Die Entscheidung zum Abstillen, insbesondere wenn ein erneuter Kinderwunsch besteht, ist eine persönliche und oft komplexe Angelegenheit. Viele Mütter stehen vor der Frage, ob und wann der beste Zeitpunkt dafür ist und wie dieser Prozess gestaltet werden kann, um sowohl dem eigenen Wohlbefinden als auch dem des Kindes gerecht zu werden.
Hintergründe und Motivation zum Abstillen
Der Wunsch nach einem zweiten Kind ist für viele Familien ein treibender Faktor, um über das Abstillen nachzudenken. Ärztinnen empfehlen oft, so bald wie möglich abzustillen, um die Fruchtbarkeit zu fördern und den Körper auf eine erneute Schwangerschaft vorzubereiten. Dies liegt daran, dass Stillen die Produktion des Hormons Prolaktin anregt, welches den Eisprung und somit die Menstruation unterdrücken kann. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Stillen keine zuverlässige Verhütungsmethode ist und eine Schwangerschaft auch während der Stillzeit eintreten kann.
Einige Mütter berichten, dass ihr Zyklus erst nach dem Abstillen wieder einsetzte, während andere auch bei fortgesetztem Stillen ihre Periode wiedererlangten. Die individuelle Reaktion des Körpers auf das Stillen und die hormonelle Umstellung nach der Geburt sind sehr unterschiedlich. Es gibt keine pauschale Regel, wann der Zyklus zurückkehrt. Manche Frauen erleben dies bereits nach wenigen Monaten, selbst wenn sie noch häufig stillen, während es bei anderen länger dauern kann.
Ein weiterer Aspekt, der in den Überlegungen zum Abstillen eine Rolle spielt, ist die Möglichkeit einer Kinderwunschbehandlung. Einige Ärzte verweigern Behandlungen, solange die Frau stillt, da dies die Erfolgschancen beeinflussen kann. Die genauen Gründe hierfür sind oft eine Kombination aus der potenziellen Beeinflussung der Fruchtbarkeit durch das Stillen und der Sorge um die Gesundheit des gestillten Kindes, obwohl es selten Belege für schädliche Auswirkungen von Kinderwunschmedikamenten auf gestillte Kinder gibt.
Der Prozess des Abstillens: Vorgehensweisen und Empfehlungen
Wenn die Entscheidung zum Abstillen gefallen ist, gibt es verschiedene Ansätze, wie dieser Prozess gestaltet werden kann. Ein schrittweises Vorgehen wird oft empfohlen, um das Kind langsam an die veränderten Bedingungen zu gewöhnen und emotionale Belastungen zu minimieren.
Schrittweise Reduzierung der Stillmahlzeiten
Ein bewährter Weg ist, mit der Stillmahlzeit zu beginnen, auf die das Kind am ehesten verzichten kann. Dies können beispielsweise Tagesmahlzeiten sein, die durch altersgerechte Beikost oder Flaschennahrung ersetzt werden. Auch das langsame Hinauszögern von Nachtmahlzeiten kann ein erster Schritt sein.
Strategien für das nächtliche Abstillen:
- Kommunikation: Erklären Sie dem Kind altersgerecht, was sich in der Nacht ändern wird.
- Rituale: Etablieren Sie klare Signale oder Rituale, die den Beginn oder das Ende der Stillzeit markieren, wie z.B. das Einschalten eines Radioweckers.
- Langsame Anpassung: Programmieren Sie den Wecker schrittweise später, um die Stillpausen zu verlängern.
- Geduld und Trost: Seien Sie darauf vorbereitet, dass Ihr Kind weinen und traurig sein wird. Bieten Sie ihm Trost und Nähe auf andere Weise.
Es ist wichtig, die Gefühle des Kindes zuzulassen und es in dieser Umstellungsphase liebevoll zu begleiten. Die ersten Nächte können herausfordernd sein, aber mit Ruhe und Konsequenz lässt sich das Ziel oft erreichen.
Alternativen und begleitende Maßnahmen
Manche Mütter entscheiden sich dafür, tagsüber abzustillen und nachts weiterhin zu stillen, besonders wenn das Stillen primär der Nähe und dem Trost dient. Dies kann eine Möglichkeit sein, den Prozess zu erleichtern, während gleichzeitig der Wunsch nach einem Geschwisterkind verfolgt wird.
Die Einführung von alternativen Einschlafhilfen durch den Partner kann ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Wenn das Zubettbringen durch den Papa auch dann gut funktioniert, wenn die Mutter nicht anwesend ist, kann dies die Abhängigkeit vom Stillen reduzieren. Regelmäßige "Oma und Opa Zeiten" oder die Stärkung der Beziehung zu anderen vertrauten Personen können ebenfalls entlastend wirken und dem Kind Sicherheit in Abwesenheit der Mutter geben.

Individuelle Entscheidungen und mögliche Herausforderungen
Die Entscheidung, wann und wie abgestillt wird, ist zutiefst individuell. Faktoren wie das Alter des Kindes, die bisherige Stillbeziehung, der eigene Körper und die familiäre Situation spielen eine entscheidende Rolle.
Herausforderungen können sein:
- Emotionale Bindung: Das Stillen ist oft mehr als nur Nahrungsaufnahme; es ist ein wichtiger Aspekt der Mutter-Kind-Bindung. Ein Abstillen kann für beide Seiten emotional belastend sein.
- Kindergartenstart: Der Beginn der Kita-Eingewöhnung ist oft eine zusätzliche Umstellung für das Kind. Ein gleichzeitiges Abstillen kann die Belastung erhöhen.
- Persönliche Einstellung: Nicht jede Mutter genießt das Stillen uneingeschränkt. Wenn das Stillen als Belastung empfunden wird, ist das Abstillen eine nachvollziehbare Entscheidung.
Es ist ratsam, sich auf das eigene Gefühl zu verlassen und die Entscheidung so zu treffen, dass sie sich für die Familie richtig anfühlt. Die Sorge, dass es nach dem Abstillen noch lange dauern kann, bis sich der Zyklus einpendelt und eine Schwangerschaft eintritt, ist verständlich. Dennoch gibt es viele Frauen, die auch während des Stillens schwanger geworden sind.
Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass das Stillen, insbesondere die nächtlichen Mahlzeiten, oft mehr der Nähe und dem Trost dient als der reinen Nahrungsaufnahme. Wenn das Kind jedoch nach dem Abstillen zu weinen beginnt und Trost sucht, ist es wichtig, alternative Wege der Beruhigung und Zuneigung anzubieten. Das Schaffen von Nähe durch Kuscheln, Vorlesen oder gemeinsames Spielen kann dies ersetzen.
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Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt, um mit dem Abstillen zu beginnen. Einige Frauen warten, bis ihr Kind von selbst das Interesse verliert, andere entschließen sich zum Abstillen, wenn sie sich wieder schwanger fühlen oder wenn die medizinischen Empfehlungen dies nahelegen.
Wenn der Kinderwunsch sehr stark ist und die Fruchtbarkeit möglicherweise durch das Stillen beeinträchtigt wird, kann ein schrittweises Abstillen eine gute Option sein. Dies ermöglicht es dem Körper, sich langsam auf eine erneute Schwangerschaft vorzubereiten, während die Mutter weiterhin eine liebevolle Verbindung zu ihrem Kind aufrechterhält. Die Entscheidung, ob man weiter stillt und trotzdem versucht, schwanger zu werden, oder ob man abstillt, um die Chancen zu erhöhen, kann nur von der Mutter selbst getroffen werden.
Einige Erfahrungsberichte zeigen, dass die Menstruation wenige Wochen nach dem Abstillen wieder einsetzte, während bei anderen Frauen dies nicht unmittelbar der Fall war. Es ist wichtig, Geduld zu haben und sich nicht unter Druck zu setzen.
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