Eine Fehlgeburt ist für werdende Eltern ein schmerzhaftes und trauriges Ereignis. Aus Vorfreude wird jäh Trauer und Hilflosigkeit. In der Gesellschaft ist das Thema Fehlgeburt zudem leider noch zu häufig mit einem Tabu belegt. Dieser Artikel bietet grundlegende Informationen zu diesem sensiblen Thema, einschließlich medizinischer Beschreibungen und Definitionen, die für Betroffene distanziert wirken können. Sollte die Thematik negative Reaktionen hervorrufen, ist es ratsam, sich direkt mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Hebamme auszutauschen oder eine Beratungsstelle aufzusuchen.

Gründe für eine Fehlgeburt
Die allermeisten Fehlgeburten sind so früh, dass die Schwangere es gar nicht bemerkt. Bei bestätigten Schwangerschaften kommt es in etwa 11 bis 15 Prozent der Fälle zu Fehlgeburten. Ungefähr 80 Prozent der Fehlgeburten finden im ersten Drittel der Schwangerschaft - also bis zur 12. Woche - statt.
Häufige Ursachen in den ersten Schwangerschaftswochen
In den ersten 12 Wochen sind Unregelmäßigkeiten in den Erbanlagen von Eizelle oder Spermium bei über der Hälfte der Fälle die Ursache. Ein Grund kann auch sein, dass sich die Eizelle nicht richtig in die Gebärmutter eingenistet hat oder nicht richtig versorgt wird. Diese meist chromosomalen Schädigungen machen schätzungsweise 60 bis 80 % der Fehlgeburten in den ersten Schwangerschaftswochen aus. Der Embryo wächst nicht weiter, es ist kein Herzschlag nachweisbar oder die Fruchthöhle wurde leer, also ohne Embryo, angelegt.
Weitere Ursachen für eine Fehlgeburt
Weitere Ursachen können Fehlbildungen an der Gebärmutter, gutartige Knoten am Gebärmuttermuskel - sogenannte Myome, hormonelle Störungen oder Erkrankungen des mütterlichen Immun- oder Blutgerinnungssystems sein. Ab einem Alter von 35 Jahren spricht die Medizin von einer sogenannten Risikoschwangerschaft, hier steigt das Risiko von Komplikationen und für Fehlgeburten. Chronische Erkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenstörungen, Bluthochdruck und starkes Übergewicht erhöhen ebenfalls die Gefahr einer Fehlgeburt. Bestimmte Infektionen während der Schwangerschaft können dazu führen, dass die Fruchtblase vorzeitig platzt und Wehen zu früh ausgelöst werden. Infektionen, wie Malaria oder Cytomegalovirus, können bis zu 15 Prozent der frühen und 66 Prozent der späten Fehlgeburten ausmachen. Probleme mit der Gebärmutter, wie Myome, Polypen und strukturelle Veränderungen, können das Wachstum des Fötus beeinträchtigen. Ebenso haben Frauen, die an einer milden Endometriose leiden, ein fast doppelt so hohes Risiko für eine Fehlgeburt. Eine Muttermundschwäche (Zervixinsuffizienz) kann das Gewicht des Babys nicht halten und birgt das Risiko einer Fehlgeburt. Vernarbungen können die Funktion zusätzlich stören. Störungen an Plazenta oder Nabelschnur können dazu führen, dass der Fötus nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird, was seine Entwicklung gefährden kann. Der Konsum von Suchtmitteln wie Alkohol, Nikotin oder Drogen wie Cannabis, LSD oder Kokain kann zu schwerwiegenden Entwicklungsstörungen führen. Starker emotionaler Stress oder frühere Fehl- oder Totgeburten belasten die Psyche und können sich negativ auf die Schwangerschaft auswirken.

Was ist der Unterschied zwischen einer Fehlgeburt und einer Totgeburt?
Eine Fehlgeburt wird in der medizinischen Fachsprache „Abort“ genannt. Von einem Abort spricht medizinisches Personal, wenn das Kind bis zur 24. Schwangerschaftswoche im Mutterleib stirbt, bevor es ein Gewicht von 500 Gramm erreicht hat. Das ist auch die Grenze, bei der das Kind trotz moderner Technik nicht außerhalb des Mutterleibs lebensfähig wäre. Danach handelt es sich um eine Totgeburt oder „stille Geburt“. Der Begriff „Frühgeburt“ bezeichnet Babys, die zwischen der 24. und 37. Woche lebend geboren werden, oder die kurz nach der Geburt versterben.
Symptome einer Fehlgeburt
Kommt es zu Komplikationen während einer Schwangerschaft, gehen diese oft mit von Unterleibsschmerzen begleiteten Blutungen einher. Die häufigsten Symptome einer beginnenden und nicht mehr aufhaltbaren Fehlgeburt sind ungewöhnlich starke oder verfrüht einsetzende Blutungen und krampfähnliche Unterbauchschmerzen. Andere Komplikationen, die früh erkannt werden, können unter Umständen behandelt werden und eine Fehlgeburt verhindern. Zögern Sie also nicht, bei Unwohlsein oder einem der folgenden Symptome eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen:
- Ziehen im Unterleib
- Krampfartige Unterbauchschmerzen
- Fieber oder Schüttelfrost, generelles Unwohlsein
- Trüber vaginaler Ausfluss
- Schmerzen im unteren Rückenbereich
Bei einer frühen Fehlgeburt (bis zur 12. Schwangerschaftswoche) können die Symptome leicht mit einer normalen Periode verwechselt werden: Blutungen, die stärker als gewohnt sind und manchmal Gewebeteile enthalten; krampfartige Schmerzen im Unterbauch, ähnlich wie bei Regelschmerzen; plötzliches Nachlassen von Schwangerschaftssymptomen wie Übelkeit oder Brustspannen.

Was passiert bei einer Fehlgeburt?
Entweder die Schwangerschaft endet überraschend, begleitet von Blutungen und krampfartigen Schmerzen, oder es wird bei einer Ultraschall-Untersuchung festgestellt, dass das Herz des Kindes nicht mehr schlägt. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt entscheiden dann gemeinsam mit der Patientin über die notwendige Behandlung. Die möglichen Behandlungen hängen auch davon ab, wie weit die Schwangerschaft bereits fortgeschritten war.
Fehlgeburt im ersten Schwangerschaftsdrittel
Wie oben geschrieben sind die allermeisten Fehlgeburten so früh, dass die schwangere Person es gar nicht bemerkt. In den ersten vier Wochen der Schwangerschaft unterscheidet sich der Abgang der befruchteten Eizelle in der Regel nicht von einer normalen Monatsblutung. Auch nach der vierten Woche kann der Körper den Embryo und den Mutterkuchen von allein ausstoßen. Wenn die Patientin den Prozess beschleunigen möchte, starke Blutungen oder andere Komplikationen auftreten oder Gewebereste in der Gebärmutter verbleiben, kann unter Vollnarkose eine sogenannte Ausschabung (Abrasio uteri, Kürettage) durchgeführt werden. Alternativ ist auch die schonendere Absaugung (Saugkürettage) möglich, oder es können Medikamente gegeben werden. Letztlich entscheiden die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit der Patientin über den Zeitplan und die angewandte Methode.
Fehlgeburt im zweiten Schwangerschaftsdrittel
Wenn das Kind im zweiten Schwangerschaftsdrittel verstirbt, ist es für die oben genannten Behandlungsmethoden schon zu groß. Daher muss das verstorbene Kind auf natürlichem Weg oder per Kaiserschnitt geboren werden. Die Geburt kann durch die Gabe von künstlichen Hormonen eingeleitet werden. Wenn keine medizinischen Bedenken dagegensprechen, ist es auch möglich, in Absprache mit der betreuenden Ärztin, dem Arzt oder der Hebamme eine gewisse Zeit abzuwarten, bis die Wehen ohne Medikamente einsetzen. Ab der 14. Schwangerschaftswoche wird meist medikamentös eine vaginale Geburt eingeleitet, die in der Klinik oder mit der Hebamme zu Hause stattfinden kann. Dies kann trotz aller Traurigkeit ein heilsames, friedliches Erlebnis sein, wenn Frauen gut begleitet und betreut sind.

Mutterschutz nach einer Fehlgeburt
Ende 2024 hat der Bundestag eine Änderung des Mutterschutzgesetzes beschlossen, die am 1. Juni 2025 in Kraft trat. Ein Teil der Änderung ist die Möglichkeit, auch nach einer Fehlgeburt Mutterschutz in Anspruch zu nehmen. Bei einer Fehlgeburt ab der 13. Schwangerschaftswoche sind zwei Wochen Mutterschutz möglich. Ab der 17. Schwangerschaftswoche beträgt der Mutterschutz sechs Wochen und ab der 20. Woche gilt eine Schutzfrist von 12 Wochen. Betroffene im Angestelltenverhältnis haben nach einer Fehlgeburt derzeit erst ab SSW 23+0 Mutterschutz, oder wenn das Kind bei der Geburt mehr als 500 Gramm wiegt. Wird das Kind früher lebend geboren und verstirbt kurz darauf, erhalten sie ebenfalls Mutterschutz. Bekommt eine Frau vor der 24. Schwangerschaftswoche die Diagnose, dass das Herz ihres Kindes nicht mehr schlägt, hat sie derzeit nur die Möglichkeit, sich krankschreiben zu lassen. Möglicherweise ändert sich das jedoch bald.
Abschied nehmen und Trauerbewältigung
Eine Fehlgeburt ist nicht einfach zu verarbeiten. Daher ist es für manche Eltern wichtig, Abschied nehmen zu können. Es gibt kein allgemeingültiges Rezept mit der Trauer nach einer Fehlgeburt umzugehen. Doch niemand muss dieses einschneidende Erlebnis mit sich selbst ausmachen. Manche Eltern finden Trost darin, mit Freundinnen, Freunden oder Verwandten über das Erlebte zu sprechen. Entbindungspflegerinnen und -pfleger oder Hebammen können ebenfalls zur Nachbetreuung zur Seite stehen. Ein weiterer Schritt kann sein, sich an Selbsthilfegruppen zu wenden oder professionelle psychologische Betreuung zu suchen.
Unterstützung für Sternenkind-Eltern
Es ist ein erster Schritt, dass es Eltern von Sternenkindern heute zunehmend ermöglicht wird, Abschied nehmen und trauern zu können. Dass es entsprechende Angebote gibt, wie z. B. psychologische oder seelsorgerische Hilfe direkt vor Ort oder Erinnerungsfotos von ihrem Sternenbaby machen zu lassen. Schon für kleinste Sternenkinder gibt es zum Beispiel Einschlagtücher oder Filznestchen. Ehrenamtliche bereiten auch Notfallkisten mit Kleidung und Erinnerungen vor. Oft bieten Kliniken ebenfalls entsprechende Kleidung oder Nestchen an. Fotos der vergänglichen Augenblicke miteinander sind oft das einzige, was von der kurzen Existenz des Kindes zeugt - und bleiben kann. Sie können deshalb bei der Verarbeitung sehr hilfreich sein. Für diese ersten und letzten Bilder des Kindes kommen Fotografinnen und Fotografen kostenlos nach Hause oder in die Klinik.
Was Eltern nach einer Fehlgeburt helfen kann
Oft braucht es Zeit, um sich von der bisherigen Vorstellung eines Lebens mit diesem Kind zu verabschieden und die neue Realität ohne Baby zu akzeptieren. Dabei ist es egal, ob die Schwangerschaft in der sechsten oder der 38. Woche unverhofft zu Ende ging: Jede Trauer hat ihre Berechtigung, sobald sie empfunden wird. Schmerz kennt kein Vergleich - und Gefühle haben immer recht. Um mit diesen verschiedenen, unangenehmen Gefühlen besser klarzukommen, sei das Wichtigste, sich etwas Gutes zu tun. Umgeben Sie sich mit Menschen, die hilfreich sind. Tun Sie Dinge, durch die Sie irgendwie auftanken können. Vielleicht viel im Wald spazieren gehen, Tagebuch schreiben, Gitarre spielen, ein Ritual für die Trauer finden, sich einer Selbsthilfegruppe anschließen. Das sei wie eine Art Therapie. Lassen Sie sich dafür ohne schlechtes Gewissen auch länger als zwei Wochen krankschreiben.

Hilfe und Unterstützung finden
Niemand sollte mit dem Verlust allein sein müssen. Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, die Unterstützung bieten.
Beratungsstellen und Organisationen
- pro familia: Bietet bundesweit Beratung zu allen Themen rund um Familie, Sexualität, Kinderwunsch und Schwangerschaft, auch persönliche Beratung durch Ärzt*innen und Psycholog*innen.
- Initiative REGENBOGEN „Glücklose Schwangerschaft“ e.V.: Ein Kreis von betroffenen Eltern, die ein oder mehrere Kinder vor oder kurz nach der Geburt verloren haben. Sie bieten Infomaterial und unterstützen den persönlichen Austausch.
- Fachstelle Kindsverlust: Bietet während Schwangerschaft, Geburt und erster Lebenszeit kostenlose Beratung per Telefon und Begleitung bei und nach Fehlgeburten an.
- Frauenworte e.V.: Bietet im Internetforum Raum für Betroffene, um sich über ihren Verlust auszutauschen, und organisiert Kongresse und Treffen.
- Hopes Angel: Begleitet Eltern nach einer Fehlgeburt, unterstützt bei Entscheidungen und vernetzt mit Hebammen, Krankenhäusern, Bestatter*innen und Gynäkolog*innen. Bietet Erste-Hilfe-Päckchen, Sternenkindfotografie und professionelle Trauerbegleitung.
- MentalStark: Eine Online-Plattform für individuelle Onlineberatung durch spezialisierte Psycholog*innen und Austausch in Online-Gruppen.
- Telefonseelsorge: Bietet anonyme und kostenfreie Beratung per Telefon.
- Verein Tabea e. V.: Bietet Trauerbegleitung für Kinder, Jugendliche und Familien an.
- Verwaiste Eltern und Geschwister Deutschland e. V.
Ärztliche und therapeutische Hilfe
Nach einer Fehlgeburt empfehlen Ärzt*innen in der Regel eine Nachuntersuchung nach 1-2 Wochen. Dabei wird geprüft, ob sich die Gebärmutter vollständig zurückgebildet hat und keine Gewebereste zurückgeblieben sind. Diese Kontrolle erfolgt meist per Ultraschall und ggf. durch eine Blutuntersuchung, bei der der HCG-Wert (Schwangerschaftshormon) gemessen wird. Ein erhöhter HCG-Wert kann darauf hindeuten, dass das Gewebe der Schwangerschaft vollständig abgegangen ist. Bleiben Reste in der Gebärmutter zurück, kann das zu Infektionen oder Blutungen führen. In diesen Fällen muss unter Umständen eine Ausschabung durchgeführt werden.
Der weibliche Körper reagiert individuell. Blutungen können noch 1-2 Wochen anhalten, manchmal länger. Der Zyklus normalisiert sich meist nach 4-6 Wochen. Eine Fehlgeburt kann Gefühle wie Trauer, Schuld, Ohnmacht oder Wut auslösen. Jede Frau, jede*r Partner*in verarbeitet diesen Verlust anders. Es gibt keinen „richtigen“ Weg. Gespräche mit Psychotherapeut*innen oder Trauergruppen können in einer schwierigen Phase entlasten. Eine offene Kommunikation mit der Partnerin oder dem Partner und auch mit Freund*innen oder Angehörigen in der Familie können helfen, Missverständnisse und Einsamkeit zu vermeiden.
Fehlgeburt: Darum sollten wir offener darüber sprechen | Quarks
Kann ich nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden?
Wenn medizinisch nichts dagegenspricht, können Sie bald wieder schwanger werden. Körperlich empfehlen Mediziner*innen meist, 2-3 Zyklen abzuwarten. Emotional ist entscheidend, wann beide Partner*innen sich bereit fühlen. Manche brauchen Monate, andere Jahre. Bei wiederholten Fehlgeburten ist es unbedingt ärztlich abzuklären. Vorher empfiehlt sich ein Gespräch mit Ihrer Hebamme, Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Es ist jedoch individuell sehr verschieden, wann auch mental der richtige Zeitpunkt für eine Folgeschwangerschaft gekommen ist. Eltern müssen dafür selbst in sich hineinspüren. Vielleicht hilft eine erneute Schwangerschaft dann, die Trauer um einen unerfüllten Kinderwunsch zu lindern. Unabhängig davon bleibt oft auch die Trauer um das verlorene Kind noch eine Weile präsent. Dazu kommt bei vielen Frauen die Angst, dass es wieder schief gehen könnte. Diese Angst schwingt womöglich immer mit, sie lässt sich nicht verjagen.
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