geburtsverletzungen gibt es, und wie können sie behandelt und gelindert werden? Nicht jede Frau erleidet eine Geburtsverletzung, aber sie sind dennoch häufig. Manche Verletzungen heilen innerhalb weniger Tage, während andere eine intensivere Nachsorge erfordern.

Illustration des weiblichen Beckens mit Darstellung der Dammregion

Geburtsverletzungen bei der Mutter

Bei einer vaginalen Geburt kann es zu verschiedenen Verletzungen im Bereich der äußeren und inneren Genitalien der Mutter kommen. Während sich der Muttermund öffnet, bleibt der restliche Geburtsweg eng, und das umliegende Gewebe wird dadurch stark belastet. Manche Verletzungen verlaufen nahezu unbemerkt, andere hingegen führen zu spürbaren Beschwerden und Schmerzen. Ob und in welchem Ausmaß Geburtsverletzungen auftreten, hängt von mehreren Faktoren ab.

Faktoren, die das Risiko für Geburtsverletzungen erhöhen

  • Narbengewebe aus früheren Geburten
  • Die Dehnbarkeit des Damms
  • Die Lage des Kindes (etwa Beckenendlage)
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Psychische Belastungen wie Geburtsangst
  • Eine sehr schnelle Geburt („Sturzgeburt“)
  • Die Geburt in Rückenlage
  • Ein großer Kopfumfang oder breite Schultern des Kindes
  • Geburtshilfliche Eingriffe wie Zange, Saugglocke, Dammschnitt oder der Kristeller-Handgriff

In vielen Fällen kommen mehrere dieser Faktoren gleichzeitig zusammen, was die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung zusätzlich steigert.

Häufige Geburtsverletzungen bei der Mutter

Der Dammriss

Der Dammriss ist eine der häufigsten Verletzungen während einer vaginalen Geburt. Er entsteht, wenn das Gewebe zwischen Vagina und After während der Geburt überdehnt wird und einreißt. Rund 8 von 10 Frauen tragen eine Geburtsverletzung davon, und Dammrisse sind die häufigste größere Verletzung durch eine Geburt. Die meisten Verletzungen sind harmlos und schnell wieder verheilt.

Dammrisse werden je nach Ausmaß in vier Schweregrade eingeteilt:

  • Grad 1: Oberflächlicher Hautriss der Vaginal- oder Dammhaut. Wird je nach Situation unter lokaler Betäubung genäht oder heilt von allein.
  • Grad 2: Betrifft Haut und Muskulatur im Dammbereich. Der Schließmuskel ist intakt. Wird in der Regel unter lokaler Betäubung genäht.
  • Grad 3: Der Schließmuskel ist angerissen.
  • Grad 4: Der Schließmuskel ist durchtrennt und zusätzlich ist die Darmschleimhaut betroffen.

Trotz Vorsorge kommt es bei etwa 40 Prozent aller spontanen Geburten zu einem Dammriss, der meist mit einem stechenden Schmerz und einem brennenden Gefühl während der Geburt einhergeht. Die Verletzung entsteht in dem Moment, in dem das Gewebe dem Dehnungsdruck durch den kindlichen Kopf nicht mehr standhält. Bestimmte Gebärpositionen wie die Hocke, der Vierfüßlerstand oder kniende Haltungen können den Druck auf den Damm reduzieren und einem Riss vorbeugen. Auch eine langsame Austreibungsphase unter Anleitung der Hebamme kann helfen, das Risiko zu senken.

Begünstigende Faktoren für einen Dammriss sind Erstgebärende, große Kinder über vier Kilogramm oder ein sehr großer Kopfumfang. Auch ungünstige Kindslagen sowie geburtshilfliche Eingriffe wie Saugglocken- oder Zangengeburten können ihn begünstigen. In schweren Fällen kann sogar der Schließmuskel des Afters betroffen sein.

Der Dammschnitt (Episiotomie)

Ein Dammschnitt wird in manchen Fällen medizinisch durchgeführt, um Platz für das Baby zu schaffen oder Komplikationen zu vermeiden. Ein Dammschnitt ist eine gezielte Erweiterung des Geburtskanals durch Hebamme oder Ärzt:in. Früher wurde der Dammschnitt deutlich häufiger durchgeführt. Die aktuelle S3 Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, keinen routinemäßigen Dammschnitt vorzunehmen. Er wird heute nur noch in medizinisch begründeten Ausnahmefällen angewendet - nach sorgfältiger Abwägung und strenger Indikation.

Risse im Bereich der Scheide und Schamlippen

Neben dem Damm können auch die Scheidenwand oder die äußeren Schamlippen (Labien) einreißen. Ein Scheidenriss betrifft die Vaginalschleimhaut. Ein Labienriss betrifft die Schamlippen, ein Klitorisriss die Klitoris. Schamlippenriss und Klitorisriss treten häufig gemeinsam auf und werden durch intensives Pressen sowie hohen Druck ausgelöst. Sie führen zu starken Blutungen und Schmerzen und müssen in der Regel genäht werden, um Beschwerden wie brennenden Schmerz beim Wasserlassen zu verhindern.

Zervixriss und Uterusruptur

Ein Zervixriss (Verletzung des Gebärmutterhalses) ist selten. Er entsteht meist durch zu frühes und starkes Pressen bei gleichzeitig schneller Muttermundöffnung. Solche Verletzungen führen zu starken Blutungen und müssen schnell medizinisch versorgt werden. Die Uterusruptur ist eine sehr seltene, aber gefährliche Komplikation: Dabei reißt die Gebärmutterwand, häufig infolge einer ungünstigen Kindslage. Typisch sind starke Schmerzen im Unterbauch und starke Blutungen bei gleichzeitiger Wehentätigkeit. Es handelt sich um einen medizinischen Notfall, der sofort chirurgisch versorgt werden muss.

Kaiserschnittnarbe

Auch nach einem Kaiserschnitt gibt es Verletzungen, denn der Körper muss nicht nur die Bauch- und Gebärmutterwunde, sondern auch die hormonellen Umstellungen verarbeiten. Eine Kaiserschnittnarbe ist eine Geburtsverletzung. Dabei gibt es eine von außen sichtbare Narbe, und zusätzlich wurde die Gebärmutterwand eröffnet und wieder vernäht.

Heilung und Pflege von Geburtsverletzungen bei der Mutter

Die Heilung von Geburtsverletzungen erfordert Geduld und sorgfältige Pflege. Die Narbe braucht ca. 5 bis 6 Wochen zur vollständigen Heilung. Kleinere Risse (1. & 2. Grades) heilen in der Regel innerhalb von 2 bis 4 Wochen, abhängig von der individuellen Wundheilung. Größere Verletzungen (3. & 4. Grades) erfordern eine intensivere Nachsorge und können eine operative Versorgung benötigen.

Folgende Maßnahmen unterstützen die Heilung:

  • Eine sorgfältige Wundhygiene ist essenziell, um Infektionen vorzubeugen und die Heilung zu unterstützen. Lufttrocknung kann helfen, die Wundheilung zu beschleunigen.
  • Sitzbäder haben eine beruhigende und entzündungshemmende Wirkung und fördern die Durchblutung im Heilungsbereich. Kamille oder Eichenrinde wirken antibakteriell und helfen, Reizungen zu lindern.
  • Kühlende Anwendungen wie Quarkwickel oder Kühlpads helfen gegen Schwellungen.
  • Schmerzen können besonders in den ersten Tagen nach der Geburt auftreten. Eine regelmäßige Narbenmassage mit Mandelöl oder Johanniskrautöl kann helfen, das Gewebe weicher zu machen und Verklebungen zu lösen.
  • Enge Kleidung und synthetische Stoffe vermeiden, da diese Reibung erzeugen und das Narbengewebe zusätzlich reizen können.

Auch das Stillen ist trotz Geburtsverletzungen möglich. Allerdings kann das Stillen in den ersten Tagen Nachwehen verstärken, da das Hormon Oxytocin die Gebärmutterkontraktionen fördert.

In seltenen Fällen kann es zu Narbenverhärtungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Beckenbodenproblemen kommen. Regelmäßiges Beckenbodentraining und eine gezielte Narbenpflege können langfristig helfen.

Infografik zu den vier Graden von Dammrissen

Geburtsverletzungen beim Baby

Geburtsverletzungen beim Neugeborenen entstehen meist durch die natürlichen Kräfte, die während der Wehen und der Entbindung auf den kleinen Körper wirken. In der Regel sind diese Verletzungen harmlos, heilen von selbst und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Schwerere Verletzungen sind sehr selten und treten vor allem im Zusammenhang mit instrumentellen Geburten, etwa durch eine Zange oder Saugglocke, auf.

Verletzungen des Kopfes

Kopfverformungen sind keine Verletzung, aber die Eltern können darüber besorgt sein. Die Verformung bezieht sich auf eine normale Veränderung der Kopfform des Babys, die durch Druck auf den Kopf während der Entbindung entsteht. Da die Schädelknochen noch nicht starr fixiert sind, verlängert sich der Kopf, während er durch den Geburtskanal gedrückt wird. Dadurch kann das Baby einfacher den Geburtskanal passieren. Die Verformung wirkt sich nicht auf das Gehirn aus und verursacht auch keine Probleme, die behandelt werden müssten. Die Kopfform wird über mehrere Tage nach und nach wieder rund.

Geringfügige Kopfverletzungen sind die häufigste Verletzung während der Entbindung. Die dabei auftretenden Schwellungen und Blutergüsse an der Kopfhaut sind harmlos und bilden sich innerhalb weniger Tage vollständig zurück. Es können Kratzer auf der Kopfhaut entstehen, wenn Instrumente (wie auf der Kopfhaut befestigte Überwachungselektroden oder Zangen oder Saugglocken) während der vaginalen Entbindung verwendet werden.

Ein Kephalhämatom ist eine Blutansammlung zwischen den Schädelknochen und dem Periost (der Knochenhaut). Das Blut ist auf den Bereich eines Schädelknochens begrenzt und überquert nicht die so genannte Schädelnaht (Sutur). Kephalhämatome fühlen sich weich an und können nach der Geburt weiter wachsen. Sie verschwinden nach Wochen oder Monaten von selbst und müssen so gut wie nie behandelt werden. Allerdings sollten sie von einem Kinderarzt untersucht werden, wenn sie rot werden oder Flüssigkeit aus ihnen austritt. Gelegentlich trocknet ein Teil des Blutes ein (verkalkt) und hinterlässt einen harten Knoten in der Kopfhaut.

Ein subgaleatisches Hämatom ist eine Ansammlung von Blut zwischen dem Periost und der am tiefsten gelegenen Schädelplatte. Blut in diesem Bereich kann sich ausbreiten und ist nicht auf eine Fläche begrenzt, wie das Kephalhämatom. Sie kann zu einem massiven Blutverlust und Schock führen, der eine Bluttransfusion erforderlich macht. Ein subgaleales Hämatom kann durch den Einsatz einer Zange oder einer Saugglocke verursacht werden oder die Folge eines Problems mit der Blutgerinnung sein.

Es kann zum Bruch (Fraktur) eines Schädelknochens vor oder nach der Entbindung kommen. Schädelfrakturen treten weniger häufig auf. Solange der Schädelknochen nicht eingedrückt ist (Depressionsbruch), heilt der Knochen für gewöhnlich ohne Behandlung schnell wieder.

Schema der Schichten des Schädels mit Darstellung eines Kephalhämatoms

Verletzungen von Haut und Weichgewebe

Auf der Haut des Neugeborenen können nach der Geburt leichte Verletzungen zu sehen sein, besonders auf der Kopfhaut, aber auch an anderen Stellen, die während der Wehen starkem Druck ausgesetzt waren oder zuerst durch den Geburtskanal austraten. Die für die Entbindung benötigten Instrumente, wie die Zange, können die Haut verletzen. Bei Neugeborenen, die mit dem Gesicht voran geboren werden, kann es zu Schwellungen und Blutergüssen um die Augen und im Gesicht kommen, und bei einer Steißgeburt im Genitalbereich. Diese Verletzungen müssen nicht behandelt werden.

Der Einsatz von Instrumenten während der Entbindung und der Stress für das Neugeborene (z. B. durch Neugeborenen-Asphyxie) kann das Fettgewebe unter der Haut verletzen (die sogenannte subkutane Fettgewebsnekrose beim Neugeborenen). Diese Hautverletzung kann in Form von geröteten, festen Erhebungen an Rumpf, Armen, Hüften und Pobacken sichtbar werden. Diese Art von Verletzung heilt für gewöhnlich innerhalb von Wochen oder Monaten von selbst aus.

Blutung in und um das Gehirn (Intrakranielle Blutungen)

Blutungen in und um das Gehirn (intrakranielle Blutungen) werden durch die Verletzung eines Blutgefäßes innerhalb des Schädels hervorgerufen. Diese Verletzungen sind die Folge von:

  • Ernstzunehmende Erkrankungen beim Neugeborenen, die die Blut- und Sauerstoffzufuhr zum Gehirn unterbinden
  • Ein Problem mit der Blutgerinnung
  • Eine Frühgeburt erhöht das Risiko einer intrakraniellen Blutung.

Manchmal tritt ein intrakranielles Hämatom nach einer normalen Entbindung bei einem insgesamt gesunden Neugeborenen auf. Die Ursache für die Blutungen sind in solchen Fällen unbekannt. Diese Blutungen im Gehirn kommen relativ häufig bei sehr unreifen Frühgeburten vor. Neugeborene mit Blutungsstörungen (wie etwa Hämophilie) tragen ebenfalls ein höheres Risiko für Hirnblutungen.

Die Blutung kann an mehreren Stellen in und um das Gehirn auftreten:

  • Subarachnoidalblutung: Eine Blutung unter der inneren der beiden Membranen, die das Gehirn umgeben. Dies ist die häufigste Art der intrakraniellen Blutung bei Neugeborenen, normalerweise bei Säuglingen, die voll ausgetragen wurden. Neugeborene mit einer Subarachnoidalblutung können während der ersten 2 bis 3 Tage ihres Lebens gelegentlich an Apnoe (Atemaussetzern), Krampfanfällen oder Lethargie leiden, aber in der Regel geht es ihnen am Ende wieder gut.
  • Subduralhämatom: Eine Blutung zwischen den inneren und mittleren Gewebeschichten, die das Gehirn umhüllen. Es tritt dank der verbesserten Entbindungstechniken heute viel seltener auf. Ein subdurales Hämatom kann einen erhöhten Druck auf die Gehirnoberfläche ausüben. Neugeborene mit einem Subduralhämatom können Störungen wie z. B. Krampfanfälle entwickeln.
  • Epiduralhämatom: Eine Blutung, die sich zwischen der Außendecke (Dura Mater) des Gewebes, welches das Gehirn bedeckt (Meningen) und dem Schädel bildet. Ein Epiduralhämatom kann durch einen Schädelbruch verursacht werden. Wenn das Hämatom den Druck im Gehirn erhöht, können sich die weichen Stellen zwischen Schädelknochen (Fontanellen) aufwölben. Neugeborene mit einem Epiduralhämatom können an einer Apnoe oder Krampfanfällen leiden.
  • Intraventrikuläre Blutung: Eine Blutansammlung in Gehirnbereichen, die normalerweise mit Flüssigkeit gefüllt sind (Ventrikel).
  • Intraparenchymale Hämorrhagie: Tritt im Hirngewebe selbst auf. Eine intraventrikuläre Blutung und eine intraparenchymale Hämorrhagie treten normalerweise bei sehr unreifen Frühgeburten auf und sind eher auf ein unterentwickeltes Gehirn als auf eine Geburtsverletzung zurückzuführen.

Die meisten dieser Blutungen verursachen keine Symptome. Starke Blutungen können jedoch zu Apnoe oder einer bläulichgrauen Verfärbung der Haut führen, oder aber der gesamte Körper des Neugeborenen hört auf, normal zu funktionieren. Neugeborene mit starken Blutungen, besonders mit Blutungen, die ins Parenchym reichen, haben eine schlechte Prognose. Kleinere Blutungen überstehen sie jedoch in der Regel ohne weiteren Schaden.

Neugeborene mit einer Blutung müssen auf eine Neugeborenen-Intensivstation (NICU) gebracht werden, damit Tests mit bildgebenden Verfahren (wie z. B. CT-Scan oder MRT) durchgeführt, sie überwacht und unterstützende Versorgung (wie Wärme), Infusionen über die Vene (intravenös) und andere Behandlungen gegeben werden können, die sie zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen benötigen.

Nervenverletzungen

Nervenverletzungen können vor oder während der Entbindung auftreten. Diese Verletzungen verursachen in der Regel eine Schwächung der Muskeln, die vom verletzten Nerv gesteuert werden. Nervenverletzungen können entstehen im:

  • Gesichtsnerv: Schiefer Gesichtsausdruck
  • Plexus brachialis: Arm- und/oder Handschwäche
  • Zwerchfellnerv (selten): Atembeschwerden
  • Rückenmark (selten): Lähmung

Andere Nerven, wie der Speichennerv (Nervus radialis) im Arm, der Ischiasnerv im Kreuz oder der Nervus obturatorius im Bein können ebenfalls während der Entbindung verletzt werden. Die meisten Kinder erholen sich vollständig von diesen Verletzungen.

Verletzung des Gesichtsnervs

Eine Verletzung des Gesichtsnervs liegt vor, wenn das betroffene Neugeborene schreit und sein Gesicht schief (asymmetrisch) aussieht. Diese Verletzung wird durch Druck auf den Nerv verursacht, aufgrund der Art wie der Fötus im Mutterleib vor der Geburt gelegen hat, der Tatsache, dass der Nerv während der Entbindung gegen das Becken der Mutter gepresst worden war, oder einer Entbindung mithilfe einer Zange. Eine Behandlung der Gesichtsnervenverletzung ist nicht erforderlich, und die Muskelschwäche bildet sich innerhalb von 2 bis 3 Monaten zurück. Allerdings kann eine Gesichtsnervenschwäche manchmal auch durch eine angeborene Erkrankung und nicht durch eine Verletzung verursacht sein und geht dann nicht einfach von selbst zurück.

Verletzung des Plexus brachialis

Der Plexus brachialis ist eine Gruppe von großen Nerven, die zwischen Hals und Schulter liegen und zu jedem Arm führen. Während einer schweren Entbindung kann einer oder beide Arme des Babys gestreckt werden und die Nerven des Plexus brachialis verletzt werden und zu einer teilweisen oder ganzen Schwäche oder Lähmung des Arms oder der Hand des Babys führen. Eine Schwächung der Schulter oder des Ellbogens wird als Erb-Lähmung bezeichnet und eine Schwächung der Hand und Handgelenke als Klumpke-Lähmung. Etwa die Hälfte der Fälle von Verletzungen des Plexus brachialis tritt bei schwierigen Entbindungen auf, unter anderem von großen Babys, und etwa die andere Hälfte bei Babys ohne Probleme bei der Entbindung. Verletzungen des Plexus brachialis treten seltener bei Babys auf, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen.

Damit sich die Nerven regenerieren können, sollten jedoch extreme Schulterbewegungen vermieden werden. Viele leichtere Verletzungen geben sich nach wenigen Tagen wieder. Bei einer schwereren Verletzung, oder wenn diese mehr als 1 bis 2 Wochen andauert, wird eine Physio- oder Ergotherapie für eine Richtigstellung und sanfte Bewegung des Arms empfohlen. Stellt sich nach ein bis zwei Monaten keine Besserung ein, empfehlen die Ärzte in der Regel eine Abklärung des Babys durch einen pädiatrischen Neurologen und/oder Orthopäden in einer Kinderspezialklinik, damit geklärt werden kann, ob eine Operation von Nutzen wäre.

Verletzung des Nervus phrenica

Manchmal wird der Zwerchfellnerv verletzt, was zu einer Zwerchfelllähmung auf der entsprechenden Seite führt. Bei dieser Verletzung kann das Neugeborene unter Atembeschwerden leiden und benötigt manchmal Atmungsunterstützung. Eine Verletzung des Zwerchfellnervs heilt für gewöhnlich innerhalb von wenigen Wochen von selbst vollständig aus.

Knochenverletzungen

Knochen können vor und während der Entbindung brechen (Fraktur), selbst bei einer normalen Entbindung. Eine Fraktur des Schlüsselbeins (Klavikula) ist der am häufigsten vorkommende Knochenbruch während der Geburt. Manchmal werden diese Frakturen erst mehrere Tage nach der Geburt entdeckt, wenn sich ein Gewebeklumpen um die Fraktur gebildet hat. Neugeborene mit Schlüsselbeinfrakturen sind manchmal reizbar und bewegen den Arm auf der betroffenen Seite möglicherweise nicht. Diese Frakturen müssen nicht behandelt werden, aber wenn es dem Säugling weh tut, wenn sein Arm auf der Seite des gebrochenen Schlüsselbeins bewegt wird, kann der Arzt empfehlen, die Armbewegung beim Wickeln einzuschränken. Er ist nach wenigen Wochen von allein vollständig ausgeheilt. Seltener sind Brüche von Oberarm oder Oberschenkel. Auch diese heilen in der Regel gut und erfordern manchmal nur eine Ruhigstellung mittels Schiene.

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Geburtsverletzungen verringern - Was hilft wirklich?

Geburtsverletzungen lassen sich nicht immer vollständig vermeiden. Bestimmte Maßnahmen während der Schwangerschaft und unter der Geburt können das Risiko jedoch deutlich verringern. Ziel ist es, Körper und Geist optimal auf die Geburt vorzurufen und dem natürlichen Verlauf Raum zu geben.

Vorsorge während der Schwangerschaft

  • Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen bei Ihrem Gynäkologen sind essenziell.
  • Beckenbodenmuskulatur: Ein starker Beckenboden ist ebenfalls ein zentraler Faktor zur Vermeidung von Verletzungen. Beckenbodentraining vor und während der Schwangerschaft fördert die Elastizität und Stabilität des Gewebes.
  • Himbeerblättertee: Wird traditionell eingesetzt, um den Dammbereich und Beckenboden elastischer zu machen und gleichzeitig die Muskulatur der Gebärmutter zu lockern. Ab der 34. bis 36. Schwangerschaftswoche kann er getrunken werden - allerdings nur nach Rücksprache mit der Hebamme oder dem Arzt.
  • Dammmassagen: Ab der 34. Schwangerschaftswoche können regelmäßige, sanfte Massagen mit speziellen Ölen das Gewebe weicher und geschmeidiger machen. Eine ähnliche Funktion erfüllt der sogenannte Epi-No - ein „Dehnungsballon“. Allerdings ist die Wirksamkeit beider Methoden wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.
  • Vaginale Dampfbäder oder Sitzbäder: Etwa mit Heublumen oder Lindenblüten - sind eine weitere Möglichkeit, den Dammbereich ab der 38. Woche vorzubereiten. Die Wärme kann die Durchblutung fördern und das Gewebe lockern.

Während des Geburtsvorgangs

  • Gedämpftes Licht, eine warme und sichere Atmosphäre und das Gefühl von Selbstbestimmung können Ängste reduzieren und die Geburt erleichtern.
  • Freie Wahl der Geburtsposition: Hocken, Knien oder der Vierfüßlerstand können den Druck auf den Damm reduzieren.
  • Langsame Austreibungsphase unter Anleitung der Hebamme kann helfen, das Risiko zu senken.

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