Die Frage, wann und wie man Kindern den Schnuller abgewöhnt, beschäftigt viele Eltern. Ein Schnuller ist für viele Kleinkinder ein wichtiger Begleiter, der beruhigt und beim Einschlafen hilft. Doch ab einem bestimmten Alter kann die weitere Nutzung negative Auswirkungen auf die Zahngesundheit und Kieferentwicklung haben. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Schnullerentwöhnung, von den Gründen bis hin zu praktischen Tipps und Ritualen, die den Abschied erleichtern können.
Warum das Schnuller abgewöhnen wichtig ist
Das Saugen ist ein natürlicher Reflex, der Babys nicht nur zur Nahrungsaufnahme dient, sondern auch zur Beruhigung und Selbstregulation. In den ersten Lebensmonaten ist der Schnuller ein nützliches Hilfsmittel, das sowohl dem Kind als auch den Eltern Entlastung verschafft. Jedoch kann eine dauerhafte und exzessive Nutzung des Schnullers, insbesondere nach dem zweiten Lebensjahr, zu Problemen führen.
Auswirkungen auf Zähne und Kiefer
Aus zahnmedizinischer Sicht sollte der Schnuller spätestens mit drei Jahren abgewöhnt werden. Eine übermässige Nutzung kann zu Zahnfehlstellungen, wie einem offenen Biss, und zu Kieferverformungen führen. Glücklicherweise bilden sich diese Verformungen, die ausschliesslich durch den Schnuller verursacht wurden, in der Regel innerhalb weniger Monate nach der Entwöhnung von selbst zurück. Dennoch ist es ratsam, die Nutzung frühzeitig zu reduzieren, um langfristige Schäden zu vermeiden.
Beeinträchtigung der Sprachentwicklung
Ein dauerhaft im Mund befindlicher Schnuller kann die natürliche Sprachentwicklung beeinträchtigen. Die Zunge liegt nicht in ihrer natürlichen Position am Gaumen, was sowohl die Artikulation als auch die Entwicklung von Sprachlauten erschweren kann. Leichte Sprachstörungen wie Lispeln können ebenfalls die Folge sein.
Der richtige Zeitpunkt für die Schnullerentwöhnung
Es gibt kein universell "richtiges" Alter für die Schnullerentwöhnung. Die Entscheidung hängt von der individuellen Entwicklung des Kindes und der familiären Situation ab. Grundsätzlich gilt:
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) rät, mit der Entwöhnung ab dem achten Lebensmonat zu beginnen.
- Das Saugbedürfnis nimmt bei den meisten Kindern mit dem zweiten Geburtstag ab.
- Spätestens bis zum dritten Geburtstag sollte der Schnuller vollständig abgewöhnt sein, um dauerhafte Schäden zu vermeiden.
- Die Autonomiephase (Trotzphase), die etwa mit zwei Jahren beginnt, kann die Entwöhnung erschweren.
Es ist ratsam, eine Phase der Ruhe in der Familie zu wählen, um die Entwöhnung anzugehen. Stressige Zeiten wie die Kita-Eingewöhnung, die Ankunft eines Geschwisterchens, Umzüge, Krankheit oder Urlaub sind in der Regel ungünstige Zeitpunkte.

Methoden und Tipps zur Schnullerentwöhnung
Die Entwöhnung sollte schrittweise und mit viel Verständnis für die Bedürfnisse des Kindes erfolgen. Ein plötzliches Entziehen des Schnullers ist selten erfolgreich und kann zu unnötigem Stress führen.
Schrittweise Reduktion
Eine gängige Methode ist die schrittweise Reduktion der Schnullerzeit:
- Schnuller nur in Ausnahmesituationen: Beginnen Sie damit, den Schnuller nur noch in wirklichen Belastungssituationen oder zum Einschlafen anzubieten. Die Nutzung sollte so selten und kurz wie möglich sein. Verweisen Sie dabei immer wieder auf ein Kuscheltier als Alternative.
- Der Schnuller wohnt im Bett: Beschränken Sie die Nutzung des Schnullers auf das Bett. So lernt das Kind, dass der Schnuller nur noch zum Schlafen und Ausruhen gedacht ist. Tagsüber kann das Kuscheltier oder die eigene Selbstständigkeit für Trost sorgen.
- Vorbereitung auf den Abschied: Sprechen Sie mit Ihrem Kind über den bevorstehenden Abschied vom Schnuller. Machen Sie das Thema zur Normalität, indem Sie immer wieder darüber sprechen.
Rituale und Hilfsmittel
Viele Eltern greifen auf verschiedene Rituale zurück, um den Abschied vom Schnuller zu erleichtern:
- Die Schnullerfee: Ein beliebtes Ritual, bei dem die Schnullerfee in der Nacht die Schnuller abholt und im Gegenzug ein kleines Geschenk hinterlässt.
- Der Schnullerbaum: Eine Tradition aus Dänemark, bei der die Kinder ihre Schnuller feierlich an einen Baum hängen. Dies kann Kindern helfen, den Abschied symbolisch zu vollziehen, da sie den Baum jederzeit besuchen können.
- Weitergabe an Babys: Erklären Sie Ihrem Kind, dass Babys den Schnuller dringender benötigen und die Schnuller der älteren Kinder an die Kleinsten weitergegeben werden. Das gemeinsame Verpacken und Verschenken kann das Ritual feierlicher gestalten.
- Bücher und Geschichten: Es gibt zahlreiche Kinderbücher, die sich mit dem Thema Schnullerentwöhnung befassen. Das gemeinsame Lesen kann dem Kind helfen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und zu verstehen, dass auch andere Kinder den Schnuller abgeben.
- "Unbequemer" Schnuller: Eine Methode, den Schnuller unattraktiv zu machen, ist das Einstechen des Gummianteils, sodass er schlaff wird, oder das schrittweise Kürzen mit einer Schere.
- Ersatzobjekte: Bieten Sie Alternativen wie ein Kuscheltier, eine Schmusedecke oder einen Beißring an, um das Saugbedürfnis zu ersetzen.
- Neue Einschlafrituale: Führen Sie neue, beruhigende Rituale vor dem Schlafengehen ein, wie ein warmes Bad, Schlaflieder oder eine Gutenachtgeschichte.
Die Rolle der Eltern bei der Schnullerentwöhnung
Die Haltung der Eltern ist entscheidend für den Erfolg der Schnullerentwöhnung. Kinder spüren, wenn Eltern von ihrem Vorhaben überzeugt sind. Es ist wichtig, geduldig zu sein, das Kind ernst zu nehmen und es in den Prozess einzubeziehen. Klare Kommunikation und konsequentes Handeln sind essenziell.
Wichtigkeit von Geduld und Unterstützung
Die Entwöhnung kann ein langer Prozess sein, der Rückschläge mit sich bringen kann. Kleine Rückschläge sind kein Grund zur Verzweiflung. Ermutigung, Lob und viel Liebe sind wichtige Begleiter. Bieten Sie Ihrem Kind Trost und Unterstützung an, wenn es den Schnuller schmerzlich vermisst. Wenn Ihr Kind merkt, dass es den Schnuller nicht mehr braucht, ist die Akzeptanz höher. Es ist wichtig, dass die Eltern konsequent bleiben und das Kind nicht alleine lassen, besonders in schwierigen Situationen.
Zusammenarbeit mit Fachleuten
Bei Schwierigkeiten kann es hilfreich sein, sich mit anderen Eltern auszutauschen oder den Kinderarzt oder Kinderzahnarzt zu konsultieren. Diese können wertvolle Tipps geben und auf individuelle Bedürfnisse eingehen.
