Dass ein Kind wenige Wochen oder Tage vor dem errechneten Geburtstermin im Mutterleib stirbt, ist selten, doch es kommt leider vor. Etwa jedes 230. Baby in Deutschland wird tot geboren. Die letzten offiziellen Zahlen vom Statistischen Bundesamt beziehen sich auf das Jahr 2022, in dem 3247 Kinder tot zur Welt kamen. Damit nimmt die Totgeburtenquote in Deutschland seit 2010 tendenziell zu. Auch die aktuelle Erhebung des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung bestätigt diesen traurigen Trend.
Als Totgeburt wird medizinisch und juristisch ein Baby bezeichnet, das nach der 24. Schwangerschaftswoche gestorben ist oder dabei schon mindestens 500 Gramm gewogen hat. Eine Bezeichnung, die viele Betroffene schrecklich finden und deshalb lieber von „Sternenkindern“ oder einer „Stillen Geburt“ sprechen.

Definition und Statistiken
In Deutschland gilt ein Kind als Totgeburt, wenn es bei der Geburt nach der 22. Schwangerschaftswoche keine Lebenszeichen mehr aufweist und mindestens 500 Gramm wiegt. Wenn ein Kind während der Schwangerschaft oder bei der Geburt stirbt und mindestens 500 Gramm wiegt, ist es in der Fachsprache ein „Totgeborenes“. Von 1.000 Geburten kommen in Deutschland ungefähr 2 bis 3 Kinder tot zur Welt. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen - im Verhältnis von 52 zu 48 %.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Totgeburten als fötalen Tod nach 28 Wochen. Weltweit gibt es jedes Jahr fast 2 Millionen Totgeburten. Die Zahl der Totgeburten ist in den westlichen Ländern glücklicherweise rückläufig und liegt im Moment unter 1 %.
Ein im Mutterleib verstorbenes Kind, das bei der Geburt noch keine 500 Gramm wiegt, wird als Fehlgeburt (medizinisch: Abort) bezeichnet. Umgangssprachlich wird oft auch der Begriff „Sternenkinder“ oder „Schmetterlingskinder“ verwendet. Etwa jede dritte Frau ist in ihrem Leben einmal von einer Fehlgeburt betroffen. Fehlgeburten treten in der Frühschwangerschaft, das heißt bis zur 12. Schwangerschaftswoche am häufigsten auf (sogenannter Frühabort).
Mögliche Ursachen für eine Totgeburt
Die Ursachen für den Tod eines ungeborenen Kindes sind vielfältig. Gründe können unter anderem eine unzureichende Versorgung des Kindes durch die Plazenta oder die Nabelschnur sein. Auch Infektionen, Fehlbildungen des Kindes oder ein unerkannter Schwangerschaftsdiabetes können zu einer Totgeburt führen. Manchmal sind die Ursachen einer Totgeburt auch unbekannt.
Probleme bei der Mutter
Die Tatsache, dass die Mütter in Deutschland kontinuierlich älter werden, stellt einen Risikofaktor dar. Das Risiko für genetische Auffälligkeiten des Kindes steigt mit dem Alter der Mutter. Außerdem bekommen ältere Mütter häufiger Diabetes oder haben andere Erkrankungen, die wiederum das Risiko für eine Totgeburt erhöhen.
Weitere Gesundheitszustände der Mutter, die zum Tod des Fötus führen können, sind:
- Präeklampsie (eine Art von Bluthochdruck, der sich während der Schwangerschaft entwickelt) oder Eklampsie
- Verletzungen
- Blutgerinnungsstörungen wie z. B. das Antiphospholipid-Antikörper-Syndrom
- Schlecht eingestellter Diabetes
- Eine schlecht eingestellte Schilddrüsenerkrankung
- Schwere Adipositas (Body-Mass-Index [BMI] von 40 und mehr)
- Konsum von Substanzen wie Kokain, Alkohol oder Tabak
Probleme mit der Plazenta und Nabelschnur
Probleme mit der Plazenta können ebenfalls zum Tod des Fötus führen. Zu diesen Problemen können u. a. folgende gehören:
- Vorzeitige Plazentaablösung (wenn sich die Plazenta zu früh von der Gebärmutterwand löst)
- Eintritt des Blutes vom Fötus in den Blutkreislauf der Mutter
- Ein Nabelschnurvorfall (wenn die Nabelschnur vor dem Baby aus der Scheide austritt)
- Probleme mit der Nabelschnur (z. B. Nabelschnurvorfall oder Knoten)
- Vasa praevia (wenn die Membranen mit den Blutgefäßen, welche die Nabelschnur mit der Plazenta verbinden, quer über der Öffnung des Gebärmutterhalses oder in ihrer Nähe liegen)
- Störungen, welche die Blutzufuhr zum Fötus (und somit Sauerstoff und Nährstoffe) reduzieren
- Eine Infektion der Membranen, die den Fötus umgeben (intraamniotische Infektion)
Probleme beim Fötus
Manchmal stirbt der Fötus, wenn bei ihm eines der folgenden Probleme auftritt:
- Eine Chromosomen- oder Genanomalie
- Anämie (zu wenige rote Blutkörperchen)
- Ein Geburtsfehler
- Eine Schwangerschaft mit mehr als einem Baby (Mehrlingsgeburten)
- Eine Infektion

Diagnose und Behandlung einer Totgeburt
Wenn sich der Fötus nicht mehr bewegt, kann der Verdacht entstehen, dass er gestorben ist, obgleich sich dessen Bewegungen oftmals reduzieren, da dem wachsenden Fötus immer weniger Platz zur Verfügung steht. Gewöhnlich werden Tests zur Beurteilung des Fötus durchgeführt. Diese Tests umfassen das Folgende:
- Non-Stress-Test: Die Herzfrequenz des Fötus wird überwacht, wenn der Fötus still liegt und wenn er sich bewegt.
- Biophysisches Profil: Eine Ultraschalluntersuchung wird durchgeführt, um Echtzeitaufnahmen vom Fötus zu erstellen und diesen zu beobachten. Mit diesem Test kann der Arzt die Menge des Fruchtwassers beurteilen und den Fötus auf Phasen der rhythmischen Atmung, Bewegung und Muskelspannung untersuchen.
Gentests und Blutuntersuchungen werden zur Identifikation der Ursache durchgeführt (z. B. Untersuchungen auf Infektionen, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen und das Antiphospholipid-Antikörper-Syndrom). Die Plazenta und die Gebärmutter werden ebenfalls untersucht. Häufig kann die Ursache nicht festgestellt werden.
Behandlung bei einer Totgeburt
Wenn der tote Fötus nicht ausgestoßen wurde, wird der Frau unter Umständen ein Prostaglandin wie z. B. Misoprostol verabreicht, damit sich der Gebärmutterhals öffnet. Je nachdem, wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten ist, wird ihr danach gewöhnlich Oxytocin verabreicht, ein Medikament, welches das Einsetzen der Wehen anregt.
Wenn die Schwangerschaft weniger als 24 Wochen gedauert hat oder der Fötus relativ klein ist, kann eine Dilatation und Ausschabung (D & A) vorgenommen werden, um den toten Fötus zu entfernen. Wenn Gewebe des Fötus oder der Plazenta in der Gebärmutter zurückgeblieben ist, wird eine Saugkürettage vorgenommen, um es zu entfernen.
Die körperliche Versorgung von Frauen, die eine Totgeburt erlitten haben, ist in der Regel gleich wie nach der Entbindung eines Babys (Wochenbettpflege). Zusätzliche emotionale und soziale Unterstützung ist jedoch erforderlich.
Die Bedeutung des Abschieds und der Trauerbewältigung
Frauen wird geraten, auch bei einer Totgeburt das Kind vaginal zur Welt zu bringen. Es mag zuerst abstrus klingen, nach dieser Schocknachricht auch noch ein totes Kind natürlich zu entbinden. Doch es ist immer ratsam, das Kind vaginal auf die Welt zu bringen. Zum einen ersparen sich die Frauen eine Operation und müssen nicht länger als nötig in der Klinik bleiben. Auch die möglichen Folgen für eine erneute Schwangerschaft und Geburt sind nicht zu unterschätzen. Zum anderen kann eine natürliche Geburt den Frauen bei ihrer Trauerbewältigung helfen. Eine Geburt, die zugleich einen Abschied bedeutet, kann ein wichtiges und tiefes Erlebnis sein.
Der Abschiedsprozess nach einer Stillen Geburt ist sehr wichtig. Den Eltern wird überlassen, wie lange sie ihr Baby bei sich behalten möchten, um sich von ihm zu verabschieden. Das können ein paar Stunden, aber auch mehrere Tage sein. Anschließend kann man das Kind auch nochmal in der Pathologie sehen. Die Eltern sollen niemals dazu gedrängt werden, ihr Baby wieder abgeben zu müssen. Viele entscheiden sich auch dafür, gemeinsam Erinnerungsfotos zu machen.

Unterstützung für betroffene Paare
Eine Totgeburt ist ein traumatisches Erlebnis. Paaren, die von solch einem Schicksalsschlag getroffen wurden, wird geraten, umgehend psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass eine Totgeburt nicht nur die Mütter erschüttert, auch Männer leiden extrem darunter. Kliniken stellen in diesen Fällen Seelsorger und Psychologen bereit, die betroffene Eltern vor und nach der Geburt betreuen. Die Psychologen werden jedoch niemandem aufgedrängt; jeder soll freiwillig entscheiden können, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Gemeinsam mit Psychologinnen und Psychologen können die Eltern Strategien zur Trauerbewältigung entwickeln. Eine therapeutische Begleitung kann den Schmerz nicht nehmen, aber dabei helfen, mit ihm zu leben und nicht in ein Loch zu fallen.
Angst vor einer erneuten Totgeburt
Um Eltern bei einer erneuten Schwangerschaft die Angst vor einer erneuten Totgeburt zu nehmen, ist es wichtig, die Ängste der Betroffenen ernst zu nehmen und mit ihnen darüber zu reden. Deswegen ist es ratsam, bei einer Schwangerschaft nach einer Totgeburt die Vorsorgeuntersuchungen in individuellen und engeren Abständen zu machen. Wenn die Schwangere sagt, sie will öfter eine Ultraschalluntersuchung oder ein CTG machen lassen, weil es ihr ein besseres Gefühl nach dem Erlebten gibt, dann sollte dies nicht abgelehnt werden. Neben einer gynäkologischen Betreuung kann auch eine begleitende Psychotherapie hilfreich sein.
Hilfsangebote und Organisationen
Für betroffene Eltern gibt es verschiedene Hilfsangebote:
- www.veid.de - Bundesverband verwaister Eltern in Deutschland e. V., Leipzig: Der Verband bietet Hilfe für trauernde Mütter, Väter, Geschwister und Menschen, die sie begleiten.
- www.initiative-regenbogen.de - Kontaktkreis für Eltern, die ein Kind durch Fehl-, Früh- oder Totgeburt verloren haben, Rheda-Wiedenbrück.
- Beratungsstellen wie pro familia und TABEA e.V.